Gelesen im Januar 2013

Letztens beim Tapasessen mit meinem Spanischkurs, wurde ich gefragt, ob ich mir denn überhaupt etwas aus den Büchern, die ich lese, merken könnte, weil ich so viel lese und mir fiel auf, dass zwar aus Büchern, die mich besonders beeindruckt haben – im positiven oder auch negativen Sinne – meistens das Grundgefühl da bleibt, aber dass ich gerade bei den mittelguten Büchern später häufig nicht mehr so recht weiss, was mir daran gefallen hat oder was nicht. Ich versuche das also jetzt mal mit ein paar Notizen, direkt wenn ich ein Buch fertig gelesen habe. Mal sehen, wie lange ich dazu motiviert bin. Im Januar hat das ganz gut geklappt.

Markus Werner – Am Hang

Wäre das Buch mit seinen knapp 200 Seiten nicht so dünn gewesen, dass man es irgendwie durchhalten kann, hätte ich es wohl irgendwann beiseite gelegt, ohne es fertig zu lesen. Jetzt, im Nachhinein, wäre ich fast versucht, es direkt noch einmal von vorne zu beginnen.

Der ich-Erzähler, ein junger Scheidungsanwalt verbringt das Pfingstwochenende in seinem Ferienhaus – eigentlich um dort in Ruhe einen Fachartikel zu schreiben. Direkt am ersten Abend lernt er auf der Terrasse eines Hotelrestaurants einen älteren Herrn kennen. Die beiden essen zusammen und geraten bei jeder Menge Wein ins Gespräch, das allmählich persönlicher wird. Sie verabreden sich für den nächsten Abend, reden wieder bis tief in die Nacht, erzählen sich vor allem ihre Liebesgeschichten. Der ältere, ein missmutiger die Welt verachtender Griesgram, aus dessen Erzählungen nur jene über seine Frau, die er zu vergöttern schien, bevor er sie vor genau einem Jahr verloren hatte, herausstechen. Der Anwalt, mit zahllosen Affairen, aber keinen Beziehungen, immer das Weite suchend, bevor es ernst wurde.

Fast das ganze Buch ist in wörtlicher Rede gehalten, gibt die Gespräche der beiden wieder und so wie das Gespräch mäandert und wie speziell der ältere oft ins Schwadronieren gerät, ist auch die Struktur des Buches. Der Text klebt aneinander, es gibt keine luftigen Absätze, nur selten mal durch einen Zeilenumbruch verkürzte Zeilen, was mich persönlich sehr genervt hat, weil ich lieber an einem klaren ‚Haltepunkt‘ aufhöre zu lesen, wenn ich das Buch abends auf den Nachttisch zurücklege. Und die Sprache selbst, die die beiden verwenden, ist mir viel zu gestelzt als dass die beiden Protagonisten authentisch und menschlich wirken könnten. Schon gar nicht sprechen zwei, die sich zufällig begegnen und zusammen Wein trinken, in der gleichen geschwollenen Sprache.

Über den Inhalt lässt sich leider nicht viel mehr verraten, ohne zu viel aufzudecken. Die ‚Belohnung‘ (die in gewisser Weise vorhersehbar ist, weil man spätestens nach der Hälfte denkt ‚Wehe, da kommt kein krasses Ende!‘) für das Durchhalten und zu Ende lesen, erhält man auf den letzten Seiten – das ist auch der Punkt, wo man dann direkt nochmal von vorne anfangen könnte, um das teilweise recht emüdende Schwadronieren nochmal mit geschärften Sinnen zu verfolgen. Man könnte das jetzt als genial empfinden, wenn der Autor seine Leser dazu bringt, sein Buch direkt nochmal zu lesen, hier fühlt es sich für mich aber eher nach einem plumpen Trick an und ich habe nicht das Gefühl, das Buch nochmal lesen zu wollen, sondern eher es nochmal lesen zu müssen, um rückblickend überhaupt etwas davon zu haben, es gelesen zu haben.

Letztendlich ist mir irgendeine Art von Lesegenuss (ob jetzt eine schöne Geschichte oder eine tolle Sprache) direkt während des Lesens lieber als nur vom Nachgeschmack zu zehren. Einzig das Ende sorgt dafür, dass ich das Buch insgesamt noch als OK empfinde, besser aber nicht.

