kurz zitiert #43

Lars Knutsson stapfte durch den Regen, der Schotter knirschte unter seinen Füßen. Er hatte Hunger. Das war eigentlich nichts Besonderes, er hatte oft Hunger. Aber heute hatte er nicht einfach Hunger, sondern einen Sonntagshunger. Der unterschied sich von normalem Hunger nicht dadurch, dass er größer, sondern dass er anders war. Ein Sonntagshunger war ein Hunger auf Rinderklößchensuppe, auf Braten mit Soße und Kartoffeln, auf zwei Sorten Buttergemüse. Auf einen Nachtisch, zum Beispiel warmen Käsekuchen mit Sahne und Blaubeermarmelade. Lisa, seine Frau, kochte gerade jetzt, als er den Schotterweg hinunterstapfen musste, genau dieses Essen. Sie stand am Herd in der großen, warmen Küche in ihrem Haus in Åby. Ihr ältester Sohn Martin war mit seiner Erika zu Besuch, und Enkel Oskar hatten sie auch dabei. Nur er lief hungrig durch den Wald.
Natürlich würden sie an ihn denken. Sie würden von allem einen Rest übrig lassen und in Schälchen legen, mit Frischhaltefolie abdecken und in den Kühlschrank stellen. Aber das war kein Ersatz. Ein Sonntagshunger galt nicht diesen kalten Tupperdosen im Kühlschrank, die man in die Mikrowelle stellte, um sie dann vor dem Fernseher leer zu essen. Zum Sonntagshunger gehörte eine gedeckte Tafel, gehörte Oskar, wie er auf seinem Schoß saß und quietsche und kleckerte. Im Grunde war Knutssons Sonntag jetzt schon gelaufen.

(Roman Voosen, Kerstin Signe Danielsson, Später Frost, Der erste Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss, KiWi Paperback, Seite 44)

 

Wie könnte ich mich nicht spätestens an der Stelle in das Buch verliebt haben? Ein Sonntagshunger! Wie schön beschrieben und ich kann das Essen fast riechen! Mittlerweile bin ich schon deutlich weiter und es gibt einige solcher warmherzigen Beschreibungen. Dazu ist der Fall spannend, bisher ist das Ende noch gar nicht vorhersehbar und die Charaktere sind alle fein gezeichnet. Obwohl es recht viele gibt, muss ich nicht hin und herblättern, weil ich mir nicht merken könnte, wer nochmal was war – das ist eigentlich immer ein gutes Zeichen dafür, dass ich sie markant und erkennbar finde.

Schönes Buch bisher! Ich ahne, dass ich mir da ruckzuck den zweiten Band holen muss und dann losgrummeln werde, weil es noch nicht mehr davon gibt. 🙂

Katja

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Ein Kommentar zu “kurz zitiert #43

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