Gedankengeschwurbel über Freundschaften und ein Umdenkversuch

Immer wieder piekst das Thema, mal deutlicher mal weniger schlimm, aber immer irgendwie präsent. Mir fehlt hier eine Freundin in direkter unmittelbarer Umgebung, jemanden mit dem ich mich gelegentlich an einen Tisch setzen, einen Kaffee schlürfen, quatschen kann.

Vor ein paar Tagen gab es so einen tiefen Stich. Ich habe eine Mail bekommen und bin beim Lesen der Absenderin fast vom Stuhl gefallen. Meine Freundin aus Kindertagen, jene für die ich, seit sie seit ein paar Jahren auf keinen meiner Kontaktversuche mehr reagiert hatte, jedes Jahr zu ihrem Geburtstag hier Geburtstagsgrüße im Blog hinterlasse (zB hier), weil es für mich einfach undenkbar ist, ihr an ihrem Geburtstag nicht zu gratulieren. Es war der erste nach meinem eigenen, den ich auswendig wusste.

Und ich mache die Mail auf und sie ging nicht nur an mich, sondern ohne BCC (was mich üblicherweise völlig irre machen würde) scheinbar an ihr gesamtes Adressbuch, mich und weitere 85 Empfänger und zwischen einem Christoph und einem Eugen taucht da auch mein Name und meine (alte) Mailadresse auf und darin findet sich nichts ausser einem sinngemäßen ‚öffnet keine Anhänge in Mails von mir, irgendwas ist hier bei meinem Mailkonto komisch‘.

Nach dem Lesen sitze ich da, weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll, kann zweiteres aber nicht zurückhalten. Ein Lebenszeichen, es gibt sie noch, sie hat noch ihre alte Mailadresse – also vermutlich auch meine Mails bekommen, nur nicht beantwortet und ich kann mir nicht mehr länger vormachen, dass sie vielleicht einfach nicht angekommen sind.

Seitdem bin ich ratlos, weiss nicht, ob ich die Mail einfach ignorieren kann (soll) oder vielleicht darauf antworten und doch nochmal einen letzten Versuch unternehmen, sie zu erreichen. Warum macht sie sowas? Warum hebt sie meine Mailadresse auf und lässt die nicht wenigstens bei den Empfängern solcher Massenmails raus, wenn sie sonst auf keinem Kanal auf meine Kontaktversuche reagiert? Das reisst soviele Wunden (und soviel Sehnsucht) auf einmal auf. (Bitte macht das besser! Solltet ihr mal jemanden aus eurem Leben streichen, dann streicht sie/ihn auch als Empfänger aus solchen Massenmails!)

*

Fast 2,5 Jahre ist es her, dass ich via Onlineanzeige nach einer Freundin hier in der Gegend gesucht hatte. Ungefähr ein Jahr ist es her, dass jene Freundin, die ich über diese Anzeige gefunden hatte, mir ein Ultimatum gestellt und damit die noch frische Freundschaft wieder beendet hat. Und auch das nagt immer noch, auch wenn ich mittlerweile denke, dass es so vermutlich besser war. Seit ich vor ein paar Wochen mit Ralph bei Twitter auf das Thema kam, überlege ich, ob ich das einfach nochmal versuchen soll, mit einer solchen Anzeige, aber ich traue mich nicht.

Heute habe ich eine Mail von dem Kleinanzeigenportal bekommen, wo ich damals die Anzeige veröffentlicht hatte. Die ist tatsächlich immer noch online, nur sehr nach hinten durchgerutscht und heute hat tatsächlich noch jemand darauf geantwortet. Diese Frau hat 54 Seiten mit je 20 Anzeigen durchgeklickt bis sie bei meiner angekommen war und hat nach fast 2,5 Jahren noch darauf geantwortet. (Deprimierend übrigens: viele der Anzeigen, die jetzt aktuell unter Bekanntschaften in der Gegend drin stehen, gab es fast wortgleich vor 2,5 Jahren schon so und diese Leute suchen scheinbar auch immer noch nach Freunden.) Seitdem ich die (leider sehr kurze und quasi nichtssagende) Nachricht gelesen habe, dreht sich wieder alles in mir. Da ist so viel Hoffnung und Angst gleichzeitig und ich begreife zum ersten Mal wirklich, weswegen Menschen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben, manchmal solche Schwierigkeiten haben, wieder zu vertrauen und sich auf andere Menschen einzulassen. Natürlich betrifft das meist Beziehungen, aber für mich fühlt es sich genauso schwierig und frustrierend an, eine Freundin zu finden.

