Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #10

Lebende Kunst!

Wie peinlich! Wir waren nur eine Woche unterwegs und ich bin jetzt schon am 10. Teil meiner Erinnerungen und Fotos. 😳

Noch peinlicher ist, dass ich bei meiner Erzählung im September letzten Jahres exakt bis zu dem Satz obendrüber gekommen bin und dann so lange gebraucht habe, um weiterzuschreiben. Der Teil vorher lag komplett geschrieben so lange in den Entwürfen, weil ich mir irgendwann vorgenommen hatte, hier immer erst einen Teil zu veröffentlichen, wenn der nächste fast fertig geschrieben ist, damit ich mal motiviert bin, auch bis zum Ende des Reiseberichtes durchzuhalten. Seitdem ist übrigens auch immer noch der Tab mit einer Ansicht von Florenz in Googlemaps in meinem Browser offen. 😀

Jetzt aber: weiter mit Florenz! (Mal sehen wie ausführlich oder nicht meine Erinnerung zurückkehrt beim Schreiben. Ich glaube, vor allem sollte ich drauf pfeifen, wie viele Teile das werden und lieber so erzählen, dass ich hinterherkomme und nicht immer so viel Zeit am Stück zum Aufschreiben brauche. Ist ja vielleicht auch lesefreundlicher, wenn es nicht zu lange Monsterbeiträge werden.)

*

Vom Battisterium aus gehen wir als erstes bei der Touristeninformation vorbei und holen uns einen kostenlosen Stadtplan, was sich im Laufe des Tages als sehr gute Idee herausstellt. Zwar haben wir dank der italienischen SIM Internet und damit auch google-Maps verfügbar, aber die Orientierung in einer Stadt ist doch nochmal wesentlich einfacher, wenn man ausserdem eine einfache Übersicht hat, in welche Himmelsrichtung man, vom eigenen Standort aus, überhaupt suchen muss, um zum nächsten Ziel zu kommen. (Serviceinfo: Die, oder zumindest eine, Touristeninformation befindet sich, wenn man zwischen Dom und Battisterium die Straße Richtung Süden – also Richtung Arno – nimmt, die Via dei Calzaiuoli, direkt im Eckhaus auf der rechten Seite.)

Wir schlendern Richtung Arno und biegen dann ab, um zur Piazza della Republica zu kommen, „mitten drauf stellen und einmal umsehen, sieht toll aus“ hatte Sina empfohlen und dann machen wir das natürlich.

(Klick macht alle Fotos groß.)

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Von dort aus laufen wir im Schlenker weiter, vorbei an (oder heisst es am? Wegen Michele denke ich irgendwie das müsste männlich sein.) Orsanmichele, der  früher ausser Kirche auch noch Getreidespeicher war.

IMG_2887 IMG_2892 IMG_2893Das Schlimme an der Toskana allgemein und Florenz im Besonderen, das ich dort dauernd vor Augen und im Sinn habe ist, dass das alles viel zu viel zum Gucken ist, für viel zu wenig Zeit. Wahrscheinlich könnte man mehrere Monate alleine damit zubringen, sich Kunst und Kirchen in Florenz anzuschauen. Genießen kann man das nur, wenn man sich sehr stoisch einredet, dass es um das geht, was man dort an wunderschönen Dingen sieht und nicht darüber nachdenkt, was man alles nicht schaffen kann. So hatte ich auch schon im Vorfeld der Reise den Besuch in den Uffizien und allen Museen überhaupt abgeschrieben. Das ist unser erster Aufenthalt in der Toskana – erst mal durch die Straßen laufen, ein bisschen rumgucken und die jeweile Atmosphäre einatmen und auf uns wirken lassen. Deswegen geht es auch am Orsanmichele nur vorbei und weil mittlerweile Nachmittag ist und das Frühstück lange her, machen wir uns auf die Suche nach der Via dei Cimatori, genauer gesagt nach ‚Il Due Fratellini‘ bei denen es die besten Panini der Stadt geben soll.

Der Straßenverkauf der beiden Brüder, die sicher nicht mehr die Originalbrüder sind, denn die verkauften dort, glaubt man der Jahreszahl in der Bude, schon vor über 100 Jahren ihre Panini, liegt in einer eher versteckten Ecke einer kleinen Seitenstraße und wäre da nicht eine große Menschenansammlung auf der Straße – wir hätten ihn vermutlich übersehen. Die Schlange – und auch die zufriedenen Gesichter der Umstehenden, die schon auf ihren belegten Brötchen herumkauen – lässt hoffen, dass das mit den besten Panini tatsächlich stimmt.

IMG_2902Ob es tatsächlich die besten sind, kann ich natürlich mangels Vergleich nicht sagen. Ich weiss aber, dass ihr, solltet ihr das nächste oder überhaupt mal in Florenz sein, unbedingt dort ein Panini probieren müsst! Auch dort gibt es übrigens so ein Wasserversprühdingens und bis wir endlich dran kommen, sind wir ausser hungrig auch ein bisschen durchgeweicht. Aber bei der Hitze kommt das ziemlich gelegen. Nur für Brillenträger ist ein bisschen nervig, dass die Brillengläser natürlich hinterher auch aussehen als wäre man durch die Autowaschanlage gelaufen ohne bei der Trocken- und Polierabteilung vorbeizukommen.

