Wirre Träume

Ich stehe im Schlafzimmer vor meinem Kleiderschrank mit einem offenen Koffer. Der Mitdings und ich diskutieren, ob wir jetzt überhaupt noch fahren wollen, weil es schon so spät ist. Irgendein Besuch, der auch noch da ist und uns dauernd im Weg rumsteht, hat unsere Pläne durchkreuzt. Der Besuch bleibt ohne Gestalt, als wäre er ausserhalb der Kameraperspektive im Traum, aber ich weiss genau, dass da noch jemand ist und dass es der Besuch ist, über den wir in seiner Anwesenheit reden. Wir beschließen uns die Reise davon jetzt nicht verderben zu lassen und trotzdem noch loszufahren. Ich werfe wahllos Klamotten in den offenen Koffer und es ist wirklich ein gehetztes Werfen.

Nächste Szene: Wir sind angekommen. Eigentlich wollten wir an den Bodensee fahren, in das Haus meiner Oma, wo ich viele Kindheitsurlaube verbracht habe. Ich glaube, das sind wir auch. Als vage Erinnerung ist da ein Bild des Hauses von aussen. Dann sind wir aber drinnen und da sieht es ganz so aus wie mein Elternhaus, in dem ich viele Jahre eine Etage alleine bewohnt hatte. Das Haus steht leer und die denen es jetzt gehört dürfen auch nicht mitbekommen, dass wir dort sind. Wer die sind, weiss ich nicht genau. Ich habe aber irgendwie diffus Angst vor ihnen. Mein altes Wohnzimmer sieht anfangs noch genauso aus wie früher, nur ganz ohne Möbel. Dann merke ich, dass es halb renoviert ist und an der Wand kleben Streifen von grauem Teppichboden.

Ich gehe rüber in die Küche mit Esszimmer. Die in meiner Kindheit eingezogene dünne Trennwand fehlt, es sieht aber nicht aus, als wäre sie eingerissen worden sondern als wäre das immer so gewesen. Im Traum ist mir auch nicht bewusst, dass da eine Wand fehlt. Erst hinterher wach in der Erinnerung an den Traum merke ich das. Auf dem Fußboden, da wo früher der Esstisch stand, liegt eine nackte Männerleiche. Die restlichen Möbel sind hier allerdings genauso erhalten wie sie früher standen, nur der Tisch fehlt. Ein Teil der Küchenzeile steht mitten im Raum, weil die Trennwand ja weg ist. Ich gehe ein Stück dichter an die Leiche ran. Diese ist gefesselt oder vielleicht auch eher eingeschnürt und hat überall offene Wunden. Es erstaunt mich überhaupt nicht, dass die Leiche dort liegt und ich weiss auf einmal, dass wir kurz vorher schon einmal dort in Urlaub gewesen waren und dass sie da auch schon dort lag. Irgendwie gehört sie an diese Stelle auf dem Boden und ich schaue sie versunken an. Ich erkenne den toten Mann allerdings nicht. Er ist groß und hat kurze dunkle Locken.

Plötzlich blinzelt die Leiche. Ich erschrecke und stoße einen Schrei aus. Ich brülle den Mitdings an, ob er das auch gesehen hat und dass das doch gar nicht sein kann, dass ein Toter blinzelt. Der Tote blinzelt nochmal. Mir klopft das Herz bis zum Hals, ich will am liebsten wegrennen, weiss aber nicht wie das geht. Es ist eindeutig klar, dass der Mann nicht mehr lebt, das steht ausser Frage. Ich werde immer hysterischer. Ich frage den Mitdings, wie das denn sein kann, dass ein Toter blinzelt, bin völlig in Aufruhr.

Dann dreht der tote Mann seinen Kopf in meine Richtung und öffnet den Mund um mir zu antworten.

In dem Moment werde ich wach. Mir ist bewusst, dass das ein Traum war, aber sowohl die Bilder sind noch da als auch die Angst. Die bleibt auch noch ewig und ich habe Angst davor, wieder einzuschlafen.

Katja

 

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14 Kommentare zu “Wirre Träume

  1. Hm. Ganz schön gruselig. Liest Du zu viele Krimis?

    BTW: Ich bleibe immer an dem Ausdruck „MitDings“ hängen. Bin ich eigentlich der einzige, der den Ausdruck irgendwie als herabwürdigend empfindet?

    • Ich lese schon recht gerne Krimis, aber selten so aufregende, dass mich das nachhaltig beschäftigen würde. Und Horror, wo blinzelnde Leichen ja eher ansiedelbar wären, gar nicht. Hmm.

