Please, keep your fingers crossed for me!

Es ist anders als früher, als mich die Panikattacken noch eiskalt erwischten. Als ich noch nicht wusste, was da überhaupt mit mir passiert, vornehmlich die körperlichen Auswirkungen der Panik spürend und das nicht einsortieren könnend. Tunnelblick. Weiche Knie. Zitternde Hände. Das Gefühl neben mir zu stehen. Herzrasen. Atemlosigkeit. Schwindel. Nackenschmerzen von hochgezogenen Schultern. Kalte Schweissausbrüche. Damals hatte ich irgendwann solche Angst vor der Angst, dass ich noch tiefer in ein Vermeidungsverhalten rutschte, Situationen mied, die zu solchen Attacken führten.

Irgendwann lernte ich, dass ich mich nicht vor der Angst verstecken kann, ihr nicht entkommen kann, sondern dass ich mich ihr stellen muss. Das fühlte sich damals fast wie ein Kennenlernen an. Hallo Angst, ich bin die Katja. Jetzt zeig mal, wer du so bist und was du mit mir machst. Und die Angst kam und strich mir um die Beine, nahm für eine Weile Besitz von mir. Und ich hielt das aus, ließ sie gewähren, spürte und hörte in mich, was mit mir passierte in diesem Moment. Und dann ging sie wieder. Ebbte ab. Zurück blieb stets eine wahnsinnige Erschöpfung. Aber irgendwann auch das Gefühl, dass ich das aushalten kann. Dass sie vorbeigeht, ihre große Macht über mich verliert, wenn ich nicht versuche, mich vor ihr zu verstecken. Und als ich die große Angst vor der Angst verlor, waren auch diese Situationen, die diese Attacken auslösten nicht mehr so bedrohlich und ich konnte mich immer mehr davon stellen.

Gerade bin ich zum ersten Mal seit Jahren in einer Phase, in der mich immer wieder diese akuten Panikattacken heimsuchen, die ich zuletzt in solchem Ausmaß vor Jahren erlebt habe und selbst dann meist an eine konkrete Situation gebunden, die sich relativ einfach auflösen ließ.

Das jetzt ist anders. Es erwischt mich nicht plötzlich. Ich weiss, was mir solche Angst macht und ich weiss, was mit mir passiert. Spüre die Symptome, weiss dass das blanke Panik ist. Mein Kopf verarbeitet das ganz rational, sortiert das Befinden in die Panikschublade, jene, auf deren Etikett ‚musst du keine Angst vor haben‘ steht und trotzdem funktioniert es nicht, dass die Angst von selber abflaut und vorbeigeht. Also sitze ich hier, tippe mit zitternden Händen und versuche, mich mit Baldrian in größeren Mengen ruhigzustellen. Das ergibt einen schrägen Gefühlsmix, einerseits immer noch das Herzrasen und der Tunnelblick, andererseits legt sich ein müder Schleier darüber und macht die Glieder schwer. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen.

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Ohne das näher spezifizieren zu wollen, wäre ich morgen über eine geballte Ladung gedrückter Daumen überaus froh und dankbar!

Katja

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22 Kommentare zu “Please, keep your fingers crossed for me!

  1. Oops… Das klingt nicht gut… Ich drück Dir alle meine Daumen und wünsche mir für Dich, dass sich alles so entwickelt wie von Dir erhofft. Viel Glück 🙂
    Sei ganz herzlich gegrüßt, Ralf.

  2. Ich weiß jetzt gar nicht, ob ich Dir die Geschichte vom kleinen Goth und dem Daumendrücken schon einmal erzählt habe… egal, erzähl ich sie halt noch einmal: Der kleine Goth war so um und bei 5 Jahre alt, als ich sie bat, mir die Daumen zu drücken… wie man das halt so sagt: „Drück mir mal die Daumen…!“ Damals sprang die lütte Deern von ihrem Spiel auf, lief zu mir herüber, nahm meine beiden Daumen in ihre kleinen Hände und drückte sie ganz feste. Wir haben das dann jahrelang so gemacht – ich habe ihre Daumen gedrückt, sie die meinigen – also in echt!

