Eine Art Liebeserklärung an Land, Wein und Käse

Gestern Abend hatte ich eine kurze Unterhaltung mit @Fred_F2 auf Twitter über alkoholische Getränke allgemein, Wein im besonderen und spanische Weine ganz speziell und das löste bei mir einen akuten Anfall von nostalgischer Erinnerung an den Tag aus, an den ich mich in Spanien verliebte.

2009 wollten wir eigentlich im Herbst nach Italien, genauer nach Sizilien. Dann gab es dort heftige Unwetter und Überschwemmungen und Schlamm und wir änderten kurzfristig unsere Pläne, weil die Menschen dort auch ohne Touristen, die ihnen im Weg rumstehen, zu der Zeit genügend andere Sorgen hatten. Weit im Süden sollte es sein, weil wir in der letzten Oktoberwoche erst fahren konnten und sicher gehen wollten, dass wir noch ein bisschen Sonne abbekommen und natürlich sollte es am Meer sein. Spanien bot sich an und ich glaube, es war der beste Freund, der damals meinte: „Guck doch mal an der Costa de la Luz.“
Der Gedanke faszinierte mich alleine schon des Namens wegen „Küste des Lichts“ – was passt denn besser in die letzte Oktoberwoche bevor es in Deutschland dann nur noch trüb und grau und dunkel sein würde?

Wir mieteten ein Ferienhaus in La Barrosa und das war eigentlich ein völliger Irrsinn, weil wir in jenem ersten Jahr nur eine Woche dort blieben und dafür 2.500 km mit dem Auto anreisten mit je 2 Zwischenübernachtungen – 11 Nächte insgesamt weg und davon 4 auf der Strecke…

Mittlerweile wissen wir, worauf wir bei der Hotelsuche achten müssen, wenn wir unsere Zwischenstopps auf der Strecke ausmachen, damals war das alles noch ganz neu. Daher planten wir die Strecke in möglichst gleichen Abschnitten, den ersten Stopp in Südfrankreich, den zweiten mitten in Spanien. Heutzutage lassen wir den Halt in Frankreich meist ganz sausen und fahren in einem Rutsch nach Spanien durch bzw. von Spanien bis nach Hause, weil man in Spanien für den gleichen Preis behaglich schlafen und großartig essen* kann, den man in Frankreich für eine Absteige ohne Frühstück hinblättern darf. Dass das eine Pauschalisierung ist, die nicht zwingend immer gilt, ist mir natürlich klar, aber die Suche nach einer Unterbringung in Spanien hat sich für uns als sehr viel zeit- und nervensparender erwiesen.

In 2009 lag unser erster Halt aber noch in Frankreich und wir fuhren hier kurz vorm Morgengrauen los, rüber nach Frankreich und durch’s Rhonetal in den Süden. Als es langsam draussen hell wurde, konnte man förmlich zugucken wie sich die Landschaft veränderte, wie die Gebäude und Dörfer, die man von der Autobahn aus sehen konnte immer französischer, südlicher aussahen, wie sich die Vegetation verändert und immer mehr Pappeln und Pinien die Straße säumten. Das Hotel im Süden Frankreichs war eine der besagten Absteigen. Das Zimmer klein, es passte kaum mehr als das Bett rein, dafür roch es muffig und beim Bett spürte man jede einzelne Bettfeder in der Matratze. Aber es gab Palmen direkt vorm Hotel und auch Wasser. Die warme Winterjacke, die ich noch bei den kurzen Stopps unterwegs angezogen hatte, blieb im Hotel, es war T-Shirtwetter. Und das Ende Oktober.

Am nächsten Morgen waren wir ganz froh, dass wir die Frühstückszeit nicht abwarten mussten, denn wir hatten schlecht und kurz geschlafen und rafften also in aller Frühe die Sachen zusammen, hielten bei einer Bäckerei, die schon geöffnet hatte, um Café au lait und ein paar Croissants einzusammeln und machten uns wieder auf den Weg. Durch die Pyrenäen ging es und dann war da auf einmal Spanien. Wir fuhren bis ungefähr Valencia über die Autobahn, die etwa parallel zur Mittelmeerküste verläuft. Auf der einen Seite meist rötliche Felsen im Blick, dazwischen immer wieder große Felder mit Orangenbäumen (yeah!) und Olivenhaine, auf der anderen konnte man immer wieder mal einen Blick auf’s Meer erhaschen; und alles lag in blendend hellem Sonnenschein.

