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Ich bin jetzt älter als du je geworden bist und trotzdem ist da immer noch dieses Kind in mir und manchmal fühlt es sich an, als wäre ich seitdem gar nicht mehr älter geworden.

Im Laufe des letzten Jahres habe ich deinen Geburtstag und – noch dringender – deinen Todestag aus meinem Kalender gelöscht. Ich kann diese Daten doch ohnehin nie vergessen. Es wird nie ein 14. oder ein 24. November vergehen, an denen ich nicht den ganzen Tag an dich denke. Aber es ist gut, keine digital piepsenden Darauf-Aufmerksam-Macher mehr zu haben, die mich schon Tage vorher in einen Schockzustand versetzen mit ihrem „Bald ist es wieder so weit…“.

Mitten in meinem inneren Kampf um Seelenfrieden sind da immer wieder Momente, wenn die Hilflosigkeit über das ‚wie soll das nur gehen?‘ am größten ist, in denen ich froh bin, dass wir beide die Gelegenheit für Frieden und Annäherung hatten. Gleichzeitig weiss ich, dass es dadurch vielleicht gerade erst so schwer ist, mich den Erinnerungen zu stellen, weil ich immer noch Angst habe, nach den wahren Kindheitsgefühlen zu suchen, die Wut endlich zuzulassen. Weil ich Angst habe, sie könnte mir diese kostbaren Erinnerungen an die zwei Jahre, die wir echt und wirklich Vater und Tochter und noch dazu gute Freunde waren, zerschlagen.

Manchmal wünschte ich, ich könnte dich einfach fragen, was ich nur machen soll. Sicher hättest du eine Lösung oder wenigstens eine Idee. Du kamst mir so alt und vor allem weise vor, damals. Und jetzt bin ich älter als du je geworden bist und fühle mich innen drin immer noch genauso klein wie zu der Zeit. Und noch eins würde ich dich so gerne fragen: Ging dir das damals genauso? Warst du nur aussen so stark?

Happy Birthday, Dad. Du fehlst mir!

Katja