Nich lang schnacken – so war das in 2012

Ich glaube, das ist in der Tat das erste Mal, dass ich im Blog auf das kurz vorm Ende stehende Jahr zurückblicke und ich habe das Gefühl, das gerade vor allem deswegen tun zu müssen, um mir selber vor Augen zu führen, dass das Jahr gar nicht so vermurkst war, wie mein primärer Eindruck davon ist.

2012 fühlt sich viel mehr als die letzten paar Jahre nach Stillstand und darüber hinaus sogar nach Rückschritt an. Ich hatte zeitweise wieder ganz massive Probleme die Wohnung zu verlassen und habe das insgesamt mit viel weniger Selbstverständnis getan als in den paar Jahren vorher. Rundum ist viel Mist passiert, der mich viel Kraft und Energie gekostet hat, die mir an anderen Stellen spürbar gefehlt hat und ich habe allen Fortschritt nur als Minischritte wahrgenommen, die von den Rückschritten aber in meiner Wahrnehmung ziemlich aufgefressen wurden.

Aber dann fällt mir wieder ein, dass man oder ich zumindest Negatives (zumindest wenn es um mich selber geht) viel stärker wahrnehme und eher glaube als dass ich die Dinge bemerke, die ich mache und schaffe. Deswegen war vielleicht dieses Jahr mit dem vielen kraftraubenden Mist, der von aussen kam, genau das richtige für mein ’nich lang schnacken‘-Projekt, das ich mir Anfang des Jahres vorgenommen hatte.

Ich habe nicht alles davon, was ich mir vorgenommen hatte, tatsächlich bewerkstelligt und ich habe darüber hinaus wenig Energie gehabt, noch furchtbar viele andere Sachen anzupacken, aber ich bin stolz, dass ich sovieles davon geschafft habe und nicht aufgegeben habe, obwohl das Jahr ganz schön doof war.

Ich habe auch in 2012 wieder jeden einzelnen Tag mindestens ein Foto geknipst und es auch immer direkt online gestellt. An einem einzigen Tag war’s kurz nach Mitternacht, aber das war nach einem sehr netten Abend in einem netten Restaurant in Karlsruhe, an dem ich schlicht zu spät zu Hause war um vor 12 ein Foto von der Speicherkarte hochzuladen.

Dafür hat mein Vorsatz, Nähen zu üben nicht so hingehauen, weil ich mich irgendwann nicht noch bewusst einer weiteren Frustquelle aussetzen wollte.

Ich habe viel mehr Spanisch geübt als ich vorhatte. Durchschnittlich 30 Minuten pro Woche waren mein Ziel, fast 55 Minuten pro Woche sind es geworden und ich habe nur in 9 Wochen im Jahr gar nicht geübt, 4 davon waren jetzt die letzten 4.

Ich habe tatsächlich 36 Rezepte aus meinen diversen Kochbüchern ausprobiert und vermutlich ausserdem noch doppelt so viele aus dem Internet. Insgesamt habe ich noch nie so abwechslungsreich gekocht wie im letzten Jahr. Die Rezepte aus dem Internet waren übrigens fast alle besser als jene aus Kochbüchern und die Kochbücher werden es wohl nicht schaffen, dem Internet als Rezeptbeschaffungsdingens den Rang abzulaufen. Aber trotzdem habe ich mich daran gewöhnt, auch meine Bücher zu befragen und zu nutzen. Ich war aber auch bannig froh als ich damit endlich durch war, weil sich das, speziell zum Ende hin, mehr nach Pflicht als nach Vergnügen anfühlte.

Dafür habe ich viel weniger Brot gebacken als ich vorhatte. Wenn man bedenkt, dass ich mal unser sämtliches Brot selber gebacken habe und vor allem, dass das eine Tätigkeit ist, die mir gut tut, behalte ich den Vorsatz einfach mal für’s nächste Jahr bei. Den für’s Spanisch Üben übrigens auch, auch wenn ich noch nicht weiss, ob ich das weiterhin hier dokumentiere.

Ich habe die Gegend erkundet, auch wenn ich dieses Jahr nicht so gut alleine unterwegs sein konnte und oft den Miterkunder dabei hatte. Und über die nähere Gegend hinaus, war ich in diesem Jahr so viel unterwegs wie in keinem der letzten 15 Jahre zuvor. Ich war in Holland, Österreich (mit einem Miniabstecher über die italienische Grenze), Frankreich, Andorra und Spanien und Anfang des Jahres für ein Wochenende in Bayern und im Herbst für eines in Hamburg. Dabei habe ich meine Bergabneigung überwunden und auch meine Angst auf Türmen wieder besser in den Griff bekommen, habe vor meinem Lieblingsgemälde vor Rührung geweint und am spanischen Strand vor Glück.

Ich habe Anfang des Jahres eine Anzeige aufgegeben, um jemanden zum Schnacken und Kaffeetrinken in der Nähe zu finden und zum ersten Mal mit Corina telefoniert und sie getroffen. Und ich habe mich aus einem Kontakt, der mir oft nicht gut tut, deutlich zurückgezogen.

Ich habe wieder viel gelesen, aber seltener geschrieben als mir gut getan hätte. Tendentiell geht es mir besser, wenn ich meinen Kopf häufig durch Aufschreiben entlaste, in diesem Jahr ging das oft nicht, weil ich so oft rausgekommen bin aus diesem Mechanismus.

Ich bin nicht einmal im Kino gewesen, habe aber etliche Filme zu Hause auf der Leinwand gesehen und ungewöhnlich viele Serien (Gilmore Girls, Big Bang Theorie, Weeds, The Wire, Breaking Bad und gerade wieder mal Dr. House von vorne, von dem ich bisher nur 4,5 Staffeln kenne und jetzt auch den Rest sehen mag). Dafür habe ich so gut wie nie ferngesehen.

Ich habe endlich meinen Maileingang ziemlich sinnvoll im Griff, dafür immer noch völliges Chaos in den Bookmarks und Möglichkeiten, Dinge im Web wieder auffindbar zu machen.

Ich habe mich von Dingen getrennt und losgelassen, aber auch das fällt mir noch schwerer als mir lieb ist.

Ich hatte häufig große Angst, aber ich habe mich oft trotzdem getraut, jene Dinge zu tun, vor denen ich Angst hatte.

Ich habe gelernt, auf mich aufzupassen und mich nicht dauernd selber zu zerfleischen. Das klappt längst noch nicht immer, aber im Gegensatz zu vorher überhaupt. Und ich habe gelernt, dass ich mich mögen darf und nicht immer so furchtbar streng mit mir sein muss. Aber auch das klappt noch nicht besonders gut.

Die meisten Dinge, die ich mir vorgenommen habe, habe ich auch angepackt und fast alle davon ohne sie vorher grübelnderweise viel größer zu machen als sie eigentlich sind.

Die Hälfte der Dinge über die ich hier schreiben wollte, habe ich jetzt vermutlich vergessen, aber zumindest ist das alles, wenn ich es in Summe betrachte, sehr viel mehr als meine Wahrnehmung mich glauben ließ und damit erfüllt es ja schon seinen Zweck.

Ich glaube, ich habe mehr geweint als gelacht, aber so bleibt mir immerhin ein ganz großer Vorsatz für 2013!

Euch allen einen guten Rutsch in ein möglichst gesundes und glückliches 2013!

Katja