Strukturverlust

Kaum ist das Jahr mal drei Tage alt, stellt sich bei mir so eine innere Unruhe ein, ob es wirklich eine gute Lösung war, vorsatzfrei ins neue Jahr zu rutschen. Das, was mich letztes Jahr einigermaßen aktiv hat werden lassen und aktiv gehalten hat, auch wenn es mir schlecht ging und was mich dazu gebracht hat mich aufzuraffen und durchzuhalten, waren meine Projekte, meine Ziele, die ich mir zum Jahresbeginn vorgenommen und gesetzt hatte. Weil die mir aber stellenweise auch ganz schön die Luft abgeschnürt haben und wenig Zeit, Raum und Motivation für ungeplanten Kram blieb, bin ich eigentlich ganz froh, es dieses Jahr ruhiger angehen zu lassen und mir mehr Luft zu lassen.

Aber auf einmal kriecht da eine vage Angst in mir hoch, gar nichts auf die Reihe zu bekommen, wenn ich nicht alles durchplane, nichts zu haben, an dem ich mich langhangeln und festklammern und hochziehen kann.

Diese Angst ist eigentlich blödsinnig, das weiss ich. Die Jahre vorher ging es ja auch immer voran, zwar immer alles nur furchtbar langsam, aber unterm Strich in die richtige Richtung. Ganz ohne Struktur kann ich das nie, ich brauche ein gewisses Raster, um den Alltag auf die Reihe zu bekommen. Und oft hilft mir die äussere Struktur, auch innerlich wieder Ordnung zu schaffen.

Ich weiss nicht, was mir da gerade solche Angst macht an einer Stelle, wo ich eigentlich endlich mal wieder durchatmen sollte. Und doch kommt mir gerade als ich diesen Satz schreibe der Gedanke, dass es vielleicht einfach wieder mal das Misstrauen mir selber gegenüber ist. Dass ich nicht einfach darauf vertrauen kann, dass ich auch in diesem Jahr wieder aktiv werde, wenn ich das nicht vorher irgendwo für mich aufschreibe, dass ich aktiv sein muss. Und aus diesem mangelnden auf mich selber vertrauen wird die Angst. Schräg, da muss ich noch ein bisschen drauf rumdenken und auch darauf, wie das mit den Strukturen ist und wie engmaschig ich die wirklich brauche und aus welchen Gründen. Hmm.

Katja

 

 

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12 Kommentare zu “Strukturverlust

  1. Vielleicht funktioniert es, wenn du dir sagst, dass du jetzt erst mal eine Weile Urlaub hast. Zeit für dich, kein Druck, keine Zwänge, einfach mal eine Weile treiben lassen. Und wenn dir danach ist, dann nimmst du dir ein Projekt vor. Wo steht, dass Vorsätze ab einem bestimmten Datum gelten müssen?

    • Das steht nirgends und ich hab das ja auch in früheren Jahren so gehandhabt und hinbekommen. 🙂
      Hauptsache war immer nur, dass ich mir ein Projektraster drumrumgestrickt habe. Ich glaube, dass mich das gerade so intensiv beschäftigt, liegt daran, dass alle Dinge, die ich mir letztes Jahr vorgenommen hatte, gleichzeitig ausgelaufen sind. Was ich mir als ‚es jetzt ruhiger angehen lassen‘ vorgenommen hatte, fühlt sich ein bisschen nach Vakuum an. Und da spielt auch wieder die Strenge mir gegenüber mit rein, rumlottern kann ich mir nur ganz schlecht zugestehen, weil Struktur mir Halt vorm Abrutschen gibt.

      (Ich bin auch gar nicht zwingend auf der Suche nach einer Lösung, nur nach dem Verständnis dessen, wo diese komische Angst auf einmal herkam. :))

  2. Liebe Katja,
    sei nicht so pessimistisch. Ich weiß um Deine momentane Situation. Du brauchst eine Struktur, ein Gerüst für den Tag, an dem Du Dich entlanghangeln kannst. Ich weiß das ist leicht gesagt aber ich meine es ist unbedingt notwendig.

    Liebe Grüße von mir und trau Dir was.
    Harald

    • Lieber Harald, mir ist gar nicht so klar, wo du da Pessimismus rausliest, aber du kannst ganz beruhigt sein, ich bin nicht pessimistisch. 🙂
      Mein Blog ist für mich Ort und Möglichkeit, meine Gedanken zu sortieren, sie festzuhalten und mich damit auseinanderzusetzen. Wenn ich mich schreibend wundere, dass da eine Angst ist, die eigentlich keine Substanz hat und versuche zu ergründen, weswegen sie da ist, dann ist das meine Art damit umzugehen, aber nichts, was hier irgendjemanden in Sorge stürzen sollte.

