Tellerrand und so.

Der Eridanus ist in der griechischen Mythologie ein großer Fluss am Ende der Welt. Als Flussgott war Eridanos der Sohn des Okeanos und der Tethys.

Phaeton, der Sohn des Sonnengottes Helios, stürzte in den Eridanos, nachdem er die Kontrolle über den Sonnenwagen seines Vaters verloren hatte. Seine Schwestern, die Heliaden seien am Ufer des Eridanos in Schwarzpappeln verwandelt worden und ihre Tränen in Bernstein.

Bei Apollonios von Rhodos ist etwa unklar, ob der Eridanos ein Fluss, ein Strom oder Meeresarm oder eher ein See ist. Seit Phaetons Sturz sollen dort immer noch Dämpfe aus dem Wasser steigen. Kein Vogel könne den Ort überfliegen, denn inmitten des Sees würde jeder Vogel in Flammen aufgehen. Es sei eine traurige Gegend, erfüllt von Dünsten und Brandgestank und in der Nacht höre man die schrillen Trauerschreie der Heliaden. Die Bernsteine, die man dort finde, seien den Kelten zufolge die versteinerten Tränen Apollons, der sich dort aufhielt, als er aus dem Olymp exiliert war. Der Eridanos mündet Apollonios zufolge in den Okeanos, in das Ionische Meer und mit sieben Mündungen in das Tyrrhenische Meer.

Angesichts solch einer wirren Geographie ist es nicht erstaunlich, dass es keine gesicherte Lokalisierung des Eridanos gibt.

(Quelle: Wikipedia)

Nun ist es so, dass ich hier an einem Teilstücks des Rheins wohne, in dem es keine Brücken gibt. Die nächste Brücke rheinaufwärts ist etwa 30 km entfernt, die nächste Brücke rheinabwärts ist über 40 km entfernt. Und so kommt es, dass ich, obwohl ich jetzt seit über 5 Jahren hier wohne, noch nie im weniger als 10 km entfernten Nachbarort auf der anderen Rheinseite gewesen bin. Es gibt zwar auf diesem langen Rheinabschnitt ohne Brücke diverse Fähren, aber man will ja nicht unbedingt das Risiko eingehen, in Flammen aufzugehen, wenn man den Eridanus äh pardon Rhein nur so zum Spaß und ohne triftigen Grund überquert.

Einmal bin ich in der Zeit „drüben“ gewesen. Eine Freundin war hier zu Besuch und wir gingen am Rhein spazieren und sie fragte, was denn auf der anderen Seite an dem Fährhafen so los sei und ich musste gestehen, dass ich noch nie auf der anderen Seite war. Und es war auch ihre Idee, dann eben einfach mal rüberzufahren und nachzugucken. Wie verrückt! Einfach rüberfahren! Naja, wir machten das und da gibt’s tatsächlich ausser dem Fähranlieger nicht so viel und wir tranken dort einen Kaffee. Aber der war längst nicht so gut wie der Kaffee auf dieser Rheinseite und so gab es auch keinen wirklichen Grund, wieder mal rüber zu fahren.

Bis zum Sonntag! Da wollte ich endlich wieder mal raus aus der Bude, in der ich gerade viel zu viel Zeit verbringe und weil bei so ’nem trüben Wetter ja nichts so wirklich hübsch anzusehen ist, kam ich auf die Idee, mal auf der anderen Rheinseite zu gucken. Da sah’s zwar auch trübe aus, aber wenigstens war das aufregend. Man weiss ja nie, wie das mit der Spontanentflammung so abläuft!

Also ab auf die Fähre, Handbremse anziehen und los!

Unser erstes Ziel war der Eicher See, der eine Öffnung zum Rhein hin besitzt, die bei schönem Wetter jede Menge kleiner Boote und lärmender Jetskis auf den Rhein ausspuckt, was man von unserer Rheinseite aus natürlich sehen kann und mitbekommt.

Praktischerweise liegt Eich direkt auf dem Weg dahin und das ist schon sehr idyllisch, wenn man schnurgerade auf die Kirche zufährt.

Ein paar Minuten später parkt der Mitausflügler Herrn Lehmann (sein Auto) auf der Rheinpromenade und ich merke beim über den Rhein gucken deutlich, dass ich andersrum gucke als sonst! Echt wahr. Man kann mich ja leicht begeistern.


Von der Promenade aus geht’s weiter in eine Sackgasse, wo der See in den Rhein mündet. Toller Straßenname!

So richtig gut auf den See gucken kann man leider nicht – obwohl sich da die Sonne so schön rosa drin spiegelt -, denn natürlich ist alles bebaut und mit Zäunen abgeschottet. Und dann ist da auch noch das Offensichtliche beschildert.

Das auf dem unteren Schild ist leider fast genauso offensichtlich. Es wirkt alles, als bliebe man lieber unter sich. Naja, irgendwie ja auch verständlich; wenn man dort ein Wochenendhaus hat, mag man keine Horden von Spaziergängern vorm Haus haben. Wobei die mich persönlich vermutlich weniger stören würden als die wahnsinnigen Jetskifahrer, von denen man ja auch von unserer Rheinseite aus noch ausreichend viel mitbekommt.

Also lieber wieder weiter. Alzey ist die nächste größere (also jetzt mal vom Dorfkinderstandpunkt aus) Stadt und da wollen wir hin, so lange es noch ein bisschen Tageslicht gibt.

Der Weg dahin führt übrigens durch ziemlich schnucklige Weinberge, von denen ich aber während der Fahrt kein einziges passables Bild knipsen konnte.

