Spielverderberin

Die ältere Dame, die ohnehin schon ziemlich winzig ist, bückt sich ein bisschen, um besser an den Schacht zu kommen, drückt den Knopf und bestellt „Eine Weizenkruste, bitte“. Ein Sonnenblumenbrot fällt in den Ausgabeschacht, sie schüttelt sanft den Kopf, murmelt „Das ist doch das falsche“, schiebt das Brot beiseite, drückt erneut den Knopf „Eine Weizenkruste wollte ich.“. Ein Sonnenblumenbrot fällt in den Ausgabeschacht, die Frau schüttelt den Kopf, bückt sich noch ein bisschen tiefer, um mit dem Mund noch dichter am Schacht zu sein, drückt den Knopf und ruft – jetzt schon ziemlich laut – „Eine Weizenkruste!“, doch entgegen kommt ihr wieder nur ein Sonnenblumenbrot.

Und ich stehe da, zwischen Grinsen und Hingerissensein über diese niedliche kleine Omi, die versucht mit einem Backautomaten zu reden und bei ihm ein Brot zu bestellen, das üblicherweise im benachbarten Regal liegt, aber gerade ausverkauft ist. Der Knopf, den sie zum Rufen des Bäckereipersonals, das sie hinter der Automatenfront vermutet, ist jener, mit dem man ein Sonnenblumenbrot anfordert. Und ein bisschen fühle ich mich, als würde ich einem Vierjährigen die Illusion an den Weihnachtsmann nehmen als ich sie sacht am Arm berühre und ihr den Automaten erkläre und auch, dass ihr gewünschtes Brot, leider gerade ausverkauft zu sein scheint, weil sich ja keines im Regal befindet.

Und nach einem ungläubigen „Ach da sitzt gar niemand drin? Das ist ja verrückt!“ grinsen wir uns an und sie beschließt dann doch lieber wieder zum Bäcker an der Ecke zu gehen, denn was soll sie denn mit so ’nem Automaten, wenn es da nicht mal Weizenkruste gibt und ihr nicht mal jemand antwortet und ich bin irgendwie froh, dass sie nicht mitbekommt wie der Automat dem nächsten Kunden ein freundliches „Das von Ihnen gewünschte Produkt ist in 2 Minuten erhältlich.“ entgegenruft, denn ich hätte nicht recht gewusst, wie ich ihr hätte erklären sollen, dass der Automat eben manchmal doch mit den Kunden spricht.

Katja