Neulich beim Einkaufen

  • Der alte Mann, der den beiden kleinen Kindern, die mit ihrer Mutter in der Schlange vor ihm standen, jedem ein Überraschungsei schenkte. Als er der Mutter auch eines schenken wollte, schnappte sie beide Kinder an den Schultern und zog sie wortlos beiseite. Bedankt hatte sich niemand. Er lächelte tapfer und unbeirrt weiter.
  • Der junge Vater mit seinem kleinen Sohn, letzterer im Einkaufswagen sitzend. Üblicherweise mag ich solche Einkaufsgespanne gerne, Väter machen viel mehr Faxen beim Einkaufen und reagieren nicht so schnell genervt wie Mütter. Jene beiden waren allerdings anstrengend. Der Vater ließ den Einkaufswagen immer mitten in den Gängen statt am Rand stehen und der Sohn fing an zu weinen, falls man versuchte, den Wagen ein bisschen beiseite zu schieben um vorbeizugehen, was den Vater aber nicht dazu brachte, irgendetwas an seiner Parktaktik zu ändern.
  • Der Mann mit Pappbecher und Pappschild am Rande der Einkaufswagenschlange auf dem Parkplatz, so platziert, dass man unbedingt an ihm vorbei musste, wenn man einen Einkaufswagen holt. Den hatte ich vor ein paar Tagen schonmal gesehen und fand es merkwürdig. Ich glaube nicht, dass sich das auch nur ansatzweise lohnen könnte in der kleinen Stadt. Hinter seinem Rücken hatte er eine Porzellantasse mit Kaffee stehen. Der Becher, den er in der Hand hielt, war einer von Starbucks, was das Merkwürdigste daran war. Ich war eine Weile am Parkplatz, weil dort auch die Hermesannahmestelle ist, kam ein paarmal vorbei. Niemand warf ihm etwas in seinen Becher, alle gingen vorbei und was ich viel trauriger fand, alle guckten vorbei. Ich schenkte ihm meinen Einkaufswageneuro, obwohl ich das des Starbucksbechers wegen fast nicht getan hätte. Aber Becher hin oder her. Wer sich in dieser Stadt auf den kalten Teer des Reweparkplatzes setzt, muss wirklich in einer Notlage sein.
  • Die Frau, die mit ihrem Auto an der Kreuzung von rechts kam und als ich anhielt, um ihr Vorfahrt zu gewähren, genauso überrascht aussah, wie ich an dieser Kreuzung vermutlich auch immer aussehe, wenn sich mal jemand an die Regeln hält. Üblicherweise ist dort viel LKW-Verkehr und die fahren einfach rüber ohne auch nur langsamer zu werden.
  • Die Frau im Auto vor mir an der Ampel. Nachdem alle anderen Richtungen 3 Mal grün hatten, stieg ich aus und ging auf ihre Fahrertür zu. Sie kurbelte die Scheibe runter, meinte hilflos „Die Ampel ist doch kaputt, oder?“. Ich bat sie, doch einfach noch den halben Meter bis auf die Kontaktschleife vorzufahren. Ich konnte kaum rechtzeitig wieder einsteigen als die Ampel schon grün wurde. Als hätte sie nur darauf gelauert.
  • Das ältere Paar, das alle Nase lang im Laden völlig abrupt stehen blieb, weil einer den anderen fragte „Butter? Brauchen wir eigentlich Butter oder haben wir noch welche?“ „Weisst du, ob wir noch Reis haben? Sollen wir welchen kaufen?“ uswusf. Dabei wirkten sie in dieser Vorgehensweise sehr eingeübt. Vermutlich ist das einfach ein besserer Zeitvertreib als sich die Gedanken schon zu Hause zu machen und mit Einkaufszettel einkaufen zu gehen.
  • Die ältere Frau, die auf dem Parkplatz im Auto mit halbgeöffnetem Fenster wartete. Die Volksmusik dröhnte in ziemlicher Lautstärke aus dem Autoradio und sie klatschte vergnügt im Takt mit.

Katja

 

kurz zitiert #33

Die unbekümmerte leichte Herzlichkeit, mit der meine Sonja wildfremde Menschen begrüßt – ich bin immer wieder begeistert. Strahlend geht sie Herrn Müsebeck entgegen, heißt ihn willkommen, stellt sich vor, macht mich mit ihm bekannt.
„Nehmen Sie doch einen Kaffee mit uns, wir haben gerade welchen gemacht.“
„Nein, nein, nicht nötig, Frau Moor, machen Sie nur keine Umstände, wirklich nicht“, hätte er jetzt in der Schweiz sagen müssen. Worauf Sonja hätte sagen müssen, dass es überhaupt keine Umstände mache, worauf er sich hätte überreden lassen müssen, worauf sie hätte fragen müssen, ob er vielleicht lieber etwas anderes hätte, worauf er hätte sagen müssen, nein, Kaffee sei wirklich das Einzige, was er haben wolle, aber nur, wenn sie wirklich gerade sowieso einen gemacht hätte, worauf sie ihm hätte verischern müssen, sie habe wirklich sowieso gerade eben … und so weiter. Nach einer Viertelstunde wäre die Kaffeefrage geregelt gewesen.
Müsebeck sagt „Jo“ und setzt sich.

(Dieter Moor, Was wir nicht haben, brauchen Sie nicht, Seite 57)

Ich habe lange nicht mehr beim Lesen eines Buches so häufig schallend lachen müssen, wie bei diesem. Herrlich skurril geht erst mal alles bei der Ankunft des Schweizers und seiner österreichischen Ehefrau auf dem neugekauften Brandenburger Bauernhof schief, aber die beiden machen auf überaus herzliche Weise das Beste aus den schrägen Situationen.

Gekauft hatte ich mir das Buch eigentlich nur, weil mir Moors Kochbuch ‚ganz & einfach‘ über das ich hier schon mal gebloggt hatte, so wahnsinnig gut gefällt. Die ‚Geschichten aus der arschlochfreien Zone‘, wie dieses Buch hier untertitelt ist, übertreffen aber bei weitem, was ich erwartet hätte. Ich mag Bücher (Menschen / Filme / Situationen / das Leben), die mich zum Lachen bringen!

Katja