Back to life

Merkwürdig, wie fremd die eigene Wohnung erst mal riecht, wenn man ein paar Wochen nicht zu Hause war und dann zum ersten Mal wieder reinkommt. Und ich weiss nicht, ob es so ist, dass das Fehlen des eigenen Geruchs die Fremdartigkeit ausmacht oder ob da ein zusätzlicher Geruch in den Räumen liegt, der normalerweise nicht hingehört. Ich muss auf jeden Fall erst Mal für eine ganze Weile alle Fenster weit aufreissen und gründlich lüften, damit die Wohnung und ich dann wieder was Gemeinsames anfangen können, damit wir wieder unseren Zuhausegeruch entwickeln können.

Da bin ich also wieder!

Gestern Abend kurz vor halb 12 angekommen, die erste Nacht im eigenen Bett fast komplett durchwacht, weil ich über diesen toten angestrengten Punkt der Rückreise lange drüber war und nur das Aufgekratzte übrig blieb und trotzdem bin ich heute nicht völlig tot und fertig, sondern habe schon so gut wie alles ausgepackt und wieder verräumt und im Keller läuft gerade die Waschmaschine zum vierten Mal für heute.

Im Dekollete schält sich noch die Haut vom Sonnenbrand und ich sitze hier mit warmen Socken und einer heissen Tasse Tee und kann gar nicht greifen, ob sich das jetzt wie zu Hause oder einfach alles nur sehr unwirklich anfühlt.

Ich bin wieder hier. Aber ich muss nur die Augen schließen und da ist noch das Rauschen der Atlantikwellen im Ohr und der salzige Geschmack auf den Lippen und wäre ich nicht ohnehin schon ein großer Fan dieses wunderbaren Ozeans gewesen, dann hätte er mein Herz spätestens in den letzten beiden Wochen im Sturm erobert.

Wind und Wellen – die beiden waren mir schon immer lieber als die spiegelglatte Wasseroberfläche und für beides war ich zur genau richtigen Zeit am genau richtigen Ort. Ich hab mich am Meer überhachzt, ich konnte nicht aufhören, in die Wellen zu schauen und die Wellen zu fotografieren und irgendwann stand ich heulend vor Glück am Wasser, weil das Meer mich in diesen Tagen völlig überwältigt hat. Nie fühlte sich der Begriff Naturgewalt greifbarer für mich an als bei dem wahnsinnigen Wellenschauspiel, das sich an den meisten Tagen direkt vor unserer Nase bot.

Ich bin wieder da, aber so ein kleiner Teil von mir bleibt jedes Mal in Spanien und stattdessen bringe ich ein passendes Stück Sehnsucht mit nach Hause.

Toll war’s. Sehr. Sehr!

Katja

15 Kommentare zu “Back to life

  1. Ok. Ich muss auch mal nach Spanien. -Weiss ich schon, warum ihr mit dem Auto fahrt?… Er möchte nämlich am liebsten auch so wenig wie möglich fliegen; ich fliege aber schon gern, weil man so viel Zeit spart…

  2. @Rebekka: Falls dich das Gefühl, Zeit zu verschwenden, kribbelig macht, ist Fliegen sicherlich die bessere Wahl. Ich finde es sehr grandios, so langsam anzukommen. Wenn es morgens dämmert und man fährt durch’s Rhonetal in Richtung Süden, wenn man an den Orten und der Vegetation, die am Fenster vorbeiziehen, erkennt, wie man langsam nach Südfrankreich gelangt, dann die Fahrt durch die Pyranäen und wieder sieht die Landschaft draussen ganz anders aus. Rotfelsig und dann irgendwann überall Olivenbäume und Schafherden und es wird ganz langsam wärmer, so dass man an irgendeiner Raststätte auf einmal den Pulli ausziehen kann und im Shirt rumlaufen. Und dann die Möglichkeit, sich auch unterwegs schon Dinge anzusehen, die ansonsten ausserhalb des erreichbaren Radius lägen. Wir sind zB dieses Jahr auf dem Hinweg einmal quer durch Andorra gefahren – ein Land, in das ich sonst sicher nie einen Fuß gesetzt hätte.