Und ich merke, wie fest und tief immer noch dieses selbst Niedermachen sitzt. Meine Angst ist immer nur einseitig, immer nur in die Richtung, dass ich nicht genügen könnte, zu feige, zu wenig unternehmungslustig, zu verschlossen, zu ruhig, zu klein, zu schüchtern, zu aufgeregt, zu depressiv, zu gestört, zu alles sein könnte und deswegen falsch bin und nicht in das Raster Freundin passe.

Ich kann nicht denken „ok, ich antworte mal auf die Nachricht und wenn sich rausstellt, dass die Frau doof ist, dann muss ich sie ja nicht treffen“ – in meinem Kopf gibt es nur „oh je und was ist, wenn sie mich doof findet und es dann wieder nichts wird?“.  Und wenn ich wenigstens weiterdenken würde (ohne mich hier jetzt bewusst dazu zu zwingen das aufzuschreiben, sondern als natürliche Folge des letzten Gedankens) „oh ok, wenn sie mich doof findet, dann wäre sie ja eh nicht die richtige Freundin für mich gewesen“, aber dafür fehlt mir das Bewusstsein, dass ich ja gar nicht doof bin. Wenn sie mich doof findet, hat sie recht und es liegt an mir.

Umdenkversuch:

(Vielleicht kommt es ja tatsächlich irgendwann bei mir an, wenn ich endlich anfange, mich dahingehend zu korrigieren – auch wenn ich das selber (noch) gar nicht glauben kann.)

Ich bin kein schlechter Mensch und keine schlechte Freundin. (Ich weiss nicht, ob etwas dran ist, aber ich habe mal gelesen, das Hirn blendet Verneinungen aus, deswegen besser andersrum.)
Ich bin ein guter Mensch und eine gute Freundin. Ich bin freundlich, großzügig, fürsorglich, warmherzig, empathisch und manchmal sogar lustig. Ich kann gut zuhören und Verschiedenartigkeit annehmen ohne sie zu (be-)werten. Ich bin offen und ehrlich und ich lüge nicht aus Bequemlichkeit. Was ich sagen will, sage ich eher in den Zeilen als dazwischen.

Ufff. Ich weiss nicht, ob ich mich gleich traue, das so zu veröffentlichen. Ich glaube, ich habe noch nie so sehr versucht, mich von einer positiven Seite zu betrachten. Üblicherweise verleihe ich mir eher die Attribute naiv statt freundlich und gluckenhaft statt fürsorglich und ich komme mir gerade vor als würde ich eine Mogelpackung kreieren und mir selber falsche Werbeversprechen aufdrucken.

Aber vielleicht ist es gerade der Punkt, dass ich das nicht nur mir selber so andrehen muss, sondern zusätzlich auch noch die furchtbare Scham überwinden, so positiv öffentlich über mich zu reden bzw. zu schreiben. (Nochmal uffff.)

(Und entschuldigung für die vielen Klammern, die nicht gerade die Lesbarkeit unterstützen, aber ich habe das gerade nicht ohne hinbekommen.)

Katja

19 Kommentare zu “Gedankengeschwurbel über Freundschaften und ein Umdenkversuch

  1. Herzelein… du bist so unfassbar großartig. Du bringst mein Herz – ohne Scheiß! – fast jeden Tag zum freudig aufhüpfen. Und wenn nicht das, dann dazu dich umarmen und knuddeln zu wollen, weil du es verdient hast. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an dich denke und du mir bei irgendwas einfällst wo ich dann grinsen muss oder mich frage was du davon hältst. Nichts davon ist ein falsches Werbeversprechen. Du bist genauso gigantisch wie du da in diesem Absatz selbst geschrieben hast. Du BIST eine großartige Freundin. *ganz weit aus dem Fenster lehn und mich mal als solche bezeichne* Du wohnst nur blöd. 😉 Hier würden dich alle lieben, weil du so viel hast was man lieben kann, muss, sollte. Du bist nicht falsch. Nichts an dir ist falsch oder schlecht. Ehrlich.

    Und ja, ich würde dieser komischen Freundin schreiben. Fragen was das soll. Sie auffordern zu antworten oder zu löschen. Dann machst du dir da keine weiteren Gedanken mehr drum. Kein „was wäre wenn“.

