Hamburg liegt ja von hier aus kurz vorm Meer #4

Dann am nächsten Morgen sieht es schon beim Aufwachen mehr als trüb und dunkel vorm Fenster aus und so schmieden wir beim (übrigens sehr tollen) Frühstück neue Pläne für den Tag, an dem wir uns eigentlich vormittags ein kleines Boot mieten wollten, um ein bisschen durch die ruhigen Seitenkanäle im Swinedelta, zwischen den Inseln im Delta zu tuckern. Aber bei dem Wetter macht das ja keinen Spaß auf dem Wasser zu sein. Also nach dem Frühstück direkt los zum Wildpark und Wisentgehege im Wald, direkt bei Misdroy.

Vom Parkplatz aus, geht es eine Strecke durch den Wald bis man beim Gehege ankommt. (Klick macht alle Fotos groß.)IMG_3637Eigentlich ist das ein recht schöner Wald und Spaziergang, allerdings lassen die Kinderhorden, auf die wir unterwegs immer wieder mitsamt ihrer Lehrer treffen, ahnen, dass das kein so ruhiger Ausflug zum Tiere gucken wird, wie wir uns das vorgestellt hatten.

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Dass und wieviel Eintritt der Park kostet, erfährt man übrigens erst, wenn man die 1,5 km durch den Wald bis zum Eingang des Geheges hinter sich hat. Er ist aber so erschwinglich, dass es für uns keinen Unterschied macht. Ein Hinweis am Parkplatz wäre aber, für Menschen, für die es einen Unterschied macht, hilfreich. Überhaupt kommt es mir vor als wäre in Misdroy und Umgebung relativ wenig beschildert und vor allem finden sich fast nirgendwo Hinweise in englischer oder deutscher Sprache. Die meisten Touristeninformationen gibt es nur auf polnisch.

Wir bestaunen als erstes die Wisente im Park. Wer Quizduell spielt hat vielleicht auch schon die Frage nach dem größten Landsäugetier Europas beantwortet und vorher gewusst – oder wie ich, erst durch’s Spiel gelernt – dass das auf den Wisent zutrifft. Und sie sind auch wirklich beeindruckend, die großen Bullen.

IMG_3652 IMG_3654 IMG_3664 IMG_3667 IMG_3672 IMG_3684Das denkt sich vermutlich auch die hübsche Katze, die erst ganz neugierig immer näher rangeht und dann doch plötzlich in Richtung Zaun davonsprintet als sie das Interesse der Wisents auf sich zieht.

Nebenan wohnt Familie Rothirsch. Leider so gut hinter ihrem Zaun versteckt, dass man sich schon ein bisschen verrenken muss, um sie zu sehen. Aber dafür haben sie vielleicht ein bisschen mehr Ruhe vor den ganzen Kids – es sei ihnen gegönnt. Ich will lieber gar nicht wissen, wie sehr diese Horden Stress bei den Tieren auslösen.

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Ein Stück weiter gibt es noch einen Seeadler zu sehen.

IMG_3719Und vorm Wildschweingehege kann ich dann nicht mehr widerstehen, die große Kinderherde im Bild einzufangen. Und das war vielleicht nur ein Drittel der gleichzeitig im Park befindlichen.

IMG_3722Die Wildschweine sind leider nicht zu sehen. Doch just als die Kinder verschwinden, kommt einer der Wildhüter mit einer Tüte alter Brötchen – da geht die Wutz dann plötzlich ab!

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Leider kann man im Bild gar nicht erkennen, wie herrlich sich das Wildschwein auf dem unteren Foto an dem Baumstamm schubbert! Hachz! Große Liebe.

Dann etwa eine Stunde nach Betreten des Parks, schlendern wir durch den Wald zurück zum Auto und weil das Wetter immer noch grau und dunkel und kühl ist und es immer mal ein paar Tropfen regnet, beschließen wir, uns als nächstes den Türkissee anzusehen.

Das ist ein See in der Nähe von Wapnica, einige Kilometer von Misdroy entfernt, der seinen Namen seinem türkis-grün erscheinenden Wasser verdankt. Es handelt sich um eine alte Kalkgrube und das klare Wasser erscheint wegen des weissen Bodens herrlich türkis.

Aber erst mal dorthin kommen, also zum Aussichtspunkt und dafür geht es wieder durch einen Wald.

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Was mir erst als wir längst den steilen Anstieg über Stock und Stein und Wurzel und Gehölz und Geröll und Überhaupt zum Aussichtspunkt, von dem aus man den schönsten Blick über den See hat, fast schon hinter uns haben, einfällt ist, dass das nicht funktionieren wird. Denn was ist auch beim Meer dafür verantwortlich, dass es so türkisblau schimmert? Exakt. Der blaue sonnige Himmel, dessen Farbe reflektiert wird.

Wo wir nunmal schon so weit sind und uns immer noch nichts gebrochen haben, trotz Anstiegs über Stock und Stein und Wurzel und Gehölz und Geröll und Überhaupt, gehen wir jetzt natürlich auch weiter bis wir endlich einen ersten Blick auf den See erhaschen können.

