Auch eine Art Loslassen

Manchmal muss nur erst mal der Groschen* fallen** und dann ist es irgendwie ganz einfach.

Eine meiner Eigenheiten, die ich eigentlich nie in Frage gestellt habe, ist (oder hoffentlich bald ‚war‘), Bücher, die ich einmal angefangen habe, auch zu Ende zu lesen. Zwar habe ich das nicht immer in einem Rutsch gemacht und manche lagen dann entsprechend auch mehrere Monate und teilweise sogar Jahre auf dem Nachttisch, aber alle musste ich sie irgendwann fertig lesen, weil angefangene Bücher mir, wie auch andere ‚unerledigte‘ Dinge, im Nacken sitzen und dort rumkrakelen und pieksen.

Gestern, als ich mich beim Lesen wieder mal über ein langatmiges Buch geärgert habe, an dem ich, obwohl es nicht besonders viele Seiten hat, schon wieder seit 2 Wochen lese, fiel mir auf, wie bescheuert dieses zwanghafte zu Ende Lesen eigentlich ist und wie einfach ich das ändern könnte.

Das Ding ist nämlich ausserdem, dass ich, wenn ich gerade wieder mal ein Buch lese, das mir nicht besonders gefällt, dann auch insgesamt kaum Lust zu lesen habe. Abends im Bett vorm Einschlafen ist eigentlich meine Hauptlesezeit. Wenn ich aber gerade so ein mäßiges Buch auf dem Nachttisch habe, dann neige ich dazu, viel länger vorm Rechner sitzen zu bleiben, weil das Internet viel unterhaltsamer ist als das Buch. Und auch für mein gelegentliches Luxuslesen – morgens den ersten Kaffee im Bett trinken und dabei lesen – fehlt mir dann die Muße. Und wenn ich dann insgesamt viel seltener und weniger lese, zieht sich die Zeit, die ich mit schlechten oder mäßigen Büchern vertrödele, noch länger hin. Und das, wo es doch so viele gute Bücher gibt, die gelesen werden wollen und für die ohnehin nie genügend Zeit da ist.

Deswegen gestern der Entschluss, das jetzt mal anders zu probieren und um mich selber ein bisschen in Zugzwang zu setzen, formuliere ich das auch direkt als Vorsatz für 2014, dass ich Bücher nicht mehr zwanghaft auslesen möchte, wenn sie mich auf den ersten 100-150 Seiten noch gar nicht begeistert haben. Ich glaube, das ist eine gute Übung für mich, denn auch dabei geht es ja irgendwie ums Loslassen. Etwas, das ich nicht besonders gut kann.

Katja

*Sagt man das eigentlich heutzutage auch zu den 10-Cent-Münzen so wie früher zu den 10-Pfennig-Münzen? Mir ist das zumindest noch nie untergekommen.

**Die Redewendung „Endlich ist der Groschen gefallen“ kommt übrigens daher, dass, wenn man Münzen in die früheren mechanischen Automaten eingeworfen hat, um Süßigkeiten, Getränke oder Fahrkarten herauszuholen, man darauf warten musste, dass der Groschen gefallen und auch eingerastet – und nicht durchgefallen – ist, um an die begehrte Ware zu kommen.

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16 Kommentare zu “Auch eine Art Loslassen

  1. Sehr schön. 🙂
    Ich kann das ja auch eher so gar nicht…Aber zum Glück hatte ich glaub ich erst ein oder zwei Bücher die wirklich so mies waren und ich erinnere mich jetzt auch schon gar nicht mehr dran 😀 Oh doch.. das eine war ein Blogg dein Buch – Buch. Da hab ich nicht mal 100 Seiten geschafft.
    Also Groschen sagt man heute glaub ich nicht mehr. Aber das Sprichwort wird natürlich noch genutzt. Und danke für die Lehrstunde. Ich hab den direkten Zusammenhang zwischen Automat und „fallen“ nie gesehen 😀

  2. Ich sage zwar nicht „Groschen“ zu 10 cent, aber natürlich kann man, denn mit 10 Pfennig hatte das ja auch nichts zu tun, meine ich (Sechser=6 Ein heiten, Groschen = 12, so wie „Im Gros“).

