Damals™ – wieder mal in Erinnerungen gekramt

Meinen ersten PC kaufte ich 1993. Ein 386er* mit 33 MHz Prozessor, 240 MB [sic!] Festplatte und 4 MB RAM. Damals im Fachhandel erstanden, zusammen mit einem frühen Tintenstrahldrucker für schlappe 3.700 DM. Im Fachhandel, weil ich ja selber noch gar keine Ahnung hatte und ich hoffte dort auf guten Service, falls ich mit der Kiste gar nicht zurecht käme. Der Verkäufer versicherte mir damals – und ich glaube wirklich, dass er das wirklich glaubte – dass es zwar auch schon 486er* gäbe, solche Höllenmaschinen aber niemand im normalen Hausgebrauch je benötigen würde.

Weil im Fachhandel gekauft, kam der Rechner mit vorinstalliertem Betriebssystem: MS-DOS (ich glaube in Version 1.3) und darauf aufsetzend Windows 3.11. Ganz zu Anfang nutzte ich aber Windows kaum, weil es so viele DOS-Anwendungen gab. Als Dateimanager hatte ich den Norton Commander und ich erinnere mich noch, dass mir dann später irgendwann die Umstellung auf Windows ungeheuer schwer fiel.

Die erste Hardwareergänzung, die ich selber vornahm, war etwa ein halbes Jahr später. Da stockte ich den Arbeitsspeicher von 4 MB auf 8 MB auf. Für die 4 MB RAM zahlte ich damals bei einem Freund einen Freundschaftspreis von 200 DM. 200 Mark für 4 MB RAM. Irrsinn.

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Bis ich den ersten Internetzugang zu Hause hatte, vergingen noch 4 oder 5 Jahre. Ich weiss nicht mehr genau, ob ich den schon in 1997 oder doch erst in 98 bekam. Damals musste ich das Telefon ausstöpseln, wenn ich mit dem 56k-Modem online gehen wollte und während das Modem seine seltsam gurgelnden Einwahlgeräusche machte, konnte man lässig auf’s Klo gehen und sich einen Kaffee holen.

Damals war für mich die großartigste Errungenschaft dieser neuen Zeit und Technik die Möglichkeit, Musik im Internet runterzuladen und mir war damals nicht mal bewusst, dass das illegal war. Immerhin nutzten alle Napster und eines der Themen, um die es damals im ICQ oder IRC immer wieder ging, war die Downloadrate beim Musik“saugen“. Um einen einzigen Song mit 3-4 MB Daten in schlechter Qualität runterzuladen brauchte man, wenn die Verbindung gut war, etwa eine halbe Stunde. Riss die Verbindung zwischendrin ab (oder die desjenigen, bei dem man im p2p-Netzwerk runterlud), musste man wieder von vorne anfangen, erst später konnte man an abgebrochene Downloads anknüpfen.

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Zum allerersten Mal gechattet habe ich via ICQ. Kurz nachdem ich damals das Programm installiert hatte, sprach mich über diese Random-Funktion ein Australier an. Ich weiss noch, dass ich furchtbar aufgeregt war. Ein Australier! Jemand, der am anderen Ende der Welt lebt und dessen geschriebene Worte doch in Sekunden auf meinem Monitor erschienen. Wahnsinn! Irrsinn! Die Welt war vorher riesengroß gewesen und auf einmal waren die Kontinente für mich ein Stück dichter zusammengerückt.

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Manchmal, muss ich mal bewusst an solche Dinge zurückdenken. Der erste Rechner ist knapp über 20 Jahre her und seitdem hat sich die/meine Welt in einem unfassbaren Ausmaß verändert.

Ich finde es schier unglaublich, wie billig heutzutage PCs im Vergleich sind und wie schnell Rechner und das Internet (und dass es mir trotzdem oft zu lange dauert). Und wie unglaublich klein die Welt geworden ist, wie unglaublich nahe die Gedanken und Ideen von so vielen Menschen überall auf der Welt.

Und ich finde es noch unglaublicher und faszinierender, dass ich der letzten Generation angehöre, für die das Internet keine Selbstverständlichkeit ist, mit der man schon aufgewachsen ist. Heute laufen teilweise schon Grundschüler mit eigenen Smartphones rum und Weihnachten saß der kleine zweijährige Neffe des Mitdings da und tippte fasziniert auf dem iPad rum und wusste ganz genau, was er da bei der Bauernhof-App antippen musste. Unser erstes Festnetztelefon bekamen wir als ich in der 3. oder 4. Klasse war, vorher war es gang und gäbe, dass die Verwandten bei den Nachbarn anriefen, die schon länger einen Anschluss hatten und dass die Nachbarin dann über den Hof geeilt kam, um meine Mutter an den Apparat zu rufen, der natürlich auf einem Tischchen mit Spitzendeckchen im Flur stand, fest mit seinem Kabel in der Wand verankert.

Katja

(*Für die Jüngeren unter uns: man sprach das dreisechsundachtziger bzw. viersechsundachtziger.)