Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #2

Holy Cheesecake, ist das schön!

Eigentlich wäre der Rest der Anreise schnell erzählt, denn es sind ja nur noch ca. 400 km, die uns von Montecatini-Terme und der Ferienwohnung, die irgendwo oberhalb des Ortes auf 400 m Höhe in den Bergen liegt, trennen. Aber da war diese Schlaflosigkeit ein paar endlos erscheinende Stunden vorher, die dazu geführt hat, dass ich nochmal ein bisschen im Web rumgeguckt habe, was es unterwegs auf der Strecke an Gelegenheiten gäbe, um ein bisschen Zeit bis 16 Uhr zu vertrödeln und weil ich dafür zum Glück auch nochmal in die Karte geschaut habe, ist mir aufgefallen, dass die Brennerautobahn direkt parallel zum Ufer des Gardasees verläuft und dass es eine Straße gibt, die zumindest in Streetviewansicht so aussieht, als würde sie in weiten Teilen direkt am Ufer des Sees entlang führen.

Wir verlassen also auf Höhe des nördlichen Seeufers die Autobahn und kurze Zeit später bekomme ich schon den verklärten Wasserblick. Ist das schööön! Wir parken kurz auf einem Schotterstück neben einem Abhang (was sich als sehr viel einfacher erweist als das anschließende wieder dort wegkommen, denn die Straße ist nicht gut einsehbar und der Verkehr heftig und wir müssen über beide Spuren) für diesen ersten Blick auf den See zwischen den Bäumen hindurch und da fühlt sich dann spätestens alles nach Urlaub an. (Klick macht alle Fotos groß.)

IMG_1616IMG_1617IMG_1619Der Gardasee hat für mich eine ganz besondere Bedeutung, denn meine Großeltern väterlicherseits hatten dort zu Zeiten, als Urlaub in Italien gerade sehr schick geworden war, ein Haus am Seeufer und meine Eltern, speziell mein Vater, waren in jungen Jahren häufig dort. Natürlich war das Haus längst verkauft (Zumindest dachten wir das bis vor kurzem, aber das ist eine ganz andere und sehr unerfreuliche Geschichte, die mich im letzten Jahr unglaublich viel Kraft und Nerven gekostet hat.) als ich zur Welt kam, aber meine Eltern erzählten früher gelegentlich von den Sommern dort, was meine Schwester und mich stets darüber grummeln ließ, dass wir da nicht mehr hinkonnten, und gerade vor ein paar Wochen als ich meiner Mutter sagte, dass wir planten nach Italien zu fahren, fing sie wieder vom See an und dass es da eine so wunderschöne Straße direkt am Ufer gegeben habe und ob wir da nicht langkämen. Aber da planten wir noch durch die Schweiz zu fahren und deswegen hatte ich das gar nicht in Erwägung gezogen, dass es passend auf unserer Route liegen könnte.

Wenige Minuten nach dem kurzen Halt ahne ich, was meine Mutter mit ‚wunderschöne Straße‘ meinte und ausnahmsweise scheinen wir mal einer Meinung zu sein, wenn auch zwischen ihrem Eindruck und meinem ein paar Jahrzehnte liegen.

Direkt neben der Straße liegt der See, der in einem herrlichen Türkis leuchtet und am anderen Ufer ragen steil die Berge empor – fast sieht es aus als ragten sie direkt aus dem Wasser heraus. Man kann nicht sehr weit sehen, weil ziemlich viel Dunst über dem Wasser hängt, aber mich macht der Anblick gleichzeitig ganz sprachlos und völlig aufgekratzt. Holy Cheesecake!

IMG_1642IMG_1668Zwischendrin gibt es immer wieder kleine Strandabschnitte, auf denen die Menschen sich stapeln und kleine Yachthäfen mit jeder Menge Booten. Und überall entlang der Straßen parken deutsche Autos. An der Beliebtheit der Gegend bei deutschen Urlaubern scheint sich nichts geändert zu haben.