Ungefähr bei Valencia bogen wir dann in Richtung Landesinnerem ab, weil unser nächstes Hotel in Ciudad Real, der königlichen Stadt lag. Und dann versagte irgendwann das Navi bzw. gab es die Straße über die es uns schicken wollte gar nicht mehr und die Straße, auf der wir stattdessen landeten kannte es nicht und weil noch dazu unser Ziel in einer nichtbefahrbaren Straße lag, rechnete es und rechnete und rechnete und konnte keine sinnvolle Strecke mehr anzeigen, sondern hängte sich einfach auf und auch ein Neustart konnte das Problem erst mal nicht lösen. Das war ungefähr die Zeit, zu der ich sicher ein halbes Dutzend mal feststellte, was für ein Glück es war, dass wir zusätzlich zum Navi noch eine echte Landkarte aus Papier dabei hatten. Die lieferte uns nämlich zumindest die grobe Orientierung nach welchen Orten wir uns richten mussten, um einigermaßen unsere geplante Richtung beizubehalten.

Weil wir nicht mehr auf der Autobahn fuhren und deutlich langsamer unterwegs waren, hatten wir die Klimaanlage abgeschaltet und stattdessen die meiste Zeit die Autofenster offen. Draussen zogen immer noch Olivenbäume vorbei, dann auch immer mehr Weinstöcke. Die Erde sah rot-orange aus und durch die offenen Fenster wehte ein unheimlich satter Kräuterduft rein. Rosmarin, Thymian, Lavendel – ich kam mir vor als hätte ich die Nase tief im Gewürzschrank.

Irgendwann fing es an zu regnen und man konnte kaum noch etwas erkennen, dann waren wir, viel später als geplant endlich in Ciudad Real und kamen dahinter, weswegen das Navi solche Schwierigkeiten hatte. Unser Ziel lag tatsächlich in einer unbefahrbaren Zone, nämlich mitten in einer zona peatonal, einer Fußgängerzone. Das störte aber niemanden, dort herrschte reger Autoverkehr und so konnten wir wenigstens kurz vorfahren und unser Gepäck ausladen bevor wir in ein nahegelegenes Parkhaus fuhren.

Nach dem französischen Hotel kam mir das Alfonso X, das seinen Namen Alfons, dem 10. von Kastilien – El Sabio, dem Weisen – verdankt, tatsächlich königlich vor. Nach dem langen Tag waren wir nur noch müde und hungrig und statteten dem ausgezeichneten Restaurant des Hotels einen Besuch ab. Dort bestellten wir einen Wein aus der Gegend – La Mancha – und als Vorspeise gab es einen Teller mit Käse der Region – mit Manchego. Und just in dem Moment als ich den Wein probierte und den würzigen Käse und beides zusammen und die Augen schloss, da war in meinem Mund genau das zu schmecken, was ich den ganzen Tag eingeatmet hatte. Ganz fein Orange, dann Olive, die rote schwere Erde, Rosmarin, Lavendel. Wein und Käse, denen man die Gegend an’schmeckt‘ aus der sie stammen. Das Land, die Landschaft eingefangen in einer Mahlzeit. Das war der erste Moment, an den ich mich zurück erinnere, an dem ich dachte, das mit Spanien und mir, das könnte was werden. Da ist viel Liebe möglich.

Letztes Wochenende wurden wir in gemütlicher Kaffeerunde in der Sonne gefragt, warum wir eigentlich immer wieder nach Spanien fahren und ich fand es nicht so leicht, das in 2 Sätzen zu beschreiben. „Es ist eben sehr schön da und wir haben längst noch nicht alles gesehen.“ ist ja nur ein Teil davon, was das ausmacht. Mittlerweile ist nicht mehr alles so frisch und neu wie in 2009. Ich weiss mittlerweile, nach welchem Käse ich im spanischen Supermarkt greifen muss, der kein halbes Vermögen kostet und mich unfassbar froh macht. Ich weiss, mit einem Tinto aus dem Rioja kann man nicht so viel verkehrt machen und wenn man irgendwo essen geht, bestellt man einfach den Tinto de la casa und bekommt immer erstklassigen Wein für kleines Geld. Mittlerweile verstehe ich ein bisschen Spanisch, kann viele Schilder lesen und mich halbwegs verständigen – auch dort, wo man überhaupt kein Englisch kann.

Und ich weiss, dass ich das alles längst noch nicht ‚über‘ habe, auch wenn nicht mehr alles neu und aufregend, sondern einiges mittlerweile warm vertraut ist. Wie das mit der Liebe eben so ist…

Katja

(*Ich glaube, darüber muss ich irgendwann mal gesondert bloggen.)

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