Kann mal bitte jemand die Dementoren über der kleinen Stadt zurückpfeifen?

Es hat sich immer noch nichts daran geändert. Irgendetwas in mir sorgt dafür, dass ich immer eine Größe brauche, anhand derer ich meinen (Selbst-)Wert festlege. Selbstwert nur in dem Maße, in dem ich ihn ‚verdiene‘, nur durch Leistung. Und selbst, wenn nichts da ist, was in die gesellschaftliche Norm von Leistung passt, weil ich das gar nicht auf die Reihe bekomme, so messe ich mich doch daran, welche ‚Leistung‘ ich im Kampf gegen die Depressionen, die Angst erbringe. Die Erkenntnis vorhin (auch wenn ich sie sicher nicht zum ersten Mal gemacht habe) war bitter. Es geht mir nicht gut, schon eine ganze Weile nicht und ich kann es mir wieder einmal nicht zugestehen, weil es objektiv und von aussen keinen Grund dafür geben dürfte. Doch erst recht nicht, wo jetzt der Frühling kommt, die Sonne scheint, die Blumen blühen, die Bienen summen. Da MUSS es mir doch gut gehen und wenn es das nicht tut, dann mache ich etwas falsch, erbringe nicht die erforderliche Leistung. Setzen. Ungenügend. Klassenziel nicht erreicht. Dass das unweigerlich wieder in eine Denkspirale mit Abwärtsbewegung führt, scheint unausweichlich.

Ich mühe mich, bemühe mich, versuche mit den Dingen, von denen ich weiss, dass sie mir (eigentlich) gut tun, weiterzukommen und merke wie ich auch daran scheitere. ‚Nicht mal das kann sie mehr! Versagerin!‘ brüllt die innere Stimme.

Und ich bin ratlos, weil ich nicht zu fassen bekomme, was da überhaupt in mir los ist. Weswegen es mir so schlecht geht. (Ganz tief unten in mir ist diese Stimme, die mich daran erinnert, dass es zu Beginn der Depressionen keines besonderen Anlasses bedurfte, dass es mir einfach dauerhaft schlecht ging und ich mich nicht mehr freuen konnte und das macht mir gehörige Angst, weil es in den letzten Jahren nicht mehr so war, weil ich da immer herausgefunden habe, was in mir arbeitet und mich piesakt. Es gab da immer einen Grund und Auslöser und ich will gar nicht darüber nachdenken, was wäre, wenn mein Zustand sich einfach wieder so sehr verschlechtern würde, dass die Traurigkeit wieder allesverschlingend die Vorherrschaft übernähme. Die Angst davor ist so groß, dass ich mich nicht einmal traue, das hier ohne Klammer aufzuschreiben.)

Katja