Mit den Panini bewaffnet gehen wir ein paar Schritte beiseite, um nicht mitten in der großen Menschenansammlung zu essen und landen direkt wieder vor Orsanmichele, vor dem es ein Gitter zum Anlehnen gibt und während ich selig auf einem der besten und knusprigsten Brötchen herumkaue, das ich je gegessen habe, fällt mein Blick auf das, was auf mich den größten und nachhaltigsten Eindruck in der ganzen Stadt gemacht hat. Gegenüber sitzt ein junger Mann auf dem Boden. Ein bisschen sieht er aus, als hätte er zu wenig geschlafen oder wäre verkatert. Die Augen zusammengekniffen, die Stirn in Falten. Dann fällt mir der Block auf und der Stift in seiner Hand und dass die Mine nicht verkatert oder leidend, sondern hochkonzentriert ist. Er zeichnet ein paar Striche, vermutlich eine Skizze von Orsanmichele, eher noch eines bestimmten Details davon, schaut prüfend sein Blatt an, schaut wieder hoch, runzelt die Stirn, legt seine Hand an die Stirn, zeichnet weiter, schaut angestrengt… Ich kann mich überhaupt nicht sattsehen, so großartig finde ich es, diesem Menschen zuzuschauen, der so voller Leidenschaft vertieft wirkt. Und obwohl ich normalerweise (fast) nie Menschen fotografiere kann ich in diesem Moment nicht widerstehen. Vorsichtig knipse ich ein paar Aufnahmen, halte die Kamera nicht hoch, will auf keinen Fall seine Aufmerksamkeit und dass er merkt, dass ich ihn fotografiere – nicht, weil es mir um diese Heimlichkeit geht, sondern weil ich befürchte, sein Ausdruck könnte sich ändern, wenn er weiss, dass er fotografiert wird, aber genau dieses vertiefte Gesicht ist es ja, das mich so in seinen Bann zieht. Das ist auch der Grund weswegen ich ihn nicht einfach frage, ob ich ihn knipsen darf. Dann hinterher überlege ich kurz, ob ich das nachträglich tun soll, aber irgendwie ist es mir auch ein bisschen peinlich.

Ich zeige auf meinem Blog ja eigentlich nie Fotos von Menschen, so dass man sie erkennen kann. Schon gar nicht, wenn ich sie heimlich fotografiert habe und ich habe auch ein bisschen Bauchgrummeln dabei (vielleicht hat mich das auch so lange am Weiterschreiben gehindert), aber dieser Tag in Florenz und die Erinnerung daran wäre für mich ganz anders, wenn ich diesen jungen Künstler nicht beobachtet hätte.

(Solltest du dich auf den Fotos erkennen (bzw. auch falls das sonst jemand sollte) und nicht mit der Veröffentlichung einverstanden sein, bitte schreib mir eine Mail!)

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Ich kann mich nur schwer vom Anblick losreissen, aber dann ziehen wir doch weiter in Richtung Piazza della Signoria und denken uns dabei mögliche Geschichten und Biografien aus, wie der junge Mann dort auf dem Boden gelandet ist. 😀

Katja

11 Kommentare zu “Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #10

  1. Es gibt nie zuviele Teiler eines Reiseberichtes ! Ich teile meine Berichte auch immer nach Themen auf, so wird es übersichtlicher und man hat mehr zum Lesen und Anschauen. Auf alle Fälle macht es viel Freude dich zu begleiten ! 🙂

    • Vielen Dank für’s Mitkommen! 🙂
      Vor allem ist es, mit mehreren kürzeren Teilen, für mich auch bewältigbarer und ich brauche nicht direkt 3, 4, x Stunden am Stück für einen Bericht. Mit Pausen schreiben kann ich nicht so gut, ich muss sowas in einem runterschreiben, weil ich sonst aus der Stimmung raus bin.

    • Ach ja, du bist ja so ein Medici-Fangirl. 🙂 In die Medici-Kapelle wollte ich eigentlich auch gerne, aber wir hatten irgendwann keine Luft mehr für noch mehr Eindrücke an dem einen Tag.

      Wir haben gerade die Borgia-Serie mit Jeremy Irons als Rodrigo Borgia gesehen – wenn ich jetzt nochmal hinfahren würde, würde ich wohl gerne vorher rausfinden, in welcher Kirche Savonarola da predigt und mir die von innen anschauen. 🙂

    • Das finde ich auch unheimlich spannend, gerade bei Orten, die ich selber besucht habe. Eine andere Perspektive und ein Ort kann eine ganz andere Wirkung haben. 🙂
      10 werden das jetzt vermutlich nicht mehr – aber ich freue mich sehr, dass du das lesen magst! 🙂

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