Nicht genug.

Vor ein paar Jahren war ich relativ eng mit einer Frau befreundet, die ein wahres Energiebündel war. Sie hatte ein unheimliches Talent, sich in Dinge, die sie für sich entdeckte und die sie interessierten, Hals-über-Kopf und mit Vollgas reinzustürzen. Dann machte sie diese Sache für eine Weile und dann stürzte sie sich mit der gleichen Energie wieder in etwas Neues. Sie probierte alles aus, war dahingehend extrem mutig und forsch.

Und wenn ich oben unheimlich schreibe, dann tatsächlich im doppelten Wortsinne, denn mir war dieses energische Vorgehen oft nicht geheuer, weil ich so ganz anders bin und ticke. Ich bin feige. Ich kann nicht gut mit Veränderungen umgehen. Ich bin überhaupt nicht spontan. Ich muss bei den meisten Dingen erst ewig darüber nachdenken, mögliche Eventualitäten oder möglicherweise auftauchende Schwierigkeiten durchdenken, damit sie mich nicht überraschen. Ich stehe mir mit dem vielen Nachdenken oft selber im Weg und komme erst gar nicht bis zu dem Punkt, wo ich anfangen könnte.

Jene Freundin damals (und damals meint einen Zeitraum, wo es mir zB noch viel schwerer fiel, überhaupt rauszugehen) hat mich oft mit ihrer Energie überrollt. Immer, wenn ich über irgendetwas erzählte, das mir Spaß machte, kam sie mit Hau-Ruck-Plänen, wie ich daraus etwas machen könnte, mich reinstürzen könnte. „Du musst doch einfach nur…“. Mich hat das total überfordert und sie hat (glaube ich zumindest) nicht verstanden, wieso ich nicht einfach mit den Dingen loslegte, wo doch ihr Plan quasi direkt fertig war und ich nur hätte machen müssen.

Damals, das war auch der Zeitraum, indem ich zum letzten Mal bei einer Therapeutin war. Irgendwann im Laufe einer Sitzung erzählte ich von dieser Freundin und was sie alles an Ideen für mich hatte und wie sehr mich das überforderte und die Worte der Therapeutin werde ich vermutlich nie vergessen. Sie sagte mir „Na das ist ja ganz schön armselig von Ihnen.  Sie selber haben keine rechte Idee, was sie mit sich anfangen sollen und anstatt froh zu sein, dass Ihre Freundin das so energisch für sie anpackt, beklagen Sie sich, dass Ihnen das zu schnell geht.“

Zusammen mit noch ein paar Dingen, die sie in vorherigen Sitzungen gesagt hatte, sorgte dieser Spruch dafür, dass ich da eigentlich nie wieder hingehen wollte. Dann habe ich tagelang rumüberlegt, weil es eben unter anderem so furchtbar schwierig ist, überhaupt einen Termin bei einem Therapeuten zu bekommen und weil es so furchtbar schwierig ist, einen zu finden, der zu einem passt. Und weil ich nicht sicher sein könnte, dass es bei einem anderen besser werden würde, habe ich beim nächsten Termin all meine Angst überwunden und ihr gesagt, dass es mir schwer fällt, ihr zu vertrauen und ihr Dinge zu erzählen, wenn sie so darauf reagiert, was nach 30 Minuten Empörung ihrerseits, dass sie ja wohl die Expertin sei, dass sie diese Dinge nicht grundlos sagen würde und dass sie so viele Patienten hätte, denen sie geholfen hätte und bei denen ihre Zeit nicht so vergeudet wäre wie bei mir aufsässigen Person, dazu führte, dass sie mich rauswarf – aus der Sitzung und auch der Therapie.

Einem lieben Freund habe ich zu verdanken, dass ich das hinterher richtig einzuordnen gelernt habe und nicht die Schuld bei mir gesucht habe. Und auch, dass ich dieser ‚Chance‘ nicht hinterher getrauert habe sondern letztendlich froh und auch ein bisschen befreit war, nicht mehr dort hinzugehen.

Aber eigentlich fiel mir das alles gerade wieder ein und auch, dass ich schon längst mal erzählen wollte, weswegen ich seitdem so zögerlich darin bin, mir einen neuen Therapeuten zu suchen, als ich über eine liebe Bekannte nachdachte, ebenfalls eine sehr aktive Frau, die ich gelegentlich treffe und die, ähnlich wie jene Freundin damals, ganz häufig zu mir sagt, ich müsse aber doch etwas aus all dem machen, was ich gut könne und was mir Spaß macht und dass mich das regelmäßig überfordert, weil ich gar nicht weiss, wie ich das genau anpacken soll, etwas ‚draus zu machen‘ und auch nicht, ob ich das hinbekäme, weil mir der Gedanke so wahnsinnige Angst macht. Alleine mich damit auseinanderzusetzen. Und ich habe fast jedes Mal nach einem Treffen ein schlechtes Gewissen – auch wenn ihr das sicherlich furchtbar fern liegt, das auszulösen und sie das nur in bester Absicht sagt. Aber diese ständige Aussage, ich müsse etwas daraus machen, löst bei mir immer das Gefühl aus, dass es so wie es momentan ist, falsch ist. Dass Machen alleine nicht genügt, sondern ich muss etwas daraus machen. Etwas Sinnvolles. Nur so für mich ist ja nicht ausreichend sinnvoll.

Ich habe ganz viele Jahre immer dieses Gefühl gehabt, dass das Leben irgendwo draussen ohne mich stattfindet, dass ich meines irgendwo auf einem Wartegleis geparkt habe.

Jetzt mache ich, gemessen an dem, was die meisten anderen Menschen machen, wenig.

