Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #4

Zwischen Eis und Cappuccino wird ja jetzt wohl noch eine Kirche passen!

Draussen lassen wir uns nochmal auf die schattigen Stufen des Battisteriums fallen und überlegen, was wir uns noch ansehen wollen. Das Ospedale del Ceppo möchte ich unbedingt sehen und falls wir dann noch rechtzeitig wären, so lange sie offen ist, auch noch Sant‘ Andrea, die beide grob in die gleiche Richtung liegen. (Klick macht alle Fotos groß.)

IMG_1888 IMG_1910

Unterwegs amüsiert uns das Haus, bei dem aus (fast) jedem Fenster eine Klimaanlage hängt. Bei vielen davon sieht man, dass das nicht ihre ursprünglich gedachte Benutzungsweise ist, denn sie haben noch die Rollen drunter, mit denen man sie hin- und herschubsen könnte.

IMG_1886

Das Handy des Mitreisenden leistet uns gute Dienste beim Navigieren in den Städten und so stehen wir  schon eine Viertelstunde später vorm Ospedale, das immer noch als Krankenhaus genutzt wird und für seine Terrakotta-Reliefs aus dem 16. Jh. bekannt ist.

IMG_1889 IMG_1890 IMG_1897 IMG_1905

Vom Ospedale weiter durch die Stadt, die im Nachhinein beim Betrachten der Bilder ziemlich blassgelb zu sein scheint, was mir vor Ort noch gar nicht aufgefallen war, hin zu Sant‘ Andrea.

IMG_1911 IMG_1924

Und dabei feststellen, wo ich auf keinen Fall in der Zeit hinmöchte.

IMG_1916

Sant‘ Andrea, von aussen recht unscheinbar und an wenig prominenter Stelle der Stadt gelegen.

IMG_1918

Das Relief über der Tür, das die Heiligen Drei Könige zeigt, stammt schon aus dem Jahr 1166 und ich bin wieder mal fasziniert darüber, was für großartige Leistungen die Menschen damals zustande gebracht haben und wie gut das die Jahrhunderte überdauert. Manchmal frage ich mich, ob irgendetwas von den Dingen, die wir heute so schaffen, auch nur annähernd so lange halten wird und im Vergleich kommt mir, speziell die digitale Welt, sehr wenig greifbar und auch sehr flüchtig vor.

IMG_1921

Dann rein in die Kirche und das, was uns dort wieder einmal empfängt ist ziemliche Dunkelheit. Das ist wieder mal besonders schade, die Kirche, so unscheinbar sie ansonsten ist, hat nämlich ein echtes Schmuckstück – die Kanzel von Giovanni Pisano, an der er von 1298 – 1301 gearbeitet hat. Der Name Pisano war mir schon begegnet als ich geguckt hatte, was es im Dom von Siena so zu sehen gibt. Die dortige Kanzel stammt von Giovannis Vater Nicola und bei der hat der Sohn schon mitgeholfen. Beide haben unglaublich detailreiche Relieftafeln und ruhen auf Säulen, die ihrerseits auf Löwen ruhen. Und weil der Besuch im Dom von Siena fest eingeplant ist, wollen wir natürlich auch jene in Pistoia gerne sehen, wenn wir denn doch eh schon da sind.

Irgendwann, beim Gang rund um die Kanzel, fällt mir ein Kasten in der Nähe an der Wand auf und obwohl die Beschriftung nur auf italienisch ist, wird mir klar, was die hier von uns wollen. Wirft man einen Euro ein, dann kann man über einen Schalter an dem Kasten das Licht der Kirche einschalten und endlich etwas erkennen! Der Kirchenaufpass-Student, der die ganze Zeit in der ersten Reihe sitzt und liest, zuckt nicht mal als plötzlich das Licht angeht, die gerade anwesenden Mittouris aber schon ein bisschen.

P1290736 P1290744P1290707

Und dann als wir aus Sant‘ Andreas rauskommen, sind wir auf einmal völlig erschlagen, denn eigentlich ist das unser erster Tag nach der langen Fahrt am Vortag mit viel zu wenig Schlaf und wir wollten nur, weil wir des Einkaufs wegen eh da waren, ein bisschen in der Stadt rumgucken und haben jetzt doch alleine 4 Kirchen angeschaut. Da lockt auch nicht mehr die Kuppel, die wir plötzlich über einigen Dächern entdecken können – bestimmt ist das nur noch eine weitere Kirche. Stattdessen laufen wir zurück zur Piazza vor San Giovanni Fuorcivitas, lassen uns auf die Stühle vor einem Café fallen und endlich bekomme ich einen Kaffee!