    Wenn es grau wird sag Bescheid. Die Schafe warten auf dich. ❤

  2. Bevor du das veröffentlichst, solltest du es dir den Text vielleicht ausdrucken, in jedem Zimmer an die Wand pinnen, und lesen. Laut lesen, bis es bei dir selbst eben so angekommen ist. Denn nur dann, wenn du es selbst glaubst, kommt es auch so bei anderen an, und nur wenn es bei anderen ankommt, ergeben „Freundschaftsversuche“ Sinn.
    Ich bin ich. Ich muss nicht sein, was andere in mir sehen wollen. Du musst es ebenso wenig sein. Entweder wird das akzeptiert oder nicht. Manchmal muss man Fehler nicht bei sich selbst suchen, sondern beim Gegenüber … Fremdartiger Gedanke, wenn man es gewohnt ist, sich selbst zu zerfleischen, aber vielleicht eben der Weg zum eigenen Ich?!
    Sicher ist Freundschaft immer auch Arbeit, wie jede andere Beziehung auch Arbeit ist, aber nichtsdestotrotz darf man bleiben, wie man eben ist.
    Mir ist ein ehrlich gemeintes „Klei mie am Achtersten“ mittlerweile lieber, als alles Honig-um-den-Mundgeschmiere.

  3. Da gab es in der letzten Zeit riesige Lecks und Datenklau, daher die Mailadressen, aber vorsicht häufig enthalten dann Mails mit den Namen einer Bekannten einen Trojaner, etc.. Online, Mails sind halt nicht sicher.

  4. @Svü: Nach Stunden immer noch sprachlos! Danke, ehrlich! Soviel Freundlichkeit in nur einem Kommentar. Ich kann das ganz schwer annehmen, ohne dass alles in mir ‚aber‘ brüllt…

    @Frau Schlau: Oh, das habe ich dann vermutlich missverständlich ausgedrückt: natürlich will ich das _nicht_ irgendwo anders und schon gar nicht als Suchanzeige veröffentlichen. Mit Veröffentlichen und trauen meinte ich, hier auf meinem Blog den Artikel, ohne diesen Teil, wo ich etwas positives über mich schreibe, wieder rauszulöschen.
    Mich selber muss ich überzeugen, mich zu mögen und anzunehmen, das ist erst mal die Herausforderung für mich.

    @aquasdemarco: Nein, die Mail war schon persönlich von ihr geschrieben.

  5. Klar warum eigentlich nicht noch ein Versuch mit einer Anzeige. Entweder es klappt oder eben nicht. Es kann nur besser werden 🙂

    Dieses positive Umdenken (das woran ich auch noch arbeiten soll/will/muss) hört sich interessant an. Das funktioniert mit Sicherheit gut! Natürlich ist es ungewohnt von jetzt auf gleich Gewohnheiten zu ändern.

    Ich zum Beispiel versuche mich seit einiger Zeit darin, Leuten die mich fragen wie es mir geht eine positive Antwort zu geben. Die Umstellung ist schwierig aber es wird. Das funktioniert besser als der Frust der kompletten letzten Arbeitswoche. Der auf der Insel wissen schon warum Sie auf Ihre Frage „How are you?!“ keine besondere Antwort möchten 😉

    Bescheidenheit und Realismus kann man auch übertreiben. Und ja ich spreche da aus eigener Erfahrung. Vielleicht sollte ich das mit dem positiven Umdenken auch mal probieren! Ich bin gespannt wie es weiter geht! Dir auf jeden Fall viel Erfolg dabei! (Achja und Klammern sind toll :))

    Vielen lieben Dank für das Verlinken und die Erwähnung 😀

    Liebe Grüße

    Ralph

  6. Ach herrje …. Ja, das hatte ich falsch verstanden. Aber irgendwie ist es noch schlimmer, wenn es dich sogar Mut kostet, hier etwas Positives über dich zu schreiben 😦
    Das stimmt traurig. Kein Mensch ist per se nur schlecht, du also auch nicht. Du musst nur zulassen, dass du vielleicht genau so, wie du bist, richtig bist? Denn im Umkehrschluss ist kein Mensch nur gut, ich habe auch jede Menge Macken, die ich irgendwann anfing anzunehmen, wie sie sind. Zu emotional, zu impulsiv, zu gerade raus, zu naseweis. Aber vielleicht macht gerade das den Menschen aus und vielleicht ist es gerade das, was dich oder mich für andere Menschen als Freund interessant macht? Diesen Menschen heißt es zu finden, der dich nimmt wie du bist. Ich fasel schon fasel schon wieder …. Fühl dich umärmelt. Alles wird am Ende gut!

  7. Hui… Da erwartest du aber viel. Warum gleich Freundin?
    Eine „feste Freundschaft“ entwickelt sich doch erst langsam über Jahre wenn nicht sogar über Jahrzehnte hinweg.

