Gelesen im Juli 2013

Irgendwie ist das gerade keine so geschmeidige Verbindung, die Bücher und ich. Aber vielleicht muss das nach so langer Dauerlesezeit einfach mal sein, dass ich ein bisschen weniger Seiten verschlinge. Und wenn es dazu dient, diese fiese Stimme im eigenen Kopf, die selbst Lesen unter Leistungsaspekte stellt, ruhig zu bekommen. Als einziges ausgelesen habe ich:

Minette Walters – Schlangenlinien

Das war jetzt insgesamt mein sechster Roman von Minette Walters und was sie alle gemeinsam haben ist, dass ich eine Weile brauche, bis ich in die Geschichten reinkomme und dann überhaupt nicht merke, wie ich immer tiefer hineingerate.

In Schlangenlinien geht es um einen 20 Jahre zurückliegenden Todesfall, den die Polizei als Unfalltod zu den Akten gelegt hatte. Nur die Lehrerin, M. Ranelagh (deren Vornamen man übrigens im ganzen Buch nicht erfährt), die die schwerverletzte schwarze Nachbarin vor ihrer Haustür in der Gosse findet, wo sie kurz darauf stirbt, ist überzeugt, dass die am Tourette-Syndrom erkrankte Ann Butts, Opfer eines rassistisch motivierten Mordes einer ihrer Nachbarn wurde. Niemand glaubt ihr, sie wird in der Folge terrorisiert, ihre Ehe zerbricht fast und sie verlässt mit ihrem Mann für die nächsten 20 Jahre England. Insgeheim stellt sie jedoch ihre Nachforschungen nie ein, schreibt jahrelang erst Briefe, später eMails, um herauszufinden, was sich in jenem November 1978 tatsächlich in der Graham Road ereignet hatte.

Nach 20 Jahren – und dort setzt der Roman eigentlich erst richtig ein – kehrt sie zurück und setzt die gesammelten Puzzlestücke zusammen.

Ich mag an Minette Walters Romanen unter anderem, dass sie häufig nicht nur die Geschichte erzählt, sondern ausserdem Polizeiberichte oder Briefe oder Ärzteberichte und dergleichen in die Erzählung einfügt. Mal tut sie das, um Hintergrundinformation zu dem gerade gelesenen Kapitel zu liefern, mal um eine Diskrepanz zwischen dem gerade Geschilderten und dem ‚Faktenhintergrund‘ zu erzeugen. Diese Methode kannte ich so nicht von anderen Autoren und beim ersten Buch, bei dem ich darauf stieß, irritierte mich das erst mal, dass der Erzähl- und damit auch Lesefluss, so eine Unterbrechung hatte. Aber tatsächlich ist es so, dass ich das mittlerweile als unheimlich geschickte Methode empfinde, die Geschichte plastischer und realistischer wirken zu lassen. Diese ‚Dokumente‘ haben eine ganz andere Wirkung als eine bloße Erzählung bei der man immer weiss, dass sie fabuliert ist. Sehr geschickte Manipulation beim Lesen, die aber trotz ihrer Durchschaubarkeit bei mir gut wirkt.

Wenn ich vor meinem ungelesenen Bücherstapel stehe und so gar nicht weiss, worauf ich als nächstes Lust habe – Minette Walters geht fast immer (allerdings nie mehrere hintereinander). Deswegen muss auch bald der nächste her!

*

Und dann habe ich noch fast komplett den (blauen) ADAC-Reiseführer Toskana gelesen. Was schön war, weil wegen Urlaub. Was aber blöd war, weil wegen schlechtes Teil. Der macht leider nur wenig von dem richtig, was ein Reiseführer können sollte. Er wirft mit Fachbegriffen aus Architektur und Sakralbau und Kunst um sich, ohne sie zu erklären. Das was er als Top-Tipps ausweist sind nur die Dinge, die ohnehin Touristenattraktionen sind – es gibt aber keine echten Geheimtipps für Dinge zum Ansehen oder kleine Lokale oder was auch immer, die fernab des Mainstreams liegen und dabei bleibt er in allen Beschreibungen blutleer und farblos. Mir fehlt hier die Leidenschaft für’s Reisen, das Staunen, die Meinungen. Der Text bleibt immer formell und distanziert und das ist nichts, womit ich beim Reisen etwas anfangen könnte. Da will ich auch gerne mal Begeisterung für eine Gegend oder Sache rauslesen und ich möchte auch gerne erfahren, was ich mir getrost schenken kann. Das fehlt ihm völlig, diese Warnungen, dass etwas zwar touristisch beliebt ist, aber dass man lieber mal ein Eis essen gehen soll, weil man nichts verpasst, wenn man’s nicht gesehen hat.