Jetzt mache ich, gemessen an dem, was ich vor ein paar Jahren machen konnte, wahnsinnig viel.
Und manchmal fühlt es sich auch immer noch nach zu viel an und nach Überforderung. Und meistens fühlt es sich an, als könne ich, zumindest momentan, auf keinen Fall noch irgendetwas weiteres – und schon gar nichts mit einer festen Verpflichtung – zusätzlich bewältigen.

Und ich empfinde mich eigentlich auch nicht mehr auf dem Wartegleis, sondern mitten in meinem Leben.

Aber ich schaffe es nicht / traue mich nicht, das genau so zu sagen. Fast niemandem gegenüber. Weil ich immer das Gefühl habe, dass alle anderen von mir erwarten, dass ich mehr schaffen müsste, mehr machen müsste, etwas aus den Dingen machen müsste, die ich kann und nicht nur die Dinge selber machen.

Und diese, oft nur unterschwellige Erwartungshaltung, diese Tatsache, dass andere mich auf dieses Wartegleis setzen, mich dort sehen, obwohl ich mich selber eigentlich gerade gar nicht dort sehe, weil ich erst mal die Kämpfe am Status Quo im Leben besser im Griff haben muss, setzt mich so massiv unter Druck, dass es mir noch schwerer fällt und noch mehr Angst macht, mich damit auseinanderzusetzen, ob und wie und was ich machen könnte oder wollte.

Und niemand fragt mich. Wie ich bin, wie ich ticke, was ich will. Aber alle scheinen zu wissen, dass das, wie und was ich gerade bin, nicht ausreicht. So sehr, dass ich mir den Schuh, nicht auszureichen, natürlich direkt wieder oft genug selber anziehe und nur auf das gucke, was ich nicht kann, statt auf das zu gucken, was ich (schon wieder) kann.

Katja

 

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35 Kommentare zu “Nicht genug.

  1. Liebe Katja,
    hm….. ich denke, die Menschen wissen ja nun mal nicht wie du tickst, und dass du anscheinend vor einigen Dingen Angst hast. Daraus kann man ihnen keinen Vorwurf machen.
    Man sagt das so leicht „daraus kannst du doch was machen“, meint dann aber nicht, dass das, was du tust, nicht genügt. Sondern etwa, dass du das was du tust, ausbauen könntest
    um vielleicht noch mehr Spaß daran zu haben oder eventuell damit Geld verdienen kannst.
    Nehmen wir an du könntest sehr gut zeichnen – dann könntest du doch versuchen, als Künstlerin Fuß zu fassen.
    Eine Bekannte von mir kann sehr gut backen. Nach einigem Überlegen bewarb sie sich in verschiedenen Hofcafes und heute leitet sie eins, backt ihre Kuchen und Torten alle selber.
    Vielleicht ist es so gemeint.
    Darf ich fragen, weswegen du zu einer Therapie musstest / warst?

    Ein schönes Wochenende wünscht dir
    Suse

    • Liebe Suse,
      die Menschen, auf die ich mich hier bezog, wissen von meinen Depressionen und der Angststörung (was vermutlich auch die Frage nach der Therapie beantwortet hätte). Ich habe mich aber vermutlich nicht klar genug ausgedrückt. Ich unterstelle da wirklich niemandem etwas übles mir gegenüber, ganz im Gegenteil, wollen sie mein bestes. Jene Menschen fragen mich nur nie, _ob_ ich das Gefühl habe, etwas aus den Dingen machen zu wollen/können/müssen, sondern sie nehmen automatisch an, das müsse mein Wunsch sein. Sie fragen mich nicht, was ich für mein Bestes halte, sondern legen ihre Maßstäbe davon bei mir an.
      Ich hab gerade (immer noch) wahnsinnig viel mit mir zu tun, mein Kopf steht quasi nie still. Gewisse Dinge, um die es unter anderem geht – wie eben zB mein Austoben in der Küche – mache ich, weil mir das in diesem Umfang gerade gut tut. Ich glaube, jene Menschen, besonders jene aktiven Menschen, glauben, dass es mir selber zu wenig sein müsse – vielleicht weil es ihnen mit ihrer Art in ihrem Leben zu wenig wäre – und sagen mir deswegen dauernd, ich müsse was daraus machen. Aber weil es für mich sowieso schon genug, manchmal eher mehr als das ist, fühlt es sich für mich an, als wäre es ihnen nicht genug, wenn sie das sagen.

      Und mir fällt es wahnsinnig schwer, das einfach zu ignorieren, sondern in mir setzt sich dieser Gedanke, nicht zu genügen, fest.

      Ich würde mir einfach wünschen, dass nicht so viel über meinen Kopf hinweg über mich angenommen, sondern mehr mal tatsächlich gefragt würde. „Würdest du gerne mehr daraus machen? Brauchst du dafür Unterstützung / Ideen?“ wären die Fragen, die ich mir wünschen würde, anstatt der Aussagen „Daraus musst du unbedingt etwas machen.“ Letzteres bringt mich immer zum Rumstammeln, drängt mich in die Defensive und gibt mir das Gefühl, ich muss mich dafür rechtfertigen, weswegen ich das nicht tue.

      Liebe Grüße an dich und ebenfalls ein schönes Wochenende!

