Gelesen im Juli 2014

Ich höre jetzt einfach auf, mich darüber zu ärgern oder zu grämen, dass ich in diesem Jahr so wenig zum Lesen komme. (Haha, die Finger waren an der Stelle schneller als der Kopf mitkam und hatten automatisch ‚Leben‘ getippt statt Lesen und das ist auch gar nicht so verkehrt, denn auch da kommt es mir vor, als ginge das ziemlich an mir vorbei…) Das ist jetzt eben so.

Immerhin quasi 3 Bücher beendet im Juli, das letzte eigentlich erst gestern, aber das wollte ich lieber noch im Juli verorten, um mich nicht im nächsten Monat nochmal drüber zu ärgern, dass man aus so einem guten Setting so ein schlechtes Buch machen kann.

 

Frank Schmeißer, mit Bildern von Jörg Mühle, Schurken überall!

Ich hab’s ja meist nicht so mit lustigen Büchern, es gibt nur wenige, die mich wirklich zum lachen bringen (Dieter Moors „Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht“ ist ein sehr gutes Beispiel dafür), aber ich hab’s oft mit Kinderbüchern. Schurken überall! ist nicht nur lustig gemeint, sondern hat mich an vielen Stellen wirklich zum Lachen gebracht und gerne würde ich hier mehr über dieses Buch schreiben, aber bei der Warnung auf dem Klappentext traue ich mich leider nicht…

Bevor ich erzähle, wie der ganze Schlamassel passieren konnte, muss ich darauf hinweisen, dass diese Aufzeichnungen total geheim sind.

Es geht niemanden etwas an, worum Tante Hellas Geburtstag in einer Katastrophe endete, warum unser Hamster Machwas sich plötzlich tarnen musste und ich fast in einem Giraffenkostüm verhaftet worden wäre.

Und das Allerwichtigste:

Niemand darf von meiner geheimen Identität erfahren, weil sonst die Welt in Gefahr ist!

PS: Wer das hier liest und weitertratscht, den soll der Blitz beim Kacken treffen!

 

Hmm, vielleicht probiere ich’s doch mal? Nur ein kurzes Zitat, damit man ahnt, weswegen ich manchmal schallend lachen musste? Das merkt Sebastian von Nervköter alias ‚das Gehirn‘ unser geheimer Held vielleicht gar nicht…

Ich kapier eh nicht, warum jede Klasse einen eigenen Hamster hat. Wahrscheinlich für schlechte Tage. Wenn wir mal eingeschneit werden oder so. Man hört ja im Fernsehen oft was von Hamsterkäufen, wenn sich irgendwas Schlimmes anbahnt. Wie dann aber so ein kleiner Nager einem weiterhelfen soll, kapier ich persönlich nicht so ganz. Zum Essen eignet sich so ein Hamster ja eher nicht. Da hätte man sich, wenn es denn unbedingt ein Nager sein soll, wohl besser ein Meerscheinchen zugelegt. Erstens sind die dicker und zweitens klingt da ja das Wort Schwein und damit Schinken und Speck schon mit. Und so ein Hamster macht ja nix. Gar nix. Außer pennen. Aber vielleicht schont der sich auch nur, um im Falle einer Katastrophe genug Kraft zu haben, um zum Beispiel Verschüttete aus einer Lawine zu ziehen? So bernhardinermäßig. Kann schon sein. Man weiß es nicht genau.

(Frank Schmeißer, Schurken überall!, Ravensburger Buchverlag, Seite 56)

 

Nick Hornby – About a Boy

Nachdem ich im März so begeistert von Hornbys ‚A long way down‘ war und festgestellt habe, dass ich alles von Hornby lesen muss, hat Svü mir vor einer Weile ‚About a Boy‘ geschenkt. 🙂

Das war ein bisschen merkwürdig zu lesen, weil ich den – übrigens sehr großartigen – Film schon vor einiger Zeit gesehen hatte und jetzt natürlich die Bilder dazu im Kopf hatte. Weil der Film aber wunderbar und noch dazu mit (ich gestehe, ich stehe auf) Hugh Grant ist, war das alles doch irgendwie sehr gut. Am Ende klaffen Film und Buch etwas auseinander und erstaunlicherweise fand ich auch das gut, denn der Film braucht das andere Ende, damit man die geänderte Gefühlslage der Figuren besser verstehen kann. In Büchern ist das ja viel leichter, weil der Autor die Leser*in einfach an den Gedanken und Gefühlen der Charaktere teilhaben lassen kann, im Film braucht es dafür manchmal mehr/andere Handlung. Das ist hier ausgezeichnet gelungen und ich bin von Buch und Film gleichermaßen begeistert.

Will ist Mitte 30, Single mit häufig wechselnden Affären, gutaussehend und dadurch, dass sein Vater vor vielen Jahren einen One-Hit-Wonder-Weihnachtssong-Treffer gelandet hat, so reich, dass er noch keinen Tag in seinem Leben arbeiten musste. Seinen Tagesablauf vertreibt er sich mit Quizshows, Musik hören, Shopping, hauptsächlich alles bleibt ausreichend oberflächlich, mit Kindern hat er nichts am Hut.