Wozu ich gar nichts sagen kann ist der Multimediateil des Reiseführers. Es gibt an etlichen Stellen QR-Codes, die dann zu weiteren Informationen bzw. Videos führen sollen und auch Webadressen zum Abtippen.

Beides mag zwar nett sein, wenn ich vor oder nach der Reise am Informationenzusammensammeln und -suchen bin, aber im Auslandsurlaub nützt mir das gar nichts – selbst mit italienischer SIM nicht, denn das ist langsam und umständlich.

Also falls ihr mal in die Toskana reisen solltet, mache ich hier mal, was dem Reiseführer komplett fehlt – Meinung verbreiten: Kauft das Ding nicht! Der lohnt sich nicht!
(Schleppt lieber den schweren, unhandlichen aus dem Michael Müller-Verlag mit euch rum. Ich kenne zwar jenen der Toskana nicht, weil ich aus Gründen der Handlichkeit und weil es nur für die eine Woche war, aus Formatsgründen jenen vom ADAC gekauft hatte, aber nachträglich tut mir das leid, denn bisher bin ich mit Müller immer sehr gut gereist!)

Katja

fruity orange [color me happy]

Im Juli hätte ich es glatt vergessen, für’s ‚color me happy‘ zu knipsen, wenn nicht Tanyas Pingback zu meinem Ringelblumensamenverteilungsbeitrag im letzten Jahr mich heute Morgen daran erinnert hätte. Tanya knipst orange Gute-Laune-Ringelblümchen! 🙂

Weil es in meinem Blumenbeet eine echte Durststrecke gab, weil die Armen, während ich in Italien war, bei über 30°C über eine Woche lang keinen Tropfen Wasser bekommen haben, gibt’s bei mir gerade nicht viel Blühendes zu sehen. Und auch zwischen den über 2000 Italienfotos findet sich nichts explizit Oranges, das mich glücklich gefärbt hat im Juli und ich bin kurz versucht, den Juli zu schwänzen.

Aber dann fällt der Blick ein Stück neben meinen Monitor und auf den kleinen Ventilator, der an einem meiner USB-Anschlüsse hängt und der hat leuchtend orange Rotorblätter aus einer Art Moosgummi. Und so klein das Teil ist – er misst nämlich nur an die 10 cm – so kräftig wirbelt er mir an heissen Tagen kühle Luft um den Kopf. Wenn das mal nicht glücklich macht bei einer Innentemperatur, die in der letzten Woche auf über 30°C geklettert ist!

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Alle tollen orangen Bilder des Julis gibt es hier in einer wunderschönen Collage zu bewundern! 🙂

Katja

Wie schwierig ist das eigentlich?

Vor mir an der Supermarktkasse 3 Frauen. Die erste kommt dran und hat dooferweise vergessen, ihr Obst zu wiegen. Die Kassiererin schnappt sich also das Zeug, flitzt los zur Gemüseabteilung und wiegt es ab, kommt wieder, kassiert die Kundin.

Die nächste kommt dran. Hat dooferweise vergessen, ihr Obst zu wiegen. Die Kassiererin schnappt sich also das Zeug, flitzt los zur Gemüseabteilung und wiegt es ab, kommt wieder, kassiert die Kundin.

Die nächste kommt dran – ihr ahnt es vielleicht schon – hat dooferweise vergessen, ihr Obst zu wiegen. Die Kassiererin schnappt sich also das Zeug, flitzt los zur Gemüseabteilung und wiegt es ab, kommt wieder, kassiert die Kundin.

Es kann in einem fremden Laden ja mitunter mal vorkommen, dass man übersieht, dass man frisches Obst- und Gemüse selber abwiegen muss – wobei das in diesem schon recht deutlich überall dabei steht und wer ein bisschen Einkaufserfahrung gepaart mit gMv hat, der könnte eigentlich auch wissen, dass die Preisauszeichnung beim Obst nur dann zusätzlich die dreistelligen Nummern hat, wenn man den Kram an einer Waage selber abwiegen muss.