    Zu Deinem Entschluss kann ich Dich nur beglückwünschen. Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher! So wenig ich schlechte Filme bis zum Ende sehe, so wenig muss ich mich mit Büc hern quälen, die mir nicht gefallen!

  3. @Svü: Ich bin mal gespannt, wie schwer es mir tatsächlich fallen wird. Bei dem Buch gestern fühlte sich das sehr nach Befreiung an. Endlich wieder was lesen, worauf ich Lust habe.
    Die Herkunft der Redewendung hatte ich vor ein paar Tagen erst nachgeschlagen und weil ich sie hier direkt schon wieder verwendet hatte, habe ich das direkt mit aufgeschrieben. 😀
    (Ich freue mich selber nämlich immer, wenn das irgendwo direkt dabei steht und ich nicht nachschlagen muss. 🙂 )

    @Rüdiger: Das passiert mir gelegentlich auch noch. Aber mittlerweile merke ich es immer selber direkt.

    @WdW: Die Wikipedia sagt:
    „Groschen ist die Bezeichnung für verschiedene Münzen. Das Wort ist dem italienischen denaro grosso oder der lateinischen Bezeichnung des Turnosen entlehnt: grossus denarius Turnosus, zu Deutsch „dicker Denar von Tours“.“
    Aber weiter unten steht auch noch, dass der Silbergroschen in Preussen der Tat 12 Pfennige wert war. 🙂

    Und dein „Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher!“ gefällt mir! Ich glaube, das muss ich mir dann einfach immer mal selber einreden, wenn ich doch wieder diesen Durchhaltezwang bei mir bemerke. 😀

  4. Ich fand das sehr befreiend, Bücher, die mich nicht überzeugen, nicht zu Ende zu lesen. Wenn mir ein Buch ganz blöd kommt, werfe ich es inzwischen auch nach 10 Seiten raus. Alles andere ist (mir) verschwendete Lebenszeit. Schließlich gibt es ja noch sooo viel andere Bücher. 😉

  5. Glückwunsch zu Deinem Entschluss! Früher habe ich Bücher schon nach wenigen Seiten zugeklappt, wenn sie für mich nicht lesenswert waren. Da war ich rigoros. Heute fliegen entsprechend Hörbücher ohne mit der Wimper zu zucken aus dem Player und ich bringe sie wieder zurück in die Bücherei. Die gekauften Exemplare landen in der Ecke der „Unerhörten“ – und warten dort bis zum St. Nimmerleinstag darauf, doch noch erhört zu werden…

    Und ja, ich sage auch noch Groschen!

  6. @zeilentiger: Herzlich Willkommen auf meinem Blog! 🙂
    10 Seiten ist aber ganz schön streng! Ich glaube, da hätte ich tatsächlich Angst, doch noch ein gutes Buch zu verpassen. Manche Dinge brauchen ja ein bisschen bis sie in Fahrt kommen.

    @Anette: Das hilft ja dann auch ein bisschen beim SUB-Abbau, wenn man sich nicht mehr so festbeisst.

    @Rabea: Danke! Ich bin mal gespannt, wie konsequent ich das hinbekomme. Jetzt fühlt es sich aber auf jeden Fall richtig an.
    Fliegen die Hörbücher nur wegen ihres Inhalts oder kann das auch schon mal vorkommen, dass dir eine Stimme auf die Nerven geht?

    • Liebe Katja, vielen Dank für die herzliche Begrüßung! Ja, zugegeben, bei 10 Seiten kann man sich schon auch mal gründlich irren. Ein bisschen ist meine Zahl auch ein Kompromiss zwischen der Entscheidung, zum einen ob ich überhaupt ein Buch lesen will (darüber entscheiden in der Buchhandlung oder bei einer Leseprobe auf der Verlagswebsite manchmal schon die ersten paar Zeilen) und zum anderen ob ich es, wenn ich es dann schließlich habe, tat lese oder nicht (was meistens dann doch mehr als zehn Seiten sind). 😉

      • Ah, Danke für die Erklärung!
        Die Frage, ob man überhaupt anfangen, respektive das Buch kaufen will, kann man natürlich mit 10 Seiten oder auch weniger beantworten, wahrscheinlich erst recht als Zeilentiger! 🙂 Den Namen finde ich übrigens ganz großartig!