      Harald, auch wenn das jetzt gemein klingt, weil du das sicherlich sehr freundlich und mitfühlend meinst, aber bitte entschuldige, du weisst eben nicht um meine Situation. Das, was du über mich weisst, ist dieser Ausschnitt meines (Innen-)Lebens, den ich in meinem Blog preisgebe und zeige. Bitte glaube nicht, dass du mich oder meine Probleme deswegen wirklich kennen würdest.
      Ich weiss nicht, wie es dir ergeht und ich weiss nicht, ob du gut mit Ratschlägen von Fremden umgehen kannst. Ich empfinde meist den zweiten Wortteil, den Schlag, stärker.
      Ich kenne mich und meine Krankheit jetzt verdammt lange und setze mich intensiv mit mir, meinen (falschen) Denkmustern, meinem Fühlen auseinander und ich vermute, das tut früher oder später jeder, der so lange mit seinen Depressionen zu kämpfen hat. Was ich dabei nicht gut aushalten kann, ist, wenn jemand, der mich eigentlich gar nicht kennt, sondern nur ein paar einzelne Informationen über mich hat, mir „du musst“ oder „du brauchst“-Ratschläge gibt.
      Und klar, hast du hier eigentlich nur etwas in Ratschlagform wiederholt, was ich selber direkt im Beitrag geschrieben habe, nämlich, dass Strukturen wichtig für mich sind, aber ich empfinde es trotzdem als Anmaßung, wenn du mir das, was ich über mich schreibe, in Ratschlagform, mit einem „du musst“ versehen, zurückgibst.

      Ich schätze, ich sollte mich irgendwann mal, womöglich auch schreibenderweise, damit auseinandersetzen, weswegen ich darauf so allergisch reagiere.

      Liebe Grüße zurück und nix für ungut!

      • Lieber Harald, dass du mir nicht zu nahe treten wolltest, weiss ich doch! 🙂

        Um das nochmal zu ergänzen:
        Wenn du selber schon so lange krank bist (bei der Jahreszahl können wir uns übrigens die traurige Hand reichen), kennst du das doch selber vermutlich gut genug, diese dumpfe Wut, wenn jemand, der dich gar nicht kennt, glaubt genau zu wissen, wie es dir geht und was du brauchst und machen musst und was hilft. Noch dazu, wenn er die naheliegenden Lösungsideen aufzählt und/oder jene, von denen du selber schon sprachst. So als wäre man selber all die Jahre nur zu blöd gewesen, darauf zu kommen…
        Und da besteht für mich auch kein Unterschied zwischen jenen, die selber Depressionen haben und Gesunden. Im Gegenteil nehme ich bei Menschen, die selber betroffen sind, eher an, dass sie doch selber auch wissen (müssten), wie sich solche Rat-Schläge anfühlen.

        Was ich gut aushalten und annehmen kann ist, wenn jemand Betroffenes von sich erzählt und darüber, was bei welchem Problem geholfen hat. Natürlich mag das Haarspalterei sein, weil es eigentlich primär eine andere Formulierung ist, aber diese hat für mich nichts Grenzüberschreitendes, die andere schon.

        Liebe Grüße,
        Katja

  3. Ich bin ja ein großer Anhänger von Strukturen, Riten und Regelmäßigkeit – wenn vielleicht oder wahrscheinlich aus einer anderen Motivation heraus, wie Du. Aber ich stehe dazu. Ich fühle mich aufgehoben und es gibt mir Sicherheit – zu wissen, was dran ist, zu wissen woran ich bin. Und damals, als es mir nicht so gut ging, waren es genau diese Strukturen, Rieten und Regelmäßigkeiten, die mir geholfen haben, mich zurecht zu finden. Allerdings habe ich sie nie als einengend empfunden, sondern eher als Wegweiser, Hilfestellung und Halt. Damals hatte ich mir sogar einen Stundenplan geschrieben, wie das Kleine Schwarze für die Schule einen hatte – mir hat er gutgetan. Irgendwann brauchte ich den dann nicht mehr, weil sich vieles einfach „automatisierte“ – doch Strukturen, Riten und Regelmäßigkeiten, die gibt es bei mir bis heute…

    Und Guinan hat es schon gesagt: Vorsätze kann man immer fassen… heute, morgen, nächsten Monat… 😀