Misery Bear’s [sic!] Leitfaden für die Liebe

Ebenso depressiv wie in seinen zahlreichen Videos präsentiert sich der Misery Bear jetzt in seinem Buch über die erfolglose Liebe. Unbeantwortete Liebesbriefe, Cocktailrezepte, um den Kummer zu ertränken, Tagebucheinträge, die das Scheitern dokumentieren und das alles, wie auch bei den Videos, ohne glückliche Wendung zum Happy End.

Für Fans des Bären zum Hachzen und Soifzen. Wer die Videos nicht kennt oder den Bären dort nicht mag, wird auch am Buch keine Freude finden. Ich bin stets hin- und hergerissen, man wünscht ja an sich keinem Bären solch ein Unglück, aber wenn denn schon einer leiden muss, dann doch bitte ganz genauso. Und irgendwie war das wohl für ihn so vorgesehen:

„Hallo, mein Name ist Misery Bear. Ja, ich weiß selbst, dass das ein schrecklicher Name ist. Ich wünschte, meine Eltern hätten sich etwas Netteres ausgedacht. Trevor zum Beispiel. Oder Mr. Fluffington. Aber es ist nun mal nicht zu ändern. So ist das Leben.“

Anna Gavalda – Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet, Erzählungen

Nachdem ich von Anna Gavaldas ‚Zusammen ist man weniger allein‘ sowohl vom Buch als auch vom Film völlig fasziniert war, war ich von der Sammlung von Erzählungen in ‚Ich wünsche mir‘ ein bisschen enttäuscht. Das, was mir an dem langen Roman so gut gefallen hatte – ihre so wunderbar gezeichneten Charaktere, allesamt ein bisschen schrullig, alle mit Ecken und Kanten und genau dadurch so furchtbar liebenswert – kommt in den kurzen Erzählungen viel zu kurz. Für mich bleiben hier leider fast alle Charaktere flach und ihr Denken, Fühlen und Handeln erschließt sich mir nicht. Vielleicht sind das eher französische Stereotypen, die sie verwendet und es funktioniert nicht, weil in meinem Kopf beim Anreissen der Personen keine Bilder entstehen, das vermag ich nicht zu sagen, aber diese flachen Charaktere, die in zumeist deprimierenden Geschichten rumstapfen, sind mir einfach nicht nahe gekommen.

Aber dann sind da einige wenige der Geschichten, die herausragen, speziell ‚Jahrelang‘ hat so etwas wunderbar Zartes am Ende, dass ein Kloß im Hals bleibt. Schade, dass man die in diesem Büchlein so rauspicken muss.

Harry Cauley – Bridie und Finn

Es gibt so Bücher, bei denen man so tief in die Geschichte eintaucht, dass man sie am liebsten gar nicht zwischendrin weglegen sondern in einem Rutsch durchlesen möchte und wenn man dann am Ende zum letzten Mal umblättert, hinterlassen sie eine dumpfe Leere. Das sind die Bücher, die ich gleichermaßen liebe und hasse (wobei der Hass sich nur darauf bezieht, dass es zu Ende ist und ich nicht einfach weiter zwischen den Buchdeckeln stecken bleiben kann). Bridie und Finn ist eines dieser Bücher. Cauley hat für mich meisterlich die Figuren des Romans – und nicht nur die beiden Titelfiguren sondern auch deren gesamte Nachbarschaft aus der Livery Street in einer amerikanischen Kleinstadt der 1940er Jahre – zum Leben erweckt. Wahnsinnig warmherzig erzählt, Schmunzeln und Tränen liegen hier nah beieinander. Wunderschönes Buch über Freundschaft und darüber, wie nahe manchmal Liebe und Hass beieinanderliegen – ebenso wie beim Lesen Lachen und Weinen.

Kai Meyer – Schweigenetz

Wieder mal eines der Bücher, bei dem ich mich gefragt habe, weswegen ich es überhaupt zu Ende gelesen habe, wo ich ja eigentlich ausreichend viele (hoffentlich) gute Bücher auf dem ungelesenen Stapel liegen habe. Vom Schreibstil war ich bereits nach 50 Seiten genervt, ohne dass ich genau sagen könnte, weswegen der mir so wenig gefiel. Ich glaube, es war der Mix aus übertriebener Adjektivitis und der dauernden Steigerung der Steigerung. Wenn jemand um sein Leben rannte (was relativ oft im Buch vorkommt, weil es ziemlich viele Verfolgungsteile gibt) dann sollte man meinen, dass derjenige schon ziemlich an seinem Limit läuft. Bei Meyers Schweigenetz gelingt es dem Verfolgten aber nach einiger Zeit noch einen Zahn zuzulegen. Und wenn es im Unwetter schon so dunkel ist, dass man die Hand nicht mehr vor Augen sieht, wird es garantiert kurze Zeit darauf noch finsterer. Drama Baby!

