Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #1

Hinter mir liegen, gerade noch ganz frisch, 7 Tage in der Toskana und bevor das jetzt wieder ein Jahr lang dauert bis ich die Fotos sortiere und ein paar davon, zusammen mit ein paar Reiseerinnerungen, hier festhalte, mache ich’s ausnahmsweise lieber gleich. Naja zumindest gucke ich mal, wie weit ich dabei komme.

Los geht’s! Von Südhessen bis kurz hinter’n ersten italienischen Cappuccino.

13.07.2013, nachts um 2 Uhr. Nachdem Schlafen gar nicht funktioniert hat, ist zumindest alles pünktlich fertig verpackt und ich habe 2 Tassen löslichen Kaffee intus (weil die Kaffeemaschine längst eingepackt ist), bin frisch geduscht und abreisefertig.

Also los! Vermutlich zum ersten Mal überhaupt ganz pünktlich zur vorher angepeilten Abfahrtszeit. Aber nach einer Weile merke ich, wie die Augen bei jedem Rücklicht auf der Autobahn brennen und mache die Augen erst mal zu und döse wenigstens ein bisschen. Dann, schon kurz vor 5, wird aus dem Schwarz draussen langsam ein Blau und vor ebenjenem zeichnen sich die ersten Umrisse der Berge immer deutlicher ab und da ist es dann auch schon ganz mit dem Dösen vorbei. Immerhin gibt es jetzt draussen was zu sehen!

Morgendlichen Nebel zum Beispiel und darüber die Berge. (Klick macht alle Fotos größer.)

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Und dann noch ein paar Minuten später, um halb 6, halten wir an einem der Aussichtsparkplätze am österreichischen Fernpass, von denen aus die Zugspitze (mittig im Bild) zu sehen ist.

IMG_1455Zwei Dinge fallen mir sofort auf. Zum einen ist es arschkalt! Das Aussenthermometer von Herrn Lehmann zeigt gerade mal 8 Grad an und wir haben natürlich nur T-Shirts an, weil es zu Hause auch nachts richtig warm war. Zum anderen blüht dort jetzt erst der Holunder. Die Blüte bei uns war über einen Monat früher. Also nochmal kräftig schnuppern und dann wieder rein ins warme Auto.

Vor den Fenstern färbt sich der Himmel zartrosa und so langsam wird es richtig hell draussen.IMG_1465IMG_1467 Seit ich letzten Sommer ein Wochenende im Stubaital bzw. in Innsbruck verbracht habe, kann ich den Bergen, die ich vorher meist nur er- und bedrückend fand, ja durchaus etwas abgewinnen. Zumindest bei schönem Wetter und ganz speziell dieser Alpenidylle mit den großen Wiesen, auf denen die kleinen Scheunen, wie Salz auf Brezeln aufgestreut, daliegen.

Um kurz vor 7 fahren wir über die Europabrücke, die ich im letzten Jahr aus der Entfernung bestaunt und fotografiert habe und an der zugehörigen Raststätte gibt es ganz dringend endlich etwas anderes als den löslichen Kaffee vor der Abreise – und das mit genau dem zum Moment passenden Aufdruck.

IMG_148020 Minuten später ist nicht nur der Kaffee ausgetrunken, sondern sind wir auch in Italien – längst nicht angekommen, aber immerhin schonmal über die Grenze.

IMG_1482Ausnahmsweise ist es mir sogar mal wieder gelungen, das im Bild festzuhalten. Ich probiere das fast immer, wenn wir ein solches Schild passieren, aber meist wird das nur verwackelt und völlig unscharf. Mein schönster Treffer dahingehend war übrigens auch im letzten Jahr und auch am Brenner – allerdings nicht auf der Autobahn, sondern der Landstraße, wo mir im Vorbeifahren diese Aufnahme gelungen ist, über die ich immer noch grinsen muss.

