Sonntagnachmittagsrheinspaziergangsbeute

So langsam lässt sich nicht mehr leugnen, dass es Herbst wird, aber irgendwie mag ich diese Zeit auch, wenn das restliche Sommerbunt sich mit dem ersten Herbstbunt mischt, ohne einander Konkurrenz zu machen. Ich bin trotzdem froh, in ein paar Tagen erst nochmal eine Breitseite Sommer abzubekommen.

Katja

Kann ich auch gut: mich zum Horst machen

Ich bin eine furchtbare olle Glucke, das merke ich gerade wieder mal…

Kennt das jemand, dieses komische Gefühl im Magen, wenn einem auffällt, dass ein Mensch, den man – nur online und auch nur eher flüchtig – kennt, schon seit Wochen oder Monaten keinen Mucks mehr von sich gegeben hat?

Mir geht das gerade wieder mal so. Ein Blogger, dessen Blogs (ja mehrere) ich schon lange abonniert habe, ist von jetzt auf gleich komplett verstummt, bloggt nicht mehr, kommentiert nirgends mehr, zumindest nirgends wo ich es mir aufgefallen wäre und twittert auch nicht mehr.

Das fiel mir schon vor einer Weile auf. Da hinterließ ich einen Kommentar in einem seiner Blogs – keine Reaktion. Gerade habe ich dort nochmal nachgesehen, wann das überhaupt war – die Zeit rennt und ich konnte nicht einschätzen, ob vor einer oder eher 3 Wochen, aber es sind sogar schon 6 Wochen (also mein Kommentar). Und jetzt habe ich einen komischen Knoten im Magen und habe ihm gerade eine Mail geschrieben und nachgefragt und fühle mich wieder mal wie die peinliche Oberglucke, weil ich mich so schnell um Menschen sorge, selbst wenn es eher flüchtige Kontakte sind und es fühlt sich an, als würde ich mit meiner Mail eine Grenze überschreiten und ihn belästigen, was ich aber überhaupt nicht möchte.

Das Schlimme ist, dass es ja eigentlich nicht mal einen Unterschied macht. Im Idealfall hat er einen tollen Sommer draussen verbracht und einfach keinen Gedanken ans Web verschwendet. Und falls ihm tatsächlich irgendetwas passiert ist, werde ich vermutlich nicht mal Antwort bekommen und falls doch, kann ich vermutlich überhaupt nicht helfen und nichts ändern. (Und falls ich keine Antwort bekomme, das muss ich mir selber die ganze Zeit deutlich vor Augen halten, heisst das im Umkehrschluss noch lange nicht, dass ihm tatsächlich etwas passiert ist.) Und wenn mir das auffällt, fühle ich mich direkt noch schrecklicher in meiner Sorge, weil sie eigentlich vor allem darauf hofft, ein ‚alles ok‘ zu hören und sich damit so egoistisch anfühlt. Vermutlich kann ich gar nichts machen und niemandem ist dadurch geholfen, dass ich mich um ihn sorge, nur mir selber, falls ich eine Reaktion erhalte und diese diffuse Sorge vielleicht wieder verschwindet.

Und dann ist da in mir dieses winzige Stimmchen, das sagt, dass ich selber vermutlich froh darüber wäre, wenn jemand merken würde, wenn ich plötzlich verstummen würde, weil das bei mir meist dann passiert, wenn es mir nicht gut geht und dann denke ich, dass ich mich vielleicht deswegen lieber zur Horstin mache und in solchen Situationen nachfrage, weil manchmal alleine ein Nachfragen das Gefühl gibt, dass da jemand ist, dass man nicht völlig bedeutungslos ist, wenn irgendwer merkt, dass man nicht mehr da ist.

Furchtbar schwermütig, mir lässt sowas so schnell keine Ruhe mehr. 😦

Kennt das irgendwer diese Sorge? Und falls ja, wie geht ihr denn damit um? Fragt ihr auch nach oder könnt ihr das nur mit euch selber aussitzen?

Katja

 

 

Nochmal Pflaumen

Falls ich es noch nicht erwähnte: ich liebe Chutneys! Ich mag diese Kombination aus süß-sauer-scharf wahnsinnig gerne, das ist für mich an sich sehr rund und damit kann man wunderbar andere Geschmäcker abrunden. Strengen Ziegenkäse zB mag ich pur gar nicht so gerne, mit einem Klecks Chutney als Kontrast finde ich ihn himmlisch.

