Umlernprozess

Vielleicht eine meiner wichtigsten Erkenntnisse in den letzten Wochen (genauer gesagt auf meinem Lernweg, mich selber anzunehmen und zu versuchen, mich zu mögen, anstatt mich immer selber fertig zu machen und klein zu halten) war jene, dass es völlig ok / erlaubt / legitim ist, wenn ich das (versuche zu) lerne(n).

Das mag nach einer unglaublich simplen Erkenntnis klingen und vermutlich ist sie das auch, aber trotzdem ist mir tatsächlich erst jetzt aufgegangen, dass das eine der Stellen ist, wo es innerlich bei mir bei sämtlichen Umdenkversuchen hakt.

Jeden Versuch, mich selber zu trösten, nicht so streng mit mir zu sein, mir selber Mut zu machen, habe ich doch an einer späteren Stelle noch selber sabotiert, nämlich mit dem Schuldgefühl, das einsetzt, sobald ich etwas Positives über mich denke. Bzw. genügt dafür sogar schon, mir gezielt Positives zu sagen. Davon, tatsächlich so zu denken, bin ich ja ohnehin noch weit entfernt.

Jetzt also noch eine zusätzliche Stelle, an der mir immerhin schon bewusst wird, wo meine alten Muster anspringen, an der ich immerhin mittlerweile merke, dass da diese schädliche Stimme im Kopf einsetzt.

Zum Beispiel: ich lasse etwas fallen. Die Stimme im Kopf höhnt los, wie typisch das wieder mal ist und dass ich nix kann und zu blöd zu allem bin. Ich bemerke mittlerweile recht gut solche Abwertungen und versuche gezielt gerade zu rücken, dass ich nicht mehr so denken möchte und dass daraus etwas fallen zu lassen, längst nicht folgt, dass ich eine Versagerin auf ganzer Linie bin. Und nicht nur, dass mir das eh schon schwer fällt, mich da gegen mich selber zu verteidigen – diese Stimme im Kopf geht jetzt weiter und setzt dort an, dass ich mir das ja wohl selber nicht glaube und diese Milde ja wohl auch kaum verdiene. Dazu Schuldgefühle dafür, dass ich denke mich mögen zu dürfen…

Immerhin erkenne ich jetzt diese nächste Stolperstelle (häufig) und letztens abends ging mir auf, dass ich mir vielleicht einfach endlich erlauben sollte/könnte, mich selber zu mögen. Vielleicht setzt das die Sperre im Kopf endlich ausser Gefecht.

Das wirkt schon beim Denken irgendwie skurril und lächerlich und es ist mir ein bisschen peinlich, diese Art des inneren Streits mit mir selber überhaupt hier aufzuschreiben. Ich will es trotzdem hier notieren, denn für mich ist das gerade ein wichtiger Schritt, den ich weiterkomme und ich möchte das festhalten – vor allem auch, um es für mich abrufbarer zu halten, wenn die nächste dahingehende Stufe auftaucht.

Auch wenn ich vom ‚echten‘ Umdenken noch weit entfernt bin, alleine die Tatsache, dass mir die selbstabwertenden Gedanken als solche mittlerweile oft bewusst sind und ich mir da selbst Einhalt gebieten kann, fühlt sich schon deutlich besser an.

Katja

 

 

18 Kommentare zu “Umlernprozess

  1. Liebe Katja,

    du bzw wir können uns wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie vielen anderen Menschen es genau so geht wie uns, wie du oben beschrieben hast. Auch bei mir hat es sehr lange gedauert, mich selbst anzunehmen und mich selbst zu mögen.

    Ich hoffe, dass noch viele Menschen deinen Beitrag hier lesen mit dem Ergebnis, dass man sich selber tatsächlich mögen darf. Selbstliebe – knuddel dich selbst – hihi 🙂

    Liebe Grüße,
    Julia

  2. Ach du… ich glaube, dass es sehr, sehr vielen Menschen exakt so geht. Sie das aber a) nicht mal im Ansatz so gut auseinander nehmen können wie du (wir) und dass sich b) davon die wenigsten dann auch trauen würden das auszusprechen. Also ist das nicht mal im Ansatz lächerlich, sondern ziemlich toll, großartig und mutig.

    Ich finde es großartig, dass dich das gerade alles so weiter zu bringen scheint. Bei dir passiert gerade so unfassbar viel und ich glaube du bist dir gar nicht bewusst wie viel das eigentlich ist. Das sind nicht nur 1-2 Schalter… da ist viel mehr Ordnung in dir. Nicht zuletzt auch wegen der Entrümpelei. Und wenn du es dir klar machen solltest, dann fang bloß nicht an dir das klein zu reden. Die Herde und ich stehen bereit um dir das auszutreiben. Und natürlich auch für den ein oder anderen Rückschlag. Der, wenn er denn kommt, aber auch total menschlich und normal ist und nix darüber aussagt wie großartig du bist.

    Hier wie immer große Katjaliebe.

  3. Es ist ein großer Schritt, zu erkennen, wie sehr man sich selbst im Weg steht und ich bewundere deinen Mut,diesen Weg zu gehen! Danke fürs teilhaben lassen. So habe ich wiederum winen neuen Impuls an mir zu arbeiten bekommen.