Ich kann mich gar nicht sattsehen, weiss aber auch genau, dass ich hier nicht für länger würde Urlaub machen wollen. Zu voll, zu touristisch – auch wenn der See mit den Bergen rundum wirklich wunderschön ist.

IMG_1688IMG_1690(Alle Wassersehnsüchtigen sehen sich bitte hier satt! So sehr viel mehr Wasser wird nicht mehr kommen.)

IMG_1692IMG_1701Unzählige Staus – sowohl auf der Autobahn als auch vorm Damenklo der Raststätte – und über 4 Stunden später kommen wir dann endlich tatsächlich an und bereits die Strecke von Montecatini-Terme den Berg hoch, die das Navi uns lang schickt, verspricht eine abenteuerliche Woche! Als wir endlich die richtige Hausnummer entdecken und am Tor klingeln, knattert kurz darauf ein kleiner Traktor los und jemand kommt damit zum Tor gefahren. Der Herr spricht zum Glück Englisch und wie sich herausstellt, haben wir beim Nachbarn geklingelt, weil nur an seinem Tor die Hausnummer steht, die aber für beide riesigen Grundstücke zu gelten scheint. Wie abgefahren ist das denn bitte, dass sein Grundstück so groß ist (man konnte das Haus auch nicht hinterm Hügel sehen), dass er mit dem Traktor zum Tor fährt? Er bietet uns an, Amanda anzurufen, aber wir werden ja erwartet und klingeln deswegen direkt nochmal am Nachbartor. Kurze Zeit später öffnet sich das richtige Tor für uns.

IMG_1737 IMG_1719Dann rein in die Wohnung und die Behausung für die nächste Woche in Augenschein nehmen. Der Pizzaofen ist zwar theoretisch funktionstüchtig, aber dient hier wohl eher als Deko und da ich nicht weiss, wie genau sowas funktioniert und da Amanda, die über uns im Haus wohnt, sich als attraktive junge Italienerin und leider nicht als die von mir erhoffte kochende italienische Mama, von der ich allerlei lernen kann, entpuppt hat, bleibt der Ofen leider die Woche über aus. (Aber sollte ich je wieder in eine Wohnung reisen, wo ich sowas vorher auf einem Foto entdecke, dann werde ich im Vorfeld so lange rumgooglen bis ich weiss, wie man die Dinger betreibt. :D)

IMG_1721Wir schleppen unseren Kram rein, packen ein bisschen was davon schon aus und weg, schauen uns erst mal ein bisschen um, machen uns mit der örtlichen Katze bekannt und dann gibt es ein erstes Mahl auf der Terrasse mit Blick auf den Olivenhain. Zum Glück hatte ich kurz vorher Tomatensoße eingekocht und eine Flasche davon, sowie ein paar Nudeln mitgenommen – das Einkaufen vertagen wir nämlich lieber auf den nächsten Tag. Dieser war so schon lange genug!

IMG_1749 IMG_1739 IMG_1745 IMG_1733 IMG_1757 IMG_1759 IMG_1771 IMG_1768

Katja

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12 Kommentare zu “Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #2

  1. Dolle Wurst, nu hab ich akute Lust auf Urlaub. *sfz*

    Wir fahren dieses Mal auch mit dem Auto (bzw. mit Wohnmobil) runter und verbringen sogar eine Nacht am Gardasee 🙂

    Eure Unterkunft sieht traumhaft aus, ich hoffe unsere ist ebenso schick (bei Interesse schicke ich dir auch mal den Link :D).

  2. @Sina: Du hast es so gewollt. 😀
    Den Link nehm ich gerne. Kann dir auch den zu unserer Wohnung schicken, falls du die mal von innen sehen magst. 🙂 (Und da fällt mir gerade ein, dass ich dir ja eh noch die Futtertipps weiterleiten wollte. Wir sind allerdings in Florenz nur dem zum besten Panini der Stadt gefolgt.)

