Verdammt! Passen Sie doch auf!

Manchmal, zum Glück nicht sehr oft, da wünschte ich, nicht so sehr ich zu sein, sondern lauter und aggressiver und forscher und schlagfertiger und weniger unsicher und weniger leicht einzuschüchtern und weniger leicht zu schockieren.

Vorhin beim Einkaufen zum Beispiel als mir dieser Mann, der mit seinem Einkaufswagen hinter mir am Kühlregal entlang ging, mit Karacho seinen Einkaufswagen in die Hacken rammte, weil er den Blick auf’s Kühlregal gerichtet hatte und nicht geguckt hat, wohin er mit seinem Wagen steuert. Und mir rutschte zwar ein ‚Aua‘ raus, weil das tatsächlich ziemlich weh tat und sogar immer noch tut, aber als ich mich zu ihm umdrehte und ihn musterte in der irrigen Annahme, dass er sich entschuldigen würde, knurrte er mich statt einer Entschuldigung an, ich solle doch aufpassen. Dabei war ich nicht mal unvermittelt stehen geblieben, womit man ja durchaus rechnen muss, wenn jemand in einem Laden unterwegs ist, sondern nur langsamer als er gegangen, was mir aber natürlich nicht aufgefallen war, weil er hinter mir war und ich mich nicht dauernd umgedreht habe.

Und mir klappte vermutlich, so genau weiss ich das nicht, nur der Mund auf und ich guckte ihn kuhäugig an, völlig perplex über so viel Unverschämtheit und dann klappte ich wohl den Mund wieder zu und machte mich schleunigst auf den Weg in eine andere Ecke des Ladens, weil ich merkte, wenn der jetzt noch einen draufsetzt, dann muss ich sicher gleich losheulen und die Blöße wollte ich mir dann auf keinen Fall vor ihm geben.

Ich hab nicht weinen müssen (oh Wunder!), aber das ist jetzt über eine Stunde her und mir ist immer noch keine passende Erwiderung eingefallen, nichts, wie ich darauf sinnvoll hätte reagieren sollen/können.

Mir fehlt die Mentalität, um in solchen Situationen Menschen direkt mit einem ‚Passen Sie doch auf!‘ anzufahren und ich gehe ja auch immer davon aus, dass das sicher ein Versehen war und dass derjenige es bedauert und dann muss ich das doofe Gefühl für den anderen ja nicht schlimmer machen, indem ich direkt unversöhnlich oder verständnislos bin – zudem das ja auch nicht unbedingt meine Kompetenzen sind. Aber dass mir nicht mal was Passendes einfällt, wenn derjenige nun wirklich kein Verständnis sondern eine Lektion im Umgang mit anderen Menschen verdient hätte, das macht mir schon ein bisschen zu schaffen. Wenn er damit einfach so durchkommt und ich einfach nur schweige, dann besteht ja nicht mal ein Grund, weswegen er beim nächsten Mal anders reagieren sollte.

Mich nervt das an mir. Wenn man mir aggressiv begegnet, macht mich das klein, noch kleiner. Dem habe ich nichts entgegenzuhalten, dagegen komme ich nicht an.

Katja

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23 Kommentare zu “Verdammt! Passen Sie doch auf!

  1. Mich macht das dann auch immer nur noch kleiner. Das ist ganz schön doof. Aber richtig doof ist, dass ich mich im Anschluss an solche Begebenheiten meist NOCH ein Stück kleiner mache, weil ich dann denke, ich habe es schon wieder nicht geschafft, NICHT kleiner zu werden. Manchmal ist es zum Verrücktwerden.
    Aber ich habe Hoffnung, oh ja.
    Danke dir für diesen Artikel.
    Liebe Grüße, Meike

  2. Ich nutze solche Gelegenheiten gern, mich ausgesprochen höflich für sein aufmerksames Verhalten zu bedanken. Auch dafür, dass mir sein dezenter Hinweis noch ziemlich lange wehtun wird … Zaubert dem Gegenüber meistens ein zwar ungläubiges Staunen ins Gesicht, bringt sie dann aber dazu, sich wenigstens zu entschuldigen. Vielleicht hilft dir das ja? Liebe Grüße von Doris