Dazu fand ich die Charaktere nicht glaubwürdig in ihrem Verhalten und die ganze Geschichte viel zu konstruiert und in sich nicht schlüssig. Die Umstände (zB wie es in einer Zeitungsredaktion zugeht) wirkten auf mich eher geraten bzw. erfunden als auch nur halbwegs recherchiert. Das mag natürlich alles schriftstellerische Freiheit sein, aber bei mir kommt da kein echtes Lesevergnügen auf.

Mehr eher schlechte und dafür ein sehr gutes Buch. Im Schnitt kann das eigentlich fast nur besser werden. 🙂

Katja

Glück ist #28

…zum ersten Mal seit Wochen rausgehen zu können, ohne direkt das Gefühl zu haben, schockgefrostet zu werden und Wind im Gesicht zu spüren, der so lau ist, dass er schon den Frühling erahnen lässt.

Was für ein wunderbarer Kontrast zu der fiesen schneidenden Kälte und der kriechenden Feuchtigkeit in den letzten Wochen.

Hachz.

Katja

52 Bücher, Teil 2

„Puh, da fällt mir bestimmt gar nichts zu ein.“ war mein erster Gedanke als ich gestern das Motto der zweiten Woche des 52 Bücherprojektes bei Katrin gelesen habe.

Stell dir vor, du könntest dein Frühstück, dein Mittag und dein Abendessen auf verschiedenen Kontinenten einnehmen, wohin würdest du reisen, was würdest du essen und welche Bücher würdest du auf die Reise mitnehmen?

Aber so leicht gebe ich ja nicht auf! Schon gar nicht, wenn es erst die zweite Projektwoche ist. Also einmal auf dem Bürostuhl um 180° gedreht und den Blick über die Bücherregale schweifen lassen und dann war meine Reiseroute innerhalb von 2 Minuten komplett.

Frühstücken würde ich ganz klar im Unkrautland. Das klingt jetzt zwar erst mal ein bisschen unappetitlich, aber dort gibt es die köstlichsten Himbeertörtchen! Das weiss ich so genau, weil Primus die immer aus der Klettenheimer Dorfbäckerei stibitzt, wo es bekanntermaßen die besten Torten gibt. Damit versorgt er nicht nur sich selber, sondern natürlich auch Bucklewhee, den Gockel, der in Primus Uhr wohnt und Snigg, den Kürbis, der auf dem Komposthaufen im Garten von Primus Turm lebt und ständig hungrig ist.

Mitnehmen würde ich natürlich die bisher erschienen 3 Bände des Unkrautlandes von Stefan Seitz und darauf hoffen, dass Miss Plimm auch noch auf ihrem Hexenbesen durch den Finsterwald zu Primus Turm käme, um mitzufrühstücken.

Zum Mittagessen würde ich dann nach Europa reisen, genauer gesagt nach Italien. Dorthin mitnehmen würde ich meine gesammelten Brunetti-Romane von Donna Leon – bisher sind das 18 – und am liebsten würde ich auch bei den Brunettis zu Mittag essen. Die Romanserie mag ich nämlich unter anderem so gerne, weil Paola, Guido Brunettis Gattin, eine begnadete Köchin ist und weil das gemeinsame Essen mit der Familie in jedem der Bände einigen Platz einnimmt. Natürlich müsste ich dann essen, was bei den Brunettis auf den Tisch kommt, aber ich bin ganz sicher, dass es in jedem Fall köstlich wäre.

Irgendwann muss ich mir auch unbedingt noch ‚Bei den Brunettis zu Gast‘ leisten. Ein Buch mit Rezepten (ich hoffe jene zu den Gerichten, die die Brunettis in den Romanen futtern) und kulinarischen Geschichten von Donna Leon.

Abends würde ich dann in die Staaten reisen und noch dazu einen Zeitsprung vollführen. Ich würde nämlich wahnsinnig gerne endlich mal gebratene grüne Tomaten probieren und wo könnte man das besser als bei Idgie und Ruth im Whistle Stop Cafe?

Mitreisen müsste natürlich ‚Grüne Tomaten‘ von Fannie Flagg, das ich sehr liebe und das mMn eines der wenigen Bücher ist, deren Verfilmung sich nicht hinter dem Buch zu verstecken braucht.