    Und ja, hab Verständis für Dich und das was Dir Angst macht…

    Liebe Grüße
    Rabea

    • Das mit dem Stundenplan habe ich auch mal ausprobiert, aber das klappte für mich gar nicht gut. Aber ohne todo-Liste zB fühle ich mich ziemlich hilflos. Ich kann eben nur nicht gut die genaue Zeit festlegen, das sorgt bei mir wieder für (selbstgemachten und unnötigen) Druck und der lähmt mich.
      Halt finde ich auch in Strukturen, ich muss mal darüber nachdenken, ob das bei mir auch darüber hinaus geht, dass es nur der Halt ist, um nicht abzurutschen. Hmm.
      Aber ich trauere auch immer noch ein wenig meinem früheren Ich nach, das viel spontaner war. Diese Notwendigkeit der Struktur fühlt sich oft ein bisschen schrullig an. 😀

      Ich finde das übrigens sehr interessant, dass das für dich auch wichtig ist. Ich hätte dich für einen wahnsinnig spontanen Menschen gehalten, weil du ja auch oft mal vor lauter Arbeit einen ganz unüblichen Tagesablauf hast. 🙂 (Oder bist du das doch trotzdem und ich ordne das falsch ein, weil ich einen anderen Begriff von Struktur habe?)

      Liebe Grüße zurück!

      • Auch Bergen von Arbeit, Nachtschichten und durchgearbeiteten Wochenenden und Feiertagen kann man letztlich auch Struktur verleihen. Das muss ich sogar unbedingt tun, da ich (meine Selbständigkeit betreffend) immer mit fixen Terminen arbeite – bummeln und aufschieben gibt es da nicht 😀 Eine Struktur zu haben bedeutet für mich, dass es (bei aller Arbeit) einen „geregelten“ Tagesablauf gibt, auch wenn das auf´s Erste nicht so zu erkennen ist. Alles hat hier seinen Platz, seine Zeit, den Raum, den es benötigt. Es gibt Dinge, die immer gleich laufen – Dinge des täglichen Lebens. Wahrscheinlich bin ich eher kreativ, als spontan – kreativ im denken und handeln.

        Eine Struktur zu haben bedeutet für mich vor allem, nicht in den Tag hineinzuleben und zu schauen, was passiert, sondern zu wissen, was Ansage ist… Früher, als es mir nicht so gut ging, habe ich mir in meinen Stundenplan selbst banale Dinge geschrieben, da ich ansonsten orientierungslos durch den Tag eierte und mich regelmäßig ärgerte, nichts wirklich „geschafft“ zu haben. Ich glaube, damals hat meine Seele so viel Kapazitäten beansprucht, dass an die simplen Dinge des Lebens zu denken kaum noch Kraft übrig war. Und ich weiß noch, wie viel Kraft es gekostet hat, Mutter zu sein, ein Kind zu versorgen, für dieses Kind da zu sein und ihm einen geregelten Tagesablauf zu ermöglichen. Und zuweilen denke ich, dass mich genau das über Wasser gehalten hat. Es war mir immer wichtig, dass das Kleine Schwarze sich aufgehoben fühlt in seinem/unserem Tagesablauf mit Riten und Regelmäßigkeiten… ich glaube, dass Kinder so etwas brauchen.

        Ich sende viele Grüße zur Nacht 😀

      • Vielen Dank für’s Erzählen, Rabea! Das finde ich wirklich sehr interessant, weil ich das (ohne es zu kennen, nur aus einem vagen Gefühl raus) als widersprüchlich eingeschätzt hätte – also deine Kreativität und feste Strukturen drumherum.

        Genau das ist es auch bei mir, ich kann nicht gut in den Tag reinleben. Ohne mir am Abend vorher oder spätestens morgens beim ersten Kaffee genau zu überlegen, was ich an einem Tag erledigen muss/will, bekomme ich den Alltag nicht auf die Reihe.

  4. Wie wäre es mit einem ersten Vorsatz, Dir im Januar keine Vorsätze zu fassen sondern erst im Februar? Und wenn Dir Ideen kommen, schreib sie auf und heb sie bis nächsten Monat auf?
    🙂

    • Ach es geht ja gar nicht unbedingt darum, mir irgendwas zu verbieten oder aufzuschieben oder tatsächlich jetzt konkret was vorzunehmen. Mir ging es hier nur darum, diese seltsame Angst zu betrachten, um damit besser zurechtzukommen. 🙂

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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