Lieber Leser

 

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Kommt das eigentlich noch jemandem ausser mir äusserst schräg vor, ausgerechnet dort das generische Maskulinum – und dann noch nicht mal im Plural (‚Liebe Kunden‘), was sich ja vielleicht noch ansatzweise mit und durch Gewohnheit erklären ließe – zu lesen?

Hätte man hier nicht tatsächlich mal das generische Femininum verwenden können? Wie hoch ist wohl der Anteil an Männern, die alleine mit Baby im entsprechenden Alter einkaufen gehen? Vielleicht mag das in echten Städten anders sein, aber hier in der kleinen Stadt (und hier habe ich das Schild fotografiert) könnte ich mich nicht erinnern, in meiner sechsjährigen Ortseinkaufserfahrung auch nur einem einzigen zur Zielgruppe für diese Einkaufswagen gehörenden Mann, alleine ohne die entsprechend zugehörige Mutter, begegnet zu sein. (Mit Kindern im lauffähigen Alter dann schon deutlich eher, aber um die geht es hier ja nicht.)

Das ist doch Murks mit diesem Sprachgebrauch, der mit großer Selbstverständlichkeit davon ausgeht, dass Frauen natürlich bei der Anrede eingeschlossen sind und dass sie das schon selber wissen und erkennen müssen, der diese gleiche Transferleistung aber nicht mal dann von Männern verlangt, wenn ihre Quote in der Zielgruppe so gering ist.

(Nach-)Denken lohnt sich!

Katja

10 Kommentare zu “Lieber Leser

  1. Mir ist das nicht aufgefallen – hätte dort aber „Liebe Kundin“ gestanden, wäre bei mir vermutlich sofort wieder Alarmstufe Rot gewesen, weil das Bild verstärkt wird, dass ganz grunsätzlich Frauen mit Babys einkaufen gehen -> für die Betreuung zuständig sind. Und das regt mich immer enorm auf.

    „Liebe Kunden“ – wie oben vorgeschlagen – wäre vermutlich die bessere Lösung gewesen 😉

    • Ich hatte auch überlegt, ob mich das womöglich aus den gleichen Gründen wie bei Ihnen, ebenso gestört hätte, aber ich glaube, das würde es deswegen nicht, weil es ja (zumindest hier auf dem Land) doch so ist, dass es überwiegend die Frauen sind, die mit den ganz Kleinen einkaufen gehen.

      Für mich wäre die ideale Lösung gewesen, einfach beide Geschlechter anzusprechen ‚Liebe Kundinnen und Kunden‘, das hätte ja auch problemlos auf dem Schild Platz gefunden.

      Herzlich Willkommen auf meinem Blog! Das freut mich ja sehr, Sie hier zu lesen. 🙂

      • Ich lese hier doch schon länger – habe ich nie kommentiert?Ts.

        Dass auf dem Land überwiegenddie Frauen mit den ganz Kleinen einkaufen, ist sicher so, aber dann stört es mich ja noch umso mehr! Das sollte 50/50 sein und wenn es „falsch“ läuft (also: meiner Ansicht nach) dann nicht noch durch ein Schild verstärkt werden.

        Jedem seinen eigenen Trigger 😉

  2. Ich hab’s beim ersten und zweiten Lesen nicht bemerkt, obwohl ich auch ähnlich novemberregen getriggert würde [Kundinnen]. Wäre in diesem konkreten Fall aber für ‚Liebe Eltern‘ ;).

    • Ich glaube, für mich liest sich das so komisch, weil es entweder (was ich glaube) ziemlich gedankenlos ist (es hätte ja jede Menge Möglichkeiten gegeben, beide Geschlechter anzusprechen, nicht nur durch die gedankliche Inklusion) oder, was ich noch schlimmer fände, den Ist-Zustand karrikiert, wenn hier bewusst die männliche Form gewählt wurde.

      Aber das ist ja tatsächlich Auslegungssache, wie herum man das betrachtet und interpretiert. Ich kann durchaus nachvollziehen, weswegen euch eine rein weibliche Form stören würde.

      Ich glaube, ‚Liebe Eltern‘ ginge nicht, weil diese Anrede das Verhältnis zwischen den Angesprochenen und dem Laden gänzlich ausklammert. Das verwenden afaik primär Schulen u.ä. und da passt es ja auch, weil die Schüler in direktem Bezug zur Einrichtung stehen und die Eltern in genau dieser Funktion angesprochen werden.
      Bei Läden kenne ich das nur aus den ‚Liebe Eltern, der kleine Torben-Hendrik möchte aus dem Smaland abgeholt werden‘-Ansagen. 😀

  3. Ja, das ist schräg. Gerade Leute die selber schreiben WISSEN wie Sprache die Welt verändert. Dieses „generische Maskulinum“ ist pure, patriachialisch geprägte Rücksichtslosigkeit, die man keinem und keiner durchgehen lassen darf.

    • Aber wissen das auch die Schilderschreiber beim Discounter? *Schultern zuck* Keine Ahnung, wer sich die Texte dafür überlegt und ob man das den Marketingleuten überlässt. Und auch nicht, ob das eher schlechter oder eher besser wäre.
      Das eigentlich Schlimme (für mich) ist, dass es mir vermutlich nicht mal aufgefallen wäre, wenn’s nicht diese seltsame Singularform gewesen wäre. Im Plural ist das ja tatsächlich die gewohnte Form und ich fange gerade erst an, da aufmerksamer hinzugucken. 🙄

  4. Ich habe mal die Texte in einer Internetplattform überarbeitet, die für die Ausbildung von Millionen von Studierenden benutzt wird. Dabei habe ich alles durchgängig mit geschlechtsneutralen Bezeichnungen oder mit beiden Geschlechtern versehen. Die Effekte waren enorm, sowohl was die Begeisterung als auch die Empörung angeht. Empörung gab es allerdings nur von älteren Pofessoren. Einem guten Teil der Nutzerinnen und Nutzer fiel überhaupt erst auf, dass die Nennung beider Geschlechter nicht usus ist…

    • Das ist vermutlich wie mit allen Mustern, denen man so unterliegt, dass es Zeit braucht, bis man sie überwinden kann. Ich muss gestehen, dass sich das für mich oft noch sperrig anhört, wenn beide Geschlechter genannt werden, aber mit genug Verbreitung und Übung wird das Gefühl auch weggehen.

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