Kniffliges Thema hatte der Krötengeneral sich da ausgedacht, aber Spaß hat’s gemacht, mal wieder um die Ecke denken zu müssen. 🙂

Ich bin gespannt, was nächste Woche dran kommt!

Katja

*Edit: Ganz vergessen: Hier gibt es dank Katrins Fleiss wieder alle Beiträge zum Thema in der Übersicht.

Neulich im Odenwald

Ich hatte ja eigentlich für heute Sonnenschein bestellt und bis gestern war die Wettervorhersage auch noch gnädig und kündigte welchen an. Bekommen haben wir hier aber dann doch wieder einen gänzlich trüben Samstag. Weil dieses Wochenende aber vermutlich (hoffentlich!) das letzte weisse für diesen Winter ist, sind wir dann trotz des grauen Himmels im Odenwald unterwegs gewesen und da ist ja mal richtig Winter! Da kann die kleine Stadt einpacken, obwohl aktuell hier schon wirklich verhältnismäßig viel Schnee – und das auch mal ausdauernd – liegt. Obwohl ich die Nase ganz schön voll hab vom Winter, war das wirklich sehr schön, auch ohne Sonnenschein. An den Bäumen war an einigen Stellen der Nebel in Zacken von den Ästen weggefroren, das sah aus wie ein verwunschener Zauberwald.

Ein paar Mitbringsel (Klick macht die Galerie groß):

Katja

Suppenwetter!

Bei der aktuellen Kälte, wärmt Suppe ideal von innen. Ganz fix und einfach ging jene tomatige Gemüsesuppe, die es hier gestern gab und weil sie obendrein noch wiederholungswürdig lecker war, halte ich hier wieder mal das Rezept fest – wobei sowas ja speziell bei Gemüsesuppen nie in Stein gemeisselt ist.

Man braucht dafür:

1 Gemüsezwiebel
1 – 2 Paprikaschoten (bei mir war es eine halbe gelbe und eine ganze rote, die hatte ich gerade noch im Kühlschrank)
5 – 6 Stangen Staudensellerie
ca. 5 Tomaten
1 l Gemüsebrühe
ca. eine halbe Tube Tomatenmark
2 EL kleingehackten Basilikum
100 g Suppennudeln
einen großzügigen Schluck Weisswein
Pfeffer, Salz
Olivenöl
evtl. 1 Kartoffel

Die Gemüsezwiebel schälen halbieren und in dünne Streifen schneiden. Das Öl in einem ausreichend großen Topf erhitzen und bei mittlerer Hitze die Zwiebel irgendwas zwischen glasig und hellbraun (wie man’s am liebsten mag) anbrutzeln. Während die Zwiebel anbrät Sellerie, Paprika und Tomaten waschen, putzen und klein schneiden.

Das Tomatenmark zur Zwiebel in den Topf geben und die Herdplatte stärker aufdrehen, sodass das Mark ein bisschen anröstet, dann mit dem Wein ablöschen (wer keinen offenen rumstehen hat, lässt den Schritt einfach weg) und die Brühe dazugeben. Sellerie, Paprika, Tomaten und Basilikum mit in den Topf und ca. 15 min bei mittlerer Hitze köcheln lassen.

Meine Suppe war sehr flüssig und mir fiel ein, was ich vor ein paar Tagen erst irgendwo gelesen hatte, dass man Suppen oder Soßen ganz einfach ein bisschen sämiger bekommt, wenn man eine rohe Kartoffel reinreibt. Die Stärke, die dabei aus der Kartoffel austritt, bindet die Suppe oder Soße. Das musste ich natürlich unbedingt testen und habe eine große, mehlig kochende Kartoffel reingerieben und der Effekt war schon direkt während des Reibens merkbar! Toll toll toll! Das mache ich jetzt immer so.

Die Suppe mit Pfeffer und Salz abschmecken, Suppennudeln entweder getrennt kochen und dazu geben oder direkt mit in der heissen Suppe ziehen lassen. Ich bin meist zu faul, um sie extra zu kochen und lasse sie in der Suppe ziehen. Wenn die nicht so sprudelnd kocht, brauchen die Nudeln ein bisschen länger als in kochendem Wasser.

