Ambivalenz, die

Wortart: Substantiv, feminin
Gebrauch: bildungssprachlich, Fachsprache
Worttrennung: Am|bi|va|lenz
Bedeutung: Zwiespältigkeit; Spannungszustand; Zerrissenheit [der Gefühle und Bestrebungen]
Synonyme zu Ambivalenz: Kampf

(Quelle: Duden)

Sieben mal neu angesetzt und doch keinen für mich passenden Anfang gefunden, um das, was mir seit ein paar Tagen wieder einmal nicht aus dem Kopf geht, aufzuschreiben und vielleicht zeigt (mir) das noch deutlicher als alles andere, wie ambivalent ich dir gegenüberstehe. Wie ein Pingpong-Ball, den eigenen Gefühlen ausgesetzt — und nie ruht der Ball in der Mitte. Es gibt nur zu viel und zu wenig. Zu dicht und zu fern. Zu häufige Anrufe und zu seltene. Geh weg, lass mich und bitte nimm mich doch wahr.

Manchmal frage ich mich, ob du diese Kämpfe in mir wahrnimmst, ob sie bis nach aussen bis zu dir dringen, aber das wäre vermutlich zu viel erhofft…wartet. Manchmal frage ich mich, ob ich noch einmal wieder die komplette Distanz bräuchte, um dir gegenüber eine Haltung zu finden und im nächsten Moment denke ich, dass ich vielleicht mehr Nähe bräuchte, um diese Haltung finden zu können. Manchmal frage ich mich, ob das Kind und Erwachsene in mir sind, die diesen Streit austragen und ob das überhaupt geht. So viele Fragen, so viel hin und her und mein Kopf ist müde und überdrüssig davon…

Katja

14 Kommentare zu “Ambivalenz, die

  1. [Zeigefinger hoch] Wenn man sich inneren Kämpfen aussetzt, sollte man lieber den Rückzug antreten in eine bessere, andre Richtung [Zeigefinger wieder runter]. 😉
    Freundschaften analysieren ist meist der Anfang vom Ende, alles Gute in 2015, ich hoffe, meine Worte waren nicht zu persönlich. 🙂

  2. @Anette: *rückdrück* Bei mir ist das immer besonders schlimm nach einem Aufeinandertreffen, nicht so sehr von der Jahreszeit abhängig. *soifz*

    @Pfefferschote: Ehrlich gesagt, finde ich deine Worte nicht wirklich persönlich (weil du auch gar nicht erfasst hast, worüber ich schreibe – es geht mitnichten um eine Freundschaft), aber deinen Kommentar mit dem erhobenen Zeigefinger schon sehr unangemessen.

  3. Ambivalenz. Innere Zerrissenheit. Der Kopf sagt das eine, das Herz das andere.

    Das ist so schwer auszuhalten. Ich hoffe, das der Knoten platzt, wenn die Zeit reif ist, wenn wir (denn Du bist damit nicht allein) alles erkannt haben, was dazu gehört, wenn wir alles gelernt haben, was zu lernen ist, wenn wir uns selbst so lieben, wie wir es verdienen.

    Ich hoffe, dass es bald soweit ist.

    Das schlimme ist das Gefühl, diesen Kampf allein austragen zu müssen, weil das Gegenüber sich nicht daran beteiligen kann/will. Das macht es schwerer, aber nicht unlösbar.

    (((Katja)))

    • @WdW: Ach liebe Welt, das ist genau der Punkt. Ich fühle mich damit so alleine gelassen, weil sie ja nicht mal Ahnung hat, wie es überhaupt in mir kämpft und streitet. Alle Versuche zu reden und aufzuarbeiten sind abgeprallt und hinterher hatte ich immer noch ein schlechtes Gewissen, dass ich widerborstiges kleines Ekel überhaupt daran rühre und sie sich eine halbe Stunde lang deswegen schlecht fühlt, bevor sie einfach wieder alles Gesagte durch ihren Filter laufen lässt und sich die Wahrheit passend verbiegt…

      Ich gebe nicht auf, auf die Nichtunlösbarkeit zu hoffen! (((WdW)))

  4. Nein, aufgeben sollst und darfst Du das nicht,

    My 2 cents (also aus meiner Erfahrung geschrieben, aber wir ähneln uns ja oft so sehr):
    Es sind Deine Gefühle und Deine Bedürfnisse, die sie (bei mir: mein Vater) nicht sieht und nicht achtet, weil sie nicht in ihre Welt passen.

    Deine Bedürfnisse und Gefühle sind echt und wahr und, auch wenn man das nicht werten soll, angemessen und normal. Sie will nicht darauf eingehen, aber auch nicht darüber reden, weil sie dann Farbe bekennen und Verantwortung übernehmen müsste. Das ist den meisten Menschen derart unangenehm, dass sie es soweit verdrängen, dass der Kontakt darüber erstirbt.

    Ich werde das nie emotional verstehen können. Rational bin ich dem einen Schritt näher gerückt, aber mein Verstand hbeult ja auc nicht Rotz und Wasser vor Weihnachten.

    Es ist schwer, dass mir jemand mehr bedeutet als ich ihm. Dass ich ihn mehr brauche als er mich.

    Aber wenn die Dunkelheit und der Schmerz zu etwas gut sind, dann zu Africhtigkeit und Wahrhaftigkeit uns selbst gegenüber.

    Fühl Dich umarmt.