    Dazu die rein praktischen und auch finanziellen Überlegungen: Der Mitreisende hat ’nen Firmenwagen – ansonsten würden wir das vermutlich nicht machen, zumindest nicht über solche weiten Distanzen. So kostet uns die Fahrt die Hotelübernachtungen + Verpflegung unterwegs – was ja aber auch den Urlaub verlängert – plus die Maut, die man größtenteils umgehen könnte, was wir gelegentlich, zumindest abschnittsweise machen. Dafür sparen wir die Flugkosten und die Kosten für einen Mietwagen in Spanien (ohne geht gar nichts) und wir können eben auch luxuriöserweise jeder über ein Dutzend Bücher mitschleppen, meine Kaffeemaschine dabei haben und auch jede Menge Wein und dergleichen aus Spanien mitbringen.

    Es gilt da sicherlich viel abzuwägen bei solchen langen Strecken – erst recht, falls man den Sprit selber zahlen muss – aber uns gefällt das unheimlich gut und was sich früher wie ‚Urlaubmachen‘ anfühlte ist jetzt zum Reisen geworden, weil das langsame Ankommen und die je 3 Tage unterwegs noch ganz andere Dimensionen hinzufügen.

    @Harald: Vielen lieben Dank und herzliche Grüße! 🙂

    @Rüdiger: Aye. Aber sowas von.

  3. OMG, jetzt hast du mich total berührt mit dem Absatz über das Meer und darüber, dass dir Wind und Wellen so lieb sind und dass du so ergriffen warst, weils mir doch immer genauso geht, und…hach…ziemlich doll danke für diesen schönen Eintrag – und gut, dass du heile wieder angekommen bist.
    Liebe Grüße!
    Meike

  4. @Sherry: Das ist leider so ein furchtbar schmaler Grat. Ich mag das hier natürlich gerne für mich als Erinnerung an dieses Glücksgefühl so festhalten und auch um es mit euch zu teilen, leider liegt das so dicht neben dem neidisch machen, was aber ganz fern meiner Absicht ist. Aber ich kann’s nachvollziehen, umgekehrt regt sich bei mir auch immer mal der Neid, wenn andere am Meer sind, wenn ich gerade nicht hin kann.
    Ich hoffe aber, es gelingt mir auch, ein bisschen von meiner Begeisterung und dem guten Gefühl zu teilen und weiterzugeben und euch nicht nur neidisch zu machen! 🙂
    Liebe Grüße und dankesehr für’s Willkommen!

    @Meike: Es ist wirklich erstaunlich, was dieses Wasser in und mit einem auszurichten vermag. Immer und immer wieder. Nie fühle ich mich so heile und so sehr in mir, wie in Momenten, wo der Blick auf dem Meer ruht.
    Und ich finde es schön, dass es noch mehr Menschen gibt und ich einige davon auch durch’s Bloggen kennenlernen durfte, die diese Gefühle verstehen und teilen! 🙂
    Herzliche Grüße!

    @Michael: Bedankt und liebe Grüße zurück! 🙂

  5. Ich freu‘ mich auch, dass du wieder da bist. Und auch, weil du uns immer ein Stück weit mitnimmst. Ich lese deine Reiseberichte extrem gerne.

    Zwischenzeitlich bin ich übrigens noch mal ganz intensiv in mich gegangen und zu dem Schluss gekommen, dass ein Grund ein echter Grund sein mag, dass siebenundzwanzig Gründe aber siebenundzwanzig faule Ausreden sind.

  6. @Guinan: Das freut mich echt sehr zu lesen, dass du das gerne liest! 🙂

    Und noch doller freue ich mich über deinen verlinkten Namen! tumblr ist mir noch ein ziemlich fremdes Konzept, aber jetzt gibt es ja einen guten Grund, mich darauf einzulassen. Schön, wirklich, ich freue mich sehr.

    @Rabea: Danke vielmals! 🙂

    Bei so vielen so lieben Begrüßungen kann ich gar nicht so richtig schmollen, dass ich jetzt im kalten Hessen sitzen muss. 😀 (Wobei ich ja auch hier – also zumindest vom Blog – gar nicht so richtig weg war, ich hatte ja in Spanien mobiles Internet.)

Und jetzt du! Deine Gedanken, Worte, Punkte, Smilies, Bilder, Gesänge... Danke dafür!

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