Willkommen in der Einkaufshölle

Bis vor ein paar Tagen dachte ich, die Königsklasse der Unübersichtlichkeit hätten die Telefonanbieter für sich gepachtet – dann fing ich an, mich mit Herd-/Backofen-Funktionen und -bedienungen, unterschiedlicher Benamsung der Funktionen bei unterschiedlichen Herstellern, Typenbezeichnungen, die natürlich national und international unterschiedlich sind und mit zugehörigen Preisen zu beschäftigen.

*

Nach Tagen wie den letzten beiden, in denen wir, auf der Suche nach einem neuen Herd und Backofen, durch etliche Küchen-/Möbel-/Elektroläden gestapft sind, weiss ich wieder, weswegen ich normalerweise ziemlich viele Dinge online einkaufe.

Nicht nur, dass die Läden so dermaßen überheizt sind, dass die Mitarbeiter in kurzärmeligen Hemden rumlaufen, während man als Kunde quasi notgedrungen in der warmen Winterjacke im eigenen Saft gart, das Personal macht auch nicht den Eindruck, als hätte da tatsächlich einer Interesse, etwas zu verkaufen.

Lockerer Umgangston, ok, gerne, aber ich will keinen Verkäufer, der mir sagt, dass die Möglichkeit des Einbaus davon abhängt, wo der Herd die – wörtliches Zitat – „Scheiss-Anschlüsse“ hat. Und wenn ich mit sehr konkreter Vorstellung hingehe und sage, dass es nur zwei Herdsteuerungen gibt, die für mich in Frage kommen, dann brauche ich niemanden, der mir aufzählt, warum die anderen alle doof sind. Das weiss ich dann schon selber, deswegen habe ich ja die anderen schon ausgeschlossen. Dafür hätte ich aber schon ganz gerne Antworten auf die Fragen, die ich tatsächlich habe. Also keine ausschweifend erzählenden Antworten, sondern am liebsten Daten. Es kann doch nicht sein, dass wir uns nach ein bisschen Recherche im Internet besser mit den Geräten auskennen als die Menschen, die Geld damit verdienen, diese Dinge zu verkaufen?

Ernsthaft, ich grinse beim Durchblättern des Prospektes über einen Backofen mit über 80 Automatikprogrammen und frage so vor mich hinnuschelnd, wer denn bitte so viele braucht. Worauf der Verkäufer mir im Brustton der Überzeugung erzählt, _sein_ Ofen hätte sogar 96. Als ich daraufhin frage, wieviele der 96 er denn schon benutzt habe, gibt er zu – kein einziges. Vermutlich den ganzen Ofen und den Herd dazu auch noch nicht. Aber kurz vorher will er mir noch einen von guter oder schlechter Bedienbarkeit erzählen oder vielleicht auch vom Zirkuspferd, so kommt es mehr eher vor.

Ich weiss nicht, ob das im Einzelhandel mittlerweile der Frust ist. Sicher gehen da viele hin, um sich die Sachen live anzuschauen und kaufen sie dann im Internet. Ich gebe zu, dass ich das bei meiner Tastatur vor ein paar Jahren auch so gemacht habe, weil die online sehr viel (!) billiger war, ich sowas aber nicht kaufen kann, ohne es mal angefasst zu haben.
Vielleicht sind die Verkäufer deswegen nicht mehr motiviert, sich überhaupt die Mühe zu machen, vernünftige Verkaufsgespräche zu führen? Aber bitte, so wird das doch auch nichts und so gewinnt man doch auch keine Kunden aus dem bösen Internet zurück. Wir (hier zu lesen als der Mitdings und ich, nicht verallgemeinernd) wollen ja viel lieber lokal kaufen. Das ist alleine deswegen praktisch, weil man da oft die Lieferung und den Anschluss mit dazu kaufen kann. Vermutlich muss meine Arbeitsplatte während sie eingebaut ist, neu ausgesägt werden, ich würde das schon gerne von einem Profi machen lassen, der sowas schon häufiger getan hat. Aber wenn die Einzelhändler der Gegend so unmotiviert und stellenweise inkompetent daherkommen _und_ zusätzlich für die Geräte Preise aufrufen, die jenseits von gut und böse liegen – wie soll das gehen? Irgendwie bin ich an der Stelle dann auch unmotiviert, mal eben 800 (!) Euro (!) mehr (!) für ein Kochfeld zu zahlen als ich für das gleiche bei Bestellung bei einem Online-Händler zahlen müsste. Und das ist kein einzelner Ausreisser: anderer Kochfeldhersteller, anderes Geschäft: mehr als 500 Euro mehr.

Und dann ist da noch ein weiterer Laden (dieses Mal ein großer Elektrofachmarkt, obwohl ich die eigentlich noch deutlicher als Möbelläden meide) wo wir uns – mittlerweile gezielt, weil sich da schon zwei Favoriten abzeichnen – nach Preisen erkundigen wollen und der Verkäufer sagt, dass er uns da gerne Preise nachschlagen wird, aber das nichts bringt und wir lieber unter der Woche dafür kommen sollen, weil er gerade nur die Mondpreise auffinden könnte und für realistische und nicht völlig überzogene Preise während deren Arbeitszeiten mit der Technikabteilung der Herstellerfirmen telefonieren müsse.