Ein Stück hinter der Grenze machen wir kurz Halt, um die italienische SIM im MiFi einzurichten – nach einer Weile klappt alles und das Web ist für die kommende Woche gesichert – was sich im Nachhinein als eine der besten Ideen herausstellen sollte. Das Tomtom hat uns noch in keinem Land bisher so häufig im Stich gelassen wie in Italien und es war oft äusserst hilfreich, auf dem Tablet parallel dazu Googlemaps zu befragen.

Weil wir so früh losgefahren sind, um wenigstens nicht direkt in Deutschland in die ersten Ferienstaus zu geraten, aber nicht so genau aus der letzten Mail von Amanda, die uns die Wohnung vermietete, rauslesen konnten, ob wir nun vor 16 Uhr in die Wohnung könnten, haben wir jede Menge Zeit und so beschließen wir spontan, erst mal in Bozen von der Autobahn runter und in die Stadt rein zu fahren. Es ist mittlerweile kurz vor 9 und das Parkhaus in der Nähe des Doms ist zum Glück noch ziemlich leer.

IMG_1495IMG_1496IMG_1501IMG_1504Bei jenem Herrn auf dem Sockel mit Brunnen, handelt es sich übrigens um ein Standbild von Walther von der Vogelweide, nach dem auch der ganze Waltherplatz, benannt ist. Einer Theorie über seine Herkunft zufolge, wurde ebenjener nämlich unter Umständen im heutigen Südtirol geboren (vielleicht aber auch in Würzburg oder Frankfurt oder Feuchtwangen oder Böhmen). Nachdem im Südtirol gelegenen Lajen 1874 eine Gedenktafel enthüllt wurde, die darauf verweist, dass er ja möglicherweise dort geboren sein könnte, gründete man in Bozen ein Komitee, das sich dafür einsetzte, dem Dichter dort ein Denkmal zu errichten. 1889 war es dann so weit und das Standbild sollte ein deutsch-nationales Symbol sein, deswegen guckt der Walther auch nach Süden hin, zur Markierung der Grenze des deutschen Sprach- und Kulturraumes. Den faschistischen Behörden passte das nicht so gut und so wurde das Denkmal 1935 an eine weniger zentrale Stelle umgesetzt und steht erst seit 1981 wieder an seinem ursprünglichen Platz. (Das alles weiss die Wikipedia.) In Trient wurde übrigens wenige Jahre später als Reaktion auf den Walthter ein Dante-Denkmal errichtet als Symbol für die italienische Kultur im Trentino. Könnten bitte alle kulturellen Differenzen so stilvoll ausgetragen werden und das ganze positiv kanalisieren und Kunst schaffen?

Sind diese Dachschindeln auf dem Domdach nicht der Hammer? Die sind so blank als wären sie direkt vor unserer Ankunft auf Hochglanz poliert worden!

IMG_1508Wir schlendern gemütlich über den Dom Waltherplatz und just als wir beim Dom ankommen, zeigt sich, dass das Glockengeläut gar nicht zu unserer Begrüßung abgespielt wurde, sondern dass gerade eine Messe anfängt. Also dann doch nicht in die Kirche rein, die von aussen überraschend schnörkellos ist und stattdessen einmal aussen rum, dann kurz in die benachbarte Post, weil der Mitreisende den grandiosen Gedanken hat, dass ich hier meine Briefmarken noch auf Deutsch kaufen kann, was die Sache erheblich erleichtert und dann ein bisschen durch die Straßen laufen, was eine willkommene Abwechslung zum langen Sitzen im Auto ist.

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Ein eindeutiger Fall für Bärnesty International!

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IMG_1547IMG_1551Als wir vom Kornplatz durch die bezaubernde Waaggasse durchgehen und in der Laubengasse rauskommen, stehen wir mitten zwischen Touristenhorden und Geschäften und weil uns davon aller Voraussicht nach in den nächsten Tagen noch genug blühen wird, machen wir kehrt zum Waltherplatz, um dort den ersten italienischen Cappuccino zu schlürfen.