    Ich hätte auch gerne eine „feste Freundin“. Nur müssen dafür Gemeinsamkeiten vorhanden sein.

    Die meisten suchen.
    Eine Freundschaft einzugehen, zu pflegen und zu erhalten ist die Königsdisziplin der menschlichen Beziehungen und für mich gleichzusetzen mit einer gut funktionierenden Ehe.

    Nimm doch erstmal ´ne Nummer kleiner 😉

    Ich hab´s übrigens auch mal mit ner Kleinanzeige versucht.
    War blöd. Wir wussten nicht wirklich was miteinander anzufangen. Es verlief dann im Nirwana 😉

    Lieben Gruß
    dani

  8. @Ralph: Wenn du den kompletten Frust erzählt hast, hattest du dann das Gefühl, dass du das nicht loslässt dadurch oder hat das die anderen, die gefragt hatten, wie es dir geht, überfordert?
    Oder andersrum gefragt: versuchst du jetzt positiv zu antworten, weil es sich dann für dich auch besser anfühlt (und du dir selber sagst, dass alles cool und froody ist) oder weil die anderen eher aus Höflichkeit als echtem Interesse gefragt haben?

    @Frau Schlau: Nein, ist gar nicht gefaselt, was du schreibst und das ist es ja auch, was ich lernen will – eben mich anzunehmen. Das komische ist ja auch, dass ich wirklich mit zweierlei Maß messe, bei anderen viel nachlässiger/gnädiger/geduldiger bin als mit mir selber. Bei anderen geht es mir genau so, die mag ich mit und teils wegen ihrer Macken. Das über mich zu denken, dass mich gerade das vielleicht liebenswert machen könnte, ist mir nie gelungen. Und das klappt alles nicht, obwohl mir ja sogar bewusst ist, dass ich über andere bereit bin, gut zu denken und über mich nicht. Ich begreife (mittlerweile) intelektuell, dass das schräg ist und kann’s trotzdem (bisher) nicht ändern. *soifz*
    Danke! Ich ärmele zurück.

    @Dani: Liebe Dani,
    dein Kommentar hat mich gerade sehr zum Weinen gebracht. Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass ich mich einfach so blöd ausdrücke, aber im ersten Moment habe ich mich gerade sehr missverstanden gefühlt.
    Natürlich weiss ich, dass Freundschaft nichts ist, was einfach so da ist und dass sich eine innige, vertraute Freundschaft erst über Jahre entwickeln kann.
    Trotzdem _wünsche_ ich mir so einen Menschen in meiner Nähe. Wünschen, nicht erwarten.

    Dieses Thema Freundschaft, Freundin beschäftigt mich immer wieder, Gedanken dazu finden sich auch immer mal wieder hier im Blog. Vor allem finden sich aber hier immer wieder meine Selbstzweifel, das ewige Gefühl, das ich habe, dass ich irgendwie falsch bin. Unwürdig und unfähig für echte Freundschaften und dass ich es deswegen nicht hinbekomme, eine Freundin zu finden.

    Jetzt versuche ich gerade, mich selber ein bisschen anzunehmen und zu lernen, mich gerne zu haben. Und dazu gehört auch, dass ich mir zugestehe, dass ich einer Freundschaft würdig bin.
    Dann lese ich einen Kommentar, der damit anfängt, dass ich zu viel erwarte.
    Ich vermute, dass du damit meintest, dass das natürlich nicht aus dem Stand raus eine Freundin sein könnte, sondern dass sich das erst langsam entwickeln kann. Was ich aber als erstes dabei lese, ist die Deutung, die mir so sehr vertraut ist: du erwartest zu viel, wenn du annimmst, du wärst einer Freundschaft würdig.

    Das ist es wie ich ticke, wie ich automatisch denke, wenn ich mein Denken nicht, wie oben im Artikel geschehen, korrigiere.

    Ich weiss, dass Freundschaft nicht vom Himmel fällt. Aber trotzdem ist mein _Wunsch_ der nach einer Freundin, mit der ich mich verstehe. Das was für mich Freundschaft ausmacht ist nämlich nicht nur eine gewachsene Struktur, sondern vor allem auch, dass man eine gemeinsame Wellenlänge hat. Und das zu spüren ist nichts, was zwigend gewachsen sein muss. Für Vertrautheit braucht es Zeit, nicht für einen Draht zueinander.