      • guten Morgen liebe Katja,
        ich finde, das kann man sehen wie man will. Vielleicht denkst du einfach zu viel darüber nach. Vielleicht ist die Frage nach dem „mehr daraus machen“ nur eine Art des Anstupsens, ja, dir helfen zu wollen.
        Weißt du, ich bin eine waschechte Waage-Geborene und ich wiege meistens beide Seiten ab bevor ich mir ein Urteil erlaube.
        Ich an deiner Stelle würde, wann immer ich nach dem „was-draus-machen“ gefragt werden würde, sagen: Vielleicht. Hilfst du mir dann dabei?
        Dann müssen sie antworten und der Käse ist gegessen. Mach dir nicht so viel nen Kopp darüber, würde ich dir raten.
        Einen schönen Start in die neue Woche wwünsche ich dir.
        Suse

      • Liebe Suse,
        natürlich denke ich (zu)viel über Dinge nach. Aber mir zu sagen, ich solle mir nicht so ’nen Kopp um Dinge machen ist in etwa als würde man mir vorschlagen, ich solle aufhören zu atmen.
        Aufschreiben ist für mich ein Weg, um den Kopf ein bisschen zu entlasten – trotzdem kann ich sie auch dann nicht einfach ablegen, sondern denke immer noch darauf herum.

        Und natürlich ist das alles helfend und gut gemeint. Das weiss ich und das schrieb ich ja auch schon mehrfach. Ich mag und wertschätze diese Frau wirklich sehr und das sind bei ihr auch nicht bloß leere Phrasen, sondern sie würde tatsächlich auch mit Taten helfen, wenn ich das wollte. 🙂

        Aber gut gemeint ist eben nur selten tatsächlich gleichbedeutend mit gut.

        Lieben Gruß an dich.

        (Ich glaube, irgendwann muss ich mal meine Gedanken zum Thema Mitleid, Übergriffigkeit und dergleichen im Umgang mit Menschen, die offen mit ihren Depressonen umgehen, sammeln und darüber bloggen.)

      • Liebe Suse, du hast mich nicht verärgert! 🙂
        Bitte verzeih, ich merke gerade, beim nochmaligen Lesen, wie schroff mein Kommentar wirkt. Er ist dir gegenüber aber gar nicht schroff gemeint, wenn überhaupt, dann richtet sich das gegen mich selber.

        Weisst du, deine Kommentare mit dem Verständnis für jene, die nur helfen will, die könnte ich mir nämlich haargenauso auch selber schreiben, weil das fast mein ganzes Leben lang meine Art zu denken war und eigentlich auch immer noch ist.

        Ich habe nie gelernt ’nein‘ zu sagen und Grenzen zu setzen. Ich habe nie gelernt und mich auch nie getraut, mich zur Wehr zu setzen. Ich habe immer alles (mehr oder weniger) lächelnd ausgehalten, habe mit mir machen lassen. Dabei war ich eigentlich gar nicht so feige – für andere konnte ich immer einstehen und die Zähne zeigen und für deren Rechte kämpfen. Nur für mich selber nicht. Statt wütend zu werden, wenn es angebracht gewesen wäre, wurde ich immer nur traurig.

        Dass ich anfange, Grenzen zu setzen, wenn mir jemand zu nahe tritt – nicht zwingend sichtbar für denjenigen, manchmal auch nur, indem ich diese Dinge hier für mich aufschreibe – dass ich mir zugestehen, überhaupt Grenzen zu haben und nicht alles lächelnd hinnehmen zu müssen, dass ich ’nein‘ sagen darf, wenn es um mein Leben geht, selbst wenn es der andere nur gut meint – das sind für mich alles neue Denkmuster, neue Erfahrungen. Die Wege sind noch frisch und kein bisschen eingetreten und ich bin da noch recht wacklig auf den Beinen und ich muss mir das wirklich hart gegen mich selber erkämpfen.

        Wenn ich also mein ‚ABER‘ in den Antworten an dich so vehement verteidigt und vertreten habe, dann gilt diese Verteidigung eigentlich mir selber und meinem alten Ich, dass dir nämlich sofort zustimmt und mir verbieten will, solche Gedanken zu haben oder zu äussern. Dich wollte ich damit auf keinen Fall treffen!

        Ich bin sehr froh, dass du nochmal kommentiert hattest und mich dazu gebracht hast, das hier nochmal deutlicher aufzudröseln! Diesen internen Verteidigungsmechanismus habe ich so bisher nicht in Worte fassen können.

        Liebe Grüße und einen schönen Abend!

      • Guten Morgen meine liebe Katja,
        weißt du, deine Worte haben mich jetzt zum überlegen gebracht. Ich bin in mich gegangen, weil du in mir was bewegt hast. Es ist unglaublich, aber ich wurde gerade wie mit einem Stich ins Herz an meine eigene „Jugend“ erinnert! Das was du schreibst, könnte ich zu 100 % auf mich selber projizieren! So ging es mir in meiner Kindheit und Jugend ein paar Jahre und dann nochmal Anfang 20, als ich meine Ausbildung begann.
        Dein Zitat:
        „Ich habe nie gelernt und mich auch nie getraut, mich zur Wehr zu setzen. Ich habe immer alles (mehr oder weniger) lächelnd ausgehalten, habe mit mir machen lassen. Dabei war ich eigentlich gar nicht so feige – für andere konnte ich immer einstehen und die Zähne zeigen und für deren Rechte kämpfen. Nur für mich selber nicht. Statt wütend zu werden, wenn es angebracht gewesen wäre, wurde ich immer nur traurig.“
        kann ich blind unterschreiben. Dieser Charakterzug von mir hat mich einmal sogar meinen Job gekostet – ich habe gekündigt anstatt mich zu wehren…

        Ich kann immernoch sehr schlecht NEIN sagen, aber ich kann es. Es bedarf einiger Überwindung – will ich es doch stets immer allen und jedem Recht machen. Aber ich kann es mittlerweile. Hat ja auch lange genug gedauert, lachhh 🙂

        Das war gerade eine Zeitreise für mich…

      • Liebe Suse,
        ich weiss jetzt gar nicht, ob es etwas Gutes oder Schlimmes für dich war, dass dich meine Worte so an dich erinnerten. Mir tut Erkennen meistens erst mal weh und es dauert eine Weile bis ich dann froh darüber bin wieder etwas über mich dazugelernt zu haben.