      Oh krass! Ich bin gerade ein bisschen bestürzt. Das ist natürlich kein bisschen herabwürdigend gemeint. Die erste Zeit, die ich bloggte, wusste er gar nichts davon und da kam er auch überhaupt nicht hier vor. Das hätte ich seltsam gefunden, quasi hinter seinem Rücken über ihn zu schreiben.
      Die ersten Male als ich ihn dann im Blog erwähnte (und er hier auch schon mitlas), ging es immer um Rezepte oder Reisen und ich schrieb dann ‚Mitesser‘ oder ‚Mitreisender‘ oder ‚Mitleser‘ und irgendwann ging ich zu ‚Mitdings‘ über, weil er natürlich ganz viel mehr ist als ein Mitesser oder Mitreisender und ‚Dings‘ eben all das umfasst. Ich glaube, nein ich bin eigentlich ziemlich sicher, dass ich ihn auch fragte, ob ihm das recht ist und auch, ob ich ihn irgendwie anders nennen soll. Ihm war seinerzeit hauptsächlich wichtig, dass ich seinen Namen nicht nenne, weil der sehr selten ist und ihn erkennbar macht. (Ich schreibe hier auch nichts – mal von so Traumszenen abgesehen – über ihn, ohne ihm das vorher zu zeigen.)
      Ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass man das als negative Wertung sehen könnte. Hmmm. Den Eindruck will ich natürlich auf keinen Fall erwecken.
      Ich war damals vermutlich einfach zu unkreativ und nach ein paar Worten, die mit ‚Mit…‘ begannen, war das das erste umfassendere, das mir in den Sinn kam, um ihm mal einen festen ‚Namen‘ zu geben, wie das in Bloggersdorf ja durchaus üblich ist. Aber herabwürdigend soll der natürlich nicht klingen.
      Puh, darüber muss ich jetzt erst mal nachdenken…

  2. Ja, ach, denk mal nicht zu viel nach. Ich konnte mir schon vorstellen wie es gemeint und gedacht ist. Dennoch bleibe ich dran hängen, weil „Dings“ halt oft was ist, dessen Namen man vergessen hat – vielleicht, weil es nicht so wichtig war. „Mitdings“ wirkt dann wie ein unwichtiges Anhängsel. Aber hey, ich wollte Dich jetzt nicht in eine Krise stürzen, wie gesagt, ich konnte mir denken wie es gemeint ist und vielleicht habe ja auch nur ich so komische Assoziationen. Ich denke ja nicht immer in graden Linien.

    • Naja, auch wenn du nicht in geraden Linien denkst, gibt es ja möglicherweise noch mehr Leute, die das negativ empfinden. Ich bin gerade ehrlich unsicher, weil ich eigentlich versuche, mich möglichst wenig missverständlich auszudrücken.
      Ich weiss, dass ich mir selber auch schwer tue, wenn in Blogs der Freund als ‚Kerl‘ auftaucht. Das hat für mich auch erst mal eine, wenn vielleicht auch nicht abwertende, aber doch wenigstens recht rüde Anmutung. Ich verstehe aber, dass solche wiederkehrenden Bezeichnungen sich einfach einbürgern und auf Blogs nunmal Kinder durchnummeriert statt namentlich erwähnt werden.

      Nachdenken muss ich jetzt schon noch ein bisschen, ob ich versuche, einen besseren Namen zu finden oder ob ich doch darauf bauen mag, dass man aus dem Kontext merken kann, dass da keine Abwertung enthalten ist.

      Der gestern Abend befragte Mitdings schlug scherzhaft ‚Schnubbsihasi‘ vor, ist aber eigentlich mit ‚Mitdings‘ ganz zufrieden. (Dieser Vorschlag macht für mich übrigens das Problem ganz gut sichtbar: Schnubbsihasi ist eigentlich ein knuffiges Wort. Ich würde es allerdings tatsächlich ein bisschen lächerlich u/o albern empfinden, wenn ich meinen Freund auf meinem Blog so bezeichnen würde, was selbst dem knuffigsten Wort eine negative Konnotation geben kann…)

      Wie auch immer, Danke für den Anstoß. Ich möchte – egal ob beabsichtigt oder nicht – anderen ungerne auf den Füßen rumtreten bzw. andere – und schon gar nicht für mich so wichtige Menschen – abwerten und muss da vermutlich noch aufmerksamer werden.

      • Nee, wenn es sowohl für Dich als auch für den Mitdings OK ist, dann ist die angemessene und einzige Reaktion die zu sagen: „Silencer, das ist unsere Art von Humor, komm damit klar.“ 🙂
        – Im Ernst.

      • Aber mal ganz anders im Ernst: hast du echt angenommen, es hätte anders sein und ich ihm den Namen ohne sein Zutun einfach so ‚verpassen‘ können? Hmm hmm hmm. Dann lernt man mich hier in der Tat weniger gut kennen als ich angenommen hätte.

      • Nein, ja gerade nicht. Wie ich oben bereits schrieb konnte ich mir schon denken, dass Du das nicht so meinst und das hinter seinem Rücken und ohne seine Zustimmung tust, da bist Du überhaupt nicht der Typ für. Mein Hirn bleibt beim Lesen halt nur am Ausdruck an sich hängen, weil der nicht positiv besetzt ist. Bitte entschuldige, dass ich das angesprochen habe. Ich wollte nicht, dass Du Dir jetzt darüber zu viele Gedanken oder Sorgen machst.

