Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #6

Ha, Moment! Ich brauche unbedingt noch ein paar Postkarten!

Dann endlich rein in den Dom und ich muss erst mal direkt bei der Tür stehen bleiben, um diese ganzen Eindrücke zu verabeiten. (Klick macht alle Bilder groß.)

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Wie schön das ist mit den gestreiften Säulen. Ich muss an Leuchttürme denken und an Ringelsocken und mir gefällt das auf Anhieb wahnsinnig gut. Ringsum steht eine Menge Leute, vor allem Frauen und Mädels mit seltsamen Umhängen. Die sind dort tatsächlich darauf eingestellt, dass die Besucher sich nicht – im Sinne der strengen italienischen Kirche – angemessen bekleidet haben und weisen die Besucherinnen dann aber nicht ab, sondern verteilen Einwegüberzieher, wenn jemand im ärmellosen Top oder mit zu kurzen Hosen kommt. Ich kann mich gar nicht erinnern, wie die Spanier das handhaben, derartige Überzieher habe ich dort nie gesehen, vielleicht wird das dort tatsächlich weniger eng gesehen.

Über diesem gestreiften Teil, gibt es eine Galerie mit weit über 100 Büsten von ehemaligen Päpsten.

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Bei der Decke und der Kuppel muss ich wieder mal an Tanya denken, der das bestimmt gut gefallen würde: beide sind dunkelblau mit goldenen Sternen.

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Mir hat es der Marmorfußboden besonders angetan, der ist einfach unglaublich. An die 200 Jahre (von 1369 – 1562) haben mehr als 40 Künstler an den Bildern gearbeitet. Teilweise sind die Muster in den Stein geritzt, teilweise sind es Mosaiken aus Steinen in unterschiedlichen Farben.

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Vielleicht ist es das, was mich an diesen großen Kirchen so sehr fasziniert, diese Ausdauer und Geduld beim Bau. Was da für eine Hingabe drin stecken muss, damals wurde das ja alles in fisseliger Handarbeit gemacht. Wenn man das mal vergleicht mit zB dem Burj Khalifa, dem höchsten Gebäude der Welt, das in Dubai steht. Diese über 800 Meter haben die in nur 5 Jahren gebaut. Vielleicht sind diese alten Gemäuer einfach deswegen so für die ‚Ewigkeit‘, weil auch eine ‚Ewigkeit‘ bei ihrem Bau vergangen ist.

Überall im Dom gibt es Bildhauerkunst zu bewundern und ich muss an den Besuch in der Wieskirche vor etwa einem Jahr zurückdenken und wie scheusslich ich die ganzen Putten dort fand und was für ein wahnsinnig riesengroßer Unterschied das ist, zwischen diesen hässlichen kleinen Engelchen dort und den grazilen und eleganten Figuren hier, bei denen mir so mancher Faltenwurf eines Gewandes den Atem nimmt, weil ich denke, das Teil muss sich gleich im Luftzug bewegen.

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Ich kann mich kaum satt daran sehen. Besonders beeindruckt mich die Cappella Chigi, die von Gian Lorenzo Bernini gestaltet wurde. Der Name ist spätestens jedem ein Begriff, der Dan Browns Illuminati gelesen hat, denn die Schnitzeljagd durch Rom folgt Berninis Kunst.

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Für seine Maria Magdalena fehlen mir die passenden Superlative, die Statue rührt mich an, so faszinieren mich ihre Proportionen und die Falten des Gewandes.

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Der Eingang zur Libreria Piccolomini, die Kardinal Piccolomini, der spätere Papst Pius III. zu Ehren seines Onkels Pius II. und zur Aufnahme von dessen Bibliothek gründete.

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Drinnen ist es ganz unerwartet farbenfroh! Decke und Wände sind bunt bemalt mit Stationen aus dem Leben Pius II. Die Wandbilder sind sehr verblüffend. Durch die mitgemalten Rahmen wirkt der Raum ungeheuer plastisch. Tatsächlich sind die Wände jedoch ganz flach.

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Die Kanzel von Nicola Pisano, noch um einiges größer und prächtiger als jene in Pistoia, aber der gleiche Stil ist deutlich.

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Und noch ein paar Impressionen:

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Als wir wieder rauskommen, blendet uns erst mal grell die Sonne. Rechts neben dem Dom gibt es einen Durchgang zu einer Treppe und wenn man dort runtersteigt, gelangt man auf etwa halber Höhe in die Krypta unter dem Dom. Dort riecht es – das haben wohl alle Krypten gemeinsam – erst mal fürchterlich muffig und modrig und ich habe eigentlich gar keine große Lust, da jetzt durchzustapfen. Es gibt einige alte Wandfresken zu sehen und Glasplatten im Boden, die einen noch tiefer in die Gewölbe unter dem Dom blicken lassen. Auf die kann ich nicht drauf treten, grundsätzlich nicht. Ich muss da immer einen großen Schritt drüber machen, weil ich sonst Angst hätte, runterzufallen. Auch wenn das Hirn weiss, dass da kein Loch sondern nur transparenter Boden ist. 😀

Das, weswegen es sich wirklich lohnt, den Geruch auszuhalten, ist das aktuell in der Krypta ausgestellte Kunstwerk – Johannes der Täufer als Knabe von Carravaggio. Im Gegensatz zum Dom darf man in der Krypta allerdings leider nicht fotografieren. (Dank für’s Bild gebührt wieder mal dem Mitreisenden.)

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Am unteren Ende der Treppe schließlich, gelangt man ins Battisterium di San Giovanni, die Taufkirche, deren Bau dadurch möglich und notwendig wurde, dass der darüberliegende Dombau am Hang eine Stützkonstruktion brauchte.

Im Gegensatz zu dem riesigen Taufbecken in Pistoia könnte man hier nicht so einfach darin baden. Das macht es aber durch die aufwändige Arbeit wett.

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Im Sockel befinden sich rundum 6 Relieftafeln, die von unterschiedlichen Künstlern 1417 bis 1430 geschaffen wurden. Darunter Arbeiten von Donatello und Ghiberti, der mir später noch in Florenz begegnen wird. Insgesamt gibt es nicht so viele verschiedene Werke von Ghiberti, weil er alleine 48 Jahre lang an den Paradiespforten des Battisteriums in Florenz gearbeitet hat. Unfassbar, was für eine Hingabe darin stecken muss! Ich bin gespannt darauf, die in echt zu sehen!

Die Taufe Christi und Johannes der Täufer vor Herodes von Ghiberti.

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Und das Festmahl des Herodes von Donatello.

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So kunsthistorisch wertvoll dieses Taufbecken auch sein mag, zu mehr als ‚ganz hübsch‘ reissen mich diese ganzen Metalldingse nicht hin und ich merke wieder mal, dass es der kühle Stein ist, der mich viel stärker fasziniert.

Der Rest von Siena in Kurzfassung:

Raus aus dem Battisterium und den Schildern in Richtung Piazza del Campo gefolgt. Wie irre die Sienenser (heissen die so?) sind, weil sie dort ihren Palio di Siena veranstalten – darüber möchte ich in diesem Moment lieber nicht nachdenken, sondern lieber den Platz auf mich wirken lassen.

Das Panorama sieht zugegebenermaßen ein bisschen seltsam aus mit seinen schwarzen Rändern – ich wollte es aber lieber nicht beschneiden, weil man sonst die Form und vor allem Wölbung des Platzes nicht mehr so gut hätte erkennen können. Die Piazza liegt nämlich wie eine überdimensionale Jakobsmuschel an der Stelle der Stadt herum, an der die diversen Hügel zu einem Tal zusammenlaufen.

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Dort, wo die Muschel klappbar wäre, befindet sich der Palazzo Pubblico, das Rathaus, dessen Turm den Platz weit überragt.

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Hier gibt es übrigens ein eindrucksvolles Bild von der Piazza von oben und hier eines am Tag des Palio.

Von der Piazza del Campo aus schlendern wir noch ein bisschen durch die Straßen,

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und machen uns dann wieder auf den Weg in Richtung Stadion. Dabei fallen, noch mehr als auf dem Hinweg die bunten Fahnen mit den Gänsen auf. Das war in den anderen Stadtteilen zwar auch immer mal sichtbar, aber nicht so auffällig. Die Erklärung finde ich, als ich wieder zu Hause bin, bei Wikipedia. Die Contrada dell’Oca – der Stadtteil mit der Gans – hat den Palio am 2. Juli gewonnen und war dann wohl, als wir dort waren, noch im Siegestaumel.

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Ich denke gerade noch so daran, ein paar Postkarten zu kaufen, dann vonon kurz vorm Stadion ein letzter Blick auf den Dom.

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Und dann sind wir schon wieder unterwegs, raus aus der Stadt und hin zu der skurrilen kreisrunden Festungsstadt, von der ich bei Herrn Silencer zuerst gelesen hatte und wo ich zum ersten Mal gedacht habe, dass ich dringend mal in diese Gegend reisen möchte.

Katja

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8 Kommentare zu “Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #6

    • Na ick freu mir doch über dein Hachzen! 🙂
      Ich glaube, durch so lange Blogbeiträge kämpfen sich nicht so viele durch und natürlich könnte ich mich kürzer fassen, aber für mich mag ich das gerne in 1, 2 Jahren so ausführlich hier festgehalten haben – Erinnerung konserviert quasi – aber umso mehr freue ich mich wirklich, wenn es ausser mir selber noch andere Leute interessiert. ♥

  1. Der Dom ist ein echtes Wunder, und ich habe tatsächlich den Kribbel genossen, auf der Glasplatte zu stehen und zwei Stockwerke Luft unter den Füßen zu haben 🙂

    Und: YEAH! Du hast wirklich Monteriggioni besucht!?

    • Wuuuh. Ich bekomme alleine Gänsehaut, wenn ich wieder an die Platte denke. 😀

      Und: Ja klar! (Meine Quellen der Urlaubsvorbereitung waren der Reiseführer, Wikipedia, diverse Tipps, die ich per Mail bekam und dein Blog. :D)

  2. Ich arbeite mich meine gelesen-aber-noch-kommentieren rückwärts ab wie Du merkst 😀
    Diesen Artikel hätte ich aber schon viel eher kommentieren sollen, ich bin immer ganz gerührt, wenn Du irgendwo am Urlaub wirklich an meine Sternchensucht denkst!
    Persönlich hab ich es ja nicht so mit Kirchen und würde mir, trotz aller Ehrfurcht der Baukunst gegebenüber, nie mehr als eine am Tag anschauen können.
    Das Wissen um Sternchenhimmelkuppeln könnte mich vielleicht in eine mehr reinlocken 😉

    Tanya, außerdem ein dickes Dankefein für die tollen Reisetageberichte da lassend!

    • Den Dom von Siena kann man sich wirklich sehr gut anschauen, auch wenn man’s gar nicht mit Kirchen hat. Da gibt neben dem Sternchenhimmel wirklich so bezaubernde Skulpturen, ganz und gar nicht christlich, und alleine der Boden… Hachz!

      Ich danke für’s Lesen! 🙂

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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