    Momentan habe ich hier gar nichts. In meinem Umkreis (und damit meine ich nicht 10 oder 20 sondern eher 300 km) habe ich keinen einzigen Menschen, mit dem ich einfach nur alle paar Wochen mal einen Kaffee zusammen trinken könnte. Und das ist, mit Verlaub gesagt, doch nicht zu viel erwartet oder erhofft oder erwünscht. Völlig unabhängig, ob ich es nun lose Bekannte oder Freundin nenne. 🙂

    • Ich denke eher das es die meisten meiner Mitmenschen überfordert hat. Gut wenn man den Kanal voll hat und einmal den ganzen Frust ablässt ist das schon geballt.

      Es ist immer schwierig zwischem echten Interesse oder Höflichkeit zu unterscheiden. Aber in beiden Fällen kann man es übertreiben.

      Ich habe festgestellt das man sich schnell in so einer Stimmung verlieren kann. Wenn es bescheiden läuft und ich das bei jeder Gelegenheit auch so verkaufe, dann wird meine Stimmung dadurch nicht besser.

      Ich versuche positiv zu antworten um die Welt etwas optimistischer zu sehen. Oder anders herum: Weil ich die Welt etwas optimistischer betrachte, antworte ich positiv. Natürlich bleibe ich dabei realistisch.

      Es klappt nicht immer, weil eben nicht immer alles toll ist. Aber manchmal muss man auch nicht jede Kleinigkeit in die Antwort einer solchen Frage einfliessen lassen.

      Das Interessante ist, dass sich die Gespräche mit diesem positiven Aspekt in ganz andere Richtungen wie früher bewegen. Da ist eher mal etwas Smalltalk drin oder aber auch ganz andere Themen wie das Ursprungsthema des Gesprächs.

      Liebe Grüße

      Ralph

      • @Ralph: Ich habe das früher immer gemacht, dass ich – auch wenn es mir noch so schlecht ging – das nicht zugegeben und überspielt habe, weil es sich auch immer anfühlte, als dürfe es mir gar nicht schlecht gehen. Ich wollte anderen damit nicht auf die Nerven gehen.

        Deswegen fand ich das so spannend, was es bei dir ausmacht und ändert, das jetzt anders zu formulieren (und zu sehen). Danke für die Antwort! 🙂

  9. Liebe Katja,

    es tut mir weh, zu lesen, was Du so durchmachst.

    Eine Freundin gab mir einmal eine Karte mit dem Spruch (Sinngemäß): „Wenn ich Dir eine Sache geben könnte, dann die Fähigkeit, Dich selbst so zu sehen, wie andere Dich sehen können.“

    Du bist ein warmherziger, großzügiger, witziger, weiser und sehr liebenswerter Mensch. Wenn ich das schon über das Internet spüre, dann werden das auch die Menschen in Deiner Umgebung merken.

    Aber wann bekommen sie die Gelegenheit, Dich kennenzulernen? Ich weiß, dass es in einem bestimmten Alter nicht mehr so einfach ist, neue Leute kennenzulernen. Ich weiß, wie schwer es ist, auf Menschen zuzugehen, wenn man sich selbst für so wenig liebenswert hält (ich weiß in weiten Teilen meines Lebens genau, wovon Du sprichst, auch wenn es sich bei mir mehr auf Männer bezieht und nur in schlechten auf die ganze Welt).

    Ich nehme an, dass Du nicht viele Gelegenheiten hast, mit neuen Menschen zusammenzukommen. Ich mutmaße hier natürlich. Aber gibt es Hobbies, Stammtische, Volkshochschulkurse o.ä., bei denen Du verschiedenen Menschen regelmäßig begegnen könntest? Gerade die Möglichkeit, sich wiederzusehen ohne sich dafür gleich verabreden zu müssen, ist für ein Kennenlernen sehr wertvoll.

    Ich wünsche vielen Menschen die Gelegenheit, die Katja kennenzulernen, die ich hierso liebgewonnen habe. Mit allem, was Dich ausmacht!