        Und da finde ich Blogs (oder das Internet generell) ziemlich großartig, weil man diese Art von Gedankenaustausch mit an sich fremden Menschen ja in einer echten Begegnung nicht unbedingt hätte.

        Ich hoffe also, der Stich war kein zu schlimmer und grüße dich herzlich!

      • nein nein liebe Katja, war nicht schlimm. Wie gesagt, ist schon ewig her, bin ja schon ein älteres Mädchen, lach 🙂
        Ich bin auch echt froh, dass ich heute anders bin, selbstbewusster und zielstrebiger. Heute würde mich niemand mehr anschreien dürfen – es war ein Choleriker den ich damals als Vorgesetzten hatte. Heute hätte ich den Mut und die Courage, mich zu wehren. In jeder Hinsicht. Das bringt die Lebenserfahrung mit sich, liebe Katja.
        Ein herzlicher Wochenendgruß, Suse

  2. Hallo Katja, ich kann dich sehr gut verstehen, mir geht es in Vielem genauso. Möchte hier jetzt nicht von mir erzählen, sonst kann ich gleich einen Roman schreiben 😉 Aber ich leide auch unter Depressionen und fürchte mich vor Veränderungen. Trotz Führerschein und erneuten Fahrstunden traue ich mich seit Bestehen der Prüfung nicht, Auto zu fahren. Das nur als Beispiel. Du kannst dich verstanden und gedrückt fühlen 🙂

    • Oh liebe Anette, das mit der Angst beim Fahren kann ich auch nachvollziehen. So über’s Land und in der kleinen Stadt, in der ich lebe, kein Problem, aber ich traue mich nicht mehr auf die Autobahn oder ins größere Stadtgetümmel. Dabei bin ich früher immer sehr gerne und viel gefahren.

      Bei der Furcht vor Veränderungen: hast du auch das Gefühl, dir vor allem selber im Weg rumzustehen? (Nur falls du antworten magst.)

      Ich drück dich mal virtuell zurück!

      • Liebe Katja,

        ja, ich weiß sogar, dass ich mir selbst im Weg stehe. Ich könnte heute beruflich viel mehr erreicht haben, wenn ich nur wollte. Nur, dass ich sehr unglücklich bin in meinem Beruf und außerdem überhaupt nicht der Typ, um Karriere zu machen. (Schon, weil ich das dringende Bedürfnis nach einem Leben neben der Arbeit habe.) Wenn ich einen Beruf hätte, der mir Spaß macht, dann vielleicht eher. Ich bin auf der Arbeit von Leuten umgeben, die nicht verstehen können, dass ich nicht weiterkommen will, sondern da bleiben will, wo ich bin. Ich verstehe wiederum nicht, warum man das nicht darf, da bleiben, wo man ist.
        Abgesehen davon stehe ich mir selbst im Weg, wenn es darum geht, endlich was zu ändern und den Beruf zu wechseln. Zu viel Angst davor, dass dann alles nur noch schlimmer wird. Im Moment kann ich halt von zu Hause arbeiten und mein Kater ist nicht allein. Wenn ich mir meinen Traum erfüllen und in den Buchhandel wechseln könnte, hätte ich, wenn überhaupt, einen unsicheren Arbeitsplatz, würde wahrscheinlich (noch) weniger verdienen und mein Kater wär den ganzen Tag allein (kann keine zweite Katze dazuholen). Also quäle ich mich jeden Tag mit meinem Job und kämpfe dafür, dass sie mich so akzeptieren, wie ich bin. Wie gesagt, ich könnte einen ganzen Roman schreiben… 🙂
        Leider ist unsere Gesellschaft so ausgerichtet, dass Menschen, die sich nicht verändern wollen, nicht mehr wirklich akzeptiert werden.

        LG
        Anette

      • Liebe Anette,

        nur ins Blaue geraten: Vielleicht können deine Kollegen das nicht so einfach akzeptieren, weil deine Haltung, dass dir andere Dinge wichtig und sogar wichtiger als Erfolg im Beruf sind, ihre eigenen Werte in Frage stellt? Ich habe mich früher auch überwiegend über meine ‚Leistung‘ definiert, daraus meinen Selbstwert bezogen. Bis das eben nicht mehr ging, weil die Depressionen mich so ausgeknockt haben, dass ich keine Leistung mehr bringen konnte. Also keine in diesem Sinne, die durch Lohn oder gute Noten messbar wäre. Es hat mich schon viel Energie gekostet und tut es noch, weil ich immer wieder in diese wertlos-weil-keine-‚echte‘-Leistung-Falle tappe, mich zumindest ansatzweise dafür zu mögen, wer ich bin.

        Ich kann das nicht gut nachvollziehen, weswegen es Mensch scheinbar so schwer fällt, andere Menschen einfach anders sein zu lassen. Es gibt doch gar kein übergeordnetes Richtig oder Falsch, wenn es um Lebenskonzepte geht. *soifz*

        So lange du in deiner aktuellen Lage so gefangen bist, drücke ich dir die Daumen dafür, dass deine Kollegen erkennen, dass dein anderes Konzept einfach anders ist und dass du ihres gar nicht bedrohen möchtest!

        Liebe Grüße!