Morgens, halb 10 in Italien! ♥

IMG_1572Und als es dann, am Ende des Kaffees eh schon 10 ist und die Messe vorbei, beschließen wir, doch noch einen Blick in den Dom zu werfen – wo wir nun schonmal da sind.

Durch die großen Fenster ist es innen, ganz ohne künstliche Beleuchtung, erstaunlich hell und ich bin ganz fasziniert von Licht und Schatten.

IMG_1578IMG_1582IMG_1596Dann raus, zurück über den Platz, ins Parkhaus – das nur 1,5 Stunden später sehr (!) viel voller ist – und durch die Stadt zurück zur Brennerautobahn. Vor uns liegen immer noch 400 km.

Weil ich’s wieder mal nicht schaffe, mich kurz zu fassen und vor allem bei den Fotos nicht, deutlicher auszusortieren, mache ich hier mal Halt, damit das ganze auch evtl. noch einigermaßen lesbar bleibt. Unter Umständen.

Katja

17 Kommentare zu “Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #1

  1. Bitte nicht kürzer fassen, das ist genau richtig so.
    In Bozen war ich auch schon mal – und auch im Dom. Das war allerdings im Winter, und alles gemütlich verschneit.

  2. Fängt schon superschön an,dein Bericht 🙂 Und ich Sage auch, bloß nicht kürzer fassen und auch nicht mit Fotos geizen 😉 Freue mich schon auf die Fortsetzung 🙂

  3. @Guinan: Ich glaube, im Winter wäre mir das nichts mit den Bergen. Da würden sie mich vermutlich wieder erdrücken.
    Das Kurzfassen gelingt mir ja eh nie so richtig! Und letztendlich notiere ich den Kram ja – zumindest auch – für mich, um die Erinnerungen lebendig halten zu können bzw. wieder eintauchen zu können. Und das geht vermutlich nur so wie es eben von selber aus mir raussprudelt. 😀

    @Träumerin: Dankeschön! 🙂

    @Corina: Na jetzt würde ich mich ja eh nicht mehr trauen! 🙂 😀

    @Leonie: Sehr gerne und Danke für’s Lesen. 🙂

    • Wenn alles weiß ist, und dann die Sonne auf dem Schnee glitzert, das ist schon ein toller Anblick, das vermittelt mir mehr Weite. Berge sind ansonsten ja auch gerne grau verhangen. Ich bin aber auch nicht so unbedingt der Bergurlaubtyp. Überall geht es bergauf oder bergab, und vor jeder schönen Aussicht ist schon wieder ein Hügel im Weg.

      • Ok, Glitzerblinkerschnee ist natürlich schon ganz hübsch. Aber dafür muss dann ja auch erst mal die Sonne dazu scheinen und nicht einfach alles grau und matschig werden. 😀

        Habt ihr euch jetzt eigentlich auf ein Ziel einigen können? 🙂

      • Nein. und ich kümmere mich auch nicht mehr. Irgendwann ist Oktober, ich habe Urlaub, fahre zum Flughafen und setze mich in den nächsten freien Flieger. Allein. Und mir ist bei dem Thema echt nicht nach einem lachenden Smiley.

  4. Oh, DANKE! Ich werde schon wieder ganz sehnsüchtig. Auch wenn frühes Aufstehen die Pest ist, allein durch die Nacht zu reisen und am frühen Morgen fremder Gegend beim Aufwachen zusehen ist super, oder?

    • :)!
      Oh ja, das mag ich auch sehr. Auf dem Weg nach Spanien ist das meist im Rhonetal und ich liebe es zu sehen, wie sich vor den Autofenstern die Häuser und Ortschaften, die von der Autobahn aus zu sehen sind, verändern, immer südlicher aussehen, wie die Vegetation immer mediterraner wird. Hachz. Und wenn man dann frühmorgens irgendwo anhält, dann riecht die Luft auch schon ganz anders als zu Hause.

