Schattenfangen

Diese Momente, wo sie dir so präsent sind, deine Fesseln. Nur innendrin sind die, von aussen kann man sie nicht sehen. Diese Momente, in denen du genau weisst und merkst, dass dir nichts so sehr im Weg steht wie du selber. Womöglich aus lauter Angst vorm Leben. Diese Momente, wo dir die Verzweiflung über den Kopf schwappt, wie es eigentlich nur Atlantikwellen tun sollten. Weil du nicht weisst, wie du dagegen angehen sollst. Weil du es einfach nicht weisst. Soviel wollen, wollen, aber immer wieder nicht können. Jeder Schritt vorwärts nur in Zeitlupe und unter Aufbietung aller Kraft. Wie im Schwimmbad gegen die Gegenstromanlage anzurennen. Und wehe, die Kraft lässt nach oder du bist für einen Sekundenbruchteil nicht konzentriert und vergisst es, dich mit aller Gewalt dagegenzustemmen, dann reisst es dich sofort wieder zurück.

Diese Momente, wo du weisst, dass es ausser dir selber keine Wärter mehr gibt, dass die Tür offensteht und du rausmarschieren könntest. Können solltest. Und es geht und geht und geht nicht. Und die einzige, die du dafür hassen kannst, bist du selber, weil sie dich zwar zu der gemacht haben, die du bist, aber dich niemand zwingt, so zu bleiben. Ausser irgendetwas in dir selber, das für dich nicht greifbarer ist als dein eigener Schatten.

Katja

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6 Kommentare zu “Schattenfangen

  1. …und wieder einmal, wie schon des Öfteren beim Lesen deiner Posts, denke ich mir „wie tröstlich zu sehen, dass man nicht die Einzige ist, die so denkt/fühlt“….

    Und somit kenne ich diese Situationen von „wollen, aber (ums Verrecken!) nicht können“ nur zu gut. Es ist quälend, es ist frustrierend, ja es ist zum Verzweifeln.
    Aber schlussendlich denke ich mir, dass es vermutlich genau dieses dringliche Wollen ist, welches uns daran hindert, es zu können….

  2. @Guinan: Danke! 🙂

    @Silencer: Ja, aber… (gerade zu unsortiert, um das irgendwie verständlich auszudrücken. Grob: genau das ist der Punkt, dass es natürlich darum geht, aber dass ich eben immer wieder an diese Grenze anrenne, nicht zu wissen, WIE genau ich das hinbekommen soll. Am liebsten würde ich mir wieder einen Therapeuten suchen, wenn ich dahingehend nicht so ernüchtert wäre, weil meine bisherigen Erfahrungen im harmlosesten Fall einfach gar keinen Unterschied gemacht haben und nur vertane Zeit waren, im schlimmsten eher für zusätzliche Verstörung gesorgt haben und mich zurückgeworfen haben. Bis auf eine Ausnahme, zu dem ich mittlerweile sofort wieder gehen würde, wenn er nicht über 100 km entfernt wäre.)

    @Isi: *5*
    Über deinen letzten Gedanken muss ich ein bisschen nachdenken. Ich habe bisher bei mir Wollen immer als Antrieb gesehen und in einigen Dingen war das auch so. Dass es in anderen vielleicht anders wirkt, nämlich Ausbremsend, ist ein interessanter Gedanke. Auch (oder gerade), weil ich dazu neige, mich selber dafür fertig zu machen, dass es bei manchen Dingen ja geht, wenn der Wille nur ausreichend groß ist und ich also bei denen, wo das nicht so ist, schon beim ‚Wollen‘ und dessen Stärke versage – Ich habe da also direkt zwei Ansatzpunkte, wo ich mich selber unzulänglich fühle und dafür fertig mache.

  3. Bitte hasse Dich nicht dafür. Es ist nicht einfach, Fesseln abzulegen, ganz besonders die unsichtbaren.

    Ich sehe das wie Isi. „Wollen“ kann manchmal sein wie mit dem Kopf durch die Wand wollen. Und Loslassen könnte sein wie entdecken, dass Du nicht durch die Wand musst, sondern außenrum, obendrüber, untendurch oder auch in eine ganz andere Richtung…

    *Drück*

    • @WdW: Danke. Für’s Verstehen, Kommentieren, Drücken!

      Das ist ein gutes Bild mit dem aussenrum, obendrüber,…. und vor allem war das wieder mal mein Stichwort: Loslassen! Da lande ich immer wieder, das kann ich nicht gut und übe doch kontinuierlich.

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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