Die Geister, die ich rief

Es gibt keine echte Fluchtmöglichkeit, in Zeiten, in denen die eigene Erinnerung der größte Feind ist. Wie entkommt man den Bildern, die die Erinnerung bei jedem Augenschließen auf die Netzhaut projiziert? Wie verscheucht man die tanzenden Schatten und Reflexionen in jeder dunklen Scheibe, die das eigene Gehirn einem vorgaukelt, von denen es einen glauben machen will, sie seien echt?

An manchen Tagen funktioniert Ablenkung, funktioniert es, in die Geschichte eines Buches einzutauchen oder in irgendeine Tätigkeit, die die Bilder für eine Weile verdrängt. An anderen bleiben nur Tränen oder, wenn davon keine mehr übrig sind, eine dumpfe Leere. Und dann wird das innere Schreien manchmal leiser, aber das Gefühl ist in diesen Momenten leblos und stumpf.

Und das, was vermutlich am ehesten helfen könnte – mich gerade nicht so sehr einzuigeln und stattdessen Kontakt zu suchen – fällt mir wieder einmal am schwersten, weil ich diesen traurigen Teil von mir, dem das Lachen so schwer fällt, noch nie gut zeigen konnte. Nicht mal hier kann ich das besonders gut, seit Tagen will ich mir das eigentlich von der Seele schreiben und immer wieder lösche ich meine Entwürfe oder fange erst gar nicht an aus Angst, wie ein Jammerlappen zu wirken.

Aber eigentlich ist das Murks und sollte mir egal sein. Denn Schreiben ist ja auch noch eines von den Dingen, die am ehesten helfen.

Katja