Little Confessions #29

Seit ich einige Jahre lang die Wohnung nicht verlassen konnte, habe ich Angst beim Auto fahren.

Autofahren hat mir immer Spaß gemacht und ich fand es toll, seit ich 2 Wochen nach meinem 18. Geburtstag meinen Führerschein gemacht hatte. Ich musste damals immer und viel fahren, weil ich so im Off wohnte. Meine Arbeitsstelle war über 30 km entfernt und auch meinen Freundeskreis hatte ich am Arbeitsort. Die 65 km, die Hin- und Rückweg ausmachten, legte ich an manchen Tagen sogar mehrfach zurück, wenn ich nach der Arbeit erst nach Hause fuhr und abends wieder zurück, um mit Freunden auszugehen. Später, als ich mein Abi nachmachte, fuhr ich dreieinhalb Jahre lang täglich zur 65 km entfernten Schule und auch die Uni war 35 km von meinem Wohnort entfernt. Ich bin nie besonders gerne sehr lange Strecken am Stück gefahren, weil ich dabei schnell müde wurde, aber Autobahnfahren an sich war immer ok und auch im Stadtverkehr kam ich zurecht.

Dann, als ich nicht rausgehen konnte, saß ich einige Jahre gar nicht hinterm Steuer und seitdem fühle ich mich beim Fahren oft unsicher und ängstlich. Seit 3,5 Jahren habe ich wieder ein eigenes Auto, aber ich fahre primär dann, wenn es dringend nötig ist, meist nur hier im Ort zum Einkaufen oder eben die 12 km zu meinem Spanischkurs. Wenn ich unbedingt mal nach Darmstadt reinfahren muss, treibt mir alleine der Gedanke vor dem Stadtverkehr den Schweiss auf die Stirn und die Autobahn meide ich (fast) komplett, weil es mir furchtbare Panik macht. Ganze 2 oder 3 Mal war ich darauf seit ich meinen Golfi habe.

Ich weiss nicht mal, was genau mich daran so stresst. Manchmal denke ich, es ist einfach ein Überbleibsel aus der Zeit, als ich noch vor jedem Rausgehen soviel Angst zu überwinden hatte und dass diese Angst vorm Rausgehen im Unterbewusstsein irgendwie verrutscht ist und am Autofahren angedockt und haften geblieben ist, sodass mich zwar das Rausgehen kaum noch stresst, aber dafür das Autofahren.

Das ist eines der Geständnisse hier, die mir viel schwerer fallen als andere, weil ich eben immer so gerne und viel gefahren bin und nicht gerne zugebe, dass es mir heutzutage so schwer fällt.

Ich erzähle euch das trotzdem, um mir selber ein bisschen Druck Mut zu machen. Zu Weihnachten wünschte ich mir (und hab es auch bekommen ♥) ein paar einzelne Fahrstunden, weil ich die Hoffnung habe, ein bisschen meiner früheren Sicherheit zurückerlangen zu können, wenn ich nochmal neben einem Fahrlehrer sitzend, der zur Not eingreifen könnte, auf die Autobahn fahre oder durch die Stadt. Angst weicht ja am ehesten dadurch (zumindest bei mir), dass ich mich ihr stelle. Aber alleine fällt mir das in diesem Punkt wahnsinnig schwer, weil es unter Umständen nicht nur mich beträfe, wenn mich die Panik mitten im Autobahngetümmel erwischt. In vielen anderen Situationen weiss ich mittlerweile, dass es mir hilft, mich einfach ganz weit in eine Ecke zu verziehen und die Augen zu schließen und tief durchzuatmen, um die Panik zu verscheuchen, aber gerade das geht eben nicht beim Fahren und mir fehlt die sinnvolle Strategie damit umzugehen. Zu wissen, dass mir die Strategie fehlt bzw. nicht zu wissen, wie ich mit der aufkommenden Panik umgehen soll, sorgt natürlich erst recht für Anspannung und Unsicherheit. Aus dem Kreisel hoffe ich ausbrechen zu können, wenn ich ein paar gute Erfahrungen mit den Fahrten mache. Das kann ich aber einfacher, wenn ich sie beruhigter antrete und darauf hoffe ich in einem Fahrschulauto.

Weil es aber viel leichter war, mir die Fahrstunden zu wünschen, als mich dann auch zu trauen, mir tatsächlich eine Fahrschule zu suchen und das auch durchzuziehen, schreibe ich es hier auf. Vielleicht fragt ja zufällig irgendwer im Juli oder August mal nach, ob ich schon habe, falls ich bis dahin nicht eh darüber gebloggt habe. 😀

Katja