  3. (Komkretisierung: Der Ausdruck ist in MEINEM Hirn nicht positiv besetzt, ich wollte mit dem Kommentar ursprünglich nur wissen, ob das anderen auch so geht.)

  4. Es gibt da echt keinen Grund dich zu entschuldigen. Ich meinte das sehr ernst mit dem Dank für den Anstoß – eben gerade weil es mir wichtig ist, richtig (oder zumindest nicht grob falsch) verstanden zu werden.
    Und ich finde es wirklich auch immer interessant, wie sehr Sprache und was man versteht oder wie man sich ausdrückt, von den Menschen abhängt, die sie verwenden / wahrnehmen.

    Dings zB ist für mich immer ein positives Wort, das ich dankbar verwende, wenn mein Hirn gerade wieder mal aufgrund von Kaffeemangel oder was auch immer, Wortfindungsaussetzer hat.

    Dass ich mir so viele Gedanken mache, liegt übrigens in mir begründet. Ich mache das immer und über alles. Bitte entschuldige, dass ich dich da gerade so mit reingezogen habe. Dich trifft keine ‚Schuld‘ oder dergleichen, weil ich über etwas nachgrüble. Also keine im negativen Sinne, sondern nur in dem positiven, dass ich dankbar für solche Denkanstöße bin, bei denen ich etwas lerne. 🙂

    • Übrigens fiel mir noch ein Grund ein, weswegen ich wohl gar nicht auf die Idee kam, das Wort ‚Dings‘ könnte so negativ konnotiert sein: Ich hab selber seit meinen Anfangszeiten im Web immer mal ‚Gestreiftes Dingsda‘ als Ausweichnick genutzt und zu Forenzeiten auch oft als Forentitel.
      In dem Online-Spiel, wo ich eine Zeit lang Ingame-Admin war und das ich seit einiger Zeit wieder spiele, hieß eine meiner Heldinnen (man hat dort mehrere Spielfiguren, die alle Namen brauchen) ‚Gestreiftes Dingsda‘ und als wir jetzt wieder anfingen, hat der Freund, mit dem zusammen ich spiele, unsere Gruppe ‚Gestreifte Puschel-Dingsdas‘ genannt.
      Es ist für mich echt so normal, dass es ein tolles Wort ist, dass ich im ersten Moment tatsächlich bestürzt war, dass man das auch ganz anders verstehen kann.

  5. Schön, dass Ihr Euch so einander wertschätzend darüber austauschen könnt. Eine wohltuende Abweichung vom weit verbreiteten Verhalten, einander erst einmal anzuklagen.

    My 2 cents: mir erging es ähnlich wie Silencer, ich selbst würde ungern als „Mitdings“ bezeichnet werden. Ich kenne aber auch das Problem der durchgängigen anynonymen Bezeichnung und finde „Kerl“ z.B. auch nicht die beste Lösung. Mir war aber immer klar, dass Du es nicht herabwürdigend meintest. Es klingt für mich eben nur ein wenig distanziert.

    „Schnubbihasi“ wäre mir persönlich auch nicht angenehm 😀 und würde in vielen Zusammenhängen auch albern klingen.

    Nufs „Kind 1.0, 2.0 und 3.0“ fand ich immer amüsant, aber ich weiss nicht, ob das auch alle gut finden.

    Letztlich ist Dein Weg, den anderen zu fragen und etwas für Dich stimmiges zu finden, der beste, liebste Katja.

    OT: Durch den Zusatz von „Puschel“ wird jedes Dingsa natürlich kolossal aufgewertet. 😀

    • Danke liebste Welt, ich empfinde solchen Austausch auch bereichernd. Mein Eindruck ist, dass das besser funktioniert, wenn es den Beteiligten darum geht, richtig zu verstehen bzw. verstanden zu werden und nicht darum, in irgendeiner Weise Recht zu haben. 🙂

      Danke auch für deine Sicht! Ich hab natürlich noch ein bisschen mit dem Mitdings gemeinsam überlegt und er meinte auch, dass wir ‚Dings‘ vermutlich wirklich ungewöhnlich häufig und auch mit ungewöhnlich positiver Deutung benutzen. Auf jeden Fall sehr spannend, diese Sache mit der Sprache und wie wenig neutral Worte doch sind. Kein Wunder, dass Menschen einander dauernd missverstehen. Wir haben das hier dauernd, weil wir Worte teils auch in ganz unterschiedlicher Bedeutung nutzen (und das nach so langer Zeit noch…).

      Ich überlege jetzt tatsächlich immer noch, ob mir eine andere gute Bezeichnung für Schnubbsihasi ( :mrgreen: ) einfällt, aber ich finde das gar nicht so einfach.

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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