erkannt

Manchmal denke ich, so schlimm könnte das gar nicht sein, wenn eine der Dystopien wahr wird, in denen nicht mehr Eltern Kinder bekommen, sondern die kleinen Menschen in Nährlösungen in irgendwelchen Retorten heranwachsen und ohne Familien aufgezogen werden. Manchmal denke ich, dann ist wenigstens keine Mutter da, die einen in frühester Kindheit total verkorksen kann, die einen so prägen kann, dass man später Jahre darauf ver(sch)wenden muss, da irgendwie wieder rauszukommen.

Und dann denke ich als nächstes, wie einfach ich es mir doch damit mache, wenn ich immer (noch) so an meiner Kindheit und der Prägung in der Zeit klebe. Ich bin erwachsen, habe lange begriffen, was mit mir los ist, wo das alles herkommt und müsste es doch einfach nur mal auf die Reihe bekommen. Wer hat schon eine gute Kindheit und alle anderen bekommen es doch auch hin. Es liegt alles nur an mir. Zu klein, zu blöd, zu unfähig.

Alles, womit ich in den letzten Monaten auseinandergesetzt habe, alle Versuche, mich selber endlich anzunehmen und damit vielleicht auch all meinen seelischen Ballast loszulassen, kommen mir gerade so weit entfernt vor und die Welle aus Selbsthass zieht mir die Füße unter dem Boden weg.

Dabei ist – eigentlich – gar nichts passiert.

Ich hab auf Twitter rumgealbert, weil ich ein recht krasses Kuchenrezept entdeckt hatte und meine Unfähigkeit / Angst / Feigheit, mich in ‚echt‘ darauf einzulassen, Menschen zu begegnen, die ich im Netz kenne (was ja auch eine sehr simple Lösung für meinen Wunsch wäre, viel häufiger mal für jemanden zu kochen), sorgt nach ein paar Tweets hin und her dafür, dass ich heulend hier sitze und alles in mir schmerzt und schreit.

„Probleme sehen statt Chancen?“ schreibt mir jemand (den ich ziemlich dafür bewundere, dass er genau das umgekehrte Konzept drauf hat) – ich mag’s nicht als Tweet zitieren, weil derjenige ja nicht ahnen konnte, dass mich diese eine Frage so umhauen kann – und beim Lesen krampft sich mein Magen zusammen, der Blick wird eng, der Nacken steif, ich komme nicht gegen die Tränen an, denn genau DAS bzw. so bin ich. Mit meiner elenden Angst vor allem, mit meiner Unfähigkeit einfach mal zu machen, statt vorher über alles nachgrübeln zu müssen, mit meinem ewigen mir selber im Weg stehen – mit jeder meiner Fasern bin ich so.

Und ich kenne mich, ich weiss, dass ich so bin. Ich kenne meine Probleme, meine (falschen) Denkmuster, meine ganzen Schwachstellen. Ich setze mich seit Jahren damit auseinander, kämpfe dagegen an, arbeite an mir… Ich will WILL W-I-L-L nicht so sein und doch bekomme ich die Kurve nicht. Ich komme nicht da raus, kann nicht loslassen, weiss nicht wie und was ich noch machen soll. Ich weiss nicht, wie ich die verdammte Angst ablegen soll. Ich habe keine Ahnung, was ich mit den verfluchten Abers machen soll, die sich turmhoch vor mir aufbauen.

Der Weg, den ich dahingehend schon hinter mir habe, erscheint mir gerade so geschrumpft im Angesicht des „Probleme sehen statt Chancen“… der vor mir endlos lang und mir fehlt das richtige Schuhwerk und wo genau es lang geht, weiss ich auch wieder mal nicht. Und ich will verflucht nochmal nicht immer nur geduldig sein müssen und momentan schon gar nicht mit mir selbst.

Ich merke, wie zerbrechlich all meine Fortschritte an manchen Tagen sind.

Alles in mir fühlt sich gerade wund an.

Katja

 

 

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