Dann zurück zum Supermarkt und auf dem Parkplatz schon große Augen machen! Nachmittags war es dort leer und kaum jemand da, abends ist der Parkplatz und auch der Laden brechend voll. Ob Sonntagabend die typische Zeit für den italienischen Wocheneinkauf ist?

Als wir zurück zur Wohnung fahren, versinkt die Sonne schon hinter den Hügeln.

IMG_1934 IMG_1942 IMG_1953

Und bis alles verräumt ist, die Füße einen Augenblick hochlagen und wir im Dunklen auf der Terrasse vor unseren Tellern sitzen ist es schon weit nach 22 Uhr und zwischen den Olivenbäumen leuchten hell die Lichter der Stadt unten am Berg.

IMG_1966

Katja

Advertisements

15 Kommentare zu “Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #4

  1. Nun lese ich schon ein Weilchen still mit. Aber jetzt seh ich das und dazu muss ich was sagen, weil selbst just eben aus der Toskana zurück … gibt es viel was Schöneres? Ich denke nicht.

  2. @Frau Neunmalklug: Wo in der Toskana bist du denn gewesen? Schön, dass du kommentierst! Herzlich Willkommen auf meinem Blog. 🙂

    @Guinan: Und ich glaube wirklich, es würde dir dort sehr gefallen! 🙂

    • Fiesole sind wir nur durchgefahren, weil wir nach dem Tag in Florenz keine Energie mehr für noch mehr Laufen oder Gucken hatten. San Gimignano war auf dem Zettel für den Rückweg aus Siena, aber auch dafür blieb leider keine Zeit. Wie war denn Cecina? Wir waren von Pisa aus kurz in Viareggio am Strand, weil ich unbedingt ans Wasser musste, wenn ich schon so dicht dran bin, aber der Strand dort war ziemlich gruselig.

      • Die Strände sind durch die Bank weg gruselig. Sagte uns eine der einheimischen Damen auf dem Platz, auf dem wir standen. Wir waren gen Cecina gefahren, weil wir ans Wasser wollten. Tja. Irgendwie alles nicht so das Wahre gewesen. San Gimignano hätten wir zum Schluss machen sollen, denn danach wirkte alles andere irgendwie „blass“, weil das dermaßen beeidruckend war …
        Ich stell die Tage Bilder aus San Gimignano ein. Da solltest du nächstes Mal unbedingt hin!

      • Ich bin noch nicht so sicher, ob ich es zum Grinsen oder Schluchzen finde, direkt nach einem Urlaub in einer Gegend mit einer noch viel längeren ’nächstes Mal‘-Liste dazusitzen. Einerseits ist es wahnsinnig toll zu wissen, dass man da getrost mehrere Monate verbringen könnte, ohne sich zu langweilen, weil es einfach so so so viel zu sehen gäbe (und dann gibt es ja auch noch die ganzen tollen Orte, die man zwar schon gesehen hat, aber so toll fand, dass man sie wiedersehen möchte), andererseits fühlt sich das dann bei nur einer Woche in der Gegend so an, als hätte ich eigentlich gar nichts gesehenchafft – weil so viel mehr übrig geblieben ist, was es noch zu sehen gäbe.

        Hmm, ich weiss gar nicht, ob man das verstehen kann. Ich weiss natürlich, dass das Blödsinn ist und nicht vergleichbar, aber ein bisschen fühlt es sich an, wie so Punkte auf der ToDo-Liste, wo man gleich 3 neue notieren muss, anstatt einen streichen zu können und ich muss das erst noch schaffen, es für mich einzusortieren. :mrgreen:

    • Freut mich, dass sie dir gefallen, Doris. 🙂
      Ja mit den Kirchen dort war das so eine Sache. In jener in Bozen hat das noch ganz gut hingehauen, danach fand ich es in keiner mehr wirklich ruhig.

  3. Also es gibt eine Sache, die wir heute fabrizieren und die ordentlich lange halten wird: Atommüll. Oh mann, bin ich heute negativ, sorry… Ich sollte mich aufs Baviera Fest begeben und mich aufheitern lassen 😉

    • Ach je. An solch gewaltige Dinge hatte ich natürlich nicht gedacht. Ich hatte eher bei so schöpferischen, künstlerischen überlegt. Aber du hast natürlich recht, mit Sicherheit kann man das gerade nur für diese Zerstörerischen sagen…

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s