Neulich in der Marketingabteilung einer großen Versicherung

Wie muss man sich das eigentlich vorstellen? Sitzen die da um einen runden Tisch und brainstormen?

„Hey, wir müssten wieder mal ein paar Versicherungen verkaufen.“ „Ja, aber wo sollen wir denn die Kunden hernehmen? Ist doch gleich Mittach!“ „Oh, was gibt’s denn in der Kantine?“ „Hühnchen“ „Oh, Hühnchen! Super!“ „Meine Herren! Zurück zum Thema!“ „Ja also dann lasst uns doch erst mal denen noch mehr Verträge aufschwatzen, die schonmal was bei uns gekauft haben. Wer einmal so blöd… äh… VOR-AUS-SCHAU-END, ich meine natürlich vorausschauend, wir sind ja eine Versicherung…chrchrchr… also wo war ich stehen geblieben?“ „Mach mal hinne! Gibt gleich Hühnchen!“ „Äh ja also, lasst uns doch erst mal bei den Bestandskunden werben? Ham wir nicht gerade jede Menge Praktikanten? Die sollen mal die Flyer in Umschläge packen und das abschicken! Ein oder zweimal pro Monat, dann sind die irgendwann so genervt, dass sie alleine deswegen kaufen werden. Chrchrchr. Und jetzt: Maaaahlzeit!“

Ein paar Monate später, vielleicht im gleichen Raum:

„Ja also das mit der Werbung bei den Bestandskunden, das hat nicht so gut funktioniert. Die haben jetzt doch immer noch nix bei uns gekauft.“ „Hmhmhm. Ich seh gerade die Zahlen. Woran kann das denn nur liegen?“ „Vielleicht…. ach nix.“ „Na nun immer raus mit der Sprache!“ „Also vielleicht sind die ja einfach genervt davon, dass wir ihnen andauernd so viel Werbung schicken? Chmeinjanur.“ „Hmhmhm. Dann lasst uns doch mal was machen, damit die uns besser leiden können. Genau das isses! Wir müssen unser Image verbessern!“ „Du meinst, wir sollten sie mit attraktiveren Versicherungsangeboten locken?“ „Naaaain. Das war nicht ganz das, was ich im Sinn hatte. Ich meine, chrchrchr, wir müssen doch schließlich auch noch was verdienen, ne? Wokämenwirdenndahin? Chrchrchr.“ „Ja also was machen wir denn dann?“ „Hmhmhm. Ich hab’s! Jeder hat doch mal irgendwann Geburtstag! Und jeder mag gerne Geburtstag haben! Und, ist das nicht ein toller Umstand, dass wir die Geburtsdaten unserer Bestandskunden alle kennen? Naaa, kommt ihr selber drauf, wie wir unser Image bei denen steigern können? Jetzt isses doch echt nicht mehr schwer?“ „Du meinst, wir gratulieren denen zum Geburtstag? Vielleicht mit besonders attraktiven Angeboten, jetzt extra zu dem Anlass?“ „Naaaain. Das war nicht ganz das, woran ich dachte. Lasst uns denen gratulieren. Aber lasst uns das mal richtig ausschlachten. Wir könnten ihnen doch schon einen Monat vor ihrem Geburtstag schreiben und ihnen sagen ‚Wir wissen, dass Sie bald Geburtstag haben! Ist. Das. Nicht. Toll? Sind. Wir. Nicht. Toll? UnterschreibenSiejetztbittehierfüreinenneuentollenVertrag.‘. Also so in etwa.“ „Geniale Idee! Was gibt’s denn heute in der Kantine?“

Einige Wochen später, vielleicht im gleichen Raum:

„Mist! Da ist was schief gelaufen. *soifzidisoifz* Ich hatte den Praktikanten auf dem Klo getroffen und ihm das erklärt und und der hat das ja total verbockt und hat das jetzt nicht an die Kunden geschickt, die im nächsten Monat Geburtstag haben, sondern an die, die erst in 3 Monaten haben. Was sollen wir denn jetzt machen?“ „Das ist ja wunderbaaar! Sag ihm, er soll das jetzt bei allen so machen. Und das dann bis zum Geburtstag jeden Monat wiederholen. Sagenwa so ein bis zweimal pro Monat. Wenn die uns dann nicht mögen, wo wir ihnen doch so oft schonmal vorträglich gratulieren und ihnen sagen, dass wir an ihren Geburtstag denken, dann weiss ich’s ja auch nicht. Ach und frag doch den Praktikanten mal, ob er Interesse an einer Festanstellung hat. Guter Mann!“

Anders kann ich mir diese seltsame Werbeflut, die hier seit Ende März eintrudelt echt nicht erklären. Vielleicht bekomme ich dann ja ab Juli schonmal die Weihnachtswünsche.

Katja

 

10 Kommentare zu “Neulich in der Marketingabteilung einer großen Versicherung

  1. @Guinan: Hast du mit denen solch eine einseitige Brieffreundschaft? 😀

    @Silencer: Dann ist das bestimmt wirklich so! Inclusive des Hühnchens. :mrgreen:

    @Corina: Oh! Na dann Bald-Danke! 😛

    @Leonie: Bestimmt waren’s die Praktikanten, die auf dem Klo nicht richtig zugehört haben. 😀

  2. So wie sich das liest… hast du auch mal dort gearbeitet, dass du es so gut kennst? 😀 😀
    Im Ernst: Manchmal mag das echt hinkommen… Die ein oder andere „Flut“ hatte ich auch schon mal.

    • Nee, mit Marketing hatte ich tatsächlich nie zu tun. Ich war mal im öffentlichen Dienst, hab am Sozialamt gearbeitet. Aber Hühnchen in der Kantine – das kannte ich wohl. 😀

      • Warst mal im ÖD? Zu viel Stress? Normal wirft niemand einen Job im öffentlichen Dienst hin… außer Postboten vielleicht 😉
        Wir haben nicht so oft Hühnchen in der Kantine. Heute gab es dafür Chicken Nuggets mit scharfer Salsasoße und Pommes 😉

      • Ich wollte damals mein Abi im Zweiten Bildungsweg nachmachen, deswegen bin ich dort weg. Stressig war’s sehr, Sozialamt eben, aber ich hab den Job eigentlich geliebt und hätte keinen ruhigeren haben wollen. Nur meine älteren Kollegen waren ganz schön abschreckende Beispiele, die waren über die Jahre sehr abgestumpft. Ich hatte immer Angst, mir könnte das auch passieren und ich könnte das Gespür für Notlagen verlieren…

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