Falsche Fährte

Wo kann man einen Anfang finden, auf dem Weg sich selber zu mögen und wertzuschätzen? Wo nur? In einem Buch habe ich als Aufgabe gelesen, eine Liste zu machen, 10 Dinge aufzuschreiben, die man an sich selber mag. Anfangs hat mich das das Buch weglegen lassen, mehrfach immer an der gleichen Stelle, weil mich diese Aufgabe so überfordert hat. Da ist nichts Liebenswertes, da gibt es nichts, was ich mag. Dann, wenn ich versucht habe, nicht direkt vor lauter Panik dichtzumachen, konnte ich nur an die Dinge denken, von denen ich wusste, dass andere sie an mir schätzen. Weil diese anderen mir das irgendwann gesagt hatten. Katja ist soundso, Katja kann dasunddas besonders gut. Irgendwann, vor noch nicht gar so langer Zeit, habe ich mich, Jahre nachdem ich zum ersten Mal diese Aufgabe in diesem Buch gelesen habe, hingesetzt, um eine solche Liste zu machen, mit Dingen, die ich an mir mag. Und zum ersten Mal sind mir tatsächlich ein paar Punkte – längst keine 10 – eingefallen. Immerhin ein Anfang auf dem Weg, mich irgendwie gut zu finden.

Aber eben kam mir der Gedanke, dass das alles vielleicht genau die falsche Herangehensweise ist. Ich bin mir gegenüber oft unerbittlich und streng. Wenn ich eine Eigenart an mir entdecke, die ich für wenig erstrebenswert und wünschenswert halte, dann zerfleische ich mich gerne selber dafür, werte mich selber ab. Und genau da ist vielleicht das Problem mit dieser Positivliste. Auf die schreibe ich nämlich nur ‚gute‘ Dinge, Eigenschaften. Wie aber kann ich anfangen, mich als ganzen Menschen zu mögen und wie kann ich aufhören damit, mich selber in so vielen Situationen abzuwerten, wenn ich dieses interne ‚gut‘ vs. ‚böse‘ Ranking immer weiter betreibe, wenn ich mich nur meiner guten Eigenschaften wegen mag und annehme, und mich für alles andere selber fertig mache?

Sollte ich nicht genau dann, wenn ich etwas an mir entdecke, bemerke, was mir nicht gut tut, nicht gut gefällt, weniger streng und mehr verständnisvoll mit mir umgehen, um endlich zu einem positiven Selbst(wert)gefühl zu kommen? Gerade erscheint mir das so logisch, dass es ja eigentlich nur besser werden kann, wenn ich anfange, mich als ganze zu mögen, auch meine Macken und die Dinge, mit denen ich noch zu kämpfen habe und auch die Tatsache, dass ich noch zu kämpfen habe, weil das alles zu mir gehört.

Ich glaube, das liest sich alles sehr wirr, irgendwie fühlt es sich auch noch recht wirr an und ich habe natürlich überhaupt keine Ahnung, selbst wenn es so richtig ist, wie ich das dann anpacken soll, aber ich musste das jetzt dringend so ins Unreine hier festhalten, bevor mir der Gedanke wieder wegglitscht.

Katja