      • Liebe Katja, da kannst du gut recht haben. Meine Chefin allerdings versteht glaube ich mein Problem wirklich nicht. Bei akuten Problemen war sie bisher immer verständnisvoll, aber sie ist offenbar der Meinung, dass sich das ändern wird. Sie versteht offenbar nicht, dass man durch eine Therapie kein anderer Mensch wird und dass man das vielleicht auch gar nicht will. Danke für die guten Wünsche und liebe Grüße!
        Anette

  3. Liebe Katja …

    Danke für deinen schönen und offenen Beitrag. Ich finde es einfach nur beschämend, wie die Therapeutin reagiert hat. Ich kann dir aber versichern, dass nicht alle so sind. Es kann in einer Therapie durchaus sein, dass es auch einmal unbequem wird. Eine Therapie funktioniert nicht, wenn man nicht auch an die eigenen Grenzen gebracht wird: aber es ist unheimlich wichtig, dass Therapeuten gleichzeitig dabei wertschätzend und einfühlend bleiben im Sinne von „Ich weiß, dass Ihnen das jetzt unglaublich schwer fallen muss, aber lassen Sie uns gemeinsam jetzt diesen Schritt einmal versuchen …“ Wirklich, es tut mir Leid; und ich finde es ehrlichgesagt schlimm, dass dich das so sehr geprägt hat, dass du erst einmal keine Therapie mehr machen möchtest. Was für eine dämliche Kuh.

    Zum anderen: Ich bin ja eher ein zweigleisiges Kind. Ich hatte immer Phasen der Isolation und der Antriebsarmut. War die depressive Phase vorbei, bin ich aufgewacht und war energischer. [Aber nicht so übertrieben wie bei deiner ersten Freundin, die du hier erwähnt hast.] Ich glaube auch nicht, dass man aus „Dingen etwas machen kann“, wenn man sich ständig auf etwas Neues konzentriert. Demnach haben deine Freundinnen vermutlich „nichts draus gemacht“, sie haben beim Experimentieren nur Gas gegeben, und du machst das eben etwas langsamer. Das ist wie beim Essen: manche empfinden ein Glücksgefühl, wenn sie die ersten Bissen runterschlingen können, manche brauchen das Schmecken, Kauen, das Fühlen und länger Empfinden. So ist das eben. Manche stehen auf Blümchensex [sehr zärtlich, ausgiebig], manche wollen es schnell. Na und? So ist das eben. Andersartigkeit ist toll.

    Dieses „etwas daraus machen“ verstehe ich also nicht ganz. Aus etwas ist etwas gemacht, wenn es dir Freude bereitet [Mindestkriterium]. Wenn es dann auch noch anderen Freude bereitet ist es doch toll. Falls mit „etwas daraus machen“ damit gemeint ist, dass man damit Geld verdient, dann weiß ich auch nicht. Muss nicht sein, wie ich finde. Du gehst das schon richtig an; und es ist wunderbar, zu sehen, dass du dich dagegen wehrst, das Gefühl zu haben, auf dem Abstellgleis zu stehen. Es ist wichtig, dass du dich mit dir selbst vergleichst. Irgendwann, wenn du mit dem Fortschritt, den du gemacht hast, richtig sicher fühlst, kannst du immer noch „rausschauen“ und dich mit anderen vergleichen, aber dann bitte mit Menschen, die ungefähr dein Tempo haben und deinen Lebensrhythmus. Nicht mit so Speedies. … Man muss sich selbst auch einfach reifen lassen können wie einen guten Wein. Vielen fehlt das heute, weil sie, auch wenn sie von der Arbeit nach Hause kommen, das berufliche Tempo auch in ihrer Freizeit weiterfahren – bedingt durch eine Getriebenheit, die auch quälend sein kann, wenn man eben „nichts aus seinen Hobbies macht“. Meiner Meinung ist das ein Nebeneffekt der Leistungsgesellschaft.

    • Liebe Sherry,
      dass nicht alle Therapeuten so sind, weiss ich ja! Ich war vorher schon bei genügend anderen und exakt einem davon bin ich auch wirklich sehr dankbar, weil er derjenige war, der mir bei vielen Dingen geholfen hat zu verstehen, wo die Wurzeln meiner Denkmuster liegen. Die Therapie bei jenem war schwierig und anstrengend und schmerzhaft und es verging kaum eine Stunde, in der ich nicht geheult habe, aber das lag einfach daran, dass wir den Dingen so auf den Grund gegangen sind.
      Diese Therapeutin, von der ich hier schrieb, war VT, die sich u.a. gar nicht für meinen Hintergrund interessierte. Vielleicht passten wir schon deswegen nicht gut zueinander, weil für mich Änderung (in meinem Denken und Handeln) oft daher rührt, dass ich erst mal wissen und verstehen muss, wo meine falschen Denkmuster ihren Ursprung haben. Diese frühen Kindheitsdinge (die meisten meiner Ursprünge liegen dort) jetzt aus erwachsener Sicht neu zu betrachten und vor allem neu zu (be-)werten sind meine Werkzeuge, wenn ich mich alleine (oder im Gespräch mit meinem besten Freund) mit mir auseinandersetze.