Das klingt doch eigentlich endlich mal vernünftig und gut! Könnte man das nicht vielleicht auch erst mal per Mail ausloten? Ach ja ok, Sie haben gar keine Mailadresse…

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Wieder zu Hause angekommen hat das böse Internet übrigens einen Teil der Antworten auf meine Fragen ganz spontan parat. Noch dazu überaus anschaulich in youtube-Videos erklärt.

Katja

 

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7 Kommentare zu “Willkommen in der Einkaufshölle

  1. Tatsächlich bin ich das Einkaufen im I-net so leid wie irgendwas. Und froh, hier in Bremen ein breites Angebot an Händlern vor Ort zu haben. Aber so wahnsinnige Preisunterschiede, wie Du Sie beschreibst sind ja der Hammer. Mich würde interessieren, ob der Einzelhandel das irgendwie begründen kann… hast Du mal dort nachgefragt?

  2. @Rabea: Wir kannten die Online-Preise von genau diesen Geräten noch nicht als wir im Laden nachgefragt haben. Deswegen konnten wir da nicht nachhaken. Das wäre in der Tat mal interessant gewesen. Ich hatte nur den Preis von einer Marke als ich nach dem von der anderen fragte und hab dem Verkäufer dann gesagt, dass das 11 oder 12-hundert Euro teurer ist als das vergleichbare Kochfeld von der anderen Marke und da zuckte er nur die Schultern und meinte, da könne er jetzt auch nichts machen.

    Kann man in Bremen denn tatsächlich gut im Einzelhandel einkaufen? Hier macht das echt keinen Spaß. Das Personal ist nicht nur muffelig und nicht besonders freundlich, die haben auch keine Ahnung, von dem Kram, den sie verkaufen. Wenn man eine ganz gezielte Frage stellt, labern sie einen so lange zu, bis sie vermutlich hoffen, man hat die konkrete Frage wieder vergessen oder nicht bemerkt hat, dass sie gar nicht geantwortet haben. Wenn man das geduldig über sich ergehen lässt und dann stoisch seine Frage nochmal wiederholt, mit dem Hinweis, dass die damit noch gar nicht beantwortet wurde, dann kommt am ehesten ein ‚das kann ich Ihnen jetzt gar nicht sagen. Da müsste ich mich erkundigen / erst mal nachlesen.‘ Und dann nix weiter. Sie erkundigen sich dann nicht und lesen auch nicht nach, sondern tun so als hätten sie deine Frage damit beantwortet.
    Ich hab da echt keinen Bock drauf, stundenlang durch die überheizten Läden zu laufen, mich über deren Unfreundlichkeit zu ärgern und dann am Ende doch im Web selber nach den Antworten auf meine Fragen suchen zu müssen, weil die’s nicht wussten und/oder nicht nachgucken wollten. *soifz*

    @Anette: Pizza hat der neue dann nicht als Automatik-Programm sondern als Stufeneinstellung. Da bin ich allerdings sehr gespannt drauf. 🙂

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  5. Das Verhalten vieler Einzelhändler kann ich auch nicht nachvollziehen. Diese Mischung aus Desinteresse, Inkompetenz und oft schlicht Faulheit treibt einen geradezu ins Internet. Es gibt auch rühmliche Ausnahmen, klar. Aber trotzdem frage ich mich immer wieder, wie ich nach 10 Minuten Internetrecherche ein besseres Wissen über eine Produktsparte haben kann wie der Typ, der im Blödmarkt den Kram jeden Tag seit 10 Jahren verkauft. Unfassbar.

    • Mich ärgert am meisten daran wirklich das zur Schau getragene Desinteresse – und auch die hm nicht wirklich Unfreundlichkeit, aber immerhin fehlende Freundlichkeit. Damit meine ich keine Überschwänglichkeit, aber dass man als Verkäufer die Begrüßung von Kunden wenigstens erwidert, hielt ich eigentlich für eine Selbstverständlichkeit. Und wenn derjenige dann mehr auf seinem Sessel hinterm Schreibtisch, an dem er die Verkaufsgespräche führt, liegt als zu sitzen und daran auch nichts ändert, wenn man höflich fragt, ob man ihn mit ein paar Fragen stören dürfe, einem auch bei längerem Gespräch keinen Platz anbietet, obwohl da Stühle für Kunden vorm Schreibtisch stehen und ausserdem nicht mal angeboten wird, fehlende Informationen zu beschaffen, dann frage ich mich ehrlich, was die da machen und was für eine Erwartungshaltung der Einzelhandel mittlerweile an den Kunden hat. Wo verläuft die Grenze zwischen dem, was von mir selber als Eigenleistung erbracht werden muss und dem, was der Laden noch bereit ist zu tun – ausser mir (und nicht mal das immer) Preise zu nennen und mein Geld entgegen zu nehmen? 🙄

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