Schattenfangen

Diese Momente, wo sie dir so präsent sind, deine Fesseln. Nur innendrin sind die, von aussen kann man sie nicht sehen. Diese Momente, in denen du genau weisst und merkst, dass dir nichts so sehr im Weg steht wie du selber. Womöglich aus lauter Angst vorm Leben. Diese Momente, wo dir die Verzweiflung über den Kopf schwappt, wie es eigentlich nur Atlantikwellen tun sollten. Weil du nicht weisst, wie du dagegen angehen sollst. Weil du es einfach nicht weisst. Soviel wollen, wollen, aber immer wieder nicht können. Jeder Schritt vorwärts nur in Zeitlupe und unter Aufbietung aller Kraft. Wie im Schwimmbad gegen die Gegenstromanlage anzurennen. Und wehe, die Kraft lässt nach oder du bist für einen Sekundenbruchteil nicht konzentriert und vergisst es, dich mit aller Gewalt dagegenzustemmen, dann reisst es dich sofort wieder zurück.

Diese Momente, wo du weisst, dass es ausser dir selber keine Wärter mehr gibt, dass die Tür offensteht und du rausmarschieren könntest. Können solltest. Und es geht und geht und geht nicht. Und die einzige, die du dafür hassen kannst, bist du selber, weil sie dich zwar zu der gemacht haben, die du bist, aber dich niemand zwingt, so zu bleiben. Ausser irgendetwas in dir selber, das für dich nicht greifbarer ist als dein eigener Schatten.

Katja