Schwarze Löcher

Diese Tage, die sich anfühlen, wie unter einer Glasglocke. Abgeschnitten von allem Lebendigen, die Luft verbraucht, alles dumpf. Nur die eigenen Gedanken laut.

Heute Morgen habe ich eine halbe Stunde nach dem Aufstehen gebraucht, bis ich mich überhaupt aufraffen konnte bis zur Küche zu gehen, um Kaffee zu kochen – das ist normalerweise das erste, das ich morgens mache. Die erste Tasse stand dann neben der Tastatur, halbvoll, längst eiskalt und mir fiel auf, dass es plötzlich 3 Stunden später war. Keine Ahnung, wo die Zeit geblieben ist oder was ich in der Zeit gemacht habe. Alles wie in einem schwarzen Loch verschwunden, aufgesaugt.

An den liegengebliebenen Dingen merke ich, wie schlecht es mir geht. Ich wollte direkt morgens duschen, zur Post, einkaufen. Zur Post wollte ich Freitag schon, ging nicht. Samstag schon, ging nicht. Morgen. Und hoffentlich geht morgen endlich.

Bis ich die Energie zum Duschen hatte war’s nachmittags und die Tränen kamen mit dem heissen Wasser und hörten nicht wieder auf. Auch jetzt noch nicht, dauernd laufen sie aus den Augen ohne dass ich wüsste weswegen, ohne dass ich sie aufhalten könnte.

Meine Küche habe ich aufgeräumt heute, endlich auch die Dinge wieder in die Schränke geräumt, die ich 3 Wochen in einer Klappbox rumstehen hatte, weil wir den Schrank ohnehin wieder abhängen mussten. Und Wäsche zusammengelegt. 3 Maschinen. Von der ersten weiss ich nicht mal mehr, wann ich sie gewaschen hatte, so lange stand die jetzt rum. Dann war die Energie zu Ende und der Tag irgendwie auch. Zum Salat machen hat es immerhin noch gereicht. Auch wenn mein Körper gerade völlig dumpf ist. Kein Hunger, kein Durst, folglich trinke ich den ganzen Tag über viel zu wenig, dann Kopfweh.

Aufraffen ist das große Problem, das geht gerade gar nicht. Nicht zum Kaffeemachen, nicht zum Aufräumen, nicht mal zum Bloggen. Wenn ich dann erst mal die Energie aufgebracht habe, etwas zu beginnen, verschwindet auch die Tätigkeit im schwarzen Loch. Dass ich die komplette Wäsche der drei Maschinen zusammengelegt habe, habe ich erst gemerkt als ich fertig war. An das Zusammenlegen selber kann ich mich nicht erinnern, konnte ich schon nicht in dem Moment als ich fertig war. Ich war nur verblüfft als der Stapel zum Zusammenlegen weg war. Tätigkeit durch. Was denn jetzt? Unfähig, diese Entscheidung zu treffen. Wieder ins nächste Zeitloch gefallen.

Lesen geht gerade gar nicht, keine Konzentration in den letzten Tagen. Ich starre auf die Zeilen im Buch, komme nicht in die Geschichte, kann mich direkt am Ende der Seite nicht mehr erinnern, was darauf stand. An den vielen ungelesenen Artikeln im Feedreader merke ich, dass ich auch im Internet gerade nicht lesen kann. Dementsprechend weiss ich noch weniger, wo zur Hölle die Zeit heute Morgen geblieben sein könnte. Die unbeantworteten Mails stapeln sich ebenso – bitte habt Nachsicht, falls ihr auf eine Antwort von mir wartet.

Ich hoffe, das wirkt hier alles nicht wie ein großes Gejammer, ich kann das gerade überhaupt nicht einschätzen. Bitte seht’s mir nach, falls es so wirkt. Ich will das eigentlich überhaupt nicht und oft ist da eine innere Sperre in mir, solche Dinge zu bloggen, aus der Befürchtung, es könnte zu sehr nach Jammern wirken. So möchte ich nicht sein und/oder wahrgenommen werden. Ich weiss aber auch, dass ich gerade dringend mehr davon aufschreiben muss, statt das alles nur mit mir rumzutragen.