      Dass ich mir danach nicht wieder einen Therapeuten gesucht habe, liegt vielleicht wirklich daran, dass ich dahingehend eine aufsässige Person geworden bin. Bei ihr war ich es damals noch nicht, aber in den 5 Jahren seitdem bin ich es wohl geworden. Ich lasse mir nämlich äusserst ungerne von jemandem, der mich gar nicht kennt und nicht so viele Stunden, Tage, Wochen und Jahre über mich nachgedacht hat, wie ich es tue, sagen, ich hätte keine Kompetenz, was mich angeht. Ich will damit auch gar nicht fachliche Kompetenzen eines Therapeuten anzweifeln oder behaupten, ich hätte fachliche Kompetenz. Aber ich habe mittlerweile Kompetenz, wenn es um mich geht und ich glaube, ich bin ganz gut darin, meine Gedankenmuster und Handlungsschemata wahrzunehmen und einzuordnen.
      Ich glaube (befürchte) aber, dass ich dann schon sehr lange suchen müsste, um jemanden zu finden, der mit mir arbeitet und ich scheue ehrlich gesagt die Energie, die ich in die Suche stecken müsste. Weil das hier in der Gegend bedeutet zwischen 9 und 18 Monaten auf einen Termin zu warten, um dann nach 5 Sitzungen zu merken, dass es nicht passt…

      Diese Zweigleisigkeit kenne ich auch und sie ist mir zu eigen. Mit ‚etwas daraus machen‘ meint die Bekannte tatsächlich in beruflicher Sicht, oder auch in ehrenamtlicher. Ich glaube, sie meint in erster Linie eine Weise, die andere miteinbezieht, vielleicht auch, damit ich weniger isoliert bin.
      Aber auch wenn ich hier im Blog immer mal darüber fluche, dass ich viel alleine bin, brauche ich auch ganz deutlich viel Zeit für mich und empfinde es meistens als anstrengend, Menschen um mich zu haben. Auch wenn das noch so schön ist und gemütlich, mit jemandem Kaffee zu trinken, empfinde ich es als anstrengend und bin ganz froh, wenn ich danach einen Tag habe, an dem ich nicht mehr Verpflichtungen habe, als die weisse Wand vor mir anzustarren.

      Beim Vergleichen mit mir selbst muss ich übrigens auch vorsichtig sein, nicht in die Falle zu tappen, mich mit ‚früher‘ zu vergleichen, bevor ich krank wurde. Das ist dann nämlich schon manchmal deprimierend. Vor allem die Erkenntnis, dass manche Dinge unwiderruflich sind. Andererseits empfinde ich es mittlerweile auch so, dass die Krankheit mich nicht nur zum Schlechten verändert hat. Diese Kämpfe, die ich überwiegend mit mir selber austrage, bringen am Ende auch Gutes hervor, machen mich stärker.

      „Andersartigkeit ist toll.“
      Das unterschreibe ich dir sofort. Erstaunlich, dass zwar jeder individuell sein möchte, aber letztendlich viele doch recht starre Vorstellungen davon haben, in welchen Grenzen sich diese Individualität bewegen darf.

      Liebe Grüße an dich!

      • Liebe Katja …

        Danke für deine ausführliche Antwort. Du hast Recht, der Vergleich mit dir selbst muss natürlich von Beginn der Krankheit an gesehen werden, sonst kommt man wieder in „Teufels Küche“. Ich halte dich für einen sehr reflektierten Menschen – manchmal kann das sehr belastend sein, aber meistens zieht man sich mit der Methode auch ganz gut raus, indem man seine Mechanismen kennt und versuchen kann, sie von einer Metaebene zu betrachten. Nur eine Sache mag ich dir noch sagen: Kognitive Verhaltenstherapie muss auch mit der Vergangenheit und der Entstehungsgeschichte der Depression / Angststörung [und anderem] befassen. Ich weiß, dass einige altbackende Therapeuten da inzwischen gerne schlampen. Aber das darf so eigentlich nicht ablaufen. Schon gar keine Haltung, die den Patienten so geringschätzt.

        Danke nochmal für deine Antwort.

      • Ah, Danke Sherry! Das ist sehr interessant, dass die VT insgesamt so angelegt sein sollte. Ich hatte das ja nur für mich gemerkt, dass ich Dinge, also vor allem Denkmuster, nur durch Verständnis ändern kann. Für mich erscheint das auch logischer, alles andere wäre in meinen Augen nur rumdoktorn an Symptomen ohne die Ursache anzugehen.

        Viele liebe Grüße an dich! 🙂

  4. Liebe Kaja, hm, also was sich die Therapeutin da geleistet hat – also ich weiß ja nicht… Für mich ist es ein Unding, wenn ein Therapeut seine Patienten resp. das Handeln oder Nichthandeln in irgendeiner Weise bewertet. Und „armselig“ ist für mich persönlich nicht nur eine Bewertung sondern sogar eine Anmaßung… kopfschüttelundaufdietischkanteknall…

    Beim Lesen Deines Beitrages ist mir eines in den Sinn gekommen: Menschen tüddeln ach so gern an anderen Menschen herum. Damit will ich sagen, dass ich zuweilen den Eindruck habe, dass es Menschen leichter fällt, anderen Menschen „schlaue“ Ratschläge zu geben, als sich selbst. Denn mal ehrlich, es hat doch jeder irgendwie so seine Baustellen im eigenen Leben. Und anstatt sich diesen Baustellen im eigenen Leben zu widmen, ist es zuweilen womöglich einfacher, sich der Baustellen der anderen zu widmen. Es sagt sich nämlich so leicht: Tu doch mal dies, mach doch mal das, ändere jenes. Selbst im eigenen Leben etwas zu ändern ist nämlich unheimlich schwer – ich will mal sagen, es ist für ganz viele Menschen schwer, um hier nicht alle über einen Kamm zu scheren. Aber im Grunde glaube ich, dass es den meisten Menschen schwer fällt, Änderungen im eigenen Leben zu bewerkstelligen.

