Das Eis aus dem Johannis ihm seine Beeren

Frische rote Johannisbeeren und ich – das war schon in meiner Kindheit eine ungeheuer große Liebe. So groß, dass ich mich oft mit meiner Schwester, heimlich, wenn es geregnet hat (weil die Nachbarn dann drinnen waren), verstohlen im Garten am Zaun zum Nachbargarten herumtrieb, um durch den Zaun, welche bei den Nachbarn zu mopsen. Damals waren meine Hände noch klein genug, um durch die Gitter des Maschendrahtzaunes zu passen. So groß, dass ich irgendwann meinen Opa überredet hatte, einen Strauch für mich in den Garten zu pflanzen. Ganz in die Nähe meines heissgeliebten Friedolins, des Kirschbaums, den ich mehr geliebt habe, als alle anderen Bäume, denen ich in meinem Leben so begegnet bin.

Aber um zurück zu den Johannisbeeren zu kommen: Vor ein paar Tagen beim Einkauf lachten mich diese köstlich im Mund platzenden kleinen Beerchen verführerisch an und weil es so unheimlich heiss ist, wollte ich gerne Eis aus ihnen machen. Das war schwieriger als angedacht, denn ich konnte mich nur mühsam beherrschen, sie nicht beim Waschen einfach so wegzunaschen. Aber letztendlich hat es doch geklappt. Man wird ja doch ruhiger so im Alter. :mrgreen:

Schnell sollte es aber schon gehen, weil ich bei der Hitze keine Lust hatte, lange Zucker und Eigelb über’m Wasserbad zu verrühren. Und weil die Beeren schon recht säuerlich sind, entschied ich mich gegen die Variante mit Joghurt und probierte stattdessen eine ebenso schnelle Variante mit Schmand aus. Der ist vollmundiger und ergibt zusammen mit den Beeren einen ziemlich runden Geschmack.

Johannisbeer-Schmand-Eis

Man braucht dafür:

500 g rote Johannisbeeren (oder so viele man davon retten kann :D)
65 g Invertzuckersirup (wie man den herstellt und was der macht, hatte ich hier schon aufgeschrieben)
65 g Zucker (ersatzweise – ohne Sirup – 130 g Zucker)
200 g Schmand
200 g Sahne

Und so geht’s:

Die Johannisbeeren waschen, abtropfen lassen, von den Rispen zupfen und in einem hohen Becher gründlich pürieren. Dann die pürierten Beeren durch ein feines Sieb passieren. (Solche Schritte spare ich mir ja ansonsten gerne mal ein, weil ich mir ungerne mehr Arbeit mache als nötig, aber bei den Johannisbeeren sollte man das unbedingt machen, weil man sonst statt zartschmelzendem Eis dauernd die kleinen Kerne im Mund fühlt.)

Die pürierte Masse mit  Invertzuckersirup, Zucker und Schmand gründlich durchmischen – Ich habe dazu einfach den Pürierstab nochmal bemüht. – und für ein paar Stunden im Kühlschrank durchkühlen lassen.

Die Sahne steif schlagen, unter die Fruchtmasse ziehen und für ca. 1 Stunde in der Eismaschine kühlen.

IMG_3728

Dem Mitesser ist es etwas zu säuerlich, für mich ist es genau richtig. Das im Bild ist nicht das cremige Ergebnis, wie es direkt aus der Eismaschine kommt, sondern nachdem es noch einen Tag lang im Tiefkühler war. Durch das Beerenpüree ist der Wasseranteil sehr hoch, sodass es im Tiefkühler recht hart wird und etwas von seinem zarten Schmelz einbüßt.

Und falls ich beim nächsten Einkauf nochmal Beeren ergattern kann, dann koche ich wohl doch auch wieder Johannisbeergelee! Das vom letzten Jahr haben wir nämlich schon komplett aufgefuttert.

Kann man eigentlich irgendwo Johannnisbeergelee nur aus roten Beeren kaufen? Unsere Nachbarin in meiner Kindheit hat das immer gekocht, aber im Laden ist mir noch keines aufgefallen.

Katja

12 Kommentare zu “Das Eis aus dem Johannis ihm seine Beeren

  1. Falls du das Gelee nur aus roten Beeren irgendwo findest, sag es mir, dafür töte ich. Leider habe ich es auch noch nicht gefunden. Meine Oma machte phänomenales, aber mittlerweile hat sie Jahre keins mehr gekocht. Ich frage sie bei Gelegenheit mal nach dem Rezept *denk*

    • Sollte ich Beeren ergattern und welches kochen, bekommste ein Glas ab. Versprochen. 🙂

      *Edit: Und unbedingt nach dem Rezept fragen! Die Gelegenheiten sowas von unseren Omas zu erfahren sind viel zu begrenzt. 😦
      Ich ärgere mich, dass ich nicht viel mehr der Rezepte, die meine Oma mit Selbstverständlichkeit zubereitet habe, notiert habe. Aber damals, als ich das noch gekonnt hätte, hielt sich mein Interesse für’s Kochen noch so in Grenzen.

  2. oooh, da kann ich doch mal aushelfen!!! Nachdem ich jahrelang nur selbstgemachtes Johannisbeergelee verspeist hatte – ich esse ja nur Johannisbeergelee als süßen Brotaufstrich – wurde auch ich nach meinem ewigen Gejammere nach käuflich zu erwerbendem Gelee aus roten Beeren mit der Nase drauf gestubst: Schwartau hat´s!!! Und – noch besser – die haben auch Quittengelee, das mag nämlich das kleine Schwarze so gern. Also mal guugeln, denn ich bin mal wieder zu blöd zum verlinken :mrgreen:

    Für diesen supi Tipp bekomme ich doch bestimmt eine Kugel von dem tollen Eis in das kleine Essensschüsselchen … ?

  3. Hm. Zu schade, dass ich keine Eismaschine hab. Vielleicht könnte ich mit dieser Köstlichkeit meine derzeitige Aversion gegen Johannisbeeren wieder loswerden…mein Opa hat nämlich 2 bis zum Bersten volle Sträucher und ich muss sie ständig abmachen…nervig -.-
    Und pur ess ich die ohnehin nicht gerne 😉

  4. @Rabea: Danke! Das ist gut zu wissen. Auf Quitte stehe ich ja auch ziemlich, die gibt es zum Glück mittlerweile ja recht häufig. Ich hab nur noch nie die Früchte bekommen, um mich mal selber dran zu versuchen.

    Und natürlich ist dein virtuelles Schüsselchen hier immer zum Auffüllen willkommen! 🙂

    @Isi: Dein Opa wohnt nicht zufällig in Südhessen? Ich wüsste da eine, die ganz freiwillig helfen würde. 😀

  5. Pingback: Und jetzt auch noch Gelee | Gedankensprünge

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