Marcus ist 12, neu auf der Schule und Aussenseiter, der gemobbt wird. Dazu sorgt er sich um seine depressive Mutter.

Weil Will bei einer Freundin von Marcus Mutter landen will, ergibt es sich, dass die beiden, Will und Marcus einen Tag zusammen im Park verbringen – den Tag der toten Ente, der für Marcus traumatisch endet. In der Zeit danach steht er fast täglich nach der Schule vor Wills Tür, weil er sich nicht nach Hause traut und was dem bisher ausschließlich auf sich selber fixierten Will anfangs lästig ist, entwickelt sich nach und nach zu einer Art seltsamen Freundschaft zwischen den beiden, worüber sich vermutlich niemand stärker wundert als Will selber.

Ich mag inhaltlich gar nicht mehr verraten und eigentlich ist die Handlung auch nur zweitranging, denn was das Buch zu einem so besonderen Buch macht ist die Freundschaft zwischen dem erwachsenen, aber bis dato völlig kindsköpfigen Will und dem schwermütigen Marcus, der obwohl er so viel jünger ist, durch die vielen Sorgen sehr viel weniger Kind ist als Will.

Ein wunderbares Buch über eine ungewöhnliche Freundschaft und darüber, wie zwei, so verschieden ihre Anfangslagen auch sein mögen, einander irgendwie gegenseitig retten. Liebenswert. Lesenswert. ♥

 

Mary L. Longworth – Tod auf Schloss Bremont, Ein Provence-Krimi

Zum Inhalt nochmal ein Klappentext:

Etienne de Bremont, ein bekannter Dokumentarfilmer, stürzt nachts aus dem Dachfenster des unbewohnten Familienschlosses in der Nähe von Aix-en-Provence in den Tod. War es ein Unfall, ein Selbstmord oder gar Mord? Schnell gerät François de Bremont, der tief verschuldete Bruder des Toten, in Verdacht. Der junge und charismatische Untersuchungsrichter Antoine Verlaque, der in dem Fall ermittelt, bittet seine Ex-Geliebte, die Juraprofessorin Marine, um ihre Unterstützung, denn sie kennt die Familie Bremont seit ihrer Kindheit. Marine hilft Antoine jedoch nur ungern, denn noch immer hat sie Schmetterlinge im Bauch, wenn sie ihm begegnet. Der charmante, kurzweilige Auftakt einer Krimiserie, die auf jeder Seite den Süden Frankreichs, seine Sonne und seine berauschenden Düfte lebendig werden lässt.

Ich bin ja bekennender Krimi-Fan und ich mag besonders Krimiserien, bei denen man die Protagonisten im Laufe der Bücher immer besser kennen lernen kann. Noch dazu mag ich es, wenn sie in Südeuropa spielen und einen Hauch von Urlaubsstimmung erzeugen. Und nochmal: noch dazu, wird der Untersuchungsrichter in anderen Texten als Gourmet angekündigt, der viel Wert auf gutes Essen legt.

Also im Grunde genommen genau das richtige Buch für mich!

Aber dann… Die Charaktere haben keinerlei Tiefe und sind durch die Bank weg furchtbar unsympathisch. Die eigentliche Krimihandlung ist langweilig. Mich hat nicht mal die Neugier gepackt, rausbekommen zu wollen, wer nun tatsächlich die Brüder ermordet hat. Es wird überhaupt nichts von Licht oder Stimmung der Landschaft und Gegend vermittelt. Alles blass, fad, langweilig, unsympathisch.

Dazu kommen einige üble logische Fehler – da werden zB Mandeln geerntet (im April!), wo nur 2 Tage vorher die Bäume geblüht haben – und ein Haufen Rechtschreibfehler.

Absolut keine Empfehlung, das Buch ist von vorne bis hinten blutleer oder wie Homer Simpson das so schön ausdrückt:

Katja

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9 Kommentare zu “Gelesen im Juli 2014

  1. @Myriade: Die fand ich auch echt Zucker! :mrgreen:

    @Zeilentiger: Es gibt so Autoren, bei denen weiss ich nach einem Buch, dass ich am liebsten alles von ihnen lesen möchte. Hornby war so einer und ich bin aber auch sehr froh, dass erst zwei hinter mir und noch wesentlich mehr vor mir liegen. 🙂

    @Jule: Ach du bist auch ’ne Kinderbuchleserin? 🙂

  2. Ich lese ALLES! Nachdem ich mir im zarten Alter von fünf Jahren das Lesen, beinahe selbst, beigebracht hatte auch Plakatwände und Litfaßsäulen im Südfrankreichurlaub! ;0)

  3. @Jule: Ich nehme an, früher auch mit Taschenlampe unter der Bettdecke? Was wären wir damals froh gewesen über selbstleuchtende Displays. 😀

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