    Und noch etwas fällt mir ein, das „Helfersyndrom“. So nenne ich es für mich, wenn Menschen, anderen Menschen unbedingt zu etwas „Gutem“ verhelfen wollen. Wobei völlig dahingestellt ist, ob der Helfende wirklich weiß, was gut für den Anderen ist. Zuweilen jedenfalls verfallen Menschen diesem Drang, einem anderen Menschen unbedingt aus der Bredouille helfen zu wollen. Das ist ja vom Grundsatz her eine feine Sache, doch sollte das Helfen unbedingt im Wohle des zu Helfenden stehen und nicht von eigenen Interessen geleitet werden. Gut, diese eigenen Interessen – es fühlt sich nämlich verdammt gut an, jemanden geholfen zu haben – sind einem nicht unbedingt bewusst, doch das heißt nicht automatisch, dass man beim helfen Wollen über das Ziel hinausschießt, ohne sich mal ernsthaft Gedanken darüber gemacht zu haben, ob der Mensch, dem man so gerne helfen möchte, diese Hilfe (wie sie sich auch immer gestaltet) benötigt, haben möchte oder überhaupt annehmen kann.
    O.K., ich bekomme jetzt womöglich von so manch einem einen über die Mütze – aber das riskiere ich jetzt einfach mal. Helfen ist eine feine Sache – doch weniger ist manchmal mehr.

    Liebe Grüße zum Wochenende
    Rabea

    • Liebe Rabea,
      ich glaube, dass sie überhaupt bewertet hat, fand ich an sich gar nicht so schlimm.

      Was mich so fassungslos machte war einerseits die konkrete Formulierung – armselig – die hat mich sehr gekränkt. Andererseits fand ich sehr schwierig, was diese Wertung noch ausgesagt hat. Nämlich, dass sie mein Anliegen, weswegen ich bei ihr war, entweder bis dahin (und das war die 6. oder 7. Sitzung) überhaupt nicht verstanden hatte oder mich einfach nicht ernst nahm. Ich hatte mir damals bewusst eine Verhaltenstherapeutin gesucht, weil ich Jahre vorher bei dem Analytiker (der vor ihr mein letzter Therapeut und der einzige wirklich gute war) zwar vieles über mich und die Ursachen meiner Depressionen gelernt hatte, aber immer noch keine konkrete Vorstellung von einem Weg hatte, wie ich mein Leben wieder in den Griff bekommen könnte. Ich war speziell dort, weil ich mir mit meiner Angst so oft selber im Weg stehe und genau dafür hatte ich mir Hilfe von ihr erhofft. Wenn sie aber genau diesen Punkt, wenn ich ihr erzähle, dass mich ein ‚mach doch einfach‘ überfordert, so wenig ernst nimmt, dass sie mein Verhalten als armselig abtut, dann reden wir irgendwie aneinander vorbei und ich fühlte mich da nicht gut aufgehoben.
      (Und das war ja nicht das erste und einzige.)

      Was du über das Ändern und Ratschlagen bei anderen schreibst, da ist vermutlich grundsätzlich viel dran, aber speziell bei jener Bekannten glaube ich das nicht. Ich mag die wirklich sehr gerne, das ist ’ne klasse Frau! Und sie ist auch jemand, der bei sich selber guckt und reflektiert. Eben, als ich Sherrys Kommentar beantwortet habe, kam mir das zum ersten Mal in den Sinn, dass sie mir das vielleicht immer wieder sagt, um mich aus meiner Isolation herauszuholen. Da bin ich ja selber ambivalent. Auf der einen Seite, ist es anstrengend, Zeit mit anderen Menschen zu verbringen, auf der anderen ist das vermutlich (auch) eine Frage der Gewöhnung.
      Wenn ich nicht solche Angst hätte, mich im Gespräch wieder mal dusslig auszudrücken, würde ich sie vermutlich einfach mal darauf ansprechen, aber sie ist jemand, den ich ungerne vor den Kopf stoßen möchte. (Die Überlegung, warum das so ist, setzt hier gerade wieder mein nächstes Kopfkino in Gang, Mist.)

      Zu dem Helfersyndrom:
      Ich glaube ich habe etwas ähnliches auch, denn kaum etwas macht mich so mürbe, wie Menschen, an denen mir liegt, nicht helfen zu können, wenn sie in einer Notlage sind. Hilflos zusehen fühlt sich für mich scheusslich an.

      Aber ich glaube (hoffe!), dass ich in Hilfeversuchen nicht über’s Ziel rausschieße. Ich muss da mal in Ruhe drüber nachdenken!

      Aber hier schrieb ich ja über die umgekehrte Richtung und vielleicht ist das ja der Knackpunkt, dass es mir unter anderem so zusetzt, weil ich damit auf dieses Notlagenwartegleis geschoben werde, auf dem ich mich selber gar nicht mehr sehe.

      Viel Input – von euch allen – wieder mal. Vielen Dank dafür! 🙂

      Liebe Grüße ins Rabenhaus und viel Vergnügen beim Reis aufrollen! 🙂

      • „…Aber hier schrieb ich ja über die umgekehrte Richtung …“ das hatte ich auch so verstanden und wollte mit dem was ich geschrieben habe auch nicht Dein Verhalten, wenn Du jemanden helfen möchtest, betrachten. Ich wollte eher meine bescheidene Meinung darüber zum Ausdruck bringen, was evtl. Dein Gegenüber veranlasst, das zu tun, was er tut, wenn er Dir helfen möchte.
        Und vielleicht fasst Du Dir wirklich mal ein Herz und sprichst Deine Freundlin darauf an. So wie Du sie beschreibst, wird sie wohl eher dankbar sein, als dass Du sie vor den Kopf stoßen könntest.

