Katja kocht (nicht ganz) nach Omas Rezepten, Teil 4

In dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, gab es ein bisschen ausserhalb, in der Nähe der Grillhütte, eine große Obstbaumwiese und wenn ein Dorfbewohner vom ‚Baumstück‘ sprach, dann war diese Wiese gemeint. Das Baumstück gehörte nicht einer bestimmten Person, sondern jede der Reihen dort (die Wiese war nämlich streng geometrisch in Reihen bepflanzt) gehörte einer anderen Familie, die dort ihre Obstbäume pflegte.

In unserer Baumreihe gab es ein oder zwei Kirschbäume, mehrere Äpfelbäume, einen Birnbaum, zwei Pflaumenbäume und einen Mirabellenbaum, der mir der liebste war. Und mein Opa beherrschte auch die große Kunst des Pfropfens, sodass es noch mehr verschiedene Apfel-, Birnen- und Kirschsorten gab, als wir überhaupt Bäume dort hatten.

Als meine Oma nicht mehr lebte, war das Baumstück einer der liebsten Spaziergangsorte meines Opas. Er ging dort mehrmals pro Woche hin, um nach dem Rechten zu schauen und spätestens, wenn es etwas zu ernten gab, führte mich der Gassiweg auch oft in die Gegend – wie praktisch, wenn man, ganz unabhängig von Ladenöffnungszeiten, fix am Sonntagvormittag ein paar Äpfel für einen Kuchen einsammeln konnte.

Im Herbst, das war ganz klar, mussten in kurzer Zeit viele Pflaumen verarbeitet werden. Im Gegensatz zu den Äpfeln, die man einfach so einkellern konnte, überlebten die Pflaumen – einmal vom Baum gepflückt – ja nicht mehr besonders lange.

Meine Oma – und später mein Opa und ich zusammen – kochten die immer als Rotweinzwetschgen ein. Streng genommen macht das, soweit ich weiss, einen Unterschied, ob es Pflaumen oder Zwetschgen sind, aber bei uns wurden die Begriffe einfach synonym verwendet und ich kann die bis heute nicht wirklich unterscheiden und nenne sie mal so, mal so.

Nur die in Rotwein eingekochten, die müssen Zwetschgen heissen, die hießen nämlich schon immer so. Also streng genommen hießen sie nicht mal so, sondern natürlich im Dorfdialekt ‚Rutwoakwotsche‘.

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Bei meiner Oma ging das mit dem Einkochen so:

In große Schraubgläser (ganz früher auch noch in jene mit den Einkochgummiringen) wurden Zwetschgen gefüllt. Dabei wurde in jede Zwetschge ein Stück Würfelzucker eingewickelt. Dann wurden die Gläser randvoll mit Rotwein aufgefüllt und im großen Einkochtopf auf dem Herd gekocht.

Und weil ich zwar immer beim Pflaumen waschen und entsteinen und mit Zucker füllen und in Gläser stopfen geholfen habe, aber mich nie um das anschließende Einkochen gekümmert habe, habe ich keine Ahung, wie lange die tatsächlich brauchten und bei wieviel Grad eingekocht wurde. Irgendwann werde ich das aber mal im Backofen ausprobieren, aber dafür fehlte mir vor einiger Zeit die Ruhe und Geduld und so wandelte ich ein bisschen ab und kochte die Pflaumen im Topf und füllte erst dann in die Schraubgläser.

Das ist jetzt eher eine Art Kompott geworden, weil die Pflaumen viel weicher gekocht sind als bei meiner Oma – da waren die Früchte zwar weichgekocht, aber noch weit von matschig entfernt, aber ich finde das Ergebnis trotzdem sehr lecker. Wie könnte auch etwas, was in Rotwein gekocht ist, nicht lecker sein? 😀

Zudem dürfte man nach meiner Version sogar noch fahrtüchtig sein, die von meiner Oma stiegen schon gewaltig in den Kopf – aus den Gläsern konnte ja nichts entweichen.