Bisher hatte ich überwiegend mit Kürbis rumprobiert und verschiedene Chutneyvarianten ausprobiert und aus Zwiebeln eine Art Chutney-Relish oder was auch immer gekocht. Jetzt habe ich mich an Pflaumen rangewagt und das ist – zumindest für meinen Geschmack – ziemlich gut geworden.

Man braucht dafür:

2 kg Pflaumen
400 g brauner Zucker
400 g rote Zwiebeln
400 ml Weissweinessig
1 EL Salz
50 g frischen Ingwer
2 Zehen Knobi
je ca. 1/2 TL Kardamon, Zimt, Muskat
2 EL Tomatenmark
1 TL Harissa (nach Belieben und Schärfeempfinden)
ein bisschen Öl

Und so geht’s:

Die Pflaumen waschen, putzen, halbieren, entsteinen. Die Zwiebeln schälen und fein würfeln. Den Knobi und Ingwer schälen und sehr fein würfeln.

In einem großen Topf Öl erhitzen und darin Zwiebeln, Knobi und Ingwer leicht andünsten bis die Zwiebel glasig ist. Den Zucker dazugeben und ein bisschen karamellisieren lassen. (Das muss längst nicht vollständig sein.) Dann mit dem Essig ablöschen und Pflaumen, Salz, Tomatenmark und die Gewürze dazugeben und bei mittlerer Hitze vor sich hinköcheln lassen bis eine Konsistenz erreicht ist, die einem gefällt. Bei mir hat das sicher 1,5 Stunden sanft geköchelt. Dann mit Harissa und evtl. mit noch mehr Gewürzen abschmecken, kochend in saubere Schraubgläser füllen und diese für ein paar Minuten auf den Kopf stellen und dann richtig rum vollständig abkühlen lassen.

Das Chutney verträgt sich zB prima mit Käse und passt auch gut zu Gegrilltem.

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Katja

Was ich gut kann: durchhalten

„Ich hätte echt nie gedacht, dass ich eine Sache so lange am Stück jeden einzelnen Tag durchziehen könnte.“ sagte ich eben am Telefon und wurde darauf hingewiesen, dass es ja noch viel mehr als 1000 Tage sind, die ich jetzt nicht geraucht habe. Aber das ist nicht das selbe, dafür musste ich nur etwas nicht tun. Das ist, nach den anfänglichen Höllenmonaten, sehr einfach gewesen und nichts, was mich noch täglich beschäftigen würde. Aber dieses tägliche Fotografieren seit 1000 Tagen, das ist etwas, was ich wirklich jeden einzelnen dieser Tage aktiv getan habe. Und ich habe nicht nur jeden Tag geknipst, ich habe auch das jeweilige Foto jeden Tag direkt hochgeladen und gebloggt. Von zu Hause, von unterwegs in Deutschland, aus Holland und Belgien und Frankreich und Spanien und Österreich und Italien. Ein einziges Mal war es kurz nach Mitternacht, aber das war nach einem überaus gemütlichen Abend mit Freunden bei Essen und Wein in Karlsruhe und einer lausigen UMTS-Verbindung auf der Heimfahrt, die mir das Hochladen des Bildes von unterwegs verweigert hat.

1000 Tage, 1000 Fotos und das ist gerade eines der wenigen Dinge, wo ich mal ohne gleich ein ‚aber‘ hinterherzusetzen, um das direkt wieder zu relativieren, sagen kann, dass ich stolz auf mich bin. Ich wusste vorher nicht, dass ich so gut darin sein kann bin, eine Sache (komplett frei von äusseren Zwängen, die mich dazu bringen) durchzuziehen, konsequent und kontinuierlich. Das macht an manchen Tagen viel Spaß, an manchen kommt nicht mehr als ein Foto von der Rauhfasertapete im Schlafzimmer dabei heraus. Aber ich bin stolz darauf, dass jetzt an jedem einzelnen dieser 1000 Tage überhaupt ein Foto dabei herausgekommen ist.