  10. Als kleiner „Denkanstoß“:
    Da gibt es für mich große Unterschiede, zwischen Freundschaft und Bekanntschaft. Freunde nenne ich sehr sehr wenige Menschen und irgendwie sind es wenn, dann meistens Männer, mit denen ich Freundschaften pflege. Mit Frauen funktioniert das immer nicht, was wohl daran liegt, dass ich a. mit Männern besser – anders – reden kann, offener, und b. liegt es daran, dass ich auch mit Männern mehr Interessen teile. Frauen sind mir großteils suspekt 😉 sprich, ich habe das nicht so mit der „Goldwaage“, die man bei vielen weiblichen Wesen benötigt. Ich meine, dass ich für Frauen zu hart klinge. Warum auch immer … 😉
    Ich habe Menschen – selbsternannte so genannte Freunde, einer nannte mich sogar beste Freundin – mal gefragt, wie ihre Definition von Freundschaft ist. Da kamen Sachen bei raus … Auweia. Mal zusammen ausgehen, oder Kaffee trinken oder so. Reden auch, aber eher „Spaß“ zusammen haben. Mal gab es gar keine Antwort, weil die Frage offensichtlich zu schwer war. Da fing ich an zu reflektieren, dass meine Erwartung an Freundschaften nur von sehr wenigen Menschen erfüllbar sind. Einen solchen Freund zu finden, ist wie die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau.
    Frau Hilde drückte das sehr schön aus. Eine echte Freundschaft ist wie eine gut funktionierende Ehe und ebenso „anstrengend“ zu führen. Man investiert nicht minder. Und was noch vergleichbar ist, ist das Gefühl dahinter. Denn das ist Freundschaft eben auch, ein Gefühl. Eine Art von Liebe. Es gibt ja schließlich mehr Formen zu lieben, als nur die eine. Was es eben auch schwer macht einen echten Freund zu finden. Jedenfalls für mich … Dabei erwarte ich nie mehr, als ich bereit bin zu geben, und das ist für einen Menschen, der sich in mein Herz geschlichen hat, so ziemlich alles. Respektive erwarte ich schlicht, dass ich so sein darf, wie ich bin. Was vor allem bei Frauen eben immer ein Problem darstellte.
    Das zu deiner Antwort zu Frau Hilde.
    Eine solche Freundschaft zu vermissen ist nachvollziehbar und ähnlich der Sehnsucht nach einer Beziehung. Wenn du aber schreibst, dass es dir anfänglich um „weniger“ geht, eben Dinge wie mal rauskommen und etwas zusammen unternehmen und sei es nur Kaffeetrinken, dann finde ich gut, was Welt des Wissens schrieb. Dorthin gehen, wo man erstmal „zwanglos“ und ohne jedwede Erwartungshaltung auf Menschen trifft. Wer weiß, was sich daraus ergibt? Vielleicht triffst du dort auf einen Menschen, der sich in dein Herz schlicht und du dich in ihres? Ich bin da auch eher altmodisch. Warum soll in Zeiten der globalen Vernetzung alles Althergebrachte falsch sein? Anzeigen aufgeben hat so einen festen Vorsatz dahinter, einen Plan, und Leben ist eben nicht planbar.
    Je krampfhafter man sucht, umso weniger wird man finden. Das liegt in der Natur der Sache, und ist hier eher kontraproduktiv. Man „nimmt“ in seinem „Leidensdruck“ alles mit – nahezu egal was, Hauptsache erstmal irgendein Feedback – um dann festzustellen, dass das wieder ein Griff ins Klo war, was dazu führt, dass man in seiner „verschobenen“ Selbstwahrnehmung auch noch bestätigt wird. Und schwups steckt man in einer weiteren Negativspirale …

    • Ich finde Anzeigen grundsätzlich nicht schlecht. Manchmal mss ma eben Gelegenheiten schaffen, auf passende Menschen zu treffen. Also erst einmal Leute, die überhaupt offen sind für neue Bekanntschaften. Ich kenne genug Menschen, die außerhalb des Jobs gar nicht auf neue Menschen treffen, die offenbar mit dem Ausmaß ihrer sozialen Kontakte zufrieden sind.

      Wer sich auf die Suche macht, der hat schon einmal einen Platz frei in seinem Leben. Das finde ich gut. (Mich nerven eher die Leute, die dann den Anspruch haben, ein anderer müsse bei ihnen eine Lücke füllen).

      Und ich verstehe auc, wie wichtig es ist, einen nahestehenden Menschen in der Nähe zu haben. Meine Schwester, die beste der Welt, lebt so weit weg, dass es frustrierend ist. Klar telefonieren wir, aber sich einfach mal treffen zu können, das wäre so schön.