    Liebe Katja, ich springe also jetzt mal ganz schnell von meinem Schreibtisch auf und laufe zu Dir hinüber, nehm deine beiden Daumen in meine Hände und drücke sie ganz fest…:D wirst sehen, das klappt!

    Ganz liebe Grüße
    Rabea

  3. Ach ja, ein Lied hätte ich auch noch für Dich, einfach nur so, weil heute Donnerstag ist…hmmmmmmhmm:

    „Versuch´s mal mit Gemütlichkeit mit Ruhe und Gemütlichkeit…“

    Ich weiß nicht, wie man einen Link hier einfügt… 😦

  4. Hier sind alle Daumen und Pfötchen gedrückt 🙂

    Die Angst vor der Angst habe ich auch immer als schlimmer empfunden als die Angst selbst. Ich habe sie immer noch, obwohl ich dank Trevilor schon länger keine starke Panikattacke mehr hatte. Aber die Angst vorher Angst lauert immer noch im Hinterkopf. Und hält mich nach wie vor von vielem ab.

    Alles gute für morgen!

  5. Liebe Katja…auch hier sind alle Daumen, Pfoten und Flossen für dich gedrückt, jawoll…

    (..und was die Panikattacken betrifft…. die sind sowas von fies… ich weiß noch, wie ich bei meiner schlimmsten dachte, sterben zu müssen… da wußte ich noch nicht, daß es eine Panikattacke war… dieses Erlebnis hat mich aber dazu gebracht, nachzuforschen… und dann WUSSTE ich… woran ich war… und daß man es aushalten kann… seitdem kommen sie immer noch ab und zu, aber es war nie wieder ganz so schrecklich…
    Daß du da jetzt wieder so schlimm durch mußt, ist gemein… aber es rational sehen zu können, gibt einem zumindest ein Stück weit die Kontrolle zurück… ich drück dich mal… )

    Viele liebe Grüße…

  6. Also, ich find‘ das so mutig, dass du darüber hier so schreiben kannst. Möchte ich dir jetzt echt mal sagen. Ich tu‘ mich ja immer (noch) so schwer damit, konkret zu werden, wenns um mein Inneres geht. Daumen drücken tu ich natürlich gerne. Liebe Grüße! Meike

  7. Ich drück‘ dir ganz feste die Daumen, Katja. Hoffentlich sagst du uns dann auch morgen, dass es gewirkt hat. Wie du über die Angst schreibst, ist wirklich beachtlich. Es tut mir so Leid, dass du das wieder aushalten musst. Ich hab‘ gerade die letzten Tage, wo es so sonnig ist, an dich gedacht und wie sehr dir das gut tun könnte. *seufz*

  8. Hoffe, Du hast es gut überstanden. Da meine Hurschdame heute eine OP hatte, konnten wir nicht die volle Ladung Daumen- und Pfotendrücken leisten, aber ich habe zwischendurch an Dich gedacht.
    LG

  9. Nur schon mal ganz kurz: Ich antworte euch morgen oder übermorgen ausführlicher, heute fehlt mir die Energie dazu. Ich wollte euch aber schonmal danken für eure unglaublich zahlreichen und lieben Kommentare! Das hat mich ganz sprachlos gemacht und hat mir heute wirklich sehr (!) geholfen den Tag zu überstehen.

    Danke, ihr seid toll!

  10. Deinem Kommentar entnehme ich: Alles zumindest ok. Das freut mich sehr!

    [Leider war ich zu spät mit dem Lesen hier… habe aber dabei, also beim Lesen, gerade kräftig nachgedrückt!!1elf]

  11. So, jetzt aber endlich.

    @Leonie: Habt vielen Dank, ihr zwei und kraul Lasko bitte mal von mir hinter den Ohren!

    @Guinan: ¡Muchas Gracias! Auch und speziell für die Ablenkungsmail!

    @Ralf: Vielen lieben Dank! Die Panik ist erst mal wieder gewichen und ich hoffe, die kommt vorm nächsten Mal nicht wieder ganz so schlimm hoch.