Und besonders mag ich das Projekt, weil es mich zum Hingucken bringt, weil ich immer auf der Suche nach einem Motiv viel aufmerksamer durch die Welt gehe und weil es mich zB auch oft dazu bringt, einen Schlenker am Rhein vorbei zu machen. Oder überhaupt an manchen Tagen rauszugehen, an denen ich mich eigentlich lieber drinnen verkriechen würde.

A big shout-out an Corina und Tanya mit denen zusammen das überhaupt erst so richtig Spaß macht! 🙂

A picture a day – so lange es Spaß macht, knipse ich weiter!

Katja

Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #8

Montecatini-Terme – jetzt aber mal Urlaub vom Urlaub.

Um überhaupt eine Chance zu haben, das am Vortag Gesehene irgendwie zu verarbeiten, beschließen wir, einen Quasi-Urlaubs-Tag einzulegen – schließlich sind wir ja auch im Urlaub. Für den nächsten Tag haben wir geplant, nach Florenz zu fahren, was sicherlich wieder unglaublich viele Eindrücke bescheren wird – heute also Sparflamme.

Nachmittags zieht es uns raus und wir fahren den Berg runter, um Montecatini-Terme, auf das wir von unserem Berg aus diesen herrlichen Blick genießen, endlich einen kurzen Besuch abzustatten.

Bei jeder Fahrt durch die Serpentinen den Berg hinunter bin ich auf’s neue fasziniert von den Nachbarhügeln, auf die so malerisch hingekleckst Montecatini-Alto liegt. (Klick macht alle Bilder groß.)

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Und kurz darauf bin ich das nächste Mal fasziniert. Als wir nämlich durch die Straße, die entlang der prachtvollen Kurhausbauten aus dem 19. Jahrhundert stammen, langschlendern, sieht man, wie geschickt die damals die Lage ihrer Kliniken und der Prachtstraße gewählt haben. Zwischen den Gebäuden fällt der Blick nämlich wieder genau auf Montecatini-Alto und sowas mag ich ja sehr, wenn sich in Städten zwischen Häuserschluchten auf einmal der Blick öffnet und dahinter Berge auftauchen.

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Meine Käsekuchenliebe wird zum Globetrotter

Das Wunderbare an Käsekuchen ist ja nicht nur, dass er – sofern ohne Rosinen zubereitet – fast immer lecker ist, es gibt ja auch Dutzende, ach was sag ich, bestimmt Millionen, von verschiedenen Zubereitungsmöglichkeiten.

Die neueste Variante, die innerhalb kürzester Zeit schon zweimal in meiner Küche das Licht der Welt erblickt hat, ist ein New York Cheesecake, der sich momentan die Lieblingskuchenmedaille umhängen darf. Ich koche ja viel lieber und häufiger als dass ich backe und wenn ich backe, dann meistens in Phasen – also nur Kekse oder nur Brownies oder nur Muffins oder mehrfach hintereinander den gleichen Kuchen. Keine Ahnung weswegen ich da so ticke. Die momentane Gunst liegt also ganz alleine bei diesem Kuchen – wobei ich das dringend noch vorm Urlaub irgendwann für einen Pflaumenkuchen ändern sollte.

Das Rezept habe ich beim Chefkoch gefunden und fast 1:1 übernommen. An Frischkäse verwende ich für diesen Kuchen kompromisslos Philadelphia, weil mir noch kein anderes Fabrikat mit der gleichen Cremigkeit untergekommen ist.

Man braucht dafür:

200 g Kekse (ich nahm Butterkekse, werde beim nächsten Mal aber wohl mal Schokoladenkekse testen)
100 g Butter

200 g Zucker
3 EL Speisestärke
600 g Philadelphia
200 g Magerquark
150 ml Sahne
1 Ei
2 EL Zitronensaft

250 g Schmand
2 EL Zucker
1 Tütchen Bourbon-Vanillezucker
2 TL Zitronensaft

Und so geht’s:

Den Backofen auf 180°C vorheizen. Die Kekse in einen Gefrierbeutel stecken und mit einem Nudelholz oder Hammer darauf einprügeln bis sie fein zerbröselt sind. Währenddessen die Butter in einem kleinen Topf schmelzen. Die Brösel zur Butter geben, beides gründlich miteinander vermischen und auf dem Boden einer Springform festdrücken. (Ich packe immer Backpapier auf den Boden und fette die Ränder der Form ein.)