Man braucht dafür:

ca. 2 kg Zwetschgen – gewaschen und entkernt waren bei mir noch ca. 1,7 kg übrig
1 l Rotwein (ich nehme für’s Kochen fast immer einen trockenen französischen Landwein)
800 g Zucker
1 Zimtstange
1 Vanilleschote
1 großzügiger Schuss Amaretto

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Und so geht’s:

Die Zwetschgen waschen, putzen, halbieren und entkernen, die Vanilleschote auskratzen. Den Zucker leicht karamellisieren, mit dem Wein ablöschen und dann Zwetschgen, Zimtstange, Vanillemark und ausgekratzter Schote dazugeben, erhitzen und zwischen 5 und 10 min kochen lassen. Dann nach Belieben einen Schuss Amaretto dazugeben, die Vanilleschote und Zimtstange rausfischen und kochend in sterile Gläser abfüllen. Die Gläser für 5 Min auf den Kopf stellen, dann richtig rum fertig abkühlen lassen.

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Früher war das bei uns die klassische Ergänzung zu Grießpudding und manchmal auch einfach zu Vanillepudding. Auf jeden Fall schmeckt das für mich sehr nach Kindheit und weckt Erinnerungen an die Küche meiner Oma. 🙂

Katja

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8 Kommentare zu “Katja kocht (nicht ganz) nach Omas Rezepten, Teil 4

  1. Mjam. Das würde ich mögen.

    Kennst du Whisky-Pflaumen? Da werden entsteinte Eierpflaumen in Zuckerlösung gekocht und dann mit Whisky aufgegossen. Das soll dann mindestens vier Wochen ziehen und wird mit Sahnehäubchen serviert.
    Als ich das zum letzten Mal gemacht habe, wollten wir die im Oktober essen. Die Party fiel dann allerdings aus und wir haben sie bis Mai stehenlassen. Also, sie schmeckten immer noch köstlich – und überhaut nicht nach Alkohol. Wir haben und um 8 getroffen. Um 11 war die Party dann leider vorbei, weil wir alle nicht mehr konnten. Selten bin ich so schnell abgestürzt wie an dem Abend. Aber schön wars.

    • Gnihi! Ich glaube, die würde ich auch mögen. Probiert hab ich sie noch nie. In was für Gefäßen bewahrt man die denn auf? In fest verschlossenen oder eher so Rumtopfmäßig?
      Und wird das dann eher getrunken oder gelöffelt?

  2. Ich hatte etwas Rumtopfähnliches aus Glas. Der Alkoholgehalt ist hoch genug dafür.
    Wir haben immer 2 Pflaumen in ein Whiskyglas gegeben, mit Flüssigkeit aufgefüllt und mit ca. einem Esslöffel Sahne bedeckt. Und erst gelöffelt, dann getrunken.
    Wenn ich mich richtig erinnere, war das ein Rezept aus einem Lingen-Kochbuch.

  3. Oh, wie lecker das klingt und aussieht und wie das duftet!. Nun ja, ich mag keinen Pudding schon gar keinen aus Grieß, aber sicher schmeckt auch Vanilleeis ganz köstlich dazu… mal vorsichtig das Essenschlüsselchen über den Tisch schieb 🙂

  4. @Guinan: Das möchte ich ja am liebsten sofort haben! 😀

    @Rabea: Ach als Schlüsselchen macht es sich doch auch ganz gut, das Schüsselchen. Wäre gemeiner, wenn du ihm die Pünktchen geklaut und ein Schusselchen draus gemacht hättest. 😀
    *Schüsselchen auffüll* 🙂

    Du magst keinen Pudding? Das ist ja überaus suspekt! 😀

    • Lieben Dank für´s Auffüllen 🙂

      Nee, Pudding geht gar nicht… egal mit wie viel Liebe selbstgemacht. Ganz grauenvoll finde ich die Haut auf Puddingen… brrrr. Und Joghurt mag ich eigentlich auch nur in natura (die 4er-Packungen vom Li dl) oder welche mit Zitrone. Leider gibt es kaum Joghurt mit Zitrone… und häufig wird auch Limette hineingepanscht… die wiederum mag ich nicht… Ja, es ist für mich einfacher, Schololade zu essen :mrgreen:

      • Rabea, ich beneide dich nicht um dein schweres Los! Aber ich bin sicher, du stehst das durch. Du bist eine starke Frau, du trägst das tapfer. :mrgreen:

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