  4. Das ist ein guter Prozess den du da anstösst! Bleibe dabei!

    Ich habe selber mehr als 45 Jahre mit ständigen Selbstvorwürfen gelebt. Vor ungefähr 3 Jahren,
    begann ich mir bei jedem Selbstvorwurf innerlich zu widersprechen. 3-4 Tage lang führte ich einen ständigen inneren Dialog und widersprach mir ständig. Zum Glück konnte niemand das Gezeter in meinem Kopf hören. Nach etwa 4 Tagen wars vorbei. Keine Selbstvorwürfe mehr. Und wenn es jetzt mal wieder hochkommt, wird gleich innerlich widersprochen 😉
    Meinem Ego hat das sehr gut getan. Ich gehe viel befreiter und glücklicher durchs Leben.

  5. „Früher habe ich mich durch meine Schwächen/Unzulänglichkeiten definiert, heute über meine Stärken/Talente.“ Was auf mich nur bedingt zutrifft, aber wann immer ich an mir zweifle, mache ich mir meine Stärken bewusst. Versuche es zumindest. Nach dem Motto, dieses oder jenes kann ich zwar nicht, aber dafür das und das.
    Ein langer Weg dorthin, und selbst, wenn man irgendwann dort angekommen ist, wird das sicher nicht heißen, dass man gefeit ist vor Stolpersteinen. Allein das im Auge zu haben, ist wohl auch die Grundlage, überhaupt vorwärts zu kommen.
    Dass stolpern eben zum Leben dazugehört.
    Und mal ganz im Ernst. Was sind es für Menschen, die frei von Selbstzweifeln sind? Halten die sich nicht für perfekt? Unfehlbare Menschen sind mir suspekt.

  6. Liebe Katja,
    Du hast bei dem geschützten Text die Kommentarfunktion ausgeschaltet, deswegen will ich auch gar nichts dazu sagen. Außer das ich Dich virtuell mal in den Arm nehme und fest drücke.
    Ach ja, und Dir sagen das Du ungemein Liebenswert bist!
    ;o)
    Ulje

  7. @Leonie: Vielen Dank, ich glaube auch, die Richtung ist gut. 🙂

    @Anette: Aye. 🙂

    @Terence: Oh Danke! Das ist total schön und kraftvoll! 🙂

    @Julia: Ich hoffe wirklich, dass diese ‚Erlaubnis‘, die ich mir gerade dauernd in solchen Situationen gebe, auch wirklich irgendwann die Sperre löst und bei mir ankommt.
    Schön, wenn dir das schon gelungen ist! 🙂

    @Rüdiger: *hug*

    @Svü: Hm, doch es ist mir schon bewusst, wieviel da in Bewegung ist, weil ich mich tatsächlich aktiv jeden einzelnen Tag damit auseinandersetze. Das geht leider alles gar nicht automatisch und ich muss mich kontinuierlich selber motivieren, mich dem ganzen Mist endlich aktiv zu stellen. Es wird ja doch nicht besser, wenn ich passiv abwartend verharre…
    Drück dich und die Herde! ♥

    @Gnomenhexe: Hab vielen Dank für diese Rückmeldung! Gerade bei den Artikeln, die sehr ans Eingemachte gehen und bei denen ich vorher denke, dass es eigentlich zu privat, dicht, peinlich ist, das hier öffentlich zu mitzuteilen, bin ich unheimlich froh über eine solche Rückmeldung, dass es jemandem anderen vielleicht auch etwas gegeben hat. 🙂

    @Anne: Herzlich Willkommen auf meinem Blog und wie schön zu lesen, dass das bei dir tatsächlich geholfen und dich davon befreit hat! 🙂
    (Und ich kämpfe auch ganz tapfer die Stimme im Kopf nieder, die beim Lesen deines Kommentars direkt losgeschimpft hat, dass andere das in 4 Tagen schaffen und nur ich Lusche so lange brauche, um mit solchen Sachen klar zu kommen, denn das ist ja kein Wettbewerb und wichtiger ist, dass ich mich dem endlich überhaupt stelle.)

    @Jane: Für mich ist gerade das Erkennen der wichtigste Schritt, dass ich dieser Stimme in meinem Kopf nicht mehr ungeprüft Gehör und Glauben schenke.
    In meinem laienhaften Denken vermute ich, dass man auf einer ganz anderen Verdrängungsebene agiert, wenn man tatsächlich komplett frei von allen Selbstzweifeln ist.

    @Jule: ❤

  8. Hallo,
    diese Erkenntniss ist ein großer Schritt und ich hoffe du schaffst es. Ich bin von diesem Punkt leider noch sehr weit entfernt, ein Schritt nach vorn und zehn wieder zurück.

    Viel Glück dabei!

    LG
    Muschelperle

    • @Sola / Muschelperle: Ich möchte in den Kommentaren meines Blogs nicht so gerne mit Menschen reden, die auf ihrem eigenen Blog mit braunem Gedankengut sympathisieren.

      • Hallo Katja, ich respektiere deinen Wunsch und werde mich künftig nicht mehr äußern. Dennoch bin ich sehr enttäuscht, das du es desswegen ablehnst mit mir zu „sprechen“, vielleicht hättest du festgestellt das ich ein netter Mensch bin und irgendwann auch warum ich so denke. Aber genug geschrieben, ich wünsche dir alles gute weoterhin. Sola

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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