Katja

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15 Kommentare zu “Schwarze Löcher

  1. Ich finde du solltest es einfach alles bloggen. Und verdammt noch mal aufhören dich dafür zu entschuldigen. Wir sind hier weil wir dich mögen. So wie du bist. Mit schwarzen Löchern und Dementoren.
    Außerdem kämpfst du doch. Jammern sieht anders aus. Du Nuss, du. *flausch*

  2. Kein Jammern, vielmehr ein gut reflektierter Zustandsbericht. Aus Tagen an denen es dir gutgeht weißt du, dass es nicht viel gibt, dass man von außen sagen könnte.
    Versuch den Kopf über Wasser halten. Nicht aufgeben und … wie du neulich schriebst … dich aufraffen die Dinge zu tun, von denen du weißt, dass sie dir guttun.

  3. alles rauslassen ist immer eine gute Medizin. Und schließlich ist ein persönlicher Blog auch dazu da, Dinge aus dem Leben zu schreiben, auch wenn sie grad nicht so toll laufen.

    Ach Katja…
    fühl dich umarmt. Ich wünschte, ich könnte dir mal meine Augen leihen.
    Liebe Grüße

  4. Liebe Katja,
    mal wieder ein Post, der mir aus der Seele spricht und bei dem ich wirklich wage zu bahaupten, ja, ich kann es nachempfinden….
    Und ich finde es schön, dass du in diesem „dumpfen“ Zustand dennoch Worte finden kannst, um es einfach rauszulassen. Mir gelingt das in solchen Phasen nicht immer und dann staut sich alles noch mehr an… sei also froh darüber dass du das kannst und nein, das ist wirklich kein Jammern. Das ist ein notwendiges Ventil und dafür braucht man sich erstens nicht zu entschuldigen und zweitens gibt es sogar anderen (wie mir z.B.) ein bisschen…hm…ich nenne es mal Trost. Weil es eben gut tut zu sehen, dass man nicht die Einzige ist die solche Tage hat.

    Fühl dich verstanden und geknuddelt.

  5. Liebe Katja,
    das ist kein Gejammere.
    Vor ca. 25 Jahren hatte ich solch ein Phase. Gott sei Dank nur eine Phase.
    Ich habe es als furchtbar empfunden und denke heute mit Unbehagen daran. Und habe Angst, dass es wieder kommen kann.
    Lieben Gruß
    dani

  6. Ich empfinde es auch nicht als Jammern, sondern als Rauslassen. Bitte mach es einfach wenn dir danach ist. Wir die wir hier bei dir lesen, still oder nicht, ich da eher die stillere Leserin, verstehen dich vielleicht besser als du glaubst. Ich sende dir auch einen ganz lieben Gruß
    Doro

  7. Mhh, kannst du jemanden um Hilfe bitten in deiner Nähe, zu Zweit geht alles leichter.
    Ich hatte so eine Phase, bedingt durch Lebensituationen hatte sich mein Vitaminspiegel auf ein Minimum reduziert und ein riesieges Schwarzes Loch war auf einmal da..
    Wenn so eine Phase, wie von dir beschrieben länger anhält solltest du dir Hilfe suchen, sollte dafür keine Kraft sein, kann man auch jemanden bitte dieses zu tun.
    a hug for you!

  8. Wir sind bei Dir. Wenn Du schreibst, wenn Du nicht schreibst, wenn es Dir gut geht, in den Löchern.

    Hast Du einen „Erste Hilfe Koffer“? Etwas, was Dir vielleicht gut tut, alles ist erlaubt, auch zum x-ten Mal The Big Bang Theory auf DVD und ähnliches?

    Sonst hilft nur: durchstehen. Geduld mit Dir haben. Gut zu Dir sein. es ist Ausnahmezustand, aber es wird auch wieder anders.