  3. @Guinan: Manchmal ist das bei mir auch so, manchmal (so wie dieses Mal) fällt mir echt gar nix zu ein. *soifz*

    @Anette: Das Ätzende/Merkwürdige daran ist, dass ich manchmal eine echt große Klappe habe(n kann). Aber eben nie, wenn mir gegenüber jemand aggressiv auftritt. Das macht mich ganz klein. 🙄

    @Meike: Genau das ist der Punkt. Ich mache mich dafür hinterher auch noch selber fertig. 😦

    @Svü: Lässt dich das dann auch erst mal nicht so schnell wieder los?

    @Doris: Ich probiere das mal! Ich habe keine Ahnung, ob mir das dann spontan in der Situation wieder einfallen wird, aber das kommt mir eher entgegen, weil ich freundlich besser kann. 🙂

    @Silencer: Genau. Und deswegen bin ich bei sowas so genervt von mir selber, weil ich es solchen dummdreisten Menschen so leicht mache.

  4. ….war vermutlich der Inhaber einer ganz bestimmten, deutschstämmigen Automarke (ich nenn jetzt mal sicherheitshalber keine Nemen, bevor sich hier noch jemand auf die Füße getreten – oder in die Hacken gefahren, höhö – fühlt…^^). Jedenfalls, die können erwiesenermaßen schon kein Auto fahren, also kann man nicht erwarten, dass die mit irgendwas, was Räder hat, adäquat umgehen können… *fg* ^^
    Aber die eigentliche Thematik betreffend: Ich schließe mich dem Club der „naiven Menschen, die Höflichkeit erwarten und ob grenzenloser Unanwesenheit dessen bei manchen Mitmenschen völlig überfordert sind und sich zu viel gefallen lassen“ an…. *seufz*…
    ABER: erfahrungsgemäß hat man irgendwann mal diesbezüglich einen guten Moment, in dem die Schlagfertigkeit NICHT auf sich warten lässt….wart’s ab, versprochen… 😉

  5. Ach, liebe Katja, was soll ich sagen… ich gehöre sicher zu den Menschen, die unmittelbar und spontan etwas zu erwidern wissen, wenn ihnen mal wieder ein Rüpel begegnet. Allerdings muss ich wohl zugeben, dass, was immer ich in dererlei Situationen sage, es nicht ankommt bei den Rüpeln. Die sind nämlich vor allem aus dem Grunde Rüpel, weil sie 0 (in Worten: NULL) Kompetenz besitzen, irgendetwas aus dem zu ziehen, was man ihnen in solchen Situationen auch immer sagt. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, einfach mal anzufangen zu heulen – vielleicht erreicht sie diese unmittelbare Message dann ja doch – wer weiß. .. und ansonsten: „Meine Güte, Sie merken aber auch gar nüscht mehr!“ ist ein guter Spruch, der auf alle Rüpel passt – helfen wird er aber auch nicht! 🙂

  6. @Isi: Wenn du das versprichst, dann übe ich mich mal einfach in Geduld dahingehend! 😀

    @WdW: Ach ja Funny! ♥

    @Rabea: Mmmhhmmmpf! Ich bin da wohl gnadenlos optimistisch naiv und denke immer, Mensch kann doch nicht so merkbefreit sein, irgendwas muss doch helfen…

    • Mir passiert das leider meist mit älteren Herren – auch wenn deine Frage vermutlich eher rhetorisch gemeint war. Ich frage mich dann aber tatsächlich häufiger mal, wo bloß die gütigen weisshaarigen Opis geblieben sind, bei denen man am liebsten immer noch auf den Schoß möchte.

      • Ich verstehe was du meinst. Es gibt sie noch, aber selten, wie ich finde. Es zählen so oft nur Ellenbogen, ich finde das einfach nur gruselig…

  7. @Emily: Hm, vielleicht sind sie auch gar nicht so selten, sondern einfach nur unauffälliger? Das Hirn nimmt ja leider Negatives viel stärker wahr und das bleibt eher im Gedächtnis. Und ich merke auch, wie ich mich, wenn ich viel unter Menschen bin, deutlicher anstrengen muss, um die guten Sachen zu bemerken. Hmm. Da muss ich noch ein bisschen drauf rumdenken.

