141144

Heute, in diesem Jahr, ist dein letzter Geburtstag, an dem ich noch jünger bin, als du es warst als du gestorben bist. Und an manchen Tagen, was ehrlicherweise „an ganz schön vielen Tagen“ heissen müsste, fühle ich mich immer noch nicht älter oder erwachsener als ich mich damals fühlte, an deinem letzten Geburtstag, den wir zusammen gefeiert haben und bei dem du schon wusstest und ich nicht wahrhaben wollte, dass dir nicht mehr mehr als ein paar wenige Tage bleiben werden.

Und ich bin immer noch so zerrissen. Ich kann mir nicht wünschen, dass du nie krank geworden wärest, weil du dann vielleicht nie der geworden wärst, der mein Vater war und den ich so vermisse. Und vermutlich war es die Tödlichkeit der Krankheit, die dafür nötig war, die genau das gemacht hat. Und darüber fühle ich mich schuldig, weil es sich so egoistisch anfühlt – auch wenn ich weiss, dass du den Krebs selber als das Beste und Schlimmste zugleich empfunden hast und dass unsere Gefühle darüber die gleichen waren. Und ich bin wütend und kann das jetzt auch zum ersten Mal aussprechen oder besser aufschreiben. Ich bin wütend, weil du mich damals alleine gelassen hast, so kurz nachdem du überhaupt erst der geworden warst, der mir heute noch so fehlt. Ich bin froh über diese beiden Jahre, in denen wir Vater und Tochter waren und ich bin wütend darüber, dass wir nicht mehr Zeit hatten.

Und ich frage mich, ob das nie aufhören wird. Diese Zerrissenheit und dieses Vermissen. Du fehlst mir. Nach all den Jahren fehlst du mir immer noch.

Happy Birthday, Dad!

These wounds won’t seem to heal
This pain is just too real
There’s just too much that time cannot erase

Katja

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10 Kommentare zu “141144

  1. Ich drück Dich einfach mal ganz fest! Lass Deine Gefühle zu, das ist völlig in Ordnung. Und fühl Dich nicht schuldig deswegen. Denk an die schöne Zeit, die Ihr noch haben konntet, auch wenn sie sicher nicht einfach war. LG, H.

  2. Nein, das hört nie auf, das Vermissen, egal wie lange es her ist. Ich finde auch du solltest an die schöne Zeit denken, und davon zehren. Es ist gut, daß du darüber schreibst, ich schreibe meinem Paps jedes Jahr an seinem Todestag in meinem Blog einen Beitrag.
    Liebe Grüße
    Doro

  3. Das macht mich einfach so traurig, liebe Katja. Es löst einen Kloß im Hals aus … Ich kann den Verlust so deutlich spüren, aber auch deine Ambivalenz. Alles Liebe … ♡ Und viel Kraft wünsche ich dir. Diese Geburtstage tun so weh, sie erinnern uns daran, dass man sie nicht mehr so feiern kann, wie es einst einmal ging. Alles hängt damit zusammen, soviel. Ich finde gerade keine Worte. Danke für deine Ehrlichkeit.

  4. @Tilda: ♥

    @Hermine: Danke! Das ist nicht so einfach mit dem nicht schuldig fühlen, das kann ich doch so gut… Manchmal denke ich, dass dieses Andauern und dass es gar nicht leichter wird meine (gerechte?) Strafe dafür ist, dass ich denke, die Krankheit war ein Segen. Aber ich weiss natürlich, dass das eigentlich Blödsinn ist. *soifz*

    @Doro: Ich wäre ja schon erleichtert, wenn die Zerrissenheit irgendwann nicht mehr so stark wäre. Liebe Grüße zurück an dich!

    @Guinan: ♥

    @Doris: Ich würde dem Vermissen nur gerne den angemessenen Raum einräumen und nicht so viel Energie, die mein Leben beeinträchtigt. Und mir fällt das nicht leicht, das überhaupt einzuräumen, weil es sich wie Verrat anfühlt. Aber mal ganz egoistisch (und auch das fällt mir furchtbar schwer) betrachtet: dass ein bisschen von meinem Vater lebendig bleibt (was ich hege und pflege, um es nicht zu verlieren) kostet mich im Hier und Jetzt und in meinem Leben einen hohen Preis und ich glaube – nein weiss, weil er das oft genug gesagt hat – dass das so ziemlich das Letzte gewesen wäre, was mein Vater gewollt hätte.
    Weia, darüber muss ich erst mal nachdenken. Diese Dinge kommen gerade zum ersten Mal in mein Bewusstsein hoch…
    Danke für den Denkanstoß – auch wenn du vermutlich etwas anderes im Sinn hattest. 🙂

    @Sherry: Danke, dass du kommentiert hast! Dieses Ringen, auch um Worte, spiegelt gut, wie es in mir gerade kämpft! Was ich gerade in der Antwort an Doris schrieb, diese Betrachtungsweise ist für mich ganz neu, auf dieser Seite muss ich erst mal drauf rumdenken. Bisher habe ich Egoismus ja nie in Schattierungen empfinden können, sonden jegliche Form davon sofort in die Ecke der bösen Gefühle sortiert, aber ich glaube, das ist auch etwas, was dazu führt, dass ich mich oft so nieder mache, was mich ja letztendlich auch in der Depression gefangen hält. Puh.

    @Rabea: ♥

    @alle: Entschuldigt bitte! Meine Antworten wirken vermutlich wie wirres Gefasel auf eure Kommentare, aber in mir arbeitet es gerade so sehr über das Thema und ich nähere mich dem zum ersten Mal von einem anderen Blickwinkel. Habt Dank für eure Denkanstöße, denn mein innerer Widerstand auf euer ’nein, das hört nie auf‘ hat mich überhaupt erst dahin gebracht, dass ich vielleicht etwas ganz anderes meine, was aufhören soll, als das, was vielleicht aussen und bei euch ankommt. Gar nicht das simple Vermissen und die guten Erinnerungen – die möchte ich auch behalten und die sollen von mir aus gar nicht aufhören – aber ich glaube, was ich seit weit über 20 Jahren mache, ist ein sehr ungesundes Festklammern (auch und wohl vor allem an meinen Schuldgefühlen) und darauf muss ich jetzt ein bisschen rumdenken.

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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