Den Boden für 5 – 10 min bei 180°C backen.

Zucker, Stärke und Philadelphia mit dem Rührgerät gründlich verrühren. Dann Quark, Sahne, Ei und Zitronensaft dazugeben und nur noch mit einem Schneebesen von Hand, nicht mehr mit dem elektrischen Rührer glatt rühren. Im Originalrezept steht, dass das für die Cremigkeit wichtig ist. Ich hab’s so gemacht, der Kuchen war das unfassbar Cremigste, das je meinen Backofen verlassen hat, ich werde mich also hüten auszuprobieren, ob man nicht doch vielleicht elektrisch weiterrühren könnte.

Die Masse auf dem Boden verteilen, glatt streichen und für ca. 45 backen. Der Rand sollte dann ganz leicht braun sein.

Idealerweise hat man kurz vor Ende der 45 min schon den Schmand mit 2 EL Zucker, 2 TL Zitronensaft und dem Vanillezucker glatt gerührt. Das wird vorsichtig auf dem Kuchen verteilt und dann kommt er nochmal für 5 min in den Ofen.

Vollständig abkühlen lassen, am besten über Nacht, anschneiden, probieren und die Augen gen Himmel verdrehen. Boaaah!

Ich möchte übrigens versichern, dass dieser wunderbare und köstliche Kuchen nichts, aber auch überhaupt nichts, dafür kann, dass ich unfähig bin, ihn ansprechend zu fotografieren!

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Katja

Gelesen im August 2013

Auch im August sind nicht so viele Bücher vom ungelesenen Stapel auf den gelesenen gewandert. Irgendwie flutscht das diesen Sommer nicht so gut mit mir und den Büchern, Zeit und die Ruhe zum Lesen sind hier beide gerade knapp. Dafür endlich mal wieder das Gefühl, dass das nur gute Bücher gewesen sind und ich nicht die wenige Lesezeit mit Gehtso-Geschichten vertüdelt habe. Besonders das letzte der drei Bücher kann ich sehr (!) empfehlen.

Michael Ende – Momo

Ich weiss gar nicht, wie lange dieses Buch schon auf meiner Liste der Bücher stand, die ich unbedingt irgendwann lesen will. Vermutlich allerspätestens seit ich vor vielen Jahren zum ersten Mal den Film gesehen habe. Jetzt lag es schon ein paar Monate auf meinem ungelesenen Stapel und dann einen ganzen Monat auf meinem Nachttisch – eigentlich sogar auf zweien, denn es war mit in Italien, ohne dass ich auch nur eine Seite im ganzen Urlaub gelesen hätte.

Die Geschichte des kleinen Mädchens, das in einer fiktiven Stadt im alten Amphittheater lebt, sich die coolsten Spiele ausdenken kann und dann fast im Alleingang die Menschen vor den grauen Herren von der Zeitsparkasse rettet und dafür sorgt, dass alle wieder Zeit zum Leben finden, kennt vermutlich fast jeder. Was ich beim Lesen am allererstaunlichsten fand war: das Buch feiert in diesem Jahr schon seinen 40. Geburtstag, aber es ist heute vermutlich noch viel aktueller als es damals war. Mal gerade die Hand hoch, wer von meinen Blogleser*innen nicht mindestens einmal am Tag das Gefühl hat, die Zeit renne ihr bzw. ihm davon.

Bei mir ist das Gefühl, gehetzt zu sein in den letzten Wochen wieder mal ziemlich ausgeprägt und ich habe mich oft im Buch ertappt gefühlt. Insofern war es genau der richtige Zeitpunkt, um es endlich zu lesen, denn es hat mich daran erinnert, dass das beste Mittel gegen (meine) Hektik fast immer ist, mir bewusst Zeit für etwas zu nehmen. Man hat ja irgendwie nie Zeit übrig, man kann sie sich nur für Dinge, die einem am Herzen liegen nehmen!

Dieses gute Grundgefühl, wieder mal daran erinnert zu werden, hat mich dann auch über die Stellen im Buch hinwegsehen lassen, die mir ein bisschen zu missionarisch / esotherisch erscheinen.