Aber davon mal ganz abgesehen, hätten doch die beiden hinteren, als die erste dran war, merken müssen/können/sollen/dürfen, dass auch sie ihr Obst nicht abgewogen haben und dann idealerweise selber lossprinten, um das nachzuholen oder es wenigstens der Kassiererin direkt mitgeben, damit die nicht dreimal direkt hintereinander loslaufen muss und auch, damit die Schlange hinter ihnen nicht noch länger warten muss. Das war nämlich ausserdem die einzige geöffnete Kasse.

Meine Anerkennung geht heute an die Kassiererin, die kein Wort darüber verloren hat und durchgängig freundlich geblieben ist. Auch noch bei der dritten in Folge. Ich hab ja was gegen muffeliges Kassenpersonal und davon gibt es leider viel zu viel, aber in diesem Fall hätte ich echt großes Verständnis gehabt, wenn sie genervt reagiert hätte.

Katja

Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #4

Zwischen Eis und Cappuccino wird ja jetzt wohl noch eine Kirche passen!

Draussen lassen wir uns nochmal auf die schattigen Stufen des Battisteriums fallen und überlegen, was wir uns noch ansehen wollen. Das Ospedale del Ceppo möchte ich unbedingt sehen und falls wir dann noch rechtzeitig wären, so lange sie offen ist, auch noch Sant‘ Andrea, die beide grob in die gleiche Richtung liegen. (Klick macht alle Fotos groß.)

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Und hinten wird’s hell

Kettcar – perfekte Sonntagabendmusik während vorm geöffneten Fenster sachte der Regen fällt…

Und Schwarz wird zu Grau, wird zu Rot, wird zu Licht,
Und benommen, verschwommen, erkennen, was man will.

Was für ein wunderbarer Albumtitel das ist: Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen.

Bonustracks, ich kann ja gar nicht Kettcar hören ohne diese beiden zu hören:

Katja

Zwischen Kirchen und Kaffee, Katja entdeckt Italien #3

Pistoia. Kirchen : Eis : Cappuccino = 4 : 1 : 1 – das müssen wir wohl noch üben!

Am Sonntag dann erst mal halbwegs ausschlafen und gemütlich in den Tag starten. Wir frühstücken draussen unter den Argusaugen der Katze, die sich schon dichter rantraut als am Abend vorher. Dann irgendwann nimmt sie eine Jagdpose ein und kurz drauf, springt sie wie angestochen auf den Olivenbaum direkt vor uns zu und scheint irgendein kleines schwarzes Tier im Baum mit den Tatzen zu jagen.

Die Katze flitzt weg und stattdessen springt der Mitreisende wie angestochen vom Stuhl und rennt zum Baum hin. Das kleine Tier, das sie da erfolgreich vom Baum gejagt hat, ist nämlich unser MiFi, das am Kabel runterhing, weil die Antenne für besseren Empfang im Baum stand. :mrgreen:

Zum Glück finden sich alle Einzelteile wieder und dem Tierchen ist nix passiert. Leider war das aber auch der letzte Besuch der Mieze. Ob die nur am Wochenende für die Touristenbetreuung auf dem Grundstück zuständig ist oder hat ihr das MiFi so einen Schrecken eingejagt?

Gegen 14 Uhr brechen wir auf in Richtung Pistoia – einkaufen und wenn wir schonmal da sind, ein bisschen Stadt gucken – und dann zeigt sich erst wirklich was für eine grandiose Aussicht man von unserem Berg bei der Auf- und Abfahrt hat. Das kam am Samstag bei der Anreise ein bisschen zu kurz, weil wir da noch zu sehr damit beschäftigt waren, das Haus zu finden. Montecatini-Terme liegt im Tal direkt vor unserer Nase und auf den beiden Nachbarhügeln sieht man den ursprünglichen Stadtkern, Montecatini Alto. Und auch weiter in Richtung Süden haben wir eine Wahnsinnsaussicht, weil wir am Rande des Apennin sind und vor uns erst mal eine größere Ebene liegt. Die nächsten ernstzunehmenden Berge kommen erst wieder fern am Horizont in Sicht. (Klick macht alle Bilder groß!)

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