diff/konf-us

Was ich gerade gut kann: von 0 auf heulendes Häufchen Elend in unter 10 Minuten. Meist bleibt nur vage, wird nicht greifbar, was das gerade auslöst. Oft ein diffuses Gefühl von Angst. Angst vor diesem, vor jenem, aber besonders vor diesem. Soviel Angst, dass ich mich nicht mal traue, genauer auf die Angst selber zu sehen, alles entgleitet mir, bricht zusammen wie die Sandburg im Regenguss. Und weil sie bei diesem so stark und dominant ist, wieder mal, merke ich, wie sie auch in die Bereiche reinschwappt, die ich eigentlich schon relativ sicher erobert hatte. Alles brüchig. Kein echtes, kein solides Fundament.

Ich traue mich nichts, dieser Tage, traue mir nichts zu. Wobei das ja kein Phänomen der aktuellen Zeit ist, das ist ja immer so. Kein Vertrauen in mich, in meine Fähigkeiten. Viele Dinge traue ich mich gar nicht anzufangen, weil ich Angst habe, sie nicht hinzubekommen. Angst vorm Scheitern, dem unverzeihlichen. Lieber erst gar nicht versuchen als zu scheitern.

Und ja, natürlich ist mir rational bewusst, was für ein Riesenblödsinn das ist. Aber das hilft dem ängstlichen Häufchen Elend nicht, denn es kommt überhaupt nicht bis zu dem Punkt, an dem ’na und?‘ die passende Reaktion auf die Angst wäre. Es sitzt da, gelähmt, mit offenem Mund und bewundert jene, die einfach machen können. Jene, die entweder das nötige Vertrauen in sich und die eigenen Fähigkeiten haben und jene, die gar nicht erst übergrübeln müssen, sondern einfach anfangen. Beide gleichermaßen bewundernswert, beweglich. Dagegen das starre, erstarrte Häufchen Elend und Angst.

Wie schwer es dann noch fällt, das Häufchen nicht noch zusätzlich fertig zu machen. Nix kannst du! Zu klein, zu dumm, zu doof, zu unfähig, zu…

Stattdessen angebracht wäre ein liebevolles ‚guck, du bist gar nicht unfähig. Du kannst das alles, du musst dich nur trauen. Und du kannst auch nichts dafür, dass du dich so oft nicht traust. Wie hättest du das lernen können, wo hättest du das hernehmen sollen? Aber jetzt bin ich bei dir und alles wird gut. Sssshhhhh.‘, auch das ist mir mittlerweile klar, aber wo soll ich das nur hernehmen in den Momenten, wo es am dringendsten ist?
OK, immerhin erkenne ich das mittlerweile überhaupt. Das ist ja auch schon was, wenn ich den Selbsthass wenigstens rational als falsch erkenne.

Die bitterste Lektion, die die Krankheit mich seit Jahren lehrt ist, dass Wissen und Erkennen schön und gut ist und auch beim bewussten Umdenken (das sich immer noch oft unnatürlich gezwungen und nicht wahr anfühlt) hilft, aber noch lange nicht beim Umfühlen.

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Immerhin ein Erfolg heute: ich habe sämtliches Pflichtgefühl ignoriert und bin nicht ans klingelnde Telefon gegangen, sogar 2 mal, weil ich wusste, dass es mir hinterher schlechter gehen würde. (Wobei schon die mahnende Anruferanzeige dafür gesorgt hat, dass es mir schlechter ging. Vielleicht sollte ich die Anzeige vorübergehend in ’nänänä nänänä‘ oder irgendetwas anderes ändern, das mich in der Entscheidung bestärkt, das gerade häufiger zu ignorieren.)

Jetzt: Angst und Tränen runterschlucken, wenigstens den Einkauf erledigen, damit die innere Stimme mir wenigstens kein ’nicht mal das schaffst du‘ an den Kopf knallt.

Katja