  11. @WdW: Meine liebe Welt, hab vielen Dank für deine Freundlichkeit! (Ich frage mich übrigens im Gegenzug dauernd, was mit diesen hamburger Männern nur los ist… )
    Und ja, da sprichst du etwas an, die Gelegenheit…
    Menschen, erst mal mit einem bestimmten Grund zu begegnen, war der Grund für mich, damals mit dem Spanischkurs anzufangen. Natürlich wollte ich gerne die Sprache lernen, aber ich wollte in erster Linie üben, überhaupt unter Menschen zu sein. Und wie dringend das immer noch ist, merke ich jedes Mal, wenn wir gerade Pause zwischen zwei Kursen oder auch nur Ferien haben. Ein paar Wochen kein Kurs bedeutet für mich, vor den nächsten beiden Termin, selbst im 9. Kurs nach 4,5 Jahren, immer noch eine quasi schlaflose Nacht vor lauter Nervosität. Ich habe irgendwann überlegt, ob ich mir noch einen weiter Kurs suchen sollte, aber dieser eine feste Termin pro Woche macht mich immer noch völlig fertig. Dienstag Morgens, wenn ich aufwache, ist immer noch mein erster Gedanke „Ufff. Nur noch x Stunden, dann muss ich los.“ und dieses Gefühl zieht sich durch den ganzen Tag. Ich kann mir für den Tag auch nichts weiteres vornehmen, weil selbst zusätzliches Einkaufen gehen, würde mich völlig überfordern. *soifz*
    So isses, so schwer fällt mir das alles immer noch.
    Ein ‚privater‘ Termin, wie zB jene als ich mich mit dieser Frau, die ich über die Anzeige kennenlernte traf, stresst mich sehr viel weniger. Vielleicht ist das eine Frage der Anzahl der Menschen, denen ich auf einmal begegne. Ich bekomme das nicht genau zu greifen, weswegen sich das so unterschiedlich anfühlt.
    Nach örtlichen Vereinen habe ich schon geschaut, aber irgendwie war da nichts dabei, wo ich auch nur halbwegs das Gefühl hätte, reinzupassen. Da merke ich dann doch, dass ich auf dem Dorf wohne – auch wenn die kleine Stadt dem Status nach eine Stadt ist – es gibt hier einfach nicht so viele Möglichkeiten. Für meinen Spanischkurs fahre ich auch in den Nachbarlandkreis…

    Ich weiss, das sind furchtbar viele Abers und im Grunde steht da überall nur, dass ich mir selber im Weg stehe mit meiner Angst. Aber (schon wieder eines) ich weiss auch nicht, wie ich da so einfach rauskommen soll.

    Vielleicht sollte ich tatsächlich nochmal nach einem weiteren vhs-Kurs Ausschau halten. Der, der mich am meisten interessieren würde, findet schon seit Jahren genau zur gleichen Zeit statt wie mein Spanischkurs…

    @Frau Schlau: Ehrlich gesagt, weiss ich nicht so genau, was ich mit deinem „Denkanstoß“ anfangen soll…
    Hätte ich geahnt, dass es für euch so ein Problem darstellt, wenn ich den Begriff „Freundin“ in einem für euch falschen Kontext und Definitionssinn verwende, hätte ich der besseren Verständlichkeit (Edit: wegen) einfach „Mensch“ in meinen Blogartikel geschrieben.

  12. Liebste Katja,

    das sind gute und verständliche Gründe, die Du nennst. Wenn 1:1-Treffen leichter für Dich sind, dann kann ich so etwas wie New in Town empfehlen. Da gibt es immer Leute, die sich auch auf einen Kaffee oder so treffen wollen. ich lerne Menschen auch gern unter 4 augen näher kennen, aber man muss schon sagen, dass dort etliche Frösche und Fröschinnen dabei waren, bevor man die passenden Menschlein trifft. Und das finde ich emotional oft anstrengend, denn man (ich) will ja doch immer einen guten Eindruck machen.

    Aber ich habe viele gute Freundschaften über diese Plattform begonnen. auch unter Frauen merkt man oft schnell, ob es „funkt“.

    Und: Ich fand Deinen Artikel sehr klar formuliert. Aber das Thema ist eben eines, wo jede/r von uns so ihre ganz eigenen Gedanken und Assoziationen hat. Da gibt es kein richtig und kein falsch, liebste Katja. Und Du bist sowieso goldrichtig ❤

  13. Ich kenne das Problem, meine engste Freundin wohnt in Frankfurt. Ich habe erst vor ca. 2 Jahren zwei Freundinnen hier vor Ort gefunden, mit denen ich auch mal was unternehmen kann, und ich hab bei jeder Kleinigkeit Angst, sie wieder zu vertreiben. Jedenfalls ist es genau richtig, dass du dich bewusst positiv über dich selbst äußerst. Wenn andere nix mit dir anfangen können, sind die doof, und nicht du!