        Ich wünsche Dir eine gute Nacht.
        Rabea

      • Liebe Rabea, ich hatte das auch auf gar keinen Fall so verstanden, dass du es so herum auf mich bezogen hast.
        Ich habe so eine Macke, wenn mir jemand ein bestimmtes Muster erläutert/darüber erzählt, dass ich immer direkt überlegen muss, ob ich so bin. Oder auch, wenn mir an anderen bestimmte Muster auffallen, dann muss ich auch direkt prüfen, ob ich das auch erfülle. Vielleicht, weil mir dauernd so bewusst ist, wie subjektiv Wahrnehmung und vor allem das Selbstbild ist und weil ich Angst habe, Dinge an mir nicht wahrzunehmen. Ich mache das mitten in Gesprächen mit Menschen, die ich gut kenne (Mein bester Freund könnte vermutlich ein Lied davon singen, wie häufig ich ihn schon bestürzt gefragt habe „so bin ich doch nicht?“, wenn ich ihm irgendwas über meine Mutter erzählt habe. In solchen Momenten traue ich oft nicht mal mehr meiner eigenen Einschätzung, aus Angst, was zu übersehen.) und – das war mir bisher gar nicht so bewusst – ich mache das wohl auch beim Kommentieren hier. 😳

        Das war also auf gar keinen Fall so gemeint, dass ich verstanden hätte, du hättest sagen wollen, dass ich so bin. *verhedder* Dass du es auf jene bezogst, über die ich hier schrieb, wusste ich. Das war nur meine doofe Macke und ich hab das nicht ausreichend erklärt.
        Bitte verzeih die Verwirrung, die ich damit gestiftet habe!

        Ich glaube für das nächste Gespräch, war es auf jeden Fall gut, dass ich das hier aufgeschrieben habe und wieder mal profitiere ich auch sehr von euren Gedanken und Denkanstößen!
        Vielleicht muss ich vor allem anderen zuerst mal aufhören, mich an die Wand gedrängt zu fühlen. Das ist ja ganz sicher nicht ihre Absicht. Und dann traue ich mich vielleicht auch zu sagen, dass mir das eigentlich, zumindest aktuell, so wie es ist, ausreicht und ich (noch) keine Profession aus der Berufung machen muss/möchte/kann.

        Liebe Grüße!

  5. Diese Therapeutin hat meiner Ansicht nach ihren Beruf verfehlt. So geht man nicht mit den Menschen, die sich einem anvertrauen um !
    Habe mich in einigen Dingen wiedererkannt. Habe vor 2 Jahren das Liebste verloren, was ich besessen habe..nein..ist falsch ausgedrückt..mein Besitz war es nicht, sondern ein treuer Begleiter durch Höhen und Tiefen. Hatte und habe noch oft Schuldgefühle, dass ich vor dem tragischen Unfall nicht mehr Zeit für ihn hatte, so vieles hätte man anders machen können.
    Es war eine harte Schule, aber nun habe ich daraus gelernt nicht mehr nur das zu machen was die anderen von mir erwarten, sondern in mich zu gehen was mir persönlich gut tut.
    Es ist manchmal nicht leicht, aber mein Selbstbewusstsein ist besser geworden seither.

    wünsche dir alle Liebe !

    • Hallo Träumerle, wie traurig, dass wir oft erst mal fallen und durch diese harte Schule durch müssen, um anzufangen, auf uns zu achten!
      Liebe Grüße und sei herzlich willkommen auf meinem Blog!

      • danke dir herzlichen Dank für das Willkommen ! Dein Blog Bild mit der tollen Meeresbrandung hat mich magisch angezogen, so habe ich das Meer in der Bretagne erlebt an der Côte Sauvage… 🙂

      • Das Bild begleitet mich jetzt auch schon seit ein paar Jahren. Ich hatte vorher eine Blume, aber herrje, das war ich ja gar nicht! Das aufgewühlte Meer entspricht mir viel eher.
        Das Bild stammt übrigens von der Costa de la Luz in Spanien, von meinem bisher zweitliebsten Strand.

  6. Das kenne ich nur zu gut. Ich neige ebenfalls dazu, nur Defizite an mir zu sehen. Die guten Seiten blende ich oft aus. und schlimmer: Erreichtes wird nicht gefeiert, jeder kleine Rückschlag dafür aufgebläht wahrgenommen.
    Ich suche mit jetzt Situationen, in denen ich mich auf die Sprobe stelle – und mich dann bewusst freue, wenn ich es hin bekomme.

    Was ich sagen will: Du bist nicht allein. Und auf dem richtigen Weg.

    • Danke!
      Bei deinem auf die Probe stellen, musste ich gerade direkt an deine Italienreise denken und wie wahnsinnig souverän und mutig ich finde, dass du so lange alleine (das Wiesel möge mir verzeihen!) unterwegs warst.

      Nur, falls du das beantworten magst: weisst du, wo bei dir die Ursachen für diese negative Selbstwahrnehmung liegen? Und geht es dir auch so, dass das ausschließlich für dich selber gilt, diese Strenge und Haltung, und dass du andere viel ‚fairer‘ betrachtest als dich selber?

      Ich glaube, ich sollte mir auch bewusster solche Situationen suchen, aus denen ich mit gutem Gefühl rausgehen kann.
      Ich bin aktuell schon halbwegs froh, dass ich langsam ein realistischeres Bild meiner Grenze zwischen Anforderung bzw. Anspruch und Überforderung entwickle. Man kann sich so ein dauerndes Scheitern mit anschließender Selbstzerfleischung ja auch schön selber zusammenbasteln und das habe ich lange gemacht, ohne den Mechanismus zu erkennen.

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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