Katja Legweak

Manchmal, da fühle ich mich ein bisschen wie Neil Armstrong.

„That’s one small step for man… one… giant leap for mankind.“

(Neil Armstrong)

Nur genau umgekehrt.

*

Heute Mittag klingelte die Nachbarin und fragte mich, ob ich sie ein wenig später heute, in einen Ort, der ein paar Orte von hier entfernt liegt, fahren könnte, wo ihr Auto in der Werkstatt steht. Alle ihre Leute hätten sie versetzt. Und weil ich die Nachbarin gut leiden kann, habe ich ihr zugesagt, ohne lange nachzudenken. Ging ja eh nicht, lange zu grübeln, denn wenn ich erst mal gesagt hätte, dass ich das erst überlegen muss, hätte sie sicher einen Rückzieher gemacht. Solche Dinge kann man nur spontan zusagen oder eben nicht.

Dann hatte ich eine Stunde Zeit bis ich los musste und mir ging es von Minute zu Minute elender. Unter anderem, weil mir erst nach der Zusage auffiel, dass das ja auch bedeutet, dass ich mit einer fremden Beifahrerin Auto fahren muss, was mich ganz furchtbar nervös macht. Also Beifahrer ganz generell, seit ich so lange zwischendrin gar nicht gefahren war, und fremde noch stärker. Je länger ich darüber nachdachte, desto schlimmer stellten sich auch die körperlichen Angstsymptome ein. Tunnelblick, Schwindel, zitternde Knie…

Aber irgendwo war da auch diese Stimme, die meinte, das müsste doch irgendwie gehen. Auto fahren, da war doch irgendwo mal ein Automatikprogramm, mit dem ich das konnte. So viele Kilometer, wie ich in meinem Leben schließlich schon gefahren bin. Und ich wollte der Nachbarin auch auf keinen Fall wieder absagen. Die war vorher schon enttäuscht genug, weil alle sie versetzt hatten. Dass sie versetzt worden war, finde ich besonders schade, weil sie umgekehrt eine ist, die dauernd was für irgendwen dieser Leute übernimmt oder macht.

Also Augen zu und durch.

Oder eigentlich lieber Augen auf und durch – so fährt es sich besser.

Es war anstrengend und ich merke, dass mich das schon an Grenzen bringt, wenn ich gleichzeitig fahren und Konversation betreiben (naja, bei ihr genügt eigentlich zuhören und gelegentlich ein Kommentar) muss – aber auch, dass es geht. So irgendwie.

Das Essengehen mit den Leuten vom Spanischkurs nachher, das ich eigentlich für die Herausforderung des heutigen Tages gehalten hatte (weil mir sowas immer noch schwer fällt, obwohl wir ja in einer gewissen Regelmäßigkeit in dieser Runde alle halbe Jahre in ein Restaurant gehen), kann jetzt eigentlich auch nicht mehr schlimmer oder schwieriger werden.

*

Wenn ich solche Kleinigkeiten, mit denen ich mir (immer noch oft) so schwer tue mit Abstand betrachte, dann denke ich immer, wie furchtbar lächerlich das doch eigentlich ist, dass mir ein simpler kleiner Gefallen, um den mich eine Nachbarin bittet, einen solchen Kraftakt abringt und wie lächerlich doch eigentlich ist, dass ich überhaupt stolz darauf bin, wenn ich solche Kleinigkeiten schaffe.

Aber zum Glück gibt es mittlerweile (manchmal) auch jene Stimme in mir, die das gar nicht lächerlich findet, weil es für mich eben keine Kleinigkeiten sind (immer noch nicht).

That’s one small step for mankind, one giant leap for a woman.

(Katja Legweak)

Katja