Falls ihr Momo nicht kennt: Nehmt euch doch wieder mal Zeit dafür, ein Buch zu lesen. 🙂

Lisa Gardner – Kühles Grab

Annabel Granger ist sieben Jahre als als sie nach Hause kommt und ihre Eltern auf fünf gepackten Koffern sitzen, um in einem neuen Bundesstaat unter einem neuen Namen ein neues Leben zu beginnen und dieses Ritual wiederholt sich ab diesem Zeitpunkt immer wieder. Alle paar Monate lässt die Familie ihr komplettes Leben zurück, ist ständig in Bewegung, ständig auf der Flucht. Nur wovor genau sie flüchten, das verrät ihr Vater ihr nie. Sie weiss nur, dass es darum geht, sie – also Annabel – zu beschützen.

Jahre später als sie längst erwachsen ist und ihre Eltern beide tot sind, wird auf dem verlassenen Gelände einer früheren Psychiatrischen Klinik eine unterirdische Kammer mit sechs mumifizierten Mädchenleichen gefunden. Und dort wird auch ein Medaillon gefunden, in das Annabels Name graviert ist.

Sie meldet sich bei der Polizei und es geht nicht nur darum, die Morde an den Mädchen aufzuklären, die schon über 20 Jahre zurückliegen, sondern auch darum herauszufinden, welche Rolle Annabel, und auch ihre Familie, bei der ganzen Geschichte spielt.

Sehr spannend und das direkt ab dem ersten Kapitel! Ich hab zum ersten Mal seit 2 Monaten ein Buch auf dem Nachttisch gehabt, das mich abends dringend zum Lesen gelockt hat und es fiel mir schwer, es nicht in einem Rutsch durchzulesen. So sehr hat mich das Rätsel um Annabels Familie und die möglichen Verdächtigen und die ganzen Zusammenhänge fasziniert. Und just als ich dachte, ich hätte jetzt alles durchschaut, ergab sich wieder eine neue Wendung – jedesmal. Natürlich ist die Geschichte reichlich schräg und man weiss, dass hier eine Geschichte erzählt wird, aber das ist in sich sehr stimmig und glaubwürdig. Brilliante Verwicklungen und am Ende macht alles Sinn!

Hat mir sehr gefallen. Wenn man Thriller mag, kann man mit dem Buch wenig verkehrt machen und das war sicher nicht mein letzter Gardner!

Kressmann Taylor – Adressat unbekannt

Nur ca. 40 Seiten umfasst die dünne Briefnovelle und das ist kein Wort zu viel und keines zu wenig. Ich hab das Buch aufgeklappt und erst wieder aufschauen können als ich es durchgelesen hatte. 18 Briefe, 1 Telegramm und ich saß nach dem Lesen da, konnte kaum noch schlucken und hatte Gänsehaut am ganzen Körper.

Max und Martin sind die besten Freunde, und besitzen zusammen eine Galerie in San Francisco, als Martin mit seiner Familie 1932 nach Deutschland zurückkehrt, während der jüdische Max in San Francisco bleibt, um die Galerie weiterzuführen. Von den anfänglichen Freundschaftsbeteuerungen Martins ist schon nach wenigen Briefen nichts mehr übrig – er ist in die Partei eingetreten, macht Karriere, kann sich eine Freundschaft mit einem Juden nicht mehr erlauben. Und bald will er das auch gar nicht mehr, denn zweifelt er auch anfangs an Hitler, so verkündet er innerhalb kurzer Zeit dessen Parolen.

„Ihr [Juden] lamentiert immer, aber ihr seid niemals tapfer genug, zurückzuschlagen. Deshalb gibt es Pogrome.“

Dass sein alter Freund Max, sehr wohl tapfer genug für Rache ist, merkt Martin als er seiner früheren Geliebten, die Max Schwester ist, Hilfe verweigert.

Ich kenne keine Geschichte, die so auf den Punkt sitzt, wie diese schon 1938 von einer amerikanischen Werbetexterin geschriebene Novelle. Ich bin jetzt schon ziemlich sicher, dass das eines meiner Top Bücher des Jahres wird und ich glaube, ich habe selten – falls überhaupt – erlebt, dass mich ein so dünnes Büchlein dermaßen lange nachhaltig beschäftigt hat. Lest das bitte. Alle.

Katja