    Bis dahin schicke ich Dir von Herzen gedanken, Umarmungen und Good Vibes. Halte durch!

  9. @alle: Danke! Wieder mal und immer wieder, dass ihr gerade bei solchen Artikeln so viel kommentiert! Ich bin oft gar nicht in der Lage, adäquat auszudrücken, was für ein warmes Gefühl ihr mir damit wirklich gebt und habe das Gefühl, mit meinen Antworten euren Kommentaren gar nicht gerecht zu werden.

    @Svü: Naja, ich bin aber eben auch so, dass ich das nicht an mir leiden mag und nicht gut aushalten kann, wenn ich das Gefühl habe, zu jammern.
    Aber ja, ich sollte (auch bei sowas) daran denken, dass es mein Blog ist, in das ich schreiben kann, was ich will. *soifz’n’reflausch*

    @xarpo: Danke!

    @Frau Neunmalklug: Danke – auch für’s Erinnern mit den Dingen, die mir gut tun. Ich hab das heute mal mit dem Garten probiert. (Wobei da noch viel Luft nach oben ist.)

    @Silencer: Kleiner drei!

    @Suse: Danke! Die Augen, damit ich das Gute und Schöne in der Welt wahrnehmen kann? (Normalerweise kann ich das ja ganz gut und das wird auch wieder so kommen! Ausrufezeichen.)

    @Isi: Das Rauslassen geht bei mir ja leider auch oft erst (zu) spät. Ich glaube, als erstes kommt mir immer das Schreiben abhanden, wenn ich nach unten drifte…
    Möglichst wenige solcher Tage wünsche ich dir!

    @Dani: Ich wünsche dir sehr, dass diese Zeiten nicht bei dir zurückkommen! Dankeschön für deinen Kommentar und sei herzlich Willkommen auf meinem Blog.

    @Doro: Vielen Dank und liebe Grüße zurück!

    @aquasdemarco: Ich kann nicht gut um Hilfe bitten und habe auch leider keine Freundin oder so in der Nähe, was ja für mich oft einen Teil des Problems ausmacht…
    (Wegen professioneller Hilfe antworte ich gleich im anderen Beitrag noch etwas ausführlicher.)
    Danke für die Umarmung!

    @Anette: *rückdrück*

    @WdW: Ich habe die wohl wunderbarsten Blogleser der Welt – passenderweise tragen das einige sogar im Namen!
    Das mit dem Koffer ist eine Idee, auf der ich ein bisschen rumdenken muss. Ich habe so etwas nicht (bisher) und wäre auch noch nie auf die Idee gekommen. Mal sehen, ob mir etwas einfällt, was ich reinpacken könnte – also zumindest gedanklich.

    @Rüdiger: Immer Danke!

  10. …Rabea, mal wieder spät dran 😦 aber von Herzen ´n Gänseblümchen am Stil rüberreich…. außerdem ist das ja hier Dein Blog, und da kannst Du tun und lassen, was Du magst. Und wenn Dir in so doofen Zeiten nach Jammern ist, dann solltest Du es auch aus Leibeskräften tun dürfen… es einfach rauslassen dürfen. Und an den vielen verständnisvollen, zustimmend nickenden Kommentaren sieht man ja auch, wie sehr auch andere Menschen das, was Du durchmachst aus eigener Erfahrung nachvollziehen können.

    Liebe Grüße
    von Rabea

    • Liebe Rabea, es ist ja ganz egal wann! 🙂 (Ich hinke meinem Feedreader auch mehr denn je hinterher.)
      Danke für das Gänseblümchen! Und ja, die vielen freundlichen Kommentare, die ihr hier alle hinterlassen habt, sind wirklich sehr tröstend. Auch wenn das eigentlich ein sehr platter Spruch ist, aber da ist schon was dran, dass geteilte Freude sich verdoppelt und geteiltes Leid sich halbiert.

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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