Kann mal bitte jemand die Dementoren über der kleinen Stadt zurückpfeifen?

Es hat sich immer noch nichts daran geändert. Irgendetwas in mir sorgt dafür, dass ich immer eine Größe brauche, anhand derer ich meinen (Selbst-)Wert festlege. Selbstwert nur in dem Maße, in dem ich ihn ‚verdiene‘, nur durch Leistung. Und selbst, wenn nichts da ist, was in die gesellschaftliche Norm von Leistung passt, weil ich das gar nicht auf die Reihe bekomme, so messe ich mich doch daran, welche ‚Leistung‘ ich im Kampf gegen die Depressionen, die Angst erbringe. Die Erkenntnis vorhin (auch wenn ich sie sicher nicht zum ersten Mal gemacht habe) war bitter. Es geht mir nicht gut, schon eine ganze Weile nicht und ich kann es mir wieder einmal nicht zugestehen, weil es objektiv und von aussen keinen Grund dafür geben dürfte. Doch erst recht nicht, wo jetzt der Frühling kommt, die Sonne scheint, die Blumen blühen, die Bienen summen. Da MUSS es mir doch gut gehen und wenn es das nicht tut, dann mache ich etwas falsch, erbringe nicht die erforderliche Leistung. Setzen. Ungenügend. Klassenziel nicht erreicht. Dass das unweigerlich wieder in eine Denkspirale mit Abwärtsbewegung führt, scheint unausweichlich.

Ich mühe mich, bemühe mich, versuche mit den Dingen, von denen ich weiss, dass sie mir (eigentlich) gut tun, weiterzukommen und merke wie ich auch daran scheitere. ‚Nicht mal das kann sie mehr! Versagerin!‘ brüllt die innere Stimme.

Und ich bin ratlos, weil ich nicht zu fassen bekomme, was da überhaupt in mir los ist. Weswegen es mir so schlecht geht. (Ganz tief unten in mir ist diese Stimme, die mich daran erinnert, dass es zu Beginn der Depressionen keines besonderen Anlasses bedurfte, dass es mir einfach dauerhaft schlecht ging und ich mich nicht mehr freuen konnte und das macht mir gehörige Angst, weil es in den letzten Jahren nicht mehr so war, weil ich da immer herausgefunden habe, was in mir arbeitet und mich piesakt. Es gab da immer einen Grund und Auslöser und ich will gar nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn mein Zustand sich einfach wieder so sehr verschlechtern würde, dass die Traurigkeit wieder allesverschlingend die Vorherrschaft übernähme. Die Angst davor ist so groß, dass ich mich nicht einmal traue, das hier ohne Klammer aufzuschreiben.)

Katja

 

15 Kommentare zu “Kann mal bitte jemand die Dementoren über der kleinen Stadt zurückpfeifen?

  1. 😦 Tut mir leid, dass es dir schlecht geht. Ich weiß, wie es ist, wenn einem die Lebensfreude abhanden geht, aber ich hoffe, dass es nicht so weit kommt. Diese Abwärtspirale ist echt sch… Jedenfalls: Du musst gar nichts und niemandem etwas beweisen. Du bist so humorvoll, ich wünsche mir für dich, dass du dich auch entsprechend fühlst!

  2. Es tut mir sehr, sehr leid, dass es dir so schlecht geht.
    Ich wünsche dir, dass du deinen Weg aus den dunklen Wolken um dich findest. Denke daran, du bist gut genau so wie du bist und du musst niemandem beweisen, dass dies so ist.

  3. Neben der Depression ist dieses sich beweisen müssen, und sei es nur vor sich selbst lästig und überflüssig wie ein Kropf. Man steht sich selbst unnötig im Weg. Bei mir ist es eben in erster Linie dies mich vor mir selbst beweisen müssen. Hilfreich war hier die Erkenntnis ( neben der, dass ich da echt einen Knall habe ), zeitnah dahinter zu steigen, warum das so ist. Erwische ich mich heute beim ‚Beweisen‘, lasse ich es nicht mehr zu. Rede bisweilen mit mir selbst, dass ich ‚ihnen‘ diese Genugtuung nicht gönne, mein Leben derart negativ zu beeinflussen.
    Klappt nicht immer, aber immer öfter.
    Versuche dich zu bremsen. Depressionen allein sind schlimm genug, da muss man nicht noch beweisen müssen …

  4. Ich wünschte ich wüsste wie man das nagende Gefühl los wird und wüsste wie ich dir helfen kann – leider weiß ich das nicht. Aber vielleicht ist es einfach die Frage „Warum geht es mir schlecht? Warum kann ich den Frühling nicht genießen?“ die dich in die düsteren Gedanken drängt. Kannst du die Musik so laut aufdrehen, dass du die Fragen nicht mehr hörst? Ich wünsche es dir jedenfalls, dass das Gefühl weggeht.