    @Rabea: Was für ’ne putzige Geschichte! Ich weiss gar nicht, ob du das schonmal erzählt hattest oder ob ich von jemand anderem was ähnliches über’s dortige Kind gehört hatte. Toll, wenn die Lütten das wörtlich nehmen! Und vielen vielen Dank auch an dich für’s Drücken und auch für den Balu. Den mag ich ja sehr. Hier ist der übrigens gar nicht irgendwie groß und reparierungsbedürftig. Passt genau in die Kommentarspalte. Liegt das vielleicht an deiner Monitorauflösung, wenn er nicht passt?

    @Träumerin: Vielen Dank für die gedrückten Daumen und Pfötchen! Wer drückt denn bei dir Pfötchen?
    Trevilor habe ich vor etlichen Jahren auch genommen und dann irgendwann eigenmächtig abgesetzt, weil ich dieses Dauergrau, das es bei mir ausgelöst hat, nicht mehr ertragen wollte. Das nahm zwar die schlimmsten Tiefs weg, aber bei mir gab es auch gar keine Höhen mehr, für die das Leben lebenswert war.

    @Henry: Ich danke dir!

    @Rüdiger: Merci!

    @Silencer: Dankeschön! Mich der Angst stellen ist quasi die einzige Möglichkeit, um sie auf Dauer in den Griff zu bekommen. Aber das war wirklich ein weiter Weg und viele Versuche, mich zu verstecken und wegzulaufen, bis mir das klar wurde.

    @Frau Leo: Thank you so much!

    @Svü: *re*

    @Tanya: Danke! Und der Rest drückt zurück! Atmen hat geklappt.

    @Karin: Vielen Dank! Den ersten (und damit hoffentlich schlimmsten) Teil habe ich zumindest schon geschafft.

    @Mandy: Herzlichen Dank. Und ja, ich glaube, dass es tatsächlich dieses kleine bisschen Kontrolle ist, das einen Unterschied ausmacht. Wenn man den Feind (er-)kennt, kann er einen nie mehr so garstig erwischen wie der Fremde aus dem Hinterhalt.

    @Meike: Hab lieben Dank! Ich empfinde das gar nicht als mutig, wenn ich hier über solche inneren Dinge schreibe. Für mich ist das Schreiben über solche Themen wirklich eine Art (Er-)Lösung, sie setzen mir dann viel weniger zu. Und eure unheimlich positive Rückmeldung hat mir am Freitag und auch am Donnerstag schon, wirklich sehr geholfen. Alleine dafür war es sehr gut, das hier aufzuschreiben. Ich hab mich mit meiner Angst gar nicht mehr alleine gefühlt und das hat ihr viel ihres Schreckens genommen.
    Ich konnte das aber anfangs beim Bloggen auch nicht und erinnere mich, dass ich mich da oft schutzlos gefühlt habe und als hätte ich mich angreifbar und verletzlich gemacht. Ich bin aber wirklich froh, über die Menschen, die hier lesen und kommentieren, weil die mir / ihr mir das Gefühl ganz schnell genommen habt.
    Vielleicht ist das so ein bisschen wie Stagediving? Ich vertraue darauf, dass sich hier keine Idioten tummeln, die es ausnutzen, dass ich die Schwächen preisgebe und habe damit bisher ziemliches Glück gehabt. 🙂

    @Sherry: Vielen Dank auch dir für’s Daumen drücken und deine Worte! Ja, das hat mir wirklich sehr geholfen zu wissen, dass so unheimlich viele Menschen mir die Daumen drücken.
    Von der Sonne bekomme ich gerade wirklich nicht so viel mit. (Überall ausser hier scheint es ohnehin wieder zu schneien, aber wir hatten heute auch wieder irgendwas um 12 oder 14°.)
    Aber dann hoffentlich spätestens Anfang April habe ich das Angstzeug hinter mir. Hoffentlich.

    @Corina: Dankesehr! Ich hoffe, du bist wieder fit. 🙂 *reknuffz*

    @Katrin: Mensch Dankeschön! Ich kann mir vorstellen, dass ihr da alle Hände und Pfoten voll mit Daumen drücken für Molly zu tun hattet. Die Arme macht ja auch dauernd was mit. Kraul sie bitte mal von mir! Und die Hutze natürlich auch.

    @Rebekka: Grazie mille!

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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