  7. Sowohl als auch. Wobei ich vor allem stimmlich sehr eingeschränkt bin – HB von mir unbekannten Stimmen vorgelesen kaufe ich nur bis zu einem gewissen Preis. Da ist die Bücherei eine gute Alternative zum Ausprobieren. Und es gibt sogar HB, die ich liebend gerne kaufen würde, dies aber nicht tue, da die Sprecherinnen für mich unerträglich sind 😦 Besonders schwer tue ich mich auch mit Namen, sprich, wenn in einer Geschichte schon in den ersten 10 Minuten unzählige Namen, Dienstgrade, Berufe, Orte, Straßen und Institutionen aufgezählt werden vergeht mir der Spaß am Zuhören. Und letzt hatte ich ein HB, in dem wurde die wörtliche Rede fast ausschließlich mit „sagte er“ und „sagte sie“ kommentiert. Das habe ich auch nicht bis zum Schluß ertragen… und „sagte sie“ ist mittlerweile hier im Rabenhaus zum running-gag geworden! 🙂

    Liebe Grüße
    von Rabea, die mal vorsichtshalber ´ne Kiste für die Unleserlichen hinstellt…

  8. Mir geht es ähnlich. Ich habe früher immer gemeint daß ich Bücher auslesen MUSS und hab mich dazu gezwungen. Und da ich genau wie du, hauptsächlich vor dem EInschlafen im Bett lese, fand ich es immer schlimm, sich nicht aufs Lesen abends zu freuen, weil das Buch eben halt *gäääääähn* war 😉 Und irgendwann hab ich mir gesagt, so ein Quatsch, warum diese Zeit vergeuden? Meist setz ich mir ein Limit von ca.50 Seiten. Danach kommts bei ebay rein. Und ich hasse sowieso Bücher genau wie Rabea, wo man mit Namen bzw. Personen usw. zugeschmissen wird und hinterher gar nicht mehr weiß, wer und was und warum 😉
    Und nun macht Lesen auch wieder Spaß.

    Liebe Grüße
    Doro

  9. @Rabea: Die Häufung von Namen etc. direkt am Anfang eines Buches stört mich auch beim Lesen immens. Dass man da beim Hören noch leichter durcheinander kommt und das dann keinen Spaß macht, kann ich mir gut vorstellen!

    @Doro: Nach jenem Buch, das mich endlich zu dem Entschluss gebracht hat, habe ich endlich wieder eines, das mir gut gefällt und schwupps geht das auch wieder automatisch, ein bisschen früher ins Bett zu gehen. 🙂
    Schon schräg, dass man so lange an so einer Gewohnheit festhält, bei der man so viel wertvolle Zeit vergeudet.

    Liebe Grüße an euch beide zurück! 🙂

  10. Word! Mache ich auch nicht mehr, seit einigen Monaten. Diese Bücher bekommen dann bei goodreads auch nur einen Stern; der bedeutet dann: „so schlecht, dass nicht bis zum Ende ertragen“ 😉

    Diesen Samstag ist bei mir Büchertauschtag, ich habe zig Bücher aussortiert, die ich entweder definitiv nicht mehr lesen werde oder definitiv nicht _wieder_. Bin schon gespannt, es haben sich ein paar Leute angemeldet… 🙂
    [Wobei das ja eher nicht so GANZ zum SUB-reduzieren taugt. Aber Spaß macht es hoffentlich.]

    • @Rebekka: Das bringe ich, glaube ich, nicht fertig, weil ich ja oft auch denke, es liegt an mir, nicht am Buch. Bzw. passen wir einfach nicht zusammen oder es ist nicht die richtige Zeit für ein bestimmtes Buch. Dass ich radikal sage, das Buch ist so schlecht, kommt nicht so oft vor. :oops.

      Berichte doch bitte mal hinterher über deine Erfahrungen – würde mich interessieren. Ich muss mir auch was einfallen lassen. Das geht auf Dauer nicht gut, wirklich alle Bücher behalten zu wollen. Der Platz hier wird immer knapper seit ich so viel lese.

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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