Neulich an der Haustür

*rrrrrrrrrrrrr* (Klingelgeräusch)

„Guten Tag! Hier am Ende der Straße, da ist doch links das große Firmengebäude. Da war vor 17 Jahren die Firma X. Können Sie sich vielleicht noch daran erinnern? Ich hab damals da gearbeitet und wollte die jetzt mal besuchen und da sind die gar nicht mehr da. Wissen Sie, was aus der Firma geworden ist? Wo kann ich die denn jetzt finden? Die scheinen ja schon länger nicht mehr da zu sein. Vielleicht erinnern Sie sich doch auch gar nicht? Ich hatte extra bei Ihnen geklingelt, weil ich dachte, das Haus sieht etwas älter aus.“

„Tut mir leid, von der Firma habe ich noch nie gehört und das ändert sich auch häufiger mal, wer in dem Gebäude ist. Haben Sie’s denn mal im Internet probiert und nach der Firma gegoogelt? Die Chance sie da zu finden, dürfte höher sein.“

„Ach das ist ja mal eine Idee. Das mache ich dann direkt als nächstes.“

Skurril. Wir haben 2015 und es gibt Menschen, die eher auf die Idee kommen, bei Anwohnern zu klingeln und zu hoffen, dass sich jemand an eine Firma erinnert, die vor 17 Jahren ihren Sitz 100 m die Straße runter hatte, als im Internet zu suchen.

Katja

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7 Kommentare zu “Neulich an der Haustür

  1. Wie alt war denn die Person, die bei Dir geklingelt hat? 80? Die ganz alten Herrschaften haben eh kein Internet. Und wie kommt der darauf, dass Du da schon länger als 17 Jahre wohnst?

  2. Ja, wohl wahr, das kann doch hoffentlich nur eine ältere Generation sein…
    Bei meinen Eltern haben immer aleute angerufen und Pizza bestellt, weil deren Telefonnummer anscheinend der einer Pizzeria ähnelt, es hat Monate gedauert, bis es aufhörte und die Anrufer wollten nicht einsehen, dass sie sich verwählt haben 😀

  3. o.k., ich oute mich mal als Schrat: ICH hätte womöglich auch bei den Nachbarn geklingelt! YESS! Vielleicht hat sich der Mensch kurzfristig entschlossen, mal bei seiner alten Firma vorbei zu schauen (sowas könnte mir auch passieren, einfach so, weil Donnerstag ist und ich gerade in der Nähe bin) und womöglich besitzt er kein Smartphone… so wie ICH… und kann gar nicht so mal eben im Inet nachschlagen… Fazit: ICH finde es sehr charmant, nicht immer als erstes das Inet zu nutzen…

    Und nein, Rabea Rabenhaus ist noch lange nicht 80 und zählt beileibe nicht zur „älteren Generation“… und ein gaaanz klein wenig wage ich zu bezweifeln, dass es vorrangig ältere Menschen waren, die bei maike Pizza bestellen wollten 😀

    Liebste Grüße
    Rabea

  4. So skurril finde ich das nicht. Weil ich nämlich auch so eine Geschichte kenne. Da wo meine Mutter und mein Stiefvater leben ändert sich zwar vieles immer schneller und immer mehr ist kurzlebig, aber in der Hauptstraße dieses Großstadtstadtteils, der auch der bevölkerungsreichste der ganzen Stadt ist, waren auch mehrere Geschäfte beinahe 100 Jahre lang ansässig und Generationen von Leuten kannten die. Da kam auch mal jemand und suchte den Uhrmacher, den die Person noch aus der Kindheit kannte. Er war in der Stadt und wollte genau dort seine Uhr neu aufziehen lassen (oder so, ist mir nur erzählt worden). Dieser Mensch klingelte auch wahllos in der Umgebung in der Hoffnung, dass ihm einer helfen konnte (mein Stiefvater und seine Eltern letztlich konnten einen Kontakt vermitteln). Wenn Firma X jetzt nicht so übermäßig bekannt war oder die Person mehr oder weniger zufällig in der Gegend war, dann finde ich es gar nicht so abwegig, dass die Person nie auf Internet gekommen ist. Allerdings auch aus eigener Erfahrung: Es gibt – oder gab – da bei meiner Mutter und meinem Stiefvater einen Lederwarenladen, durch den mir mehrmals weitergeholfen werden konnte was meine persönliche Schatzkiste anbetrifft und es kommt immer wieder vor, dass ich ich mich frage Hat der nicht eventuell doch noch was?. Ich frage auch immer wieder. Da bin ich nicht anders als die Sucher, glaube ich.