  5. Vorsicht: Nachzügler lesen mit! *g

    Das fängt ja gut an [tolle Fotos, echt!] – aber insbesondere das mit dem Tomtom könntest du, falls es nicht später sowieso geschieht, nochmal ausführen. Wir werden auch damit fahren, auf Sizilien – in meiner Erinnerung ging das aber meist ganz gut… ?

    • Weisste ja, Nachzüglich sind hier auch immer herzlich willkommen! (Höhö, ich erinnere mich an Zeiten als du über zwei Jahre alte Beiträge rausgekramt und kommentiert hast. :))

      Das Tomtom erschien mir einfach in Italien weniger zuverlässig als in den bisherigen Ländern, in denen wir damit waren. (Wobei man dazu sagen muss, dass es uns in Sevilla auch schon arg angeschmiert hat und dass wir da auf einmal direkt an der Kathedrale vorbeigefahren sind und durch furchtbar enge Gassen mussten, die verstopft mit Touris mitten auf der Gasse waren, um da wieder wegzukommen. :mrgreen: )

      Wenn es bei den Strecken die Berge in und durch die Berge mehrere Möglichkeiten gab, kam es mir so vor als würde es mit Zuverlässigkeit den allerallerschmalsten und steilsten Weg auswählen. Und bei den seltsamen Innenstadtsdurchfahrtsverbotsregeln hatten wir nicht das Gefühl, dass es die auch nur ansatzweise beachtet und die Einbahnstraßen kannte es teilweise gar nicht oder teilweise falschrum.
      Baustellen, Sperrungen und dergleichen kannte es, im Gegensatz zu deutschen Strecken – meistens überhaupt nicht und dementsprechend schwierig gestaltete sich die Routenumplanung. Routenumplanung war eh so ein Ding. Teilweise wollte es uns noch über 20 km lang umdrehen lassen anstatt endlich mal eine neue Route zu berechnen, die wir auf dem Tablet bei Googlemaps längst ausgemacht hatten.

      Das alles zusammen fühlte sich an als könne man sich nicht so gut drauf verlassen wie in Deutschland oder anderen Ländern. Einzig die Staus auf den Autobahnen hat es auch in Italien auf unter 100 Meter genau angezeigt.

      Ich weiss natürlich nicht, wie das auf Sizilien ist. Ich persönlich würde aber zur Sicherheit eine Karte mitschleppen, sofern ihr kein mobiles Internet dabei habt.

      Letztendlich sind wir vermutlich einfach mittlerweile total verwöhnt. Früher haben wir uns mit dem groben Maßstab des großen Shell-Atlas auch im Ausland überall durchgeschlagen und alles gefunden, was wir so gesucht haben (Ausser mal in Pisa den Turm, aber das ist eine ganz andere Geschichte. :D) und ich kann mich noch gut erinnern, weil mein Vorstellungsvermögen damals noch so lausig war, dass ich den schweren Klotz auf dem Schoß immer in Fahrtrichtung drehen musste, damit ich sagen konnte, ob es als nächstes rechts oder links abgeht. :mrgreen:

    • YAY :D! Gern. *knixmach

      … danke für die Erklärung. Ja, er war sowieso der Meinung, dass wir noch nen Atlas oder sowas brauchen – wovon ich ihn bis vorhin immer abbringen wollte ;).

      • Gerne! AlsoErklärungundso. 🙂

        [Falls einer von euch ADAC-Mitglied ist: bei denen kann man als Mitglied kostenlos ein Tourset bestellen. Das sind primär Landkarten der durchreisten Länder und des Ziellandes. Die sind nicht so sperrig wie ein Atlas und im Maßstab auch nicht zwingend gröber (je nachdem wie umfangreich der Atlas ist). Das Set kann man online bestellen, wenn man in den Mitgliederbereich eingeloggt ist und die sind auch sehr flott im Versenden. Haben das meist nach 1, 2 Tagen in der Post.]

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