  14. Hallo Katja,
    dieses Thema bewegt mich so sehr, dass ich doch gerne meinen Senf dazu abgeben möchte. Ich kann es gut nachvollziehen, dass dir eine gute Freundin fehlt. Mir geht es inzwischen ähnlich, da die meisten meiner Freundinnen irgendwie nicht mehr da sind. Es ist nur noch eine einzige geblieben, die aber weit weg wohnt. Ich bin vor noch nicht mal einem Jahr aufs Land gezogen, ca. 600 km von meinem Elternhaus entfernt und habe endlich mein Glück und meine Liebe gefunden. Doch leider haben sich die meisten meiner Freunde ganz allmählich abgewendet: sie antworteten (sms, skype, Post) nicht zurück. Es machte mich etwas sauer, vor allem aber sehr traurig und ich fragte mich, warum? Meine Liebsten meinten, dass einige mir das Glück nicht gönnen würden, die anderen seien so sehr mit ihrer Arbeit und ihrem Tun beschäftigt, dass sie noch nicht mal Luft zum Atmen finden und anderen wiederum die Entfernung zu weit sei. So habe ich mir versucht das zu erklären, dass die meisten so sehr mit sich selbst und ihren Problemen beschäftigt sind, dass sie keine Zeit finden bzw. es sich nicht antun können, dass ich glücklich bin und lieber den Kontakt abbrechen. Ich finde es ganz schön ignorant, wenn man so mit seinen Freunden umgeht.

    Vielleicht hilft es dir, wenn du deiner Freundin einen letzten Brief schreibst, indem du ihr deine Gefühle und deine Gedanken zu der Situation schilderst. Ich habe für mich entschieden die Leute fallen zu lassen, schließlich geht es in diesem Punkt um Wertschätzung. Ich brauche keine Menschen um micht herum, die mir nicht gut tun und mir nur ein schlechtes Gefühl vermitteln. Ich schicke ihnen in Gedanken Liebe und wünsche ihnen auf ihrem Weg Gutes.
    Ansonsten hoffe ich sehr, dass ich auch hier auf dem Land (wo es nicht so viele Menschen wie in der Stadt gibt und es schwieriger ist, gute Freundschaften zu finden) auch irgendwann wieder eine gute Freundin in der Nähe habe, mit der ich auf einer Augenhöhe bin. Ich glaube daran und lasse es auf mich zukommen.
    Doch jmd. einengen oder ein Ultimatum setzen, das sind schon keine guten Voraussetzungen für eine Freundschaft.
    Du kannst dich für glücklich schätzen, dass du eine Freundschaftsanfrage bekommen hast. Es ist eine neue Chance für dich. Ich würde es ausprobieren und wenn du ein schlechtes Gefühl dabei hast, dann würde ich es lassen.
    Mache dich nicht so schlecht, ich glaube, dass ganz viele von uns schon so schlechte Erfahrungen gemacht haben (egal ob in einer Beziehung oder mit Freundschaften). Es ist wichtig, dass man das Alte loslässt, gehen lässt und sich für das Neue öffnet.
    Und alles in Liebe. Liebst du dich selbst, dann kommt die Liebe auch zu dir. Das musste ich auch lernen. Doch irgendwann habe ich es gespürt, die Liebe zu mir selbst und seit dem bin ich von Liebe umgeben. Glaube an dich und an dein Gutes und Schönes in dir.
    Wüsche dir viel Glück!!!

    Ilonka

  15. @WdW: Auf die Idee mit so einer Plattform wäre ich gar nicht gekommen! Vielleicht ist das etwas lockerer und unverkrampfter als ich diesen ganzen Anzeigenkram empfinde. Hab vielen Dank für den Tipp – das gucke ich mir bei Gelegenheit mal genauer an. Mal sehen, ob das auf dem platten Land auch funktioniert und es hier Leute gibt.

    Danke für das Gefühl verstanden zu werden! ♥

    @Anette: Ich dachte irgendwie, du würdest noch am Ort deiner Kindheit wohnen (wobei man da ja natürlich auch ‚verwaisen‘ kann, wenn die Freundin wegzieht). Und was du mir schreibst, darst du gerne auch für dich beanspruchen: wenn du wirklich jemanden vertreiben würdest (was ich mir ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen kann), sind die doof und nicht du! 🙂

    @Ilonka: Liebe Ilonka, ich kann verstehen, dass dich das traurig macht! Gerade heutzutage, wo es so einfach ist, auch über Entfernungen in Kontakt zu bleiben, ist es furchtbar schade, wenn das mit deinen alten Freunden nicht klappt.

    Ich wünsche dir sehr, dass du in deiner neuen Umgebung Menschen kennenlernen kannst, mit denen du dich gut verstehst!

    Das Loslassen von Altem und auch das mich selber mögen – das muss ich erst mal lernen. Aber ich arbeite dran.
    Vielen Dank für deine Wünsche und herzliche Grüße!

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