  5. Ich finde das auch charmant und sehe das wie Rabea. Allerdings würde ich nie deshlab bei fremden Leuten klingeln. Aber auf der Straße oder in ihrem Vorgarten würde ich außerhalb von Großstädten schon annehmen, dass jemand etwas wissen könnte.

  6. @Silke: Ich schätzte ihn so auf Ende 50 / Anfang 60, also noch gar nicht so alt. Wie er auf die Idee der Wohndauer kommt, weiss ich nicht. Aber zB in dem kleinen Nest aus dem ich stamme – da wohnten fast alle im eigenen Haus und das über Generationen hinweg und es gab nur sehr wenige Mietwohnungen. In meiner damaligen Wahrnehmung war das auch so, dass Leute sehr lange am gleichen Ort im gleichen Haus wohnten. 🙂

    @meike: Da hätte ich möglicherweise einfach irgendwann eine Bestellung aufgenommen. 😀

    @Rabea: Vielleicht ist es tatsächlich gar keine Frage des Alters sondern der Mentalität. Ich bin Menschen gegenüber scheu. Ich käme niemals auf die Idee, bei jemandem zu klingeln, um eine Auskunft zu bekommen, für die es auch nur irgendwie eine Möglichkeit gibt, anders heranzukommen. Und wenn es wirklich die einzige Möglichkeit wäre, Fremde zu befragen, würde ich vermutlich eher auf die Information verzichten.

    Deswegen ist es für mich persönlich skurril, wenn mir so etwas passiert und ich jemandem begegne, für den die andere Herangehensweise so selbstverständlich scheint. Ich habe es auch nicht aufgeschrieben, um den Herrn zu kritisieren – ich hoffe, das ist nicht so angekommen – sondern tatsächlich weil ich darüber gestaunt habe.

    @dergl: Bei einem kleinen Handwerksbetrieb hätte es mich vermutlich nicht so sehr gewundert. Die sind ja nicht so einfach aufzutreiben, oft gar nicht im Web präsent. Die Firma, die der Mann suchte, war aber in einem riesigen Lagerhaus ansässig mit 20 LKW-Ladebuchten – die muss schon eine ordentliche Nummer größer gewesen sein. (Ich habe den Namen leider direkt wieder vergessen, sonst hätte ich längst mal gegoogelt, ob ich die finde.)
    Aber was ich tatsächlich unterschätzt habe ist der Zufallsfaktor und dass er vielleicht gar nicht geplant hatte, nach der Firma zu suchen. Dann ist es ohne Smartphone natürlich sehr viel naheliegender jemanden zu fragen. (Auch hier merke ich wieder, wie anders ich ticke. Ich bin meist viel zu ängstlich für spontane Planänderungen…)

    @WdW: Ich glaube, du hast eine sehr viel romantischere Vorstellung von unseren Viertel als es tatsächlich ist. 😀
    Das ist hier keine idyllische Wohngegend, wo man Menschen in Vorgärten trifft, sondern ein Umfeld wo LKWs ungebremst mit 70, 80 Sachen innerorts durch die Straße und an rechts-vor-links-Kreuzungen vorbeirauschen, weil sie im Zweifel ja die Stärkeren sind. (Alles Gründe für uns, endlich nach einer anderen Wohnung zu suchen.)

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