    @WdW: Wie interessant! Ich vergesse zu gerne, das mit in meine Überlegungen einzubeziehen, dass die ja tatsächlich auch einen ganz anderen Hintergrund haben als die Generation noch eins älter, die den Krieg schon miterlebt haben.
    Die heutigen Oldies mussten vielleicht einfach nach dem Krieg schon viel mehr Ellbogen einsetzen, das macht ja fast schon Sinn.
    Und die älteren, die im Krieg waren, wirken/sind (?) vielleicht deswegen gütiger, weil sich ihre Prioritäten durch das bewusste Wahrnehmen des Krieges im Erwachsenenalter so verändert haben. Hmm.

    • Auf jeden Fall hoffe ich, dass mit der Generation der verantwortungsvollen Väter, die sich zunehmend bildet, auch wieder gütigere Großeltern heranwachsen (heranwachsende alte Menschen, ein schön-schiefes Sprachbild).

      Ich hoffe sehr darauf, dass sich trotz des großen Trends zu Unverbindlichkeit und Ellenbogen auch die Gegenbewegung entwickelt. Regionalität, Nachhaltigkeit, Freundschaft und Verlässlichkeit. Vielleicht wird das nie die Mehrheit, aber doch eine Minderheit, die wahrnehmbar und spürbar da ist und der ich mich nahefühle. Und daran mitzuwirken, das wünsche ich mir.

  8. Was für eine Unverschämtheit von dem Typen. Es gibt einfach so viele Menschen mit aufgestautem Frust, den sie hemmungslos an anderen auslassen. Und wenn man dem ganzen aufgrund der Erkrankung nichts entgegen zu setzen hat – dann fühlt man sich dem Agressor komplett hilflos ausgeliefert. Wie gemein!

    Vielleicht hilft dieser Gedanke:

    Ich erlebe im Alltag auch immer wieder solche Personen. Manchmal erzähle ich einer guten Freundin davon.
    Sie rät mir immer: „Stell dir vor es gibt ein KARMA….“

    Und VORSICHT jetzt wird es obszön und markig…

    Sie sagt immer:
    „Diese Leute wird ihr eigenes KARMA irgendwann so und ein A**** f****n dass ihnen die Rosette glüht….“

    Manchmal ist der Gedanke an ein „Karma“ oder ähnliches gar nicht schlecht finde ich… Ich kann so die Gedanken die nach so einer Begegnung bleiben schneller loslassen…

    (wenn du derart markige Sprüche nicht in deinen Kommentaren haben möchtest einfach löschen…. Aber ich finde die drastische Formulierung meiner Bekannten in den Momenten oft ganz hilfreich – es kann einem dann schneller egal sein, die Gedanken daran können einfach losgelassen werden…)

    • Das ist schon ok mit der Sprache, Du hast ja gesternt (oder hat WordPress das zensiert?).

      Mir würde es nicht helfen, so zu denken bzw. kann ich das gar nicht. Ich will nicht, dass anderen was Schlimmes geschieht, auch nicht Menschen, die nicht so nett zu mir waren. Ich würde mich dann eher schuldig fühlen, wenn ich ihnen etwas Schlechtes gewünscht hätte, Genugtuung kann ich nicht gut. Und wenn ich jemandem etwas Schlechtes an den Hals wünschen würde, würde es eher dazu führen, dass ich mir nicht mehr im Spiegel in die Augen sehen könnte. Das wäre nicht ich.
      Bitte versteh das nicht als (Be-)Wertung! Es ist sehr gut, wenn du eine Methode hast, die für dich funktioniert.
      Und ich weiss, dass meine Vorstellung, wie ich die Welt bzw. die Menschen gerne hätte und sehen mag, eher in ein Kitschregenbogenteddyeinhornwunderlandkinderbuch gehört und nicht besonders realistisch ist.

      • Diese Haltung ehrt dich sehr!!!

        Erinnert mich an das „Metta“ im Buddhismus…

        Es müsste viel viel mehr Menschen mit dieser Einstellung geben…

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