Gelesen im Januar 2014

Das war wieder mal nicht so viel Lesestoff im Januar, aber es passiert gerade einfach zu viel rundherum, als dass ich viel Ruhe zum Lesen hätte…

Neu gibt es jetzt bei mir auch einen Stapel mit abgebrochenen Büchern, die Lesezeit ist einfach viel zu knapp um sie mit ’schlechten‘ (im überaus subjektiven Sinne gemeint) Büchern zu vertüdeln.

Philippe Pozzo di Borgo – Ziemlich beste Freunde, Ein zweites Leben (abgebrochen)

Vor ein oder zwei Jahren hatte ich den gleichnamigen Film ‚Ziemlich beste Freunde‘ gesehen, der – auf der wahren Geschichte von Philippe Pozzo di Borgo beruhend – von der entstehenden Freundschaft von Philippe und seinem unkonventionellen Pfleger Driss erzählt. Der Film ist spritzig und tragisch zugleich und hatte mich seinerzeit sehr berührt. Deswegen wollte ich das Buch, von dem ich annahm, der Film basiere darauf, unbedingt lesen. Das war aber leider eine Fehlannahme. Das Buch ist eine Art Autobiografie des, nach einem Gleitschirmunfall querschnittsgelähmten, Pozzo di Borgo. Die Beziehung zu dem Pfleger taucht in den ersten fast 2/3 des Buches noch gar nicht wirklich auf. Pozzo erzählt langatmig und wenig unterhaltsam von seiner Kindheit im reichen Elternhaus, seiner Frau, deren Krebserkrankung und dergleichen. Alles recht zusammenhanglos und für meinen Geschmack leider auch wenig unterhaltsam, sodass ich das Buch beiseite gelegt habe und es auch nicht fertig lesen werde, zudem ich dem Stil auch wenig abgewinnen kann.

Hier mal ein kurzes Beispiel, an dem man ganz gut absehen kann, ob man den Stil über 250 Seiten lesen mag:

Ich finde das alles schmerzlich. Sie bringen mir eine Flasche Schnaps, den Sie selbst aus Pfirsichkernen, Alkohol und Landwein gebrannt haben. Béatrice und ich haben ihn gern zusammen getrunken. Heute Abend schmecke ich nur die bitteren Kerne heraus. Gemeinsam blicken wir ins Tal. In der Ferne ziehen zwei Bussarde ihre Kreise, bestimmt haben sie einen aufsteigenden Luftstrom entdeckt. Selbst die Kuh käut nicht mehr wieder. Abendruhe kehrt ein, im Brunnen plätschert das Wasser, ein diffuses Licht breitet sich aus.

(Philippe Pozzo di Borgo, Ziemlich beste Freunde, Hanser Berlin, Seite 139f)

Dem Buch kann ich wohl kaum einen Vorwurf machen, es war ja eher meine falsche Erwartungshaltung und mangelnde Recherche wie wenig es mit dem Film zu tun hat, weswegen es mir so wenig zugesagt hat.

Leonie Swann – Glennkill

George, der Schäfer ist tot. Mit einem Spaten in der Brust finden ihn seine Schafe im Morgengrauen auf der Weide und weil George seinen Schafen sehr nahe stand, wollen die seinen Tod nicht einfach so hinnehmen, sondern ermitteln, um den Mord an ihrem Schäfer aufzuklären.  Und da Miss Maple womöglich nicht nur das klügste Schaf der Herde, sondern vielleicht sogar das klügste Schaf auf der ganzen Welt ist, ist es nur eine Frage der Zeit bis die Schafe das Geheimnis von Glennkill lüften.