  3. Liebe Katja,

    ich liebe Reiseberichte! Sie sind so schön ausführlich und man hat das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein :))

    Ach… nach Italien möchte ich auch sehr gern noch einmal. Das letzte Mal als ich dort war, war im Jahr 1990 – und prompt wurde ich dort schwanger, lachhh.
    Aber um schwanger zu werden muss ich nicht unbedingt nach Italien fahren, hi hii. Hat ja auch danach noch in Deutschland ein zweites Mal geklappt 😉

    Ich bin in Italien quasi aufgewachsen, wir fuhren seit den 60er Jahren jeden Sommer an die Adria oder die Riviera und ich hab es geliebt als Kind!
    Allerdings waren wir stets auf Campingplätzen, nicht in so feudalen Domizilen wie du 🙂
    Seufz…. hach ja….. Bella Italia…..

    • Liebe Suse, ich freue mich, dass ich dich wenigstens virtuell mitnehmen kann! 🙂
      Ich drücke dir die Daumen, dass es dich auch mal wieder in das Land verschlägt, das mir eine so schöne Woche beschert hat.
      Früher war ich übrigens auch oft im Campingurlaub, aber ganz ehrlich, mittlerweile fühle ich mich zu alt für den Shice. 😀

      • Scheiß? lachh
        naja, sagen wir mal so: Alles hat seine Zeit. In den 60er und 70er Jahren war Campingurlaub DER HIT überhaupt. Man konnte es sich leisten und man lernte unglaublich schnell Menschen kennen. Für Kinder ist es ein Paradies.
        Jetzt würde ich das auch nicht mehr machen – im Zelt. Im Wohnwagen würde ich es mir sicherlich noch einmal antun. Aber ganz ehrlich, ich bin inzwischen verwöhnt…. Urlaub in einem Sternehotel mit eigenem Bad und täglich frischen Handtüchern, ein umwerfendes Frühstück und Abendessen, man braucht sich nur hinzusetzen…. Herrlich! Man kommt zurück und das Zimmer ist gesäubert, alles ist frisch und sauber. Das hat schon was, wenn man an den restlichen 351 Tagen im Jahr alles selber machen muss und noch dazu für 3 weitere Personen zusätzlich.
        Da ziehe ich nachträglich noch meinen Hut vor meiner Mama, die das alles im Urlaub auch noch auf sich genommen hat. Denn im Zelt ohne Kühlschrank täglich für 4 Personen kochenist auch nicht so ohne.
        Aber Italien ist ein wunderschönes Land, das stimmt. Der Süden würde mich reizen, da, wor Italien noch Italien ist.
        Ti auguro una buona giornata
        Suse

      • Da sind unsere Vorlieben echt ganz unterschiedlich. 🙂
        Hotelurlaub war noch nie meins, das halte ich höchstens mal für 1, 2 Tage aus. (Und ich hab auch insgesamt im Leben tatsächlich nur einmal längeren Hotelurlaub gemacht – mit 20 auf Teneriffa und das war in vielerlei Hinsicht einer meiner gruseligsten Urlaube überhaupt.)
        Das eigene Bad will ich natürlich auch haben – aber eben im Ferienhaus bzw. der Ferienwohnung. 😀

    • Wir haben auch in der Tat einen Augenblick lang darüber nachgedacht, ob wir im Oktober vielleicht nochmal direkt nach Italien wollen. Das wäre dann allerdings Sizilien geworden – da wollen wir ja _eigentlich_ schon seit 2009 hin – damals ist es dann ganz spontan und kurzfristig stattdessen Spanien geworden und dann war die Liebe groß…

      • Na die Italienidee war nur eine Kurze. Aber da war ich garantiert nicht zum letzten Mal. Äh hoffe ich! 🙂 Und beim nächsten Mal wissen wir auch eher, wie das mit den Freimengen ist und sofern wir bis dahin nicht den perfekten italienischen Wein entdeckt haben, kommen wir ja auch locker durch die Schweiz. 🙂

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