  5. @WdW: Ja, mit dem Verantwortung übernehmen bzw. der Weigerung dahingehend hast du sehr recht. „So. Na ich dachte immer, ich sei eine gute Mutter gewesen.“ weiter sind wir nie gekommen. Wenn ich dann nachhake und frage, wie in dieses Bild reinpasst, dass sie nicht nur zugeschaut hat, wie mein Vater uns verprügelt hat ohne uns davor zu schützen, sondern das tagtäglich beauftragt hat, dann räuspert sie sich und es kommt nur noch, dass sie sich ja auch kaum mehr an die Zeit erinnern könne und dann kommt ein abrupter Themenwechsel.
    So weit vorgedrungen bin ich überhaupt erst 2 mal, alles andere blockt sie an noch früheren Stellen und ich schaffe es auch nicht, konsequent Gespräche einzufordern, weil am Ende immer ich die Böse bin, die Unfrieden stiftet, statt sich einfach zu freuen, dass man sich mal wieder sieht.

    Aber auch wenn ich es nicht anspreche, diese Dinge nagen immer an mir; besonders, wenn wir uns begegnen und die Rede auf früher™ kommt. Am Ende bleibt mir die Zerrissenheit, die sich in solchen Blogeinträgen wiederfindet, weil es neben all diesem Schmerz in mir auch noch das Kind gibt, das sich nach einer Mutter sehnt…
    Ach Mist das!

    Ich bin froh, dich zu kennen. Ohne, dass es gut wäre, dass es dir und mir so geht, hat es doch etwas Tröstliches, in jemand anderem diese Differenz im rationalen und emotionalen Begreifen wiederzufinden und zu merken, dass die nicht unbedingt daher rührt, dass ich einfach nur zu unfähig bin, das emotional zu verarbeiten.

    Ich umarme zurück!

  6. Ich danke Dir, dass Du so Berührung und Austausch möglich machst; durch Deine Offenheit kann auch ich mich hier öffnen. Ich habe mich so lange für alles das geschämt und finde es immer noch schwer, so halb-öffentlich darüber zu sprechen.

    Dabei weiss ich, dass mein Weg hier entlang führt. Es ist so viel getan und unterlassen worden, das unsere Seelen beschädigt hat, ohne dass wir etwas daran ändern konnten. In einem Alter, in dem der Schaden so groß und so nachhaltig war, dass wir so sehr darum kämpfen müssen, ihn irgendwie gutzumachen und zu heilen.

    (Ich hoffe, das nachfolgende ist nicht zu persönlich. Ich will Dich nicht trauriger machen, aber was Du über Deine Mutter schreibst, macht mich so wütend!)

    Verstandesmäßig sind die Dinge so viel klarer als emotional. Das ist ganz normal, da bist Du nicht unfähig! Ich kann das Verhalten Deiner Mutter nicht einmal verstandesmäßig erklären, emtional löst es in mir solchen Abscheu aus, dass ich ihr schon stellvertretend Schmerzen zufügen möchte.

    Wut spüren und zulassen zu können, hat für mich sehr sehr lange gedauert. Ich kann sie zwar nicht unbedingt ausagieren, aber dass ich meinen Eltern oft sehr viel Schmerz zufügen möchte, damit sie nur ansatzweise wissen können, wie es mir geht… das habe ich mittlerweile gelernt.

    Mit meiner Mutter habe ich den Kontakt auf ca. zwei Telefonate im Jahr reduziert. Mehr ertrage ich nicht. statt sich einfach zu freuen, dass man sich mal wieder sieht. Weil ich mich nicht freue. Und ich wüßte ehrlich nicht, worüber Du Dich freuen könntest. Sie kann nicht die Mutter sein, die Du brauchst. Und Dir bei der Verarbeitung zu helfen, daran ist sie offenbar auch nicht interessiert.

  7. PS: eigentlich sollte das kursiv sein statt durchgestrichen. Aber durchgestrichen passt viel besser. Ich wünsche Dir, dass Du diesen Satz streichen kannst. Weil Du keine Erwartungen zu erfüllen hast! Diese schon gar nicht!!!

    • Vor ein paar Tagen las ich (leider finde ich den Link nicht wieder) – ich kann es nur sinngemäß wiedergeben – dass traumatische Erfahrungen in der frühen Kindheit Einfluss darauf haben, wie die DNA sich ‚wickelt‘, es entstehen eine Art Narben im Blut, die auch nachweisbar sind.
      Ich weiss nicht, ob ich es tröstlich finde, dass eine mögliche Antwort sein könnte, dass ich diese Dinge deswegen so schlecht loslassen kann, weil sie selbst physisch in mir aufgeschrieben sind und die Narben nicht nur psychisch sind oder ob ich das eher erst recht erschreckend finde, weil es ja auch bedeuten könnte, dass ich das nie be- und verarbeitet bekommen kann…

      Oh ja, Wut… Dank des besten Freundes weiss ich seit ein paar Jahren, wieso ich an dieses Gefühl so schlecht herankomme und auch hier hilft mir das Wissen wieder nur wenig, weil es am Fühlen so wenig ändert.

      Wie geht denn deine Mutter mit deinem Wunsch nach / deiner Haltung mit so wenig Kontakt um? Respektiert sie das?

      Ich glaube, bei mir sitzt das immer noch tief, dass ich sofort in Schuldgefühlen ertrinke, wenn ich die Erwartungen der meinen nicht erfülle…

  8. Noch ergänzend: Nach meinem Zusammenbruch hatte ich länger gar keinen Kontakt zu meiner Mutter. Das hat sie aber nie auf sich bezogen, sondern sich damit rausgeredet, dass ich ja gerade so krank und dazu nicht in der Lage bin. Ich hab mich damals (als ich noch gar nicht recht wusste, was mit mir los ist) natürlich nicht getraut, ihr zu sagen, dass es explizit an ihr liegt, dass ich ihretwegen und ihres Verhaltens früher wegen keinen Kontakt ertrage…

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