kurz zitiert #33

Die unbekümmerte leichte Herzlichkeit, mit der meine Sonja wildfremde Menschen begrüßt – ich bin immer wieder begeistert. Strahlend geht sie Herrn Müsebeck entgegen, heißt ihn willkommen, stellt sich vor, macht mich mit ihm bekannt.
„Nehmen Sie doch einen Kaffee mit uns, wir haben gerade welchen gemacht.“
„Nein, nein, nicht nötig, Frau Moor, machen Sie nur keine Umstände, wirklich nicht“, hätte er jetzt in der Schweiz sagen müssen. Worauf Sonja hätte sagen müssen, dass es überhaupt keine Umstände mache, worauf er sich hätte überreden lassen müssen, worauf sie hätte fragen müssen, ob er vielleicht lieber etwas anderes hätte, worauf er hätte sagen müssen, nein, Kaffee sei wirklich das Einzige, was er haben wolle, aber nur, wenn sie wirklich gerade sowieso einen gemacht hätte, worauf sie ihm hätte verischern müssen, sie habe wirklich sowieso gerade eben … und so weiter. Nach einer Viertelstunde wäre die Kaffeefrage geregelt gewesen.
Müsebeck sagt „Jo“ und setzt sich.

(Dieter Moor, Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht, Seite 57)

Ich habe lange nicht mehr beim Lesen eines Buches so häufig schallend lachen müssen, wie bei diesem. Herrlich skurril geht erst mal alles bei der Ankunft des Schweizers und seiner österreichischen Ehefrau auf dem neugekauften Brandenburger Bauernhof schief, aber die beiden machen auf überaus herzliche Weise das Beste aus den schrägen Situationen.

Gekauft hatte ich mir das Buch eigentlich nur, weil mir Moors Kochbuch ‚ganz & einfach‘ über das ich hier schon mal gebloggt hatte, so wahnsinnig gut gefällt. Die ‚Geschichten aus der arschlochfreien Zone‘, wie dieses Buch hier untertitelt ist, übertreffen aber bei weitem, was ich erwartet hätte. Ich mag Bücher (Menschen / Filme / Situationen / das Leben), die mich zum Lachen bringen!

Katja

5 Kommentare zu “kurz zitiert #33

  1. Mich hat die Leselust auf dem (noch) Nexus so richtig erwischt und weil erinnert, auch dieses Buch aus Neugier geladen. Ich amüsiere mich köstlich mit seinem griffigen und so leicht lockeren Stil. Leider komme ich heuer nur spät abends zum lesen und weil die Augen zufallen … sind die erlesenen Episoden einfach immer zur kurz …. 🙂

    • Ach cool! Das freut mich ja, dass du den Moor und seinen Humor auch magst. Die Episoden sind ja zum Glück recht kurz und man kann das gut in Etappen lesen.
      Viel Spaß noch damit! Und sehr cool, dass du deine Leselust wiedergefunden hast. 🙂

  2. Pingback: 52 Bücher, Woche 8 und 9 | Gedankensprünge

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