„Ein Ding?“, platzte Moppel heraus.
„Ein Ding?“, hauchte Cordelia.
„Was ist ein Ding?“, fragte ein Lamm. „Kann ich auch so ein Ding fressen? Tut es weh?“ Seine Mutter schwieg verlegen. Wie konnte man einem so jungen Lamm erklären, was ein Ding ist?
„Es… es ist nicht wirklich ein Ding“, murmelte Heide. Sie hatte den Kopf gesenkt und sah ein wenig störrisch aus. „Es ist schön.“
„Kann man es essen?“, fragte Moppel. Wenn es um Dinge ging, konnte Mopple the Whale so streng sein wie jedes andere Schaf.
„Ich glaube nicht.“ Heide ließ die Ohren hängen.
„Lebt es?“, fragte Zora.
„Ich… Vielleicht!“ Man konnte Heide ansehen, dass ihr diese Möglichkeit gerade eben eingefallen war. „Ich wollte herausfinden, ob es lebt. Wenn das Licht darauf fällt, bewegt sich etwas. Es ist so schön. So schön wie Wasser. Ich wollte es nur immer wieder sehen können…“
„Heide!“ Sir Richfield trat vor. Er trug den Kopf sehr hoch, und seine Hörner, die schon in ihre dritte Windung getreten waren, gossen einen vorwurfsvollen Mondlichtschatten vor Heides Füße. Othello sah ihn seltsam an. Man konnte auf einmal verstehen, warum Ritchfield noch immer der Leitwidder war.
„Alles, was wirklich schön ist, kannst du immer wieder sehen. Den Himmel. Das Gras. Die Wolkenschafe. Sonne auf der Wolle. Das sind die wichtigen Sachen. Haben kannst du sie nicht.“ Ritchfield sprach jetzt, wie er zu einem sehr kleinen Lamm gesprochen hätte. Er sagte, was ohnehin alle wussten, aber die Schafe waren ergriffen.
„Haben kannst du nur das, was lebt. Ein Lamm, eine Herde. Wenn du etwas hast, hat es dich. Wenn es lebt und ein Schaf ist, ist das gut. Schafe sollen einander haben. Die Herde soll zusammenbleiben, Mutterschafe und Lämmer und Widder. Kein Schaf darf die Herde verlassen… Eine Dummheit, eine solche Dummheit… Ich hätte meinen Mund halten sollen, hätte ich bloß meinen Mund gehalten…“

(Leonie Swann – Glennkill, Goldmann, Seite 96, 97)

Glennkill hatte mich schon nach wenigen Seiten in seinem Bann. Nicht nur, dass ich den Gedanken an wollig wuschelige Detektivschafe überaus niedlich finde, mir gefällt auch tatsächlich sehr gut, wie die einzelnen Schafe unterschiedliche Charaktere haben und sind, und wie jedes für sich sehr konsequent seine eigene Perspektive einbringt. Ein Krimi aus Schafsperspektive das bedeutet auch, dass die Ermittlungen sehr anders ablaufen als in üblichen Krimis. Die Schafe belauschen und beobachten die Menschen, die sich in Gegenwart der Schafe unbeobachtet fühlen und ziehen ihre ganz eigenen Schlüsse. Spannend beim Lesen fand ich, dass man bei einigen Stellen erst mal knobeln muss, um die Schafsbeobachtungen wieder zurückzuübersetzen in die Bedeutung aus menschlicher Sicht.

Flauschig und spannend zugleich, gut lesbar und immens unterhaltsam, ohne dabei zu flach zu sein. Schönes Buch! ¡Muchas Gracias! an Svü, die den guten Riecher hatte, dass das was für mich ist und die mir sogar direkt beide Schafskrimis von Leonie Swann geschenkt hat. Ich freue mich schon auf Garou!

Katja

6 Kommentare zu “Gelesen im Januar 2014

  1. Glenkill fand ich auch ganz toll 🙂 Loup muss ich erst noch lesen. Seit ich in einem Land mit (angeblich) mehr Schafen als Menschen lebe und wieder stricke, mag ich Schafe noch lieber.

    • Ich finde, sie hat das auch sehr stimmig und durchgängig hinbekommen, die Schafsperspektive einzunehmen. 🙂
      Bin auch gespannt auf den zweiten Band. In welcher Sprache liest du die denn?

  2. Noch mal zu „Ziemlich beste Freunde“: Nee, dass muss ich dann auch nicht lesen. Ich meine, ich hätte irgendwo auch noch was Negatives über eine der Personen gelesen, miese Einstellung oder so. Muss ich mal forschen.

    • Ich würde es auch niemandem empfehlen, es zu lesen, weil man den Film toll fand. Das hat wirklich gar nichts miteinander zu tun und ich fand es, wie ich oben schrieb, auch ansonsten nicht sehr lesenswert, weil mich die Biographie wenig interessierte und ich mit dem Stil nicht warm wurde.
      Gibt ja auch so viele gute Bücher, die man stattdessen lesen kann. 🙂

  3. Pingback: Gelesen im November 2014 | Gedankensprünge

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