Was ich ja recht lustig finde: Auf unserer Rheinseite ist Hessen und wir gucken rüber nach Rheinland-Pfalz. (Da bin ich übrigens bewusst bisher in etwa so häufig gewesen wie in Spanien.) Von Hessen aus muss man den Rhein überqueren und nach Rheinland-Pfalz fahren, um nach Rheinhessen zu gelangen. Bis ich in die Gegend hier gezogen bin, wäre ich jede Wette eingegangen, dass Rheinhessenweine natürlich aus Hessen kommen müssen.

Ein Weinbergfoto konnte ich nicht knipsen, dafür den rheinhessischen Nebel

und direkt gegenüber den wunderbaren Feuerstreifen am Himmel.


Als wir in Alzey ankommen, ist es schon gegen 4 und dämmert.

Es gibt dort: knuffige schiefe Fachwerkhäuser,

knuffige Fachwerkhäuser mit Brunnenetage,

knuffige Brunnenränder,

ein großes Ross am Rossmarkt auf dem man richtig sitzen kann,

knuffige Skulpturen (der sitzt übrigens auf einem Denkmal zur Erhaltung der Denkmäler oder so ähnlich),

den ‚Schnatz vum Kroneplatz‘ (Schnatz ist wohl in diesem Fall aus dem Mittelhochdeutschen von ’snatzen‘ abgeleitet, ein sehr geschniegelter Typ. Dieser hier soll wohl dem lokalen Dichter Franz Kampe ein Denkmal setzen.),

dem wohl, einem geheimen rheinland-pfälzer Ritual folgend, sonntags die Reste vom Mittagessen geopfert werden. Er hatte auch Nudeln auf dem Hut, das war’s dann wohl mit dem geschniegelt sein.

Dann gibt es da noch in der Nähe des Schlosses eine Straße, bei der ich mich gefragt habe, ob ich wohl in den Räumen aufrecht stehen könnte. Und ich bin wirklich klein.

Ja und dann das Schloss. Wir wollten, nachdem wir es zu mehr als dreivierteln umrundet hatten, schon die Hoffnung aufgeben, dass man auch einen Blick in den Innenhof werfen könnte, fanden dann aber doch noch den Durchgang.


Ja, das kann man wohl mal machen mit dieser Flussüberquerung. Ich bin gespannt, wie sich das demnächst anfühlt. Bisher hatte ich bei Spaziergängen am Rhein ja tatsächlich immer so ein ‚Rand der Welt‘-Gefühl. Man konnte zwar rübergucken, aber alles ausserhalb der direkten Sichtweite war ziemlich diffus. Ich bin gespannt, ob der Rhein mir da immer noch Eridanus ist.

Katja

*

[Bonustrack für alle, die wie ich bei dem Schnatz mit Nudeln natürlich sofort hieran denken mussten:]

6 Kommentare zu “Tellerrand und so.

  1. Jö, der Brunnen-Drache ist ja mal niedlich? Bleibt der so klein? Wenn ja, kansnt Du ihn auf den Weg nach Cardiff, ins Land der Drachen schicken, bitte? Danke!
    Überhaupt ein hüber Ort, da „drüben“. Ich bin ja froh, dass meine Eltern (die ja auch am Rhein wohnen) direkt an einer Brücke wohnen, so dass wir ohne Probleme nach Frankreich rüber können. Und wie ich noch in Strasbourg studiert habe, war ich über die Rheinbrücke heilfroh, um mich auf der deutschen Seite mit deutschem Brot, Kleidern und Drogerieartikeln eindecken konnte.

  2. @Frau Leo: Mache ich! Sobald ich rausgefunden habe, wie ich ihn von seinem Brunnenrand weg und in ein Paket reinlocken kann. 🙂
    Ich hätte auch ehrlich nichts gegen eine Brücke in der Nähe, damit sich das in diese Richtung nicht mehr so nach Ende der Welt anfühlt. Zudem die Fähre auch echt teuer ist (4,60 € für die einfache Überfahrt für einen Pkw mit 2 Personen finde ich wirklich gediegen) – häufig werden wir mit der Fähre sicher nicht übersetzen.

    @rebekka: In der Tat der gleiche Architekt. Witzig! Der hat ja wirklich viel und speziell viele Brunnen der Gegend gemacht.
    Mitnehmen – gerne! Freut mich, dass es dir gefallen hat. 🙂

    @Rabea: Höhö, ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich fast (in einem der Bilder ist ein Mann zu sehen, jawoll!) nur Bilder ohne Menschen ausgesucht habe. Eigentlich war da sogar recht viel los, die ganze Stadt war voller Sonntagsspazierer. Das ist tatsächlich Zufall, dass ich so viele Bilder gemacht habe, wo keine drauf sind.

    • Ich glaube, nicht so ohne weiteres. Das Amtsgericht nutzt einen Teil der Räume und der dicke runde Turm im drittletzten Bild ist ein Gefängnisturm (ich kann mich aber gerade nicht erinnern, ob der tatsächlich aktuell noch genutzt wird. Die Fenster waren aber allesamt neuzeitlich vergittert, vielleicht sind da tatsächlich ein paar Zellen des Gerichtes untergebracht.)
      Und dann gibt’s noch eine Kapelle und in einem Teil des Schlosses ist das Mädcheninternat des Staatlichen Aufbaugymnasiums untergebracht.

      Das ist übrigens nicht das mittelalterliche Originalschloss, das wurde um 1700 größtenteils zerstört. Um 1900 wurde der Gebäudekomplex dann möglichst originalgetreu rekonstruiert.

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