  5. Katja, das tut mir Leid. Ich hoffe, dass es nur eine Andeutung ist, ein Tief, das schnell wieder verfliegt und dass du nicht in diese Lähmung reinfällst. Das wünsche ich dir sehr … *seufz*

  6. Liebes Schattenkind,
    Du bist gut so wie Du bist. PUNKT!
    Mit all Deinen Höhen und Abgründen. PUNKT!
    Du bist ein großartiger und liebenswerter Mensch! PUNKT!
    Halte durch, es wird auch wieder heller. Und kümmere Dich nicht darum einer Vorgabe zu entsprechen sondern kümmere Dich jetzt mal NUR um Dich!
    Liebste Grüße

  7. Mir gefällt natürlich ünerhaupt nicht, dass es Dir schlecht geht, aber ich finde es bewundernswert, wie Du hier darüber geschrieben hast. Schick ein Dementoren auf die Insel. Lasko wird mit Ihnen fertig. Wir denken an Dich und drücken fest die Daumen, dass es bald besser wird. LG Leonie

  8. @alle: Ich kann euch gar nicht genug für eure freundlichen Kommentare danken! ♥
    Eines der großartigen Dinge am Bloggen, am Internet, speziell am Bloggen über meine Depressionen ist, dass ich mich damit nicht mehr so mutterseelenalleine fühle wie früher.

    @Zeilentiger: Eigentlich ist es ja albern mit der Klammer, aber trotzdem konnte ich es nicht anders aufschreiben. So als wär’s dann nicht so wahr(scheinlich). Danke für’s Verstehen und deine Wünsche!

    @Anette: In den letzten Jahren war es zumindest immer so, dass mich alleine das Wissen darüber, dass diese dunklen Zeiten Phasen sind, die bisher immer wieder vorbeigegangen sind, den Fall abgefedert haben. Man lernt ja mit den Jahren, sich mit der Krankheit zu arrangieren, irgendwie.

    @xarpo: Vielen Dank! (Irgendwann lerne ich das!) ♥

    @Frau Neunmalklug: Ich versuche mir mal ein Beispiel an dir zu nehmen, und dem (mir?) mit ein bisschen Trotz zu begegnen!

    @Noémi: Dankeschön! Ich habe heute gemerkt, dass ich mich gestern geirrt habe. Ich kann mich nicht gar nicht freuen, es ist nur wie mit einer Watteschicht dazwischen und ich schaffe es nicht, diese guten Momente dauerhafter einzufangen. Sie sind sehr flüchtig gerade…
    Aber die Erkenntnis, dass ich mich ja doch freue, war schon eine gute!

    @Rüdiger: Danke für’s Dasein! 🙂

    @Miss Boleana: Den Wunsch helfen zu wollen, kenne ich auch gut. 🙂 (Aber ich weiss ja, dass es insgesamt die alten schädlichen Denk- und Fühlmuster sind, die ich irgendwie durchbrechen muss und ich glaube, ich muss das vermutlich alleine rausfinden, wie.)
    Hm, ich glaube, es ist eher andersrum. Also nicht, dass ich mich mit Fragen ins Dunkel gegrübelt habe, sondern eher so ein ‚Huch!‘-Gefühl und Erstaunen, dass es mir schlecht geht, obwohl ich gerade keinen Anlass dafür weiss.
    Musik geht mal gut, mal kann ich gar keine hören, weil sie mich zu sehr stresst.

    @WdW: ♥ *auf Schoß krabbel und einroll*

    @Sherry: Ich danke dir! Und ich will einfach glauben, dass ich das mittlerweile abgefedert bekomme. Ich habe in den letzten Jahren so viel über mich und meine Ängste und Depressionen gelernt.

    @Svü: :* Ich nehm‘ das fressende Schaf! Echt wahr, darüber konnte ich heute schallend lachen. 🙂
    (Ich bin übrigens der festen Überzeugung, mein Patronus ist ein Teddybär oder ein Nilschwein. Vielleicht hab ich auch sogar zwei. 🙂 )

    @Zitronentarte: Bei deinem Kommentar muss ich schon wieder schniefen, weil es mich rührt, wie lieb und freundlich deine Worte sind! Danke vielmals. PUNKT

    @Leonie: (Auf-)Schreiben ist das, womit ich mir am unmittelbarsten selber helfen kann. Meist ist es schon alleine dadurch ein kleines bisschen besser, dass ich die Gedanken bewusst in Sätze packen muss.
    Vielen Dank dir, und kraul bitte Lasko von mir hinterm Ohr!

    @Silencer: Vielleicht sollte ich ihr tatsächlich sagen, dass sie gerade überhaupt nicht gelegen kommt! (Ich überlege gerade, ob das vielleicht tatsächlich funktionieren könnte… Kommt auf jeden Fall auf einen Versuch an!)
    Beim Hund musste ich an ein Video über Depressionen denken, das ich vor einiger Zeit gesehen habe. Kennst du das?

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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