That’s all. Geht furchtbar schnell, ist eine leckere Abwechslung zu meiner üblichen klaren Gemüsesuppe und wärmt toll von innen. 🙂

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Und wer mag, wirft noch Fleischklößchen mit rein. Jene, die oben in der Suppe schwimmen, gehen ganz easypeasy: Ich nehme dafür einfach grobe Bratwürstchen, ritze vorsichtig den Darm auf und pelle ihn ab und forme dann aus dem Bratwurstbrät kleine Klößchen. Die haben, durch die Würze der Würstchen, einen tollen Geschmack und eine gute, feste Konsistenz. Einfach direkt mit dem Gemüse in die Suppe geben und die 15 min mitziehen lassen, dann sind sie durch.

Katja

Gedankengeschwurbel zum Einigeln und über Freundschaft

Ich kaue in der letzten Zeit viel auf Gedanken zum Thema Freundschaft und schlechten Zeiten und einigeln rum.

Das fing wieder mal damit an, dass sich eine Freundin länger nicht meldete, auch nicht, nachdem ich ihr mit einigem zeitlichen Abstand einige Mails nacheinander geschrieben hatte. Sie meldete sich nicht und ich bezog das sofort auf mich, dachte, ich hätte irgendwas falsch gemacht, was Falsches gesagt und hätte sie damit ‚vergrault‘. Da ist dieser Mechanismus in meinem Denken und noch viel mehr in meinem Fühlen, der irgendwie immer direkt in diese Richtung denkt. Menschen vergraulen. Keine Freundschaft aufrecht erhalten können. Und wenn ich mich sehr anstrenge und mein Denken bewusst lenke, dann weiss ich, dass meine Horrorvisionen nur einer von furchtbar vielen möglichen Gründen für ihr Schweigen sein könnten. Aber das kostet wirklich immer Kraft. Die automatischen Gedanken sind jene von Verlust.

Früher hätte ich vermutlich nicht mal mehr nachgefragt bei ihr. Nicht aus Kränkung, sondern weil ich mich nicht hätte aufdrängen wollen. Weil ich ihr die unangenehme Situation nicht hätte zumuten wollen, mir das offen sagen zu müssen, dass ich sie in Ruhe lassen soll.

Aber ich habe mittlerweile so viel über mich gelernt, dass ich weiss, dass mir das dann über Jahre keine Ruhe lassen würde, dass ich einfach keinen Abschluss finden könnte, wenn ich nicht mal weiss, was passiert ist.

Davon habe ich ja wirklich noch einige Baustellen, wo mich immer wieder mal die Frage plagt, was da überhaupt passiert ist. Zum Beispiel diese Sache mit A., über die ich hier erzählte, lässt mir – nach Jahren – erst ein bisschen mehr Ruhe, seit ich das damals endlich aufgeschrieben habe. Schräg, wie sehr Bloggen mir oft hilft, die Dinge zu sortieren.

Deswegen habe ich dieses Mal in der Tat nachgefragt und ich habe es sogar geschafft, meine Befürchtung ganz runterzuschlucken und einfach nur zu fragen, ob’s ihr gut geht und zu sagen, dass ich mich freuen würde, wieder mal von ihr zu hören. Ich glaube/hoffe, ich könnte die Zurückweisung eher wegstecken oder zumindest irgendwann dann wieder heilen als solches Unwissen und Unverstehen, was passiert ist. Weil ich wirklich schon wieder wochenlang darauf rumgekaut hatte, was wohl passiert sein könnte, was ich wohl falsch gemacht habe. Mal von ‚harmoniert irgendwie doch nicht‘ abgesehen (da vertraue ich ja auch nicht mehr auf mein Urteil, dass ich das tatsächlich merken würde), fiel mir als Offensichtlichstes ein, dass sie ein Problem damit haben könnte, dass ich mich gelegentlich, wenn es mir nicht so gut geht, ziemlich einigle. Wobei ich dann ja spätestens auch auf Nachfragen wenigstens kurz reagiere.

Und gerade als ich überlegte, am nächsten oder übernächsten Tag noch einen letzten (?) Versuch zu unternehmen, meldete sie sich, schrieb, dass es ihr nicht so gut ging und dass sie sich ziemlich eingeigelt habe.

Und seitdem muss ich über dieses Einigeln nachdenken. Ich dachte immer, das hätte bei mir angefangen, als ich krank wurde. Damals, längst bevor ich die Depressionen und die Angst als Krankheit sehen konnte, habe ich mich so sehr geschämt, habe mich so sehr als persönliche Versagerin gefühlt und habe vor allem nicht mal genau erklären können, was mit mir los ist und ich habe ja dieses fast schon zwanghafte Bedürfnis zu erklären und zu verstehen. Da war nur dieses große ‚ich kann nicht‘, das mein Leben über Monate beherrscht hat. Ich kann nicht aufstehen, mich melden, weiterstudieren, rausgehen, telefonieren, die Tür öffnen, reden, …, erklären.

