High five!

Heute vor einer Woche, in einer belastenden Situation, hat es sehr in meinem Kopf geziept und ich wäre am liebsten raus gerannt und hätte eine geraucht. Obwohl hier immer noch Tabak rumliegt – der vermutlich mittlerweile so knochentrocken ist, dass er bei einem Funken in Flammen stünde – habe ich dem Impuls natürlich nicht nachgegeben. Und dieses ’natürlich‘ in dem Satz sagt aus, wie das mit mir und dem Rauchen bzw. Nichtrauchen ist.

Diese Momente, wo es noch mal ziept – meist welche unter extremer nervlicher Anspannung – sind äusserst selten geworden. So selten, dass ich mich gar nicht mehr erinnern kann, wann ich vorher zum letzten Mal ans Rauchen (im Sinne eines akuten Bedürfnisses) gedacht hatte. Das einzige, das wirklich noch konsequent an diese Zeit als Raucherin erinnert, ist das rituelle Hochzählen. Jeden Tag eine neue Zahl, immer eins größer und auch wenn ich mit dem Rauchen durch bin, glaube ich doch, dass das immer noch wichtig für mich ist, weil es mir ständig im Bewusstsein hält, wie hart erkämpft die ersten dieser mittlerweile 1826 Tage waren. Dieses Bewusstmachen / im Bewusstsein halten bewahrt mich davor, leichtfertig rückfällig zu werden, weil nur mal eine ja doch nicht so schlimm sein kann. Immerhin bin ich ja durch! Wer wird denn dann so schnell wieder rückfällig werden? Doch niemand, der das so gut im Griff hat!

Wie leicht mein Nichtrauchen zur Fassade mutiert, merke ich in solchen Notfallsituationen, in denen die Instinkte die Kontrolle übernehmen. Ganz tief hinten in den Hirnwindungen, wo das Notfallprogramm abgelegt ist, steht an den entscheidenden Stellen immer noch die Zigarette als erste Hilfsmaßnahme und ich bin froh über meine Sicherheitsabfrage, die zum Glück mittlerweile auch so fest installiert zu sein scheint, dass ich an der Stelle aus dem Programm aussteigen kann.

Hinterher muss ich manchmal selber den Kopf über mich schütteln, dass ich ein paar Sekunden lang tatsächlich darüber nachgedacht habe, dass eine Zigarette jetzt schon nicht so schlimm sein könnte. Denn das stimmt ja nicht, es bliebe ja nicht bei der einen, so tief (wenn auch verschüttet) wie die Sucht immer noch im Kopf sitzt.

Ich bin heute schon ein bisschen stolz auf mich – was mir ja üblicherweise nicht ganz leicht fällt – weil es jetzt, auf den Tag genau, 5 Jahre her ist, dass ich meine letzte Zigarette geraucht habe.
Das Rauchen an diesem Punkt aufzugeben, was sich nur am Anfang nach Aufgabe, aber dann sehr schnell nach Befreiung anfühlte, war sehr gut für mich*, nicht nur, weil solche schlimmen Atemwegserkrankungen wie die, die ich immer noch nicht wieder vollständig los bin, seitdem die seltene Ausnahme und nicht mehr beinahe schon chronische Routine sind, sondern vor allem, weil ich damit etwas geschafft habe, von dem ich mehr als 2 Jahrzehnte lang annahm, dass ich es nie schaffen würde.

Mehr als alles andere, ist es das Nichtmehrrauchen, was mir in den letzten Jahren, Zuversicht und Vertrauen auf mich selber gegeben hat und ich motiviere und ermutige mich damit gedanklich sehr oft selber, wenn ich mich vor etwas sehr fürchte oder Angst habe, es nicht zu schaffen.

Hey, ich habe mit dem Rauchen aufgehört! Ich kann A.L.L.E.S! Also fast, beinahe, quasi, unter Umständen, vielleicht, spätestens aber irgendwann!

Katja hat am 20. Dezember 2008 um 17:00 Uhr aufgehört zu rauchen,
ist damit schon 1.826 Tage   2 Sekunden rauchfrei,
hat in dieser Zeit 21.912 Zigaretten nicht geraucht, 2.629,44 Euro gespart
20 Gramm Nikotin und 241 Gramm Teer den Lungen erspart und insgesamt
76 Tage 2 Stunden RauchFrei-Zeit gewonnen.

Katja (gleich unterwegs in Richtung Lieblingsrestaurant zur Feier des Tages)

*

*an dieser Stelle hatte ich ziemliche Formulierungsprobleme und weil das Durchdenken dieser beiden Möglichkeiten nochmal einen Einblick gibt, was das genau für mich bedeutet, schreibe ich das hier mal mit auf:

Erster Gedanke: …war eines der besten Dinge, die mir passiert sind… – das trifft es nicht wirklich, weil das ja irgendwie meine Beteiligung daran auslässt und weil diese Sache etwas ist, auf das ich wirklich sehr stolz bin, kann ich das nicht so passiv formulieren.

Zweiter Gedanke: …war eine der besten Entscheidungen, die ich getroffen habe… – obwohl meine Rolle da nicht mehr passiv ist, trifft es das fast noch weniger, weil ich damals gar nicht wirklich entschieden habe. Ich war krank und habe es einfach gelassen und dann noch einen Tag und noch einen Tag und noch einen und die Entscheidung, dass ich daraus den Versuch stricke, wirklich nie wieder zu rauchen, kam erst viel später. Ich schreibe das hier auf, weil das für mich damals entscheidend war. Die bewusste Entscheidung aufzuhören, hätte ich nämlich nicht treffen können. Vor der drückte ich mich vorher schon lange lange Jahre und alleine auf den Gedanken hin ‚ich müsste eigentlich mal aufhören‘ musste ich damals immer dringend eine rauchen gehen. Letzteres kennen vermutlich die meisten Raucher aus eigener Erfahrung. Ich fand es sehr befreiend, irgendwann zu merken, dass man das tatsächlich loswerden kann.

Stationen eines Raucherlebens