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Der lag nämlich bis dahin hinter den Bäumen verdeckt. Na gut. Also so ein bisschen türkis sieht das ja schon aus. Das kann man wohl so durchgehen lassen. Und eigentlich ist das ja auch ein sehr schöner Wald mit skurril wachsenden Bäumen.

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Wenn’s nur nicht ganz so steil wäre und über Stock und Stein und Wurzel und Gehölz und Geröll und Überhaupt ginge, wäre das ein wirklich sehr toller Waldspaziergang – denn oh Wunder: es gibt hier keine Kinder. Null. Nada. Herrliche Ruhe! (Was ich vielleicht dazu sagen sollte: ich habe überhaupt nichts gegen Kinder, erst recht nicht gegen lachende oder spielende, nur viele Dutzend auf einen Fleck und in aufgeregt lautem Gequietsche die ganze Zeit finde ich doch nach einer Weile recht anstrengend.)

Türkis! (Ein bisschen.)

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Von Wapnica fahren wir noch weiter ins benachbarte Lubin.

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Wenn man das Auto an der Kirche abstellt, gibt es direkt nebenan eine Klippe mit herrlicher Aussicht über das Swinedelta und die Inseln im Delta. Ausserdem gibt es dort eine Ausgrabungsstätte, wo auf einer Wiese irgendwelche alte Mauerreste freigelegt sind. Wir zahlen den Eintritt, ignorieren die Ausgrabungen, die ohnehin wieder nur auf polnisch beschriftet sind und gehen direkt vor zur Klippe.

IMG_3809 IMG_3811 IMG_3815 IMG_3816Jetzt gucken wir also wenigstens von oben auf die Gegend, durch die wir bei schönem Wetter mit einem Boot hätten durchfahren wollen. Aber es ist kalt, windig und regnet dauernd – da hätten wir auf dem Wasser wenig Freude gehabt. Wir wärmen uns auf der geschützten Aussichtsterrasse des dortigen Kiosk an einem Kaffee, der übrigens wie sämtliche Kaffees, die ich in Polen trinke, ein echter Blümchenkaffee ist. Sogar der Kaffee, den ich am nächsten Tag auf der Rückfahrt im McCafé hole – in der Hoffnung durch die internationale Normierung der McDonalds Produkte endlich wieder mal einen ‚richtigen‘ Kaffee zu bekommen – kommt über den Blümchenkaffee nicht hinaus.

Als wir zurück im Hotel in Misdroy sind, geben wir die Hoffnung auf, dass es an dem Tag nochmal echtes Strandwetter geben könnte. Unser Plan, uns dann einfach einen Strandkorb zu mieten und darin geschützt ein bisschen zu sitzen und auf’s Meer zu gucken wird durchkreuzt von der Tatsache, dass der Strandkorbverleih gar nicht offen hat und die Körbe sind auch aneinander festgekettet, man kann sich nicht einfach in einen reinsetzen.

Es ist kalt und es ist vor allem unheimlich windig und schon nach kurzer Zeit flüchten wir in den Windschatten hinter einem Zelt, in dem gerade einige Handwerker Möbel, vermutlich für einen Strandkiosk für die anstehende Saison, zusammenbauen. Da lässt es sich wenigstens für eine Weile aushalten und auf’s Wasser gucken.

Manchmal denke ich, das Meer macht das schon genau richtig – also zumindest für mich. An solchen Tagen, wo es zu stürmisch und kalt ist, um sich länger direkt am Meer bzw. Strand aufzuhalten, hat es dafür sehr viel mehr und höhere Wellen. Quasi als Meerkonzentrat bekommt man in kürzerer Zeit trotzdem sehr viel Meer mit. Ich empfinde stürmisch und viele Wellen irgendwie immer als geballteren Meereseindruck.

Vor allem bin ich aber immer wieder fasziniert, wie unterschiedlich das Meer bei unterschiedlichen Wetterlagen ist und dass ich alle davon irgendwie mag. Ich mag Blauglitzerfunkelmeer, ich mag aber auch diese grauen Ostseewellen sehr. Wellen gehen ohnehin immer. Je höher und gewaltiger, je lieber.

Irgendwann reissen wir uns vom Anblick des Meeres los und gehen zurück ins Hotel. Wir sind durchgefroren und gehen gar nicht hoch auf’s Zimmer sondern erst mal ins hoteleigene Restaurant/Cafe. Weil der Kaffee ohnehin so unspektakulär ist, entscheiden wir uns zum Aufwärmen für eine heisse Schokolade, die überraschenderweise gar nicht zum Trinken sondern eher zum Löffeln ist. In Polen, naja zumindest in unserem Hotel, bekommt man nämlich, wenn man heisse Schokolade bestellt ein Glas mit warmem Schokoladenpudding. ♥ (Und wenn ich nicht mittlerweile so eine Aversion gegen die Frage „Wie geil ist das denn bitte?“ hätte, würde ich sie an dieser Stelle sicherlich stellen!)

IMG_3873Katja

4 Kommentare zu “Hamburg liegt ja von hier aus kurz vorm Meer #4

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