Aber, wenn ich dann noch weiter zurückgehe, dann fällt mir ein und auf, dass ich eigentlich schon immer so war, dass ich nie reden konnte, wenn es mir schlecht ging. Ich war von meiner Kindheit an bis zu dem Punkt als ich zusammengeklappt bin, der Kummerkasten für jeweils die Menschen in meinem Umfeld. War die, die stundenlang zugehört hat und versucht hat, zu trösten. Und wenn es mir selber schlecht ging, dann habe ich die lächelnde Maske aufgesetzt und einfach genauso weitergemacht. Ich konnte nie besonders gut selber erzählen, was mit mir los ist. Ich konnte vor allem nie um Hilfe bitten. Und ich glaube, ich habe immer darauf gehofft, dass irgendwann mal jemand merkt, wie es mir geht. Aber eigentlich habe ich die Maske so perfekt gewahrt, dass niemand auf die Idee kommen konnte. Fragen und zuhören, nur bloß nichts erzählen, wie’s in mir drin aussieht. Alle irgendwie auf Abstand halten und mich nicht öffnen und ewig einsam fühlen und traurig, weil mir niemand nahe kam.
Und ich glaube, auch das ist wieder mal eine in der Kindheit gelernte Macke, deren ich mir jetzt erst bewusst geworden bin. Immer leise im Hintergrund halten, nicht auffallen, niemandem mit meinem ‚Gejammer‘ zur Last fallen.

Und ich glaube, ich will gerade gar nicht näher darüber nachdenken, dass man meine ganzen Gedanken zum Aufdrängen ja auch umgekehrt verstehen könnte, dass ich meinen Freunden nie zugetraut oder die Chance gegeben hätte, auch in schlechten Zeiten meine Freunde zu sein.

Mir fällt das gerade schwer, diese Dinge nicht nachträglich zu bedauern. Diese Erkenntnisse sind für mich so neu und dass sich da endlich Zusammenhänge ergeben. Ich versuche, mein Denken möglichst frei von ‚was wäre gewesen, wenn…‘ zu halten, aber gerade fällt mir das sehr schwer. Was wäre gewesen, wenn ich früher gelernt hätte, nicht alles in mir zu verschließen, sondern mir die Dinge von der Seele zu reden oder sie wenigstens aufzuschreiben, wie ich das jetzt hier dauernd mache?

Ich glaube, mein Blog – und damit ja irgendwie auch ihr, die ihr hier lest – ist (von einer Ausnahme abgesehen, die nur des Satzbaus wegen in Klammern steht, aber eigentlich in Großbuchstaben und Leuchtschrift, mit tanzenden Zirkuspferden davor, hier auftauchen müsste) meine erste Freundin, bei der ich nur selten zögere, meinen Kummer zu erzählen. Vielleicht, weil es zum ersten Mal das Gefühl ist, dass ich niemanden damit nötige oder mich aufdränge, dass hier ja nur liest, wer das selber möchte.

Katja

Where there is a flame

Normalerweise, wenn ich bei youtube Musik höre, liegt der jeweilige Tab irgendwo im Hintergrund. Es kommt nur echt selten vor, dass ich mir die Videos anschaue und meist nur zufällig. Seit Tagen läuft bei mir immer wieder mal Pink mit Try, weil ich die Energie der Frau unheimich mag und der Song mich gut antreibt. Gerade habe ich zum ersten Mal das Video gesehen und es hat mir fast den Atem geraubt. Ich mag ja jetzt eigentlich nicht ‚Wie geil ist das denn bitte?‘ schreiben, aber: wie geil ist das denn bitte? Perfekte Symbiose von Text und Bildern. Where there is desire there is gonna be a flame.

Natürlich ist das auf youtube wieder mal in Deutschland gesperrt. *soifz* Einbinden kann ich also nur eine andere Version des Songs (mal sehen wie lange es dauert bis die auch gesperrt ist), aber falls ich nicht eh die einzige bin, die das Video noch nicht kannte: das gibt es hier bei Tape-TV.

Weiss zufällig jemand, ob und wie man von anderen Quellen als youtube Videos in Blogartikel bei WordPress einbinden kann? Die von youtube bette ich immer über [ youtube=Link zum Video ] ein, aber das funktioniert bei anderen Seiten nicht. Zumindest bekomme ich es nicht hin. Über einen Tipp wäre ich dankbar.

Katja