Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #5

Siena – Ach du meine Fresse! Hast du DAS gesehen?

Beim Cappuccino in Pistoia hatten wir beschlossen, am nächsten Tag nach Siena zu fahren und eigentlich auch nicht so spät aufzubrechen, aber dann ist es doch schon später Vormittag bis wir einigermaßen in die Gänge gekommen sind und loskommen. Das Navi kommt mit der Strecke auf dem Berg zu unserer Wohnung gar nicht gut zurecht und so verfransen wir uns erst mal wieder in den Bergen und sind plötzlich kurz vor Montecatini Alto, das ja eigentlich auf den Nachbarhügeln liegt. Wir haben nicht so wirklich Ahnung, wie wir da nun gelandet sind, aber an einer Stelle geht es nicht mehr weiter, weil da nur noch Fußgängerzone kommt und so drehen wir und machen uns wieder auf den Weg den Berg hinab. Nicht, ohne wenigstens kurz anzuhalten und die Aussicht zu genießen. Das ist es, was die Berge reichlich zu bieten haben und das, was mir zu Hause in der Erdgeschosswohnung am meisten fehlt – ein bisschen in die Weite gucken. (Klick macht alle Fotos groß.)

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Weil es schon so spät ist, beschließen wir, die Autobahn zu nehmen, um möglichst schnell in Siena zu sein. Das ist zwar schade, weil man davon viel weniger hat als gemütlich überland zu zockeln und zu gucken, aber das heben wir uns dann lieber für den Rückweg auf. Von Montecatini-Terme führt unser Weg erst fast bis Florenz, dann Richtung Süden nach Siena und knapp 2 Stunden später rollen wir in die Stadt und als wir uns dem einprogrammierten Ziel nähern ist in der Ferne schon der Dom zu sehen – obwohl ich zu dem Zeitpunkt noch nicht sicher bin, dass er das auch tatsächlich ist.

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Der Reiseführer, über den ich im vorletzten Teil so geschimpf habe, empfiehlt, in Siena am Stadion zu parken und das ist ein guter Tipp, denn dort finden wir direkt einen freien Parkplatz zu ganz moderatem Preis (ich bin nicht ganz sicher, glaube aber, die Stunde hat 1,6 € gekostet).

Was beim Lesen im Reiseführer noch sehr abstrakt bleibt, wird in der Stadt ganz schnell sehr plastisch: Siena ist auf drei Hügeln gebaut und beim Gang durch die Stadt ist man fast ständig bergauf oder bergab unterwegs. Das ist einerseits ganz schön anstrengend, andererseits verleiht es der Stadt aber auch einen unheimlichen Charme. Wir sind kaum 10 min in Richtung des Doms, der unser erstes Ziel sein soll, unterwegs, da merke ich schon, dass ich gerade dabei bin, mich frisch zu verlieben. Ist das schön hier!

Oder ist doch alles nur Fassade? Zumindest das Haus mit den beiden sehr unterschiedlichen Fassaden fasziniert mich sehr. Erstaunlich, dass gerade die Seite zur Kirche hin die schlichte ist.

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Überall Kunst.

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Ich so: „Oh, was das wohl für ein Gebäude ist?!“
Der Mitreisende so: „Ach das ist ’ne Bank, die Monte dei Paschi.“
Und ich staune wieder mal, wie gut er sich in Finanzdingen auskennt, weil am Gebäude steht nur klein und dezent das ‚Monte dei Paschi‘ und er hat sofort parat, dass es sich dabei um eine Bank handelt. Die wurde 1472 gegründet, weiss der Reiseführer und gilt als älteste noch existierende Bank der Welt.

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Überall in der Stadt begegnet man Säulen, auf denen die Figur der Wölfin, die Romulus und Remus säugt, abgebildet ist, denn der Legende nach soll Siena von Senio, dem Sohn von Remus gegründet worden sein und so ist die Wölfin Wahrzeichen der Stadt.

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Mich fasziniert die Vielseitigkeit sehr, der man dort begegnet. Teilweise Geäude aus groben, kaum behauenen Bruchsteinen und fast nebenan filigrane Bildhauerkunst. (Wenn ich das Schild richtig verstanden habe, ist das prächtig geschmückte mit der Bogenloggia schon wieder eine Bank.)

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Was mir auch wahnsinnig gut gefällt ist, wie natürlich diese Hügel zur Stadt gehören. Wir kommen auf dem Weg an unzähligen Lokalen vorbei, die sich in sehr steilen Straßen befinden und da wird sich dann einfach mit Holzpodesten beholfen – oder noch schöner mit Stühlen, die unterschiedlich hohe Beine haben – damit man trotzdem Tische vor der Tür zum Draussensitzen haben kann.

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Dann irgendwann auf dem Weg, öffnen sich die Häuser am Straßenrand und eine Treppe führt ein ganzes Stück nach unten und zwischen den Häusern kann man schon den Palazzo Pubblico am gegenüberliegenden Ende der Piazza del Campo sehen, die am Fuß der Treppe liegt.

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Wir widerstehen der Versuchung, direkt runterzusteigen, denn zuerst wollen wir ja zum Dom.

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Und dann, sagt der Mitreisende plötzlich sowas wie „Ach du meine Fresse! Hast du DAS gesehen?“ und ich hab’s gesehen und längst die Kamera im Anschlag und obwohl ich im Reiseführer den Text über den Dom und seine Fassade gelesen hatte, ist auch mir sehr nach „Ach du meine Fresse!“

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Der Dom – Duomo Santa Maria Assunta -, oder zumindest eine Vorläuferkirche davon an der gleichen Stelle, wurde an der höchsten Stelle der Stadt errichtet und insgesamt begann man schon 1210 mit dem Bau und es wurde dann stufenweise erweitert. Und wäre da nicht 1348 die Pest gekommen und zu hohe Baukosten und zu ungünstige politische Verhältnisse, dann wäre dieses jetzt schon unheimlich große und beeindruckende Gebäude noch um ein vielfaches erweitert worden und das jetzige Hauptschiff wäre dann nur noch Querschiff gewesen. So aber zeugt nur eine schon errichtete und erhaltene Mauer rechts vom Gebäude von den ehrgeizigen Plänen.

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Der Turm wurde 1313 vollendet – und ich mag den Streifenlook und die steigende Zahl der Fensteröffnungen von unten nach oben, die ein bisschen wirkt, als würde er kopfüber stehen – der Gesamtbau des Doms war 1382 beendet, also zumindest von aussen.

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Bei der Fassade begegnet uns dann wieder der Name Pisano. Die wurde nämlich von Giovanni (das ist wieder der Sohn mit der Kanzel in Pistoia) 1284 – 1299 geschaffen und macht mich schier sprachlos. Ich hätte problemlos mehrere Stunden vor dieser Wand rumstehen können, so viel gibt es dort zu sehen. So vielfältig sind die Figuren und so viele gibt es davon. Und das alles ist kein bisschen kitschig oder doof und wirkt auch nicht überladen, sondern unglaublich stimmig und filigran – trotzdem da viel Rosa zum Einsatz kam. Hachz! Fahrt jetzt sofort alle nach Siena und guckt euch das live an! Ich musste mich sehr zusammenreissen hier nicht noch mehr Bilder reinzupacken, weil mich das so unheimlich beeindruckt hat und man das in Worten gar nicht vermitteln kann.

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Nach einiger Zeit sprachlosen Fassadenangaffens und unzähliger Fotos, stellen wir uns erst direkt an die Eintrittsschlange an, um kurz darauf festzustellen, dass man sich dafür vorher ein Ticket besorgen muss. Das ist leider nirgendwo so richtig sichtbar beschriftet und als wir einige Zeit später – die ungefähr ein Viertel so lange hätte dauern können, wenn das Paar vor uns am Ticketschalter (der ist übrigens rechts vom Dom, zwischen Dom und der unfertigen Mauer, falls ihr jetzt tatsächlich alle auf dem Weg seid!) nicht so unfassbar umständlich gewesen wäre und so lange gebraucht hätte – wieder in der Eintrittsschlange stehen, geht es auch den Leuten vor uns in der Schlange so, dass sie noch keine Karten haben.

Beim Dom ist übrigens nicht nur die Fassade schön, sondern auch die Treppe vorm Dom bzw. der Boden ringsum.

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Dass der Boden nicht nur aussen ganz schön schön ist, zeigt dann der nächste Teil! (Das hier ist schon wieder so lang geworden.)

Katja

9 Kommentare zu “Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #5

    • Danke für’s Lesen! Ich freue mich echt sehr, wenn diese langen Monsterbeiträge überhaupt jemand anschauen und lesen mag. 🙂
      Dir auch ein schönes Wochenende und einen lieben Gruß!